Offene Daten – offene Gesellschaft

Handbuch des Datenjournalismus

Von 7. Mai 2012 um 13:55 Uhr

Ein Tricorder, in der Science-Fiction-Serie "Star Trek" ein Gerät, um Daten zu sammeln, Quelle: JD Hancock, CC BY 2.0 http://www.flickr.com/photos/jdhancock/3386035827/

Was ist Datenjournalismus, warum sollten Journalisten Daten nutzen und wenn sie es denn wollen, wie geht das überhaupt? Diese und viele weitere Fragen will das erste Datenjournalismus-Handbuch beantworten. Das gibt es natürlich im Netz und demnächst auch als gedruckte Version.

Das Buch soll einen Überblick über das Thema geben, nicht eine dezidierte Anleitung sein, wie man Datenjournalist wird. Zu Letzterem, heißt es im Vorwort, bräuchte es sehr viel mehr Wissen und Instrumente. Glücklicherweise existiere aber eine ganze Bibliothek mit den Dingen, die ein Datenjournalist brauche: “Luckily this library exists and it is called the internet.”

Ein Überblick also. Der erste Teil beschäftigt sich ganz allgemein mit dem Thema und stellt mehrere erfolgreiche Projekte vor. In kurzen Texten beschreiben Datenjournalisten von der BBC, der Chicago Tribune, vom Guardian und von anderen Medien, warum sie mit Daten arbeiten und was sie davon haben. Anschließend werden einzelne Projekte genauer beleuchtet.

Interessanter wird es im nächsten Teil. Dort geht es darum, wie man überhaupt an Daten gelangt. Beispielsweise durch “wobbing”, also durch Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Die sind mühsam, aber lohnend. Genauso wie jene Daten, die längst zugänglich sind und nur noch über entsprechende Schnittstellen (API) ausgelesen werden müssen.

Ich hatte hier vor einiger Zeit die These vertreten, dass APIs für Journalisten bald einer der wichtigsten Wege sein werden, um an spannende Geschichten zu kommen. Der Abschnitt des Buches bestätigt mich in dem Glauben.

Tipps aus der Praxis

Beschrieben wird aber auch das “scraping”, also das “Herunterkratzen” von Daten von einer Website mithilfe spezieller Software. Das folgt der Idee, dass man ja nichts per Hand abschreiben muss, was schon digital vorliegt. Ganz so trivial ist es aber nicht. Scraping braucht ein paar Kenntnisse über die Struktur von Websites. Friedrich Lindenberg von der Open Knowledge Foundation gibt hilfreiche Beispiele und Links. Allerdings ist scraping nicht immer legal, worauf in dem Kapitel leider nur kurz eingegangen wird.

“Crowdsourcing” wird selbstverständlich ebenfalls behandelt – also die Bitte an Leser und Nutzer, Daten zu sammeln. Dazu gibt es Tipps, wie solche Vorhaben gelingen. Ein Zitat dazu vom Guardian: “If I were to give advice to aspiring data journalists who want to use crowdsourcing to collecting data, I would encourage them do this on something that people really care about, and will continue to care about when it stops making front page headlines.”

Die letzten beiden Kapitel beschäftigen sich schließlich damit, die gefundenen Daten zu verstehen und sie dann so aufzubereiten, dass auch andere sie verstehen.

Grundsätzlich gibt es viele praktische Hinweise von denen, die es bereits ausprobiert haben. Insofern ist das Handbuch auch eine Art Zwischenbericht zum Zustand des Datenjournalismus in Europa und Nordamerika. Und das Beste daran: Es kostet nichts.

Entstanden ist das Buch bei einem Workshop im November 2011 beim Mozilla Festival in London. Die Idee dazu hatten das European Journalism Centre und die Open Knowledge Foundation.

Disclaimer: ZEIT ONLINE hat an dem Handbuch mitgearbeitet und stellt darin einige eigene Projekte vor. Und da wir gerade bei der Eigenwerbung sind: Alle datenjournalistischen Projekte von ZEIT ONLINE finden sich hier gesammelt.

Kategorien: Datenjournalismus
Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] [...]

  2. 2.

    Eine sehr bequemme Art Lücken zu fühlen. Ich würde diese Tätigkeit nicht als Journalismus bezeichnen. Es gibt mittlerweile Abfrage-Robots die die ganze Arbeit erledigen. Wo ist da bitte die Journalistische Tätigkeit. Sie bringen da ein Beispiel in dem es um die Alterung der Gesellschaft geht, gut. Erst in Verbindung mit anderen Daten und der Beschreibung deren Einflusses auf die Gesellschaftliche Entwicklungen macht daraus eine Geschichte. Was bringt es mir einfach visualisiert zu bekommen, zumindest ahnen tut dies wohl jeder. Der Beste Beispiel ist aber der mit den Banken. Es ist schon ein starkes Stück. In einem Land das immer häufiger mit dem moralischen Finger auf andere Zeigt, macht die wichtigste Bank Geschäfte mit Waffenhändlern. Diese Thematik hat gewaltige Auswirkungen, doch auch hier keine Beschreibung dieser. Das beste Beispiel für Datenjournalismus ist die Sendung “Mit offenen Karten”, das auf Arte läuft. Die Sendung setzt genau dort auf wo andere aufhören. Es schafft Verbindungen, und zeigt die Auswirkungen auf Prozesse sie stattfinden. Ich hoffe, es bleibt in Zukunft nicht nur bei schönen Grafiken.

    • 8. Mai 2012 um 01:53 Uhr
    • Mejan
  3. 3.

    @Mejan

    Ich nehme an, Sie beziehen sich in Ihrem Kommentar auf unsere Seite, auf der alle Grafiken gesammelt sind? Nun, dann kann ich Sie beruhigen. Dort sind eben wirklich nur die Grafiken gesammelt.

    Selbstverständlich schreiben wir zu den Grafiken auch Texte – oder andersherum, wir schreiben ziemlich viele Texte und einige illustrieren wir eben mit solchen Grafiken. Beispielsweise eine große Geschichte über Streubomben oder eine dauerhafte Berichterstattung über Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung.

    Links gefällig?
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-03/streubomben-kuechenmeister
    http://www.zeit.de/2012/13/Streubomben

    http://www.zeit.de/suche/index?q=vorratsdatenspeicherung

    Mit anderen Worten: Es blieb noch nie “nur” bei schönen Grafiken.

    Wobei die Anmerkung gestattet sei, dass diese “schönen Grafiken” ziemlich viel Arbeit machen und ziemlich viel Journalismus in ihnen steckt.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    • 8. Mai 2012 um 09:01 Uhr
    • Kai Biermann
  4. 4.

    Das Sie über die Themen als solches berichten weiß ich, und bestreite es auch nicht. Es geht ausschließlich wie das geschieht, oder eben leider nicht, in Zusammenhang mit den Visualisierten Daten. Ich habe mir da die Links angeschaut, und fand keine einzige Beschreibung der Zusammenhänge und ebenso auch keine Auswirkungen auf die Prozesse die bei uns im Land oder Global ablaufen. Wie ich bereits schrieb, es reicht nicht einfach nur zu visualisieren wo die Deutsche Bank ihr (Pardon, unser) Geld anlegt. Und nebenbei gesagt, Sie werden es sicherlich wissen, einem gebildetem Menschen brauchen Sie keine Bildchen vor die Nase halten. Ein gebildeter Mensch erkennt die Beziehungen zwischen Ursachen und Wirkungen auf Anhieb, und braucht keine zusätzliche Contentlayer. Sorry für die Wiederholung, aber wie Datenjournalismus funktionieren sollte, zeigt die Sendung “Mit offenen Karten”. Danke.

    • 8. Mai 2012 um 21:37 Uhr
    • Mejan
  5. 5.

    [...] Biermann stellt das Handbuch für Datenjournalismus vor, an dem auch sein Brötchengeber, die Zeit, mitgearbeitet hat. Dass das Thema auf jeden Fall [...]

  6. Kommentar zum Thema

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