Offene Daten – offene Gesellschaft

Wo das deutsche Internet wohnt

Von 30. Mai 2012 um 17:35 Uhr

Gesamtzahl der Domainanmeldungen in Deutschland 2011 Quelle: denic

Die Zahl der .de-Domains, die jedes Jahr registriert werden, sinkt. Seit mehreren Jahren schon veröffentlicht die zentrale Registrierungsstelle Denic, wo in Deutschland wie viele Domains angemeldet sind. Die Zahlen für 2011 sind nun verfügbar.

Hier ein paar davon: Am 31. Dezember 2011 gab es demnach in Deutschland 13,8 Millionen Domains. Inzwischen sind es allerdings bereits mehr als 15 Millionen. Damit ist die Adresse .de die am häufigsten vergebene Länderadresse der Welt und die zweithäufigste überhaupt. Übertroffen wird sie nur von .com-Domains. Allerdings holt die Endung .net auf und liegt kurz hinter .de auf Platz drei.

Konkurrenz social media

Das klingt alles nach viel, jedoch wird die Zahl der Neuanmeldungen kleiner. Zu Zeiten der dotcom-Blase waren es mehr als zwei Millionen im Jahr. Derzeit sind es noch um die 700.000. Das hat zwei Gründe. Zum einen wird der Namensraum knapper. Angesichts der vielen Domains fällt es schwer, sich noch aussagekräftige neue einfallen zu lassen. Zum anderen konkurriert die Denic inzwischen mit sozialen Netzwerken. Noch vor ein paar Jahren habe jeder Privatmann eine eigene Website haben wollen, sagt Sprecherin Stefanie Welters. Inzwischen genüge vielen ein Account, beispielsweise bei Facebook.

Noch ein paar Zahlen: Wie jedes Jahr seit 1998 (bis dahin war es München) führt Berlin die Liste der Orte an, in denen absolut die meisten Domains registriert sind: 840.324. Angesichts der hohen Einwohnerzahl kein Wunder. Danach folgen München (609.152) und Hamburg (556.460).

Wird die Einwohnerzahl berücksichtigt, sieht das Bild etwas anders aus. Dann führt bei den kreisfreien Städten Osnabrück mit 749 .de-Domains pro 1.000 Einwohner. Platz zwei ist dann wieder München, Platz drei allerdings Bonn. Bei den Landkreisen fällt Amberg-Sulzbach in Bayern auf. Schon im vergangenen Jahr waren dort die meisten Domains pro Einwohner registriert, damals 715 pro 1.000 Einwohner. In diesem Jahr sind es nun gar 882 pro 1.000 Menschen und damit wieder Platz eins.

Domainhändler

Was aber nicht bedeutet, dass dort besonders viele Menschen ins Netz wollen. Es spricht eher dafür, dass irgendwo in dem Landkreis ein Domainhändler seinen Sitz hat. Das kann die Denic-Sprecherin zwar nicht bestätigen, hält es aber für wahrscheinlich. Sicher ist sie sich dagegen, dass in Osnabrück ein großer Händler sitzt. Trotz solcher Ausreißer hat Deutschland einen “hohen Anteil von Privatnutzern im Vergleich zu anderen Ländern”, wie Welters sagt.

Erkennen lässt sich in den Daten auch, welche Regionen “aufwachen” und nun verstärkt ins Netz gehen. Coburg beispielsweise. Die Stadt liegt bei Neuanmeldungen weit über dem Bundesdurchschnitt, scheint also im Aufschwung begriffen. Genau wie Ansbach und Memmingen. Vielleicht ist aber auch nur ein Domainhändler dorthin umgezogen. Sachsen-Anhalt hingegen schläft noch immer zuverlässig und belegt bei den Bundesländern wieder den letzten Platz.

Wer mit den Daten von 2011 herumspielen will, hier sind sie als Excel-Tabelle.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wer sich im als Privatuser eine eigene Domain zulegen möchte, sollte wissen, dass die Denic sehr frei mit diesen privaten Daten umgeht. Die komplette Anschrift ist, nach wenigen Klicks, für jeden einsehbar. Ob das noch etwas mit Datenschutz zu tun hat, ist sehr fraglich. Wo Andere sich im Dschungel von Vorschriften des Datenschutzes verfangen, kann man über die Denic Anschriften diverser Domaininhaber schnell ausfindig machen. Egal ob sie es wollen oder nicht. Allein für den Eintrag ins Telefonbuch bedarf es der schriftlichen Zustimmung des Telefoninhabers. Aber anscheinend gibt es für die Denic eine solche Vorschrift nicht. Automatisch übernimmt sie die Daten des Webhosters (Domainführers) und publiziert die Adresse des Domaininhabers frei zugänglich. Warum die Denic im Bereich Datenschutz eine Sonderrolle inne hält ist unbegreiflich.

  2. 2.

    Das interessanteste am Beitrag ist die Karte. Endlich dokumetiert die ZEIT ganz offiziell, wo für sie Deutschland, bzw. der eigene Horizont endet. Nicht, dass man es längst geahnt hätte…..;)

  3. 3.

    Die grosse Zahl der Domains ergibt sich auch aus den DSL Anschlüssen. Provider wie 1&1 vergeben zum Anschluss kostenlose Inclusivdomains.
    Diese bleiben oft ungenutzt, oder werden vom Anschlussinhaber als Maildomain verwendet. Das sind dann meist Leute mit einem geschäftlichen Anschluss. Die übrigen nutzen Freemailer

  4. 4.

    Das ist mal wieder typisch DENIC. Wer solche Auswertungen fahren kann, ist auch in der Lage binnen weniger Minuten herauszufinden, ob es sich bei den Registrierung in Bayern um einen Grabber handelt.

    Aber seit Jahren schaut die DENIC bei den Spielchen schön zu, hält sich raus und wirft den quasi Grosskunden bloss keine Stöcke zwischen die Beine. Man verdient ja auch an jeder registrierten Domain.

    Nix sehen, nix hören, nix sagen.

    • 31. Mai 2012 um 02:31 Uhr
    • hans.jo
  5. 5.

    [...] wie viele .de-Domains angemeldet wurden. Insgesamt sinkt die Zahl, Facebook wird zur Konkurrenz. mehr lesen © zeit.de (RSS)   If you enjoyed this article, please consider sharing [...]

  6. 6.

    Denic berechnet pro Jahr € 58,00 für eine .de-Domain, selbst wenn man diese im Rahmen eines Telekom-Vertrags erhalten hat und dafür Gebühren entrichtet.
    Wodurch ist diese Lizenz zum Gelddrucken gerechtfertigt, bzw. wer hat das genehmigt?

    • 31. Mai 2012 um 06:25 Uhr
    • genrik
  7. 7.

    Ich vermute du meinst damit die Whois-Daten. Das ist kein Problem der DeNIC sondern generell so, dass diese Daten a) leicht zugänglich sind und b) immer aktuell sein müssen. Irgendwo gab es eine RFC hierzu und eigentlich alle Domain-Registrierungsstellen haben das in ihren AGBs stehen. Ob das so sein muss bleibt mal dahin gestellt. Natürlich kann ich mir auch einen Dienstleister suchen, den ich dann als Domain-Inhaber vorschiebe, aber machen wir uns mal nix vor: Im Zweifelsfalle ist der Domain-Inhaber, der in der Whois-Datenbank registriert steht, erst mal auch der Domain-Inhaber. Wenn ich da eine 0815-Klitsche drin stehen habe nur weil ich nicht meine Daten im Internet wissen will, dann muss ich mich nicht wundern, wenn die Domäne mit der Klitsche vom Markt verschwindet.

    Davon mal abgesehen haben wir in Deutschland eine Impressumspflicht. Ob ich also Namen und Kontaktdaten auf der Website im Impressum sehe oder ob ich dafür erst die Whois-Daten der Domäne abfragen muss, ist dann eigentlich auch egal…

    • 31. Mai 2012 um 09:18 Uhr
    • Momo
  8. 8.

    Die Karte ist, selbst im Link, unvollständig.

  9. Kommentar zum Thema

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