Offene Daten – offene Gesellschaft

Wo wird in Deutschland rechtsextrem gewählt?

Von 16. November 2012 um 10:17 Uhr

In den ostdeutschen Bundesländern breiten sich rechtsextreme Ansichten laut einer aktuellen Studie der Friedrich Ebert Stiftung massiv aus. Das war die zusammenfassende Lesart in der Berichterstattung über diese Studie. Aber wie schaut es bundesweit mit Wählerstimmen für rechtsextreme Parteien aus? Ist es wirklich in erster Linie ein Phänomen in Ostdeutschland? Eigentlich zunächst nur als Fingerübung in einem internen ZEIT ONLINE Workshop zum Thema Kartenvisualisierungen gedacht, sind wir dieser Frage nachgegangen. Aus Gründen der Vergleichbarkeit boten sich Daten der Bundestagswahl 2009 an. Gregor Aisch steuerte für den Testlauf einen Datensatz bei, der die Ergebnisse auf Wahlkreisebene auch für die kleinen Parteien enthält (im Wahlatlas des Bundeswahlleiters werden diese leider nicht aufgeführt). Im nächsten Schritt wurden daraus die Zweitstimmenanteile der rechtsextremen Parteien NPD, DVU und REP auf einer Karte visualisiert. Je nach Höhe des Stimmenanteils zeigen die Farbintensitäten der Wahlkreise sehr deutlich, wo diese Parteien bereits 2009 die meisten Wählerstimmen sammeln konnten. Die traurigen Höchstwerte erreichen übrigens die ostdeutschen Wahlkreise Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und Görlitz mit jeweils 5,9 Prozent.

Realisiert wurde diese Karte mit karthograph.js, eine von Gregor Aisch entwickelte JavaScript Bibliothek. Sie ermöglicht es, interaktive Karten unabhängig von Google-Maps oder anderen – meist mit Details überladenen – Kartenlösungen zu realisieren. Basierend auf den beiden JavaScript-Frameworks jQuery und Raphaël werden SVG-Files (vektorbasierende Grafiken) eingelesen und gerendert. Die Lösung läuft komplett Client-basiert, jedoch werden die Karten initial von einem Python-Script generiert (im vorliegenden Beispiel ist das Shapefile der Wahlkreise des Bundeswahlleiters die Kartengrundlage). Anschließend lassen sich die Karten direkt in die eigene Seite einbauen und mit CSS stylen. Im Workshop mit Gregor Aisch haben wir uns in der ZEIT ONLINE Entwicklungsredaktion vom Potential des noch jungem Tools überzeugt und werden es gerade im Hinblick auf datenjournalistische Projekte einsetzen.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    Seit wann sind die REP “rechtsextrem”? Soweit mir bekannt wird die Partei nicht einmal im VS-Bericht erwähnt.

    • 16. November 2012 um 11:32 Uhr
    • Thomas Melber, Stuttgart
  2. 10.

    “Oster-Erzgebirge”? (letzte Textzeile vor der Grafik)
    Und wo ist das “Weihnachts-Erzgebirge”? ;-)

  3. 11.

    Die entsprechenden ostdeutschen Regionen sind derartig dünn besiedelt und von Abwanderung betroffen, dass das Ergebnis nicht verwundert. Zurück bleiben die eher ratlosen und überforderten, Ausländer gibt es dort de facto überhaupt nicht. In absoluten Stimmen dürfte das Gewicht verschwindend gering sein. Ich komme selbst aus Sachsen, angesichts des extrem intensiven und aggressiven Wahlkampfs der Rechten und der investierten Ressourcen bei der letzten Wahl sind 6 % m.E. eine jämmerliche Niederlage für die Rechtsextremen. Und interessant ist natürlich die Diskrepanz zu den Ergebnissen der Studie der FES. Wenn jemand eine “geschlossene rechtsextreme Weltanschauung” hat, sollte man eigentlich erwarten, dass er auch die Rechten wählt.

    • 16. November 2012 um 11:39 Uhr
    • ecerium
  4. 12.

    Ich würde eine Karte begrüßen die mal zeigt wie denn so die Gesinnungen hinter den Gardinen sind. Ich bin überzeugt ganz Deutschland hätte wenigstens einen Rosaschimmer und Bayern wäre Dunkelrot obwohl sie CDU wählen. Ich halte nichts von dieser hier gezeigten Darstellung und der Verquickung mit den Parteien.

    • 16. November 2012 um 11:42 Uhr
    • failure
  5. 13.

    Erstmal kurz zu meiner politischen Einstellung.. ich bin liberal.
    Ich finde Rechtsexremismus genau so schlimm wie den Linken.
    Aber dieser Artikel geht meines Erachtens zu weit. Hier wird mit dem Finger auf manche Regionen in Deutschland gezeigt und bloßgestellt. Solange die NPD eine legale Partei in Deutschland ist,
    sollten so Artikel auch über andere Parteien gepublished werden.
    Hauptsache “böse”-Schlagzeilen veröffentlichen und dadurch mehr leser bekommen.

  6. 14.

    Was ich aus der Graphik herauslese: Im ganz überwiegenden Teil Deutschland kommen rechtsextremistische bzw. -populistische Parteien nicht über den Status eine Splittergruppe hinaus. Selbst im (dünner!) besiedelten Osten der Republik bilden sie lediglich ein lokal begrenztes Phänomen.

    Ist doch ein super Ergebnis! Und daraus soll man jetzt eine “neue rechtextreme Gefahr” in Deutschland erkennen? Leute, bleibt mal auf dem Teppich und kommt weg von diesem konstruierten Panikmache-Journalismus!

  7. 15.

    Interessant: Bayern steht Sachsen-Anhalt in nichts nach. Trotz der drei Problemwahlkreise in Osten Berlins (Köpenik, Marzahn, Lichtenberg) kommt Rheinland-Pfalz auch auf drei solcher Wahlkreise. An der Perspektivlosigkeit kann es hier kaum liegen. Ludwigshafen ist nicht München, aber dort hat man mit Sicherheit mehr Perspektiven als in Köpenick.

    Also natürlich werden in Ostdeutschland mehr rechte Parteien gewählt, aber so einfach ist es dann doch nicht.

  8. 16.

    Ich gehe dann als Niederbayer mal in die Ecke und schäme mich für meine Mitmenschen..!
    Das Ergebnis wundert mich allerdings wenig, uns geht es zwar wirtschaftlich nicht wirklich schlecht, aber viele Leute sind etwas einfacher gestrickt und schieben die Schuld bevorzugt auf andere.
    Da ist eine rechte Partei optimal! Wenn es eine “Ossi”-feindliche Partei (außer der Satire-Partei DIE PARTEI) gäbe, dann bin ich mir sicher würde diese auch ein paar Prozent bekommen.

    Hauptsache über andere richten können. :-)

    • 16. November 2012 um 11:46 Uhr
    • Thesan
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)