Offene Daten – offene Gesellschaft

Deutschlands vorbildlicher Jugendarbeitsmarkt

Von 13. Februar 2013 um 14:16 Uhr

Was läuft bloß falsch in Europas Süden? In Spanien und Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit mittlerweile bei mehr als 50 Prozent. Auch in Portugal und Italien sieht es nicht besser aus. Fast jeder dritte junge Mensch zwischen 15 und 24 Jahren ist arbeitslos.

Daten als Google-Spreadsheet

Arbeitsmarktexperten sind sich einig: Die Art der Ausbildung ist das Problem. „Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausbildungssystem und der Arbeitslosenquote unter jungen Menschen“, sagt die Arbeitsmarktökonomin Anne Sonnet von der Industrieländerorganisation OECD. Gerade in den Südstaaten sei die Ausbildung viel zu theorielastig und praxisfern.

Sie verweist auf Deutschland und Österreich. Beide Länder setzen auf ein duales Ausbildungssystem und weisen zugleich die niedrigsten Arbeitslosenquoten unter jungen Menschen in der EU vor. Wer hierzulande eine Lehre macht, der besucht in der Regel einige Tage in der Woche die Berufsschule, wo er theoretisches Wissen lernt. Die restlichen Tage verbringt er im Betrieb, um Praxiserfahrung zu sammeln. Sonnet hält das für den idealen Mix.

Neben Deutschland und Österreich setzen in der EU auch Dänemark und Luxemburg auf dieses Modell. Allerdings ist die Bilanz hier weniger erfolgreich. Dänemark kam im vergangenen März auf eine Jugendarbeitslosenquote von 15,1 Prozent, Luxemburg sogar auf 17,4 Prozent. Warum das so ist? Nach Einschätzung der OECD kümmern sich die Länder nicht ausreichend genug um die Qualifikation in der Schule. Gerade benachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund fehle Grundlagenwissen. Damit das duale Ausbildungssystem tatsächlich so erfolgreich sei wie in Deutschland, müsse man das verbessern.

Die Regierungen in den Südländern haben das Problem erkannt. Und es gibt erste Versuche, sich von Deutschland etwas abzuschauen. Spanien und Portugal haben etwa Ausbildungsabkommen mit Deutschland verabschiedet. Doch das Problem ist die Schuldenkrise in den Staaten. Woher das Geld für Investitionen nehmen, wenn allerorts gespart werden soll? „Die Staaten sind in der Schuldenfalle“, sagt Sonnet, „daher scheuen sie Investitionen in Bildung.“

Zudem stoßen die unterschiedlichen Interessen der Sozialpartner aufeinander. Gerade im Süden sind die Gewerkschaften stark – doch sie vertreten die Menschen, die bereits einen Job haben. Die Firmen in diesen Staaten wiederum wollen gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht auf die Flexibilität von befristeten Arbeitsverhältnissen und kurzfristigen Kündigungen verzichten.

Die EU verspricht derweil Geld. Rund sechs Milliarden Euro haben die Staats- und Regierungschefs vergangene Woche zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit lockergemacht. Ist das die Lösung? Sonnet findet Strukturreformen wichtiger. „Schon vor dem Ausbruch der Krise gab es in den Krisenstaaten strukturelle Probleme auf dem Arbeitsmarkt für Jugendliche.“ Die müssten jetzt angegangen werden. „Eine Lost Generation kann sich Europa nicht leisten.“

Kategorien: Allgemein, Datensatz
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Sicherlich haben wir ein gutes Ausbildungssystem. Aber auch hier werden die Zahlen künstlich kleingerechnet. Denn viele Jugendliche in Deutschland sind in irgendwelchen Maßnahmen versteckt.

    • 13. Februar 2013 um 17:03 Uhr
    • waterkantuhu
  2. 2.

    “Die EU verspricht derweil Geld”.

    Mit “Geld” löst man keine Probleme, warum nur verstehen das die Menschen an den EU-Gießkannen nicht? *seufz* Gebt dem gemeinem Menschen eine Perspektive, er wird anfangen Ziele zu setzen und aktiv zu werden. Geld macht träge, gebraucht wird aber Kreativität und die Aussicht auf eine Möglichkeit.

    • 13. Februar 2013 um 17:08 Uhr
    • No-Cloud
  3. 3.

    Neben dem genannten steht Deutschalnd deshalb so gut da, weil es keinen Mindestlohn für Job-Anfänger gibt. Das ist die EInstellungsbremse schlechthin. Auch Rot/Grün sollte dies in Zukunft bedenken. Zumindest darf ein Mindestlohn für Jugendliche nie so hoch sein wie für Leute, die schon 10 Jahre oder länger arbeiten…

  4. 4.

    @3: “Zumindest darf ein Mindestlohn für Jugendliche nie so hoch sein wie für Leute, die schon 10 Jahre oder länger arbeiten…”
    Was am Begriff Mindestlohn ist so schwer verständlich? Er hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern nur damit, dass der Staat nicht Arbeit subventioniert.

    • 13. Februar 2013 um 17:25 Uhr
    • tobmat
  5. 5.

    In Schweden sind die Zahlen so hoch, weil jeder Schüler in der Oberstufe und jeder Student, der einen Job sucht aber in den Semesterferien keinen findet, als arbeitslos gezählt wird. In Deutschland sind 50% dieser Jugendlichen aber in der Lehre, die anderen, also die Abiturienten und die Studenten werden nicht gezählt, weil sie sowieso kein AL bekommen!
    Das ist die Wahrheit.
    Im Sommer fällt die Jugendarbeitslosigkeit in Schweden (=Ferienjobs!) und zu Semesterbeginn steigt sie wieder, weil die Schüler wieder in die Schule und die Studenten in die Uni gehen. Ich weiß nicht, wer diese Zählweise seit 2007 in Europa durchgesetzt hat, die Deutschen?
    Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

  6. 6.

    Dutschland hat auch allgemein z.Zt. eine niedrigere Arbeitslosigkeit als der Rest Europas. Interessant wäre, ob der Unterschied auch noch so groß ist wenn man die Jugenadarbeitslosigkeit zur allgemeinen Arbeitslosigkeit in Beziehung setzt.

  7. 7.

    Auffällig ist, dass das Deutschland trotz seiner laut OECD viel zu geringen Quote an Hochschulabgängern eine so geringe Jugendarbeitslosigkeit hat. Sollten in den Südländern etwa billig und durchschnittliche Akademiker auf Halde produziert werden, während es an guten Handwerkern für die Eroberung des Weltmarktes mangelt?

    Und falls es diesen Zusammenhang tatsächlich geben sollte, was bedeutet das für die deutsche Bildungspolitik?

    • 13. Februar 2013 um 17:42 Uhr
    • Beranor76
  8. 8.

    Nr.3
    Es erstaunt mich immer wieder, das es Menschen gibt die jegliche Realität ignorieren aber dafür an alte Phrasen festhalten.

    Der Mindestlohn hat in jedem Land das ihn hat, positive Effekte gebracht, weil er den Konsum ansteigen lässt. Jegliche Verbindung zu den wirtschaftlichen Schwächen verschiedener Länder, sind nur an den Haaren herbeigezogen.

    Was die Jugendarbeitslosigkeit angeht, haben wir wohl auch durch die übliche Trickserei eine bessere Quote. Aber das darf doch überhaupt nicht betrachtet werden, weil unser Ausbildungssystem diese Quote stark verfälscht.

    Wenn sie realistisch sein will muss man die Beschäftigungsverhältnisse nach der Ausbildung und nach dem Studium betrachten.

    Wie viel haben denn einen Festvertrag oder nur einen begrenzten Zeitvertrag, wie viele landen in unbezahlten Praktikas usw. Dann hätten wir einen Indikator den man einigermaßen vergleichen kann.

    Außerdem ist es unbestritten, das uns die Demografie in nicht zu unterschätzenden Maße weiterhilft, die jungen Leute von der Straße zu bekommen. Wie sähe wohl die Quote aus, hätten wir Geburtenzahlen von Frankreich oder Spanien

    • 13. Februar 2013 um 17:44 Uhr
    • Guenni_1
  9. Kommentar zum Thema

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