‹ Alle Einträge

Eric Fischers Geodatenwelten

 
Visualisierte Geodaten von Flickr-Fotos in Berlin: blau sind Bilder von Einheimischen, rot zeigt Bilder von Touristen, gelbe Punkte können nicht zugeordnet werden. CC-BY-SA 2.0 Eric Fischer
Visualisierte Geodaten von Flickr-Fotos in Berlin: blau sind Bilder von Einheimischen, rot zeigt Bilder von Touristen, gelbe Punkte können nicht zugeordnet werden. CC-BY-SA 2.0 Eric Fischer

Handys sind Ortungswanzen. Sie zeigen dank GPS-Satelliten und Sendemast-Triangulation, wo wir uns aufhalten. Dienste wie Twitter oder Flickr speichern diese Daten. Und Menschen wie Eric Fischer machen diese Daten sichtbar und damit auch die menschlichen Wege und Vorlieben. Fischer ist Fotograf, Kartenliebhaber und seit einiger Zeit Datenvisualisierer. Und was er aus Flickr und nun auch Twitter herausholt, sieht nicht nur schön aus, es verdeutlicht auch auf einen Blick komplexes Verhalten.

„Locals and Tourists“ heißt sein Projekt. Fischer analysiert, wo in Städten der Welt vor allem Einheimische und wo vor allem Touristen twittern und fotografieren.

Zur Analyse von Twitter nutzte er drei Milliarden Tweets aus der Zeit seit September 2011 und sammelte alle heraus, die einen Geo-Tag enthalten, also die Ortskoordinate, an der die Botschaft abgeschickt wurde. Anschließend filterte der diese Botschaften danach, ob sich der Absender schon länger in der Stadt aufhielt oder erst vor Kurzem dorthin gekommen war. Auch das verraten die Geodaten. So konnte er die Stadtpläne in zwei Farben darstellen: blau für Tweets von Einheimischen, rot für die von Touristen.

Das gleiche hatte Fischer zuvor bereits mit Flickr-Daten gemacht, siehe das Bild am Anfang des Textes. Beide Kartensammlungen zeigen, welche Orte einer Stadt bei welcher Gruppe beliebt sind. Hier beispielsweise in New York:

Visualisierung von Twitter-Geodaten. Wo in New York twitterten Einheimische (blau) und wo twitterten Touristen (rot). Eric Fischer/MapBox
Visualisierung von Twitter-Geodaten. Wo in New York twitterten Einheimische (blau) und wo twitterten Touristen (rot). Eric Fischer/MapBox

Noch spannender sind Fischers Projekte, die bei Twitter genutzte Sprachen und die verwendeten Smartphonetypen visualisieren.

Die Karten zu Betriebssystemen zeigen beispielsweise, dass die USA ein iPhone-Land sind, dass Spanien klar von Android dominiert wird und Indonesien von Blackberry. Solche Informationen hatten bis vor kurzer Zeit nur große Konzerne. Fischer nutzt öffentlich verfügbare Daten, um sie allen zugänglich zu machen. Die Daten sind so detailliert, dass sich in ihnen sogar die ringförmige Bauweise des Flughafenterminals von Berlin-Tegel erkennen lässt.

Flughafen Berlin-Tegel, zu sehen sind Geodaten von Tweets, geschrieben mit einem iPhone (rot) und einem Android-Gerät (grün). Eric Fischer/MapBox
Flughafen Berlin-Tegel, zu sehen sind Geodaten von Tweets, geschrieben mit einem iPhone (rot) und einem Android-Gerät (grün). Eric Fischer/MapBox

Und nicht nur das. Sie zeigen beispielsweise auch, dass iPhones vor allem in reichen Gegenden benutzt werden, Androidgeräte eher in ärmeren, wie der Atlantic in den Daten gesehen hat.

Via @msgbi

10 Kommentare

  1.   Lefty

    Gutes Thema,werden wir nun alle duchsichtig?da ich weder bei Twitter noch sonstwo angemeldet bin,habe ich vielleiht die Chance,nicht entdeckt zu werden.


  2. Ich kann Lefty and sich zustimmen – es ist ein gutes und wichtiges Thema.

    Was allerdings ein wenig verlorengeht wenn man nicht aufmerksam ließt – es ist nicht der Inhalt eines Tweets oder eines Photos an sich sondern es sind die vorhandenen Geodaten.

    Viele Dienste nutzen Daten welche sie weder benötigen noch je benötigen werden – man muss sich nur anschauen auf welche Funktionen Anwendungen auf meinem BlackBerry Zugriff erwünschen… oft sind es Funktionen welche für das Ausführen der Anwendung nicht benötigt werden (auch von namhaften Herstellern – wozu braucht ein Spiel bitteschön Zugriff auf Kontakte?).
    Im Umkehrschluss muss man auch anderes Fragen – warum schreiben Leute Twitter Beiträge mit Geodaten? Die Geodaten bringen im allgemeinen nur Twitter etwas – oder den Menschen welche sich mit den APIs soweit auseinandersetzen dass Sie die Daten wie oben visualisieren.
    Wer aus Langeweile schaut ob es etwas interessantes zu lesen gibt kann mit den Geodaten nicht viel Anfange… (das gleiche gilt übrigens für Flickr – wer mitteilen will wo etwas ist der wird den Ort schon nennen.).

    Daten zu sammeln weil diese vielleicht nützlich sein könnten ist gefährlich – denn am Ende wird mehr preisgegeben als man denkt und dann können diese Daten auch sehr leicht missbraucht werden.

  3.   joachim brand

    @lefty
    leider zu spät da du hier was geschrieben hast…

  4.   CorinK

    @DetlevCM Geodaten bieten für viele Nutzer von Socialmedia, wie eben die im Artikel erwähnten Flicker und Twitter, durch aus einen Mehrwert. Da eben viele Ihren Followern mitteilen wollen wo die coole Bar ist, die sie soeben entdeckt haben oder in welchem Restaurant sie gerade ihr Frühstück fotografiert haben vereinfacht der genaue Standort das Teilen von Erlebnissen schon. Ob man das alles teilen muss ist eine andere Frage.

    @lefty sobald du dir Zugang zum Internet verschaffst, sei es mit einem Smartphone oder einem herkömmlichem Rechner, oder auch nur telefonierst gibst du zumindest deinem Provider deinen Standort preis. Bei Handys gibt man diesen halt immer preis, da sich das Handy immer in ein Netz einloggen, wenn sie den können.


  5. „Gutes Thema,werden wir nun alle duchsichtig?da ich weder bei Twitter noch sonstwo angemeldet bin,habe ich vielleiht die Chance,nicht entdeckt zu werden.“

    Das kommt darauf an. Haben sie ein Handy? Dann haben sie verloren.


  6. @CorinK
    Was ist den aus der guten alten Ortsbeschreibung geworden? Oder Adresse?
    Ich weiß nicht, aber wenn mir jemand mit Positionskoordinaten kommt hilft mir das nicht wirklich weiter…
    Bei einer Adresse habe ich meine lokalen Karten, eventuell das Internet – oder auch eine altmodische (zuverlässige) gedruckte Karte.

    Zumindest finde ich „Centro Vorplatz“ (bei jemandem der zum Beispiel in Oberhausen und Umgebung wohnt) wesentlich praktischer als 51.490227,6.874735 (Danke Google).

  7.   CorinK

    @DetlevCM es werden ja nicht die Koordinaten angezeigt, sonderen es wird automatisiert über die Koordinaten und einem Kartendienst, seies GMaps, Bing oder ein anderer Anbieter, eine Adresse zugeordnet. Es werden dabei selbstverständlich nicht die Koordinaten (oder nicht nur) geteilt sondern vorallem eine Adresse oder z.B. ein Lokal, Geschäft oder ähnliches, das sich an der Adresse befindet. Dadurch kann man seinen Standort auch teilen wenn man nichtmehr genau weiß wo man sich befindet, was im Urlaub durchaus sinn ergeben kann, wo man nicht immer genau weiß wo man sich befindet.
    Bei besseren Kamaras sind Bilder auch GPS-getrackt. Da werden dann die Koordinaten in den Exif-Daten hintelegt. So können Sie immer nachfolziehen wo Sie das Foto geschossen haben und eventuell den Ort einfach wiederfinden.
    Aber wie gesagt, das sind alles optionen, die Sie teilen können, Sie können diese aber auch deaktivieren.


  8. @CorinK
    Und ich sehe immer noch keinen Vorteil in Geodaten… die Adresse tuts auch.
    Das kann man noch so schönreden.
    Übrigens gibt es etwas das sich Straßennamen nennt – hat bisher immer gut funktioniert…

    Meine Spiegelreflexkamera hat zum Glück kein GPS Modul – und das ist auch gut so. Eine Kamera mit GPS würde ich nicht wollen… sonst müsste ich immer bewusst alle Metadaten löschen.