Offene Daten – offene Gesellschaft
Kategorie:

Datenvisualisierung

Wo das Volk auf die Straße ging

Von 8. November 2014 um 08:00 Uhr

Von David Schraven

Vor 25 Jahren brach das Unrechtsregime der DDR in sich zusammen. Das Ende des SED-Staats war das Ergebnis einer friedlichen Revolution. Millionen Bürger demonstrierten zwischen Rostock und Chemnitz, von Suhl bis Neubrandenburg. Sie gingen auf die Straße, nicht nur zum Mauerfall, sondern auch, weil sie für ihre Freiheit protestierten.

Heute ist dieser Volksaufstand und die anschließende Wiedervereinigung in der Erinnerung einiger Menschen zusammengeschnurrt auf das Verhandlungsgeschick weniger Personen. Helmut Kohl, der damalige Bundeskanzler, sagt etwa: Nicht die Bürgerrechtsbewegung hätte “in erster Linie” die Wende durchgesetzt. Vielmehr sei Gorbatschow durch “die Bücher durchgegangen” und habe festgestellt, dass er “am Arsch des Propheten” sei. Vorstellungen, die Revolutionäre im Osten hätten den Zusammenbruch der DDR bewirkt, seien dem „Volkshochschulhirn von Thierse“ entsprungen.

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. hat die Daten der Revolution gesammelt: Alle Demonstrationen zwischen dem 13. August 1989 und dem 30. April 1990. Die Besetzungen der Stasizentralen, die Proteste und Märsche. Das Recherchebüro CORRECT!V hat diese Daten sichtbar gemacht. Man erkennt, wie der Protest immer größer wird, bis er das ganze Land erfasst, und wie sich aus einzelnen Stimmen ein Sturm der Empörung formt, der die Herrschaft der Honeckers und Mielckes hinwegfegt.

Kategorien: Datenvisualisierung

Nicholas Feltons Leben als Datenquelle

Von 21. August 2014 um 16:20 Uhr
Nicholas Feltons Kontaktnetzwerk Quelle: http://feltron.com/FAR13.html

Nicholas Feltons Kontaktnetzwerk Quelle: http://feltron.com/FAR13.html

Jedes Jahr präsentiert Nicholas Felton sein Leben. In Grafiken und Charts zeigt er allen, die es interessiert, womit er seine Zeit verbrachte, was er aß, wie er schlief, wo er sich herumtrieb.

Felton wurde mit seinen Jahresberichten über sich selbst zum Vorreiter einer ganzen Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das eigene Tun zu überwachen und zu vermessen: quantified self. Die Idee: Das Selbst mehr oder weniger genau in Daten auszudrücken, um mehr über sich zu erfahren. Und er ist einer der Architekten der Timeline von Facebook, in der den Nutzern Informationen von diversen Quellen präsentiert werden.

Gerade hat Felton zum neunten Mal seinen Bericht veröffentlicht. In diesem Jahr hat er darin vor allem sein Kommunikationsverhalten analysiert. Wie viele E-Mails, wie viele SMS; über welche Themen redete er mit wie vielen Menschen – all das, was Geheimdienste interessiert, wenn sie jemanden ausspähen, hat Felton über sich selbst gesammelt und in aufwendigen Grafiken visualisiert.

Er analysierte dazu die Metadaten und den Inhalt von 44.041 SMS, 31.769 E-Mails, 12.464 Gesprächen, 4.511 Facebook Messages und 1.719 physischen Briefen und Postkarten.

Nicholas Feltons Kommunikation 2013 Quelle: http://feltron.com/FAR13.html

Nicholas Feltons Kommunikation 2013 Quelle: http://feltron.com/FAR13.html

Was hat Felton über sich erfahren? Der Kommunikationsreport 2013 habe ihn zu der Einsicht gebracht, dass er zu viel Zeit mit Belanglosem verbringe. Dem Bits-Blog der New York Times sagte er: “I need to do a better job of engaging in more meaningful communication and spend less time with trivial email and social media.

Wer sich selbst überwachen will, Felton hat inzwischen auch eine kostenpflichtige App entwickelt (nur für iOS), mit der jeder seine eigenen Daten sammeln kann. Übermittelt werden sie nicht. Der Nutzer entscheidet, was er anschließend damit anstellt und ob er sie irgendwann löscht oder zu einem Bericht seines Lebens baut, wie Felton es tut.

Felton tut das nicht zum Selbstzweck, sein Beruf ist es, Daten so aufzubereiten, dass andere sie verstehen können. Daten sind sein Leben. Und nicht nur seins. Unsere Daten seien Teil unserer Identität, sagt er in einem Video der New York Times. Daher sei es wichtig zu wissen, wer Zugriff auf unsere Daten habe und was er damit anstelle.

Racial Profiling in St. Louis

Von 14. August 2014 um 15:16 Uhr
Karte von St. Louis, die Farben zeigen die Ethnie der Bewohner, Weiße in blau, Schwarze in grün. Der eingekreiste Bezirk Ferguson wird von beiden bewohnt. Quelle: US-Zensusdaten, Racial Dot Map

Karte von St. Louis, die Farben zeigen die Ethnie der Bewohner, Weiße in blau, Schwarze in grün. Der eingekreiste Bezirk Ferguson wird von beiden bewohnt. Quelle: US-Zensusdaten, Racial Dot Map

Im Bezirk Ferguson der Stadt St. Louis gibt es seit Tagen Unruhen, ein schwarzer Jugendlicher wurde von einem Polizisten erschossen. Der Vorwurf lautet, dass die Polizei rassistische Vorurteile hegt. In dem Bezirk leben Schwarze und Weiße nebeneinander – ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Vierteln der Stadt. Doch werden beide Bevölkerungsgruppen von der Polizei nicht gleich behandelt. Das zeigen Daten des Generalstaatsanwalts des Bundesstaates Missouri, in dem St. Louis liegt.

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Missouri ein Gesetz, das von der Polizei fordert, bei jeder Verkehrskontrolle auch die Hautfarbe des Fahrers oder der Fahrerin zu registrieren. Die Daten werden erhoben, um das sogenannte racial profiling zu verhindern, die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe. Besonders gut funktioniert das nicht, wie die Daten zeigen, die der Attorney General veröffentlicht hat: Schwarze und Hispanics werden in Missouri häufiger von der Polizei angehalten, häufiger durchsucht und dabei häufiger festgenommen als es ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung entspräche. Gleichzeitig findet die Polizei bei diesen Kontrollen bei ihnen weniger illegale Gegenstände.

Ergänzung: Die Einzeldaten der Bezirke wie Ferguson, die in der Grafik zu sehen sind, finden sich hier.

 

Wen die Polizei in Missouri im Jahr 2013 wie oft bei Verkehrskontrollen anhielt und durchsuchte. Quelle: Missouri Attorney General http://ago.mo.gov/VehicleStops/2013/. Grafik: ZON/Leslie Young

Wen die Polizei in Missouri im Jahr 2013 wie oft bei Verkehrskontrollen anhielt und durchsuchte. Quelle: Missouri Attorney General http://ago.mo.gov/VehicleStops/2013/. Grafik: ZON/Leslie Young

(via St. Louis Post-Dispatch)

Kategorien: Datenvisualisierung

Graph TV gibt Einblicke in die Fernsehkultur

Von 15. April 2014 um 16:37 Uhr

Nein, wir möchten an dieser Stelle nicht zu viel spoilern, aber sagen wir so: Hochzeiten sind in der Serienwelt von Game of Thrones ein gefährliches Pflaster; unvergessen ist die vorletzte Folge der dritten Staffel, in der gleich mehrere Hauptfiguren das Zeitliche segneten.

Selten hatte eine einzelne TV-Episode für so viele unterschiedliche Reaktionen im Netz und bei den Zuschauern gesorgt; der Begriff Red Wedding ist für viele Serienfans längst ein geflügeltes Wort. Umso überraschender ist, dass die Episode mit einer Nutzerwertung von 9,9 in der Internet Movie Database (IMDb) ziemlich nah dran ist an dem perfekten Ergebnis, wie die Datenvisualisierung Graph TV von Kevin Wu zeigt.

got

Die IMDb gilt als die größte Datenbank für TV- und Filminhalte, und mit ihren Bewertungen als ein guter Gradmesser für die Rezeption in der Öffentlichkeit. Graph TV nimmt diese Nutzerbewertungen und visualisiert sie für jede Serie. Das ist simpel, gibt aber einen interessanten Einblick in die Serienkultur. Die Wertungen von Game of Thrones steigen auch nach drei Staffeln noch leicht, wie die weiße Trendlinie zeigt.

Andere Serien können das nicht von sich behaupten. Der moralische Serienmörder Dexter etwa konnte in der siebten Staffel zwar noch einmal aufholen, bevor er in der achten Staffel dann endgültig – Achtung Spoiler – baden ging. Die letzte Dexter-Episode gilt gemeinhin als ein Desaster der jüngeren TV-Geschichte, wie auch die miese Wertung von 4,9 beweist.

dexter

Generell ist es wenig überraschend, dass die meisten Serien in der Gesamtwertung abfallen, je länger sie dauern. Dr. House, The Big Bang Theory und das kürzlich beendete How I Met Your Mother sind nur drei Beispiele von Serien, die sich nach mehreren Jahren zunehmend erschöpften, wenn auch nur gering.

him

Breaking Bad scheint dagegen eine Ausnahme zu sein. Während die Serie von Beginn an gut aufgenommen wurde, stieg sie sogar mit jeder Staffel um einen viertel Punkt in der Gunst der IMDb-Nutzer. Die Daten korrelieren in diesem Fall stark mit den Einschaltquoten: Während in der ersten Staffel gerade einmal 1,5 Millionen Menschen zuguckten, waren es beim Finale über zehn Millionen.

breakingbad

Doch bedeuten mehr Zuschauer automatisch bessere Bewertungen? Auch wenn Graph TV nicht direkt die Einschaltquoten mitliefert, lässt sich die Annahme schnell widerlegen. Veronica Mars, die Serie, die gerade erst mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne verfilmt wurde, hatte zum Ende hin die schlechtesten Einschaltquoten. Bei den den Nutzern von IMDb aber konnte sie zum Ende hin noch einmal sehr positive Bewertungen holen. Denkbar ist, dass die treuen Fans der Serie sich angesichts des drohenden Endes gütiger zeigten.

veronica

Auch ungewöhnliche Phänomene legt GraphTV offen. So fällt bei den Sopranos die gesamte vierte Staffel komplett ab im Vergleich zu den restlichen. Für Kritiker wie Matt Zoller Seitz von Vulture fühlte sich die Staffel an wie “die zweite Hälfte einer sehr langen dritten Staffel”, die Figuren entwickelten sich kaum weiter. Das fiel offenbar auch den Zuschauern auf. Dennoch ist die starke Abweichung von fast einem ganzen Punkt kurios.

sopranos1

Interessant ist zudem, dass viele Serien zu Beginn der Staffel niedriger bewertet werden als zum Ende hin. Beobachten lässt sich das unter anderem bei den beiden erfolgreichen Drama-Serien Mad Men und The Wire.

wire

Eine Erklärung könnte sein, dass diese Serien stark von der Entwicklung ihrer Protagonisten leben, die sich erst im Laufe einer Staffel zeigt. In anderen Worten: Eine gute Serie steigert sich stets zum Ende hin. Und zur Not gibt es ja immer noch blutige Hochzeiten.

(via Wired)

Kategorien: Datenvisualisierung

Germany and the land deals in Africa: the data perspective.

Von 29. November 2013 um 11:42 Uhr

Germany is the main player in 8 of the 356 transnational contracts signed between governments and investors for the lease of land in Africa, for a total of about 171,000 hectares. This is what arises from a query made by Land Matrix, the database collecting all land deals worldwide (Land Matrix, 5 Nov 2013). A rather low percentage, if compared to the United States, the United Arab Emirates, the UK and Saudi Arabia, which lead the ranking of investing countries with 9.6 million hectares under their control in the African continent. However, after the case of Kaweri, the coffee plantation in Uganda which was part of the Neumann Kaffee Gruppe of Hamburg, Germany has also been the object of harsh criticism. These accusations towards Germany, and in particular towards the former Minister of Economic Cooperation and Development Dirk Niebel, are the same that have been directed towards others accused of “land grabbing”, the acquisition of vast quantities of land in developing countries, while violating the human rights of local communities.

Main German land deals in Africa

According to the contracts recorded by the Land Matrix database, as of writing, the 8 land deals in Africa driven by German investments amount to a total of 171,000 hectares. Five projects prove to have begun production, while three turn out to be in their start-up phase. The 2500 hectares leased by Uganda to the Kaffee Gruppe, 1802 of which prove to be operational, appear to be among the projects that are already under way. Four of the eight investments appear to be connected to the biofuel business through the cultivation of jatropha, a plant from which oil for biodiesel production is extracted – these include the largest investment, 120,000 hectares in Zambia co-assigned to German company Mann Ferrostalla and to Deulco, a South African company specialized in renewable energies. The latter is the only project to also be listed as “Industry”, most probably referring to the jatropha oil transformation plants. The other four investments consist of plantations for food purposes: rice, cereal, peas, grain and coffee.

German_land_Acquisitions

Explore the global debate on the “land rush”

For more on large-scale land acquisitions, an interactive map has been developed collecting stories participating in the debate on the land rush in Africa. The map displays all players involved in the discussion, showing documents from the academic community, reports from the international civil society, journalistic investigations and participations of companies and institutions. Furthermore, the map allows the submission of new articles by filling in a crowdsourcing form.

Explore the map by clicking on the markers and join the discussion by submitting articles you consider relevant to the argument of land leases in the African continent, indicating the link, the location and the source.

Credits

Jacopo Ottaviani is a journalist and developer specialized in data-driven journalism. He contributes to Italian and International media, including The Guardian and Al Jazeera International. Follow him on Twitter: @jackottaviani
This post for ZEIT ONLINE is part of the Innovation in Development Reportingprogramme operated by the European Journalism Centre (EJC). The project development also saw the contribution of Andrea Fama, Cecilia Anesi and Isacco Chiaf.

Eine Karte zeigt, wer gerade mit Bitcoins zockt

Von 20. November 2013 um 11:37 Uhr
bitcoin

fiatleak.com visualisiert den Handel mit Bitcoins: Wenn irgendwo jemand Dollar, Euro oder eine von 15 weiteren Währungen in Bitcoin wechselt, wird das auf der Karte angezeigt.

Wie reizvoll kann es sein, in etwas zu investieren, dessen Wert an jedem Tag um mindestens 30 Prozent schwankt? Etwas, das eine traumhafte Rendite ebenso wahrscheinlich macht wie einen furchtbaren Verlust? Offenbar extrem reizvoll. Der Handel mit der virtuellen Währung Bitcoin ist rege, allen Unvorhersehbarkeiten zum Trotz. Wie rege, zeigt die Karte auf fiatleak.com von Andrew Hodel.

Auf ihr wird der globale Handel mit Bitcoins in Echtzeit dargestellt, basierend auf den Daten von sieben Handelsbörsen: Wie viele US-Dollar, Euro, Jen oder Renminbi werden gerade in Bitcoin getauscht?

Bitcoins sind zwar anonym, aber jede einzelne von ihnen trägt einen eindeutigen Code, der Handel damit kann so jederzeit nachverfolgt werden. Handelsbörsen wie Mt.Gox und BTC-E bieten eine API an, über die sich das Handelsvolumen auslesen lässt. Darüber holt sich Hodel die Daten für seine Echtzeit-Karte.

Die verdeutlicht, wo am meisten mit Bitcoin spekuliert wird: in China und in den USA. Insbesondere die Chinesen würden mittlerweile wie wild in Bitcoin investieren, hat Hodel beobachtet.

Das Wall Street Journal schreibt, der Grund dafür sei die Möglichkeit, damit die Devisensperre zu umgehen. Über dem Umweg der Bitcoins könnten Chinesen ihre Renminbi in Dollar tauschen. Der Staat dulde das derzeit als eine Art Experiment, zitiert die Zeitung einen Wirtschaftsinformatiker.

Der Code für die Karte ist open source und bei GitHub einsehbar. Sie zeigt übrigens auch den jeweils aktuellen Wert von Bitcoin in den verschiedenen Währungen an. Nicht sichtbar ist das bisherige Allzeithoch von rund 900 US-Dollar pro Bitcoin, das am vergangenen Dienstag erreicht wurde. Der Spuk war allerdings auch schnell wieder vorbei – 30 Minuten später lag der Wert wieder bei unter 650 Dollar. Den Handel hat das offenbar nicht gebremst. Wer heute fiatleaks.com aufruft, kann beobachten, wie weltweit rund 10.000 Bitcoins in weniger als zwei Stunden gekauft werden.

Kategorien: Datenvisualisierung

Die Kolonialmächte des Internets

Von 8. November 2013 um 10:22 Uhr
Zahl der Internetnutzer weltweit. Die Ländergrößen werden proportional dazu dargestellt. Die Farben zeigen die "Durchdringung" der Netznutzung pro Land, also wie viel Prozent der Bewohner im Internet sind.

Zahl der Internetnutzer weltweit. Die Ländergrößen werden proportional dazu dargestellt. Die Farben zeigen die “Durchdringung” der Netznutzung pro Land, also wie viel Prozent der Bewohner im Internet sind.

Die Welt des Internets ist zweigeteilt. Es gibt die Sphäre der Nutzer und die Sphäre der Domaininhaber, also jener, die das Netz mit Inhalten füllen. Das Verhältnis der beiden ist ungleich verteilt, wie Karten zeigen, die das Oxford Internet Institute (OII) veröffentlicht hat.

Die Mehrheit der Domains im Netz ist in Nordamerika und in Europa registriert – fast ein Drittel aller Websites weltweit gehört Menschen und Organisationen in den USA, schreiben Mark Graham und Stefano De Sabbata vom OII.

Die Mehrheit der Internetnutzer hingegen lebt in China, das Land stellt die größte Internetpopulation der Welt. Gleichzeitig sind dort nur wenige Domains zu Hause.

Die Wissenschaftler nutzen als Vergleich den Wert User pro Domain, der sich ergibt, wenn man die Zahl der Nutzer eines Landes mit der Zahl der Domains dort ins Verhältnis setzt.

Weltweite Verteilung der Zahl registrierter Domains pro Land

Weltweite Verteilung der Zahl registrierter Domains pro Land

Weltweit errechneten sie den Durchschnitt von zehn Nutzern pro Domain. In den USA liegt dieser Wert bei drei. In China hingegen sind es pro Domain 40 Nutzer. Dort seien weniger Websites registriert als beispielsweise in Großbritannien.

Dieses Missverhältnis zeigt sich überall: Die Inhalte werden von Amerikanern und Europäern dominiert, der Rest der Welt schaut zu. Italien und Vietnam zum Beispiel haben nahezu die gleiche Zahl an “Netzbewohnern”, aber in Italien sind sieben Mal so viele Websites registriert wie in Vietnam.

Das beobachteten sie sogar in Japan. Dort leben zwei Mal so viele Netznutzer wie in Großbritannien, es sind dort aber nur ein Drittel so viele Websites registriert wie im Königreich.

Insgesamt sind 78 Prozent aller Domainnamen in Nordamerika oder Europa beheimatet. Asien kommt noch auf 13 Prozent der Domains, in Lateinamerika, Ozeanien und Afrika sind es jeweils weniger als fünf Prozent. Und so gibt es in Afrika mehr als 50 Nutzer pro Domain – viele Konsumenten, kaum Produzenten also.

Insgesamt leben inzwischen 42 Prozent aller Netznutzer in Asien. Und dort ist auch noch viel Wachstum möglich, da gleichzeitig die Durchdringung in Ländern wie Indien und China gering ist, also nur vergleichsweise wenige Bewohner des Landes auch im Netz sind.

Es gebe, schreiben Graham und De Sabbata, eine starke Korrelation zwischen dem Pro-Kopf-Bruttoeinkommen eines Landes (Gross National Income per capita) und der Zahl der Domains. Das Netz hat die Möglichkeit, Inhalte zu verbreiten, stark vereinfacht. Geld kostet das aber noch immer. Und so ergibt sich im Verhältnis von Produzenten und Konsumenten eine fast koloniale Struktur.

Zur Berechnung verwendeten die Wissenschaftler Zahlen aus dem Jahr 2013, die von Matthew Zook von der University of Kentucky zur Verfügung gestellt wurden.

Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, wurden Domains von Ländern wie Tuvalu, Armenien oder Tokelau nicht berücksichtigt. Sie gehören zu denen, die weltweit gern registriert werden, weil ihre Domainendung so beliebt ist, oder weil die Registrierung nichts kostet. Domains mit .tv, .am oder .fm werden beispielsweise gern von Medienunternehmen aus aller Welt gebucht, .re von Réunion ist beliebt bei Immobilienmaklern, da es die englische Abkürzung für real estate ist.

Kategorien: Datenvisualisierung

Ein bunter Punkt für jeden Amerikaner

Von 13. September 2013 um 14:35 Uhr
Verteilung ethnischer Gruppen in den USA: blau - Weiße, grün - Schwarze, rot - Asiaten, orange - Hispanics. Quelle: Dustin A. Cable http://demographics.coopercenter.org/DotMap/index.html

Verteilung ethnischer Gruppen in den USA: blau – Weiße, grün – Schwarze, rot – Asiaten, orange – Hispanics. Quelle: Dustin A. Cable http://demographics.coopercenter.org/DotMap/index.html

Die Frage der segregation, der Trennung der ethnischen Gruppen, treibt die USA noch immer um: Bleiben die mehr als 300 Millionen Menschen verschiedener Herkunft unter sich oder leben sie das amerikanische Ideal der bunt gemischten salad bowl?

Dustin Cable von der University of Virginia hat sich dieser Frage mit Daten genähert und die Racial Dot Map erstellt: Für jeden Bürger gibt es einen Punkt, oft kleiner als ein Pixel. Dieser Punkt wurde dann je nach ethnischer Herkunft entsprechend eingefärbt.

Auf den ersten Blick ist Cables Karte vor allem bunt. Wer hineinzoomt, kann jedoch bis auf den Straßenblock genau sehen, wo Weiße, Afro-Amerikaner, Asiaten oder Hispanics leben.

So ergibt sich ein selten anschauliches Bild: Während zum Beispiel in San Francisco vor allem Mischtöne zu sehen sind, besteht Chicago vielerorts aus verschiedenen, jedoch nahezu einfarbigen Kacheln.

In den großen, dünn besiedelten Gebieten außerhalb der Städte sieht man vornehmlich blauen Dunst – blau steht für Weiße. Mittendrin gibt es dann Städte wir Portland, die zwar vornehmlich blau sind, aber vergleichsweise gut integriert erscheinen.

Als Inspiration diente Cable ein Projekt von Brandon Martin-Anderson vom MIT Media Lab, der eine Karte mit einem schwarzen Punkt für jeden Bürger der USA, Kanadas und Mexikos erstellt hatte. Cable ergänzte dann die Farben für die ethnische Herkunft mit Daten aus dem amerikanischen Zensus 2010. Hier gibt es mehr zur Methodik.

Karte der Einwohner von Detroit und ihrer ethnischen Herkunft: blaue - Weiße, grün - Schwarze. Quelle: Dustin A. Cable http://www.wired.com/design/2013/08/how-segregated-is-your-city-this-eye-opening-map-shows-you/#slideid-210361

Karte der Einwohner von Detroit und ihrer ethnischen Herkunft: blau – Weiße, grün – Schwarze. Quelle: Dustin A. Cable http://www.wired.com/design/2013/08/how-segregated-is-your-city-this-eye-opening-map-shows-you/#slideid-210361

Außerdem korrigierte er das Kartenmaterial in manchen Städten, sodass keine Menschen mehr in Straßen oder Parks angezeigt werden. Erst dadurch werden Phänomene wie das in Detroit sichtbar: Dort trennt die 8 Mile Road exakt die Teile der Stadt, in denen Afro-Amerikaner und Weiße leben.

Kategorien: Datenvisualisierung

Eric Fischers Geodatenwelten

Von 20. Juni 2013 um 12:00 Uhr
Visualisierte Geodaten von Flickr-Fotos in Berlin: blau sind Bilder von Einheimischen, rot zeigt Bilder von Touristen, gelbe Punkte können nicht zugeordnet werden. CC-BY-SA 2.0 Eric Fischer

Visualisierte Geodaten von Flickr-Fotos in Berlin: blau sind Bilder von Einheimischen, rot zeigt Bilder von Touristen, gelbe Punkte können nicht zugeordnet werden. CC-BY-SA 2.0 Eric Fischer

Handys sind Ortungswanzen. Sie zeigen dank GPS-Satelliten und Sendemast-Triangulation, wo wir uns aufhalten. Dienste wie Twitter oder Flickr speichern diese Daten. Und Menschen wie Eric Fischer machen diese Daten sichtbar und damit auch die menschlichen Wege und Vorlieben. Fischer ist Fotograf, Kartenliebhaber und seit einiger Zeit Datenvisualisierer. Und was er aus Flickr und nun auch Twitter herausholt, sieht nicht nur schön aus, es verdeutlicht auch auf einen Blick komplexes Verhalten.

“Locals and Tourists” heißt sein Projekt. Fischer analysiert, wo in Städten der Welt vor allem Einheimische und wo vor allem Touristen twittern und fotografieren.

Zur Analyse von Twitter nutzte er drei Milliarden Tweets aus der Zeit seit September 2011 und sammelte alle heraus, die einen Geo-Tag enthalten, also die Ortskoordinate, an der die Botschaft abgeschickt wurde. Anschließend filterte der diese Botschaften danach, ob sich der Absender schon länger in der Stadt aufhielt oder erst vor Kurzem dorthin gekommen war. Auch das verraten die Geodaten. So konnte er die Stadtpläne in zwei Farben darstellen: blau für Tweets von Einheimischen, rot für die von Touristen.

Das gleiche hatte Fischer zuvor bereits mit Flickr-Daten gemacht, siehe das Bild am Anfang des Textes. Beide Kartensammlungen zeigen, welche Orte einer Stadt bei welcher Gruppe beliebt sind. Hier beispielsweise in New York:

Visualisierung von Twitter-Geodaten. Wo in New York twitterten Einheimische (blau) und wo twitterten Touristen (rot). Eric Fischer/MapBox

Visualisierung von Twitter-Geodaten. Wo in New York twitterten Einheimische (blau) und wo twitterten Touristen (rot). Eric Fischer/MapBox

Noch spannender sind Fischers Projekte, die bei Twitter genutzte Sprachen und die verwendeten Smartphonetypen visualisieren.

Die Karten zu Betriebssystemen zeigen beispielsweise, dass die USA ein iPhone-Land sind, dass Spanien klar von Android dominiert wird und Indonesien von Blackberry. Solche Informationen hatten bis vor kurzer Zeit nur große Konzerne. Fischer nutzt öffentlich verfügbare Daten, um sie allen zugänglich zu machen. Die Daten sind so detailliert, dass sich in ihnen sogar die ringförmige Bauweise des Flughafenterminals von Berlin-Tegel erkennen lässt.

Flughafen Berlin-Tegel, zu sehen sind Geodaten von Tweets, geschrieben mit einem iPhone (rot) und einem Android-Gerät (grün). Eric Fischer/MapBox

Flughafen Berlin-Tegel, zu sehen sind Geodaten von Tweets, geschrieben mit einem iPhone (rot) und einem Android-Gerät (grün). Eric Fischer/MapBox

Und nicht nur das. Sie zeigen beispielsweise auch, dass iPhones vor allem in reichen Gegenden benutzt werden, Androidgeräte eher in ärmeren, wie der Atlantic in den Daten gesehen hat.

Via @msgbi

Wo Amerikaner hassen

Von 13. Mai 2013 um 12:23 Uhr
Hate Map - Verteilung von homophoben Tweets zwischen Juni 2012 und April 2013 in den USA

Hate Map – Verteilung von homophoben Tweets zwischen Juni 2012 und April 2013 in den USA

Islamistischer Terrorismus ist nicht der einzige, den die USA fürchten. Mindestens ebenso bedrohlich sind sogenannte Hate Groups, religiöse und rechte Gruppierungen, die sich als Patrioten betrachten und deren Ziel es ist, den amerikanischen Staat und alles, was ihnen fremd erscheint, zu bekämpfen. Ihre Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen, als Barack Obama 2009 Präsident wurde, stieg die Zahl noch einmal stärker.

Eine auf Twitter basierende Studie zeigt nun, wie sich homophobe, rassistische und beleidigende Äußerungen gegenüber Menschen mit Behinderungen in den USA verteilen. Die Daten können zumindest ein Indiz dafür sein, wo solche Organisationen aktiv sind.

Die Forschergruppe, die die Karte erstellt hat, nennt sich Floating Sheep. Es sind fünf Geographen, die an verschiedenen Universitäten in den USA und in Großbritannien arbeiten und die sich immer wieder die Verteilung diverser Phänomenen anschauen und visualisieren.

Weiter…