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Berlin-Bonn: Die finale Abrechnung

Von 22. November 2012 um 09:34 Uhr

Wenn Fehlentwicklungen nicht mehr zu leugnen sind, wenn klar wird, dass etwas nicht hinhaut, dann gibt es meist nicht mehr viele Möglichkeiten. Fast immer aber bleiben zumindest zwei: 1. Man stellt sich der Sache und bilanziert. Oder, 2., man flüchtet und hält sich dabei womöglich noch die Ohren zu, um das Geschrei nicht zu hören. Da das hier das Ostblog ist, stellen wir uns der großen Abrechnung und rennen natürlich nicht weg.

Es geht um Bonn vs. Berlin.

Dazu gehen wir nach vorn an die Tafel und schreiben links “Westen” (also Bonn) und rechts “Osten” (Berlin). Dann versuchen wir “Plus”- und “Minus”-Zeichen zu verteilen. Das hört sich konstruiert an, hat aber folgenden Hintergrund: Bonn macht gegen Berlin mobil. Und zwar nicht irgendwie latent und nur ein bisschen verstänkert, sondern ganz offiziell. “Bonn” heißt in diesem Fall ein Rechtswissenschaftler namens Markus Heintzen und an seiner Seite der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. Heintzen hat ein Gutachten vorgestellt, in dem er sagt, dass Berlin gegen das Berlin-Bonn-Gesetz verstößt. Und Nimptsch sagt: Stimmt!

Nun könnte man sagen: Lass doch, soll Wowereit antworten. Aber der macht nüscht. Und so müssen wir hier zwei Rollen übernehmen: 1. die des Schiedsrichters und 2. die von Berlin.

Bonns Vorwurf lautet im Wesentlichen: Zu viele Ministeriumsmitarbeiter arbeiten in Berlin. Nach Nimptschs Rechnung sind das 10.029. In Bonn sind es dagegen nur 8095. Und in dieser 2000er Differenz steckt das “Auweiha!” der Bonner. Denn nach dem Berlin-Bonn-Gesetz muss die Mehrzahl der Ministerialarbeitsplätze in Bonn angesiedelt sein. Und in der Expertise heißt es zu der aktuell ausgezählten Differenz:

“Das ist objektiv rechtswidrig und verletzt möglicherweise subjektive Rechte der Bundesstadt Bonn.”

Was also spricht “subjektiv für Bonn”, um das “objektiv rechtswidrige” wieder gerade zu rücken?

- Bonn hat 10.000 Einwohner und 2000 SV-Jobs mehr als damals (Plus Bonn)
- Irans Ex-Botschaft verschimmelt in Bonn (Minus Bonn)
-Sachsen-Anhalts Landesvertretungsinnenhof in Berlin hat ein neues Dach (Plus Berlin)
-In Bonn sitzt das Bundesinstitut für Arzneiprodukte (Plus Bonn)
-Südkoreas Ex-Botschaft in Bonn ist ein Luxus-Seniorenquartier (Plus Bonn)
-Die Amerikanische Ex-Botschaft in Bonn ist nun die Bundesanstalt für Landwirtschaft (Plus Bonn)
-In der UN-Stadt Bonn gibt es 18 UN-Einrichtungen (Plus Bonn)
-Wolfgang Thierse findet: Bonn ist eine “blühende Stadt” (Plus Berlin, weil der Berliner Thierse das natürlich ironisch gemeint hat)
- Bonn hat den Karneval (Minus für Bonn – Schiedsrichterentscheidung)
- Peer Steinbrück lebt in Bonn (Steuerplus Bonn)

5:2 für Bonn! – Stimmt das?

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das Bonn-Berlin oder Berlin-Bonn- Gesetz sollte aufgehoben werden. Berlin ist unsere Hauptstadt und wir waren uns, zumindest außerhalb von NRW, immer darüber einig, dass BONN als “Hauptstadt” nur ein Provisorium in der “provisorischen” BRD sein soll. Ohne einen bedeutenden rheinisch-katholischen Rosenzüchter wäre es gewiß nie zu dieser Ehre gekommen. Das Geheule ging erst los, als die Wiedervereinigung greifbar geworden ist. Bonn ist, seiner Größe und historischen Bedeutung in Deutschland nach bemessen, inzwischen auch ohne Bundesministerien mehr als ausreichend versorgt.

    • 25. November 2012 um 14:13 Uhr
    • Klaus Zutavern
  2. 2.

    Die Mehrkosten, die durch die räumliche Teilung entstehen, sind nicht zu rechtfertigen. Sie waren es eigentlich nie. Aber der Lobbyismus hierzulande macht auch das mölgich. Gesetz aufheben, alle Beamten nach Berlin und wer nicht mitmacht, kann sich eine andere Arbeit suchen. So einfach könnte das das. In anderen Fällen wird es durchaus so gemacht.

    • 27. November 2012 um 14:30 Uhr
    • arnster
  3. 3.

    Sie sprechen mir aus dem Herzen! Der derzeitige Zustand ist nicht nur anachronistisch, sondern schlicht erbärmlich!

    • 1. Dezember 2012 um 17:00 Uhr
    • Günther Quapil
  4. Kommentar zum Thema

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