Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Honecker an der Schwaben-Ampel

Von 6. Dezember 2012 um 23:25 Uhr

Nicht viele “Errungenschaften” der DDR haben diese überdauert. Bis heute gehören dazu die im Osten zahlreicheren Kindergärten, der grüne Pfeil (fast nur im Osten) und – auch wenn sie heute nicht mehr so genannt wird – die Oder/Neiße-Friedensgrenze (ganz im Osten, natürlich).

Ein geradezu notorisches DDR-Symbol hat es jetzt sogar an eine Lichtzeichen-Anlage im schwäbischen Stadtbergen bei Augsburg geschafft. Wochenlang sorgte dort ein Ost-Ampelmännchen – mit Hut! – für Verwirrung. Eine Firma aus Thüringen hatte sich vertan, als sie die Ampeln an der Kreuzung Hagenmähderstraße und Bismarckstraße renovierte. Polizei, Landratsamt, der Bürgermeister der 15.000-Einwohner-Stadt und sogar Bayerns Innenministerium rätselten, ob das “Männle” bleiben darf. Im Ministerium war man skeptisch. Ein Sprecher meinte, es gehe ja nicht jedes Ampelmännchen: “Nicht, dass wir bald eines mit Lederhose haben”.

Lange zweifelte auch die Augsburger Allgemeine, ob es dafür eine Rechtsgrundlage gibt. Doch sie fand sich, in keinem geringeren als dem deutsch-deutschen Einigungsvertrag. Der sicherte den Symbolen im Ost-Straßenverkehr ihren Bestand zu; und weil der Vertrag alternative Signale allgemein zuließ, dürfen sie heute auch im Westen gelten.

So konnte die Augsburger Allgemeine bald nach der Entdeckung der Geschichte fröhlich titeln: “Entscheidung gefallen: das Ost Ampelmännchen darf bleiben”. Die Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt hatte sich ja auch redlich Mühe beim Auffinden der Rechtsgrundlage gegeben und Stadtbergens Bürgermeister Paulus Metz (CSU) “immer betont, dass ich das Männchen gerne behalten möchte.” Ihm komme das etwas kräftigere Ost-Ampelmännlein figürlich näher, sagte er. Und damit es auch anderen bald so geht, soll es bald ein Ampelmann-Gummibärchen geben.

Taschen, Tassen und T-Shirts gibt es ja schon lange – sogar Nudeln. Schließlich war es auch ein Schwabe, der die Ampelmännchen des Ostens vor der endgültigen Abwicklung bewahrte, erzählt die Witwe des 2009 verstorbenen Ampelmann-Erfinders Karl Peglau. Ob allerdings auch die schwäbischen Kommunalpolitiker so begeistert gewesen wären, wenn sie gewusst hätten, warum der Ost-Ampelmann Hut trägt? Hildegard Peglau nannte ein Vorbild, das ihr Mann für seine “Straßenleitfigur” 1961 hatte: Erich Honecker mit Strohut! Heilig’s Blechle!

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Aber verstößt das Ampelmännchen nicht gegen das Bundesgleichstellungsdurchsetzungsgesetz? Warum wird als Symbol ein Mann verwendet? Wo bleibt die Frau?

    • 10. Dezember 2012 um 11:47 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  2. 2.

    Ich bezweifle ernsthaft, dass Erich Honecker 1961 Strohut trug und Vorbild fürs Ampelmännchen wurde. Zudem – warum er, so bekannt war er da (10 Jahre vor Ende der Ära Ulbricht) noch gar nicht.
    Schauen Sie sich mal Bilder von EH aus dem Jahr des Mauerbaus an. Das ist noch nicht der spätere Strohhutträger.
    Eine hübsches Geschichtchen aber m.E. pure Legende

  3. 3.

    @Siegfried Wittenbrug
    Es gibt durchaus “Ampelweibchen”. Zum Beispiel in Dresden in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle “Prager Straße”. Allerdings ist beim Ampelweibchen wegen dem Rock der Unterschied zwischen gehend und stehend schlechter zu erkennen.

    • 7. Januar 2013 um 14:49 Uhr
    • Dragana Dro
  4. 4.

    @ Dragana Dro

    Danke. Wie ich im Internet gesehen habe, sind die Ampeldamen tatsächlich auf dem Vormarsch: Zwickau, Dresden. Die Straßenverkehrsordnung fordert lediglich das Sinnbild eines Fußgängers. Das gilt auch für das Schwabenlande. Eine Geschlechtsbestimmung gibt es nicht. Vielleicht fallen die Ampeln bald unter die Quotenregelung.

    Und der Einheit Deutschlands schadet es nicht, wenn sich Damen und Herren aus Ost und West vermischen, ähnlich wie die Wecken und Schrippen.

    • 9. Januar 2013 um 10:05 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  5. Kommentar zum Thema

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