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Die SPD-Spitze, die Schwaben im Osten und die Schrippe

Von 3. Januar 2013 um 00:26 Uhr

Jetzt auch noch Thierse, Wolfgang Thierse. Er hat seine friedliche Phase beendet und fängt an zu motzen: In dem von ihm mitgentrifizierten Schmocki-Viertel, dem Berliner Prenzlauer Berg, hat er den Feind ausgemacht und das sind Bewohner, die noch mehr Geld haben als er: die Schwaben. Thierse findet Schwaben doof.

In einer Westberliner Zeitung trug er vor wenigen Tagen folgende Beschwerde vor: “Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken.” Doch Thierse ist bei diesem Interview offenbar die Kontrolle entglitten, denn er lacht nicht etwa oder winkt ab oder freut sich über die Mitnahmeeffekte der Berliner Geschäfte. Nein, er gibt opamäßige Ratschläge: “In Berlin sagt man Schrippen – daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen.” – Mein Opa hat damals in seiner Hausherrenattitüde immer gesagt: “Inne Stube wern Hausschuhe anjezohren!” Und vorsorglich hat er dann auch noch mit Backpfeifen gearbeitet.

Thierse, wir haben Angst. (Und die Schwaben erst!)

Überholt wurde Thierse nur noch von seinem Parteifreund, dem Peer. Der nun wiederum kommt mit seiner aktuellen Meckerei von der anderen Seite. Weil Steinbrück (wahrscheinlich) in Berlin so gerne Schrippen isst und dabei die Teile übrigens auch ortsüblich bezeichnen kann, die Dinger aber immer teuer werden, will er nur noch unter einer Bedingung Kanzler werden: Wenn der Rubel dann auch so richtig rollt.

Wer verzichten muss, damit es beim Peer so richtig in der Tasche klingelt, wird ihm dann sein Außenminister Thierse verraten: die Weckenesser natürlich.

Die Schwaben konnten diesen Verzicht schon mal üben, als die Sozialdemokraten im September verkündeten, dass der Peer gegen die Angela antreten wird. Mit viel Brimborium hatten sich die schwäbischen Genossen schon auf den Besuch Steinbrücks beim Kommunalpolitikertag in Augsburg gefreut. Doch dann musste Steinbrück im fernen Berlin an diesem Tag seine bundespolitischen Ziele erklären. Linus Förster, bayerischer Landtagsabgeordneter, sprach zum Trost über den verpassen Besuch des frisch ausgerufenen Spitzen-Sozialdemokraten-Kandidaten: “Steinbrücks finanzmarktpolitisches Konzept kommt zum richtigen Zeitpunkt.” So viel Lob von einem Schwaben in dieser Frage – die SPD weiß zu überzeugen, in Ostberlin und ganz im Süden.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] Die SPD-Spitze, die Schwaben im Osten und die SchrippeZEIT ONLINE (Blog)Jetzt auch noch Thierse, Wolfgang Thierse. Er hat seine friedliche Phase beendet und fängt an zu motzen: In dem von ihm mitgentrifizierten Schmocki-Viertel, dem Berliner Prenzlauer Berg, hat er den Feind ausgemacht und das sind Bewohner, die noch …Interview mit Bundestagsvize Thierse: "So proper wie in Schwaben wird es in …Spiegel OnlineNach Äußerungen zu Schwaben in Berlin: Unternehmer schenkt Thierse ein Abo …FOCUS OnlineGentrifizierung in Berlin: Schwäbische Scheingefechte mit Wolfgang ThierseHamburger AbendblattSüddeutsche.de -www.dw.de -FAZ – Frankfurter Allgemeine ZeitungAlle 411 Artikel » [...]

  2. 2.

    Wieso “Westberliner” Zeitung? Ich dachte, die Stadt ist nicht mehr getrennt.

    Wenn sich Wecken besser verkaufen als Schrippen ist es ähnlich wie mit gebackenen “Berlinern” und “Pfannkuchen”, wozu die Bayern “Krapfen” sagen. Alles das gleiche Rezept. Markenpflege. Martkwirtschaft. Ein Berliner würde im Schwabenlande auch keine Schrippen loswerden und wenn ein Schwabe in Berlin Wecken verkauft, ist es so, als wenn ein Amerikaner aus Frankfurt in Rügenwalde Hamburger vermarktet.

    Doch ich denke, der Artikel wäre anders ausgefallen, wenn sich 90 Prozent der Bewohner des Prenzlauer Berges mit “Servus”, “Moin”, “Grüß Gott”, “καλημέρα”, “добрый день”,يوم” سعيد.”,
    “ગુડ દિવસ”, “শুভ দিন” oder “美好的一天” begrüßen würden.

    Kann ja noch kommen.

    • 3. Januar 2013 um 10:03 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  3. 3.

    Thierse hat Recht!

    Laut dpa haut der Bärtige brötchentechnisch betrachtet in die richtige Kerbe: “Eine Schrippe ist kein Weckle”, erklärt Bäckerinnungsmeister Gerhard Sailer ausch Stuttgart (!). Sie sei “eine Berliner Eigenheit, bei der die Brötchen mit der Hand eingeschlagen werden” – für den Schlitz auf der Oberseite, der für die “knusprige Kruste” sorge. Weckle dagegen würden eingeschnitten.

    Wär’ aber wohl koi echter Schwob, der Sailer, wenn er nicht doch noch stänkern würde. Laut dpa sagt er nämlich auch: “Wirklich handgefertigte Schrippen gibt es kaum noch. Die meisten Brötchen werden heute maschinell gefertigt – und eben geschnitten.” Und: Für seine schwäbischen Kunden habe er auch mal Schrippen gemacht: “Aber sie waren nicht so beliebt, da haben wir es gelassen.”

    • 4. Januar 2013 um 00:26 Uhr
    • Kristian Schulze
  4. 4.

    Von Herrn Thierse hätte man sich nehr erwartet. Wann geht er in Ruhestand? Hoffentlich sofort. Eine Peinlichkeit ersten Ranges. Wasser (Multikulturalität) predigen und Wein trinken. Ist “Schrippen” etwa “hochdeutsch”? Hier blamiert sich eine SPD-Politiker-Generation bis auf die Knochen. Sein Kollege möchte als Kanzler natürlich maximal Geld verdienen…

    • 5. Januar 2013 um 00:54 Uhr
    • Martin Reinhard
  5. 5.

    Die besten Berliner sind die Schwaben!

    • 7. Januar 2013 um 19:28 Uhr
    • Roland Kraus
  6. Kommentar zum Thema

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