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Principiis obsta*, Berlin! Tätää…

Von 14. Februar 2013 um 14:23 Uhr

Nun, da der diesjährige Karneval endlich Asche ist, kann man ja wieder nüchtern reden. Nicht wahr, Herr Bosbach?! Trotzdem es um Berlin geht, mach ich das jetzt mal, als Magdeburger. Weil unser Hauptberliner Stefan Ruwoldt (genannt “Schrippe”, nicht “Weckle”!), gerade bei einem richtigen Karneval (Berlinale) ist. Doch auch ich komme aus einer Humor-Hochburg, fühle mich betroffen und frage mürrisch: Was sollte das?! Was dachten Sie sich, als Sie auf Karnevals-Urlaub dem “Kölner Stadtanzeiger” verrieten, dass Sie die “Karnevalskultur in Berlin für verbesserungsfähig” halten?

Dass in Berlin keiner mitbekommt, was Sie, der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, da planen? Noch im weit entfernten Weltfinanzsystem waren die Schockwellen zu spüren, die Ihre Äußerungen zum Berliner Karneval auslösten – als sehr ungemütliches Zittern.

Sie kommen aus Bergisch Gladbach. Trotzdem haben Sie richtig erkannt: “Karneval ist kein Volksfest in Berlin.” Weiter analysierten Sie, nicht ohne zunächst noch recht nüchterne Schärfe, dass man so etwas nicht einfach importieren könne. Dann aber, ich nehme an das Gespräch plätscherte so dahin, verloren Sie wohl die Kontrolle: “Es dauert, bevor da eine Tradition entsteht, die mit dem Kölner Karneval irgendwie vergleichbar wäre. Das wird Generationen in Anspruch nehmen. Das muss wachsen.”

Sie planen da ein großes Ding, stimmt’s?!

Aber wisse, Rheinländer: Der Berliner lässt Dich in seiner Stadt regieren, aber nicht missionieren. Darum attackierten Sie ja auch dessen gewählte Vertretung, den Berliner Senat, der – seiner Aufgabe gemäß mäßigend wirkend – den Karnevals-Umzug auf dem Kurfürstendamm auf 75 Dezibel begrenzte und Verschmutzungen durch Konfetti untersagte. Natürlich, da haben Sie wieder Recht, Herr Bosbach, kann sich unter solchen Umständen der Karneval schlecht entwickeln. Darum geht es ja auch. Wenn Berlin wollte, könnte es ganz groß. Denken Sie mal an die Love-Parade und was daraus geworden ist – im Rheinland. Aber vielleicht lassen wir das…

“Schrippe” erklärt dazu: “Karneval wird in Berlin unter der Decke gefeiert.” Ich weiß zwar nicht so ganz genau, was er damit meint, und will es auch gar nicht wissen. Doch auch er denkt, wie ich übrigens, dass es in Berlin ja Fasching gibt, für Kinder. Und das reicht doch.

Einen dicken Fehler haben Sie übrigens noch gemacht, Herr Bosbach: Sie sagten, es werde in Berlin “in einigen Kneipen wirklich zünftig gefeiert”, und erwähnten da diese Kölsch-Kneipe “Ständige Vertretung” als “das spirituelle Zentrum des Karnevals in Berlin”. Ich wiederhole das nur, um dem Berliner Senat die Prüfung möglicher ordnungsrechtlicher Schritte anheim zu stellen. Vielleicht lässt sich ja bau- oder -nutzungsrechtlich gegen solcherlei Treiben was finden (Schiffbauerdamm 8,  10117 Berlin). Vielleicht könnten auch das Finanzamt oder die Hygiene mal gucken. Oder eigentlich gleich die Sitte…

Bevor es jedoch zu derart kriegerischen Abwehrkämpfen kommen muss… überlegen Sie doch mal, Herr Bosbach! Braucht es denn wirklich auch noch Karneval? Hat Berlin nicht schon genug Probleme?

* Wehre den Anfängen!

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    In was für einem Land leben wir eigentlich? Warum müssen wir uns jetzt von jemandem aus Magdeburg den Karneval verbieten lassen?

    Karneval ist von Natur aus Opposition. Wenn der Berliner Senat jezt schon die Musik beim Karnevalszug runterdreht, nähern wir uns bekannten Zeiten.

    Schicken sie doch gleich die Stasi zur Ständigen Vertretung, Herr Autor. Spielen Sie sich hier mal lieber nicht auf wie ein publizistischer Blockwart der Moderne.

    Ihr in Berlin ignoriert, dass ihr bislang keinen einzigen Tag finanziell auf eigenen Beinen gestanden habt. Berichtet lieber von der Nazi-Szene in Euren kleinen Dörfern von denen aus ihr in die Hauptstadt gekommen seid. Denn man unterhält sich meist eh nicht mit echten Berlinern bei solchen Diskussionen.

    PS: Duisburg liegt für uns im Ruhrgebiet. Wat im Geografie-Buch steht, interessiert uns nicht, Kleiner.

    • 14. Februar 2013 um 23:43 Uhr
    • Schumi
  2. 2.

    “Karneval ist von Natur aus Opposition.”

    Ich dachte Karneval ist Spaß. Eine Opposition endet nicht am Aschermittwoch.

    • 15. Februar 2013 um 07:43 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  3. 3.

    “Berichtet lieber von der Nazi-Szene in Euren kleinen Dörfern von denen aus ihr in die Hauptstadt gekommen seid.”

    Ein Oberneonazi, der von einem “Dorf” in der “Nähe” der Hauptstadt aus fleißig rechte Politik betreibt und seinem verirrten ostdeutschen Fußvolk die selig machende Richtung weist, stammt aus Wegberg im Kreis Heinsberg, Nordrhein-Westfalen. Morgenluft witternd, hat er sich Ende der 1990er Jahre auf den Weg gemacht, um die nach dem Mauerfall Gestrandeten zu missionieren. Ob er auch Karneval feiert, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sitzt er im Parlament in der Opposition.

    Tatsache ist: Das Gedankengut der Nazis ist mobil, weder auf Berlin noch auf Nordrhein-Westfalen beschränkt. Es soll sogar Nazis in Südamerika geben.

    • 15. Februar 2013 um 07:56 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  4. 4.

    @ Kristian Schulze

    Können Sie diesen Ausrutscher von Bosbach, im Grunde ein netter Mensch, nicht einfach ignorieren?

    Vielleicht wäre es möglich, die Berliner zwischen einem rheinländischen oder einem brasilianischen Karneval wählen zu lassen. Mal sehen, was sich dann daraus als Kultur entwickelt.

    Diese albern gekleideten Jecken, die in der Karnevalszeit die TV-Sender blockieren und seit zig Jahren die gleichen Kalauer (umgspr. für Plattwitz, Flachwitz) einem selig schunkelnden Publikum unter die Narrenkappe jubeln, sind doch auch nur Ausrutscher. Und alle Nichtjecken freuen sich auf den realpolitischen Aschermittwoch, wenn es wieder die echten Witze gibt.

    Tanz, Mariechen, tanz!

    • 15. Februar 2013 um 08:15 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  5. Kommentar zum Thema

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