‹ Alle Einträge

Die Drei-Stadt

 

Vor einigen Monaten habe ich hier im mal Ostblog versucht, das etwas komplizierte, für Außenstehende aber durchaus auch amüsante (Nicht-)Verhältnis zwischen den Städten Erfurt, Jena und Weimar zu beschreiben. Sie erinnern sich vielleicht: Das sind die drei Städte im Zentrum Thüringens, deren Bewohner offiziell nichts miteinander zu tun haben wollen, was sie aber nicht davon abhält, aus beruflichen Gründen oder denen des Freizeit-Vergnügens hin- und herzupendeln.

Nun reden auch die Erfurter, Jenaer und Jenenser, Weimarer und Weimaraner nicht permament über die Bewohner der jeweils anderen Städte. Sie haben ja auch meist Wichtigeres zu tun. Nun aber gibt es Anlass, sich mit dem Binnenverhältnis der drei Städte wieder öffentlich zu befassen. Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig hat nämlich jetzt ein Zukunftskonzept für Thüringen vorgelegt, in dem doch allen Ernstes die Rede von der „Drei-Stadt“ Erfurt-Weimar-Jena ist. Gemeint ist damit zwar ausdrücklich nicht eine Fusion der drei Städte zu einer Thüringer Superstadt, aber immerhin ein aufeinander abgestimmtes, gemeinsames Planen zum Beispiel in Sachen Nahverkehr oder Wohnungsbau. Damit könnte diese Region zu einer Art Metropole Thüringens zusammenwachsen, so die Begründung Machnigs oder seiner Referenten (man weiß ja bei Ministern nie so genau, ob sie sich die Konzepte, mit denen sie an die Öffentlichkeit gehen, selbst ausgedacht haben). Also eine Art zweites Ruhrgebiet, wobei das räumliche Zusammenwachsen durch neue Wohngebiete entlang einer imaginären S-Bahn-Linie zwischen den drei Städten erfolgen soll.

Diese Drei-Stadt-Geschichte ist nicht der einzige Vorschlag des Machnigschen Zukunftskonzepts, aber der skurrilste. Auch wenn für die Idee einer engeren Planung in verschiedenen Bereichen durchaus einige Argumente sprechen (z.B. die Entlastung des mittlerweile ziemlich überhitzten Wohnungsmarkt in Jena). Aber die Bildung einer solchen Drei-Stadt würde die Lokalpatrioten aller drei Kommunen heraus- und überfordern. Denn die Pflege lokaler Animositäten ist ja für viele eine Art Volkssport und Teil des eigenen Selbstverständnisses. Und so ergeht sich denn das politische Thüringen – allen voran der Koalitionspartner von Machnigs Sozialdemokraten, die CDU – in lustigen Wortspielchen, wie die Dreistadt wohl künftig heißen könnte: Jenefmer, Erweina, Weijefurt oder Jeermar. Na immerhin hat Machnig so für etwas Spaß gesorgt im beschaulichen Thüringen. Tut ja zur Abwechslung auch mal ganz gut.

2 Kommentare

  1.   Siegfried Wittenburg

    „Denn die Pflege lokaler Animositäten ist ja für viele eine Art Volkssport und Teil des eigenen Selbstverständnisses.“

    Vorschlag: In jeder der drei Städte eine Profifußballmannschaft gründen und diese in die Bundesliga aufsteigen lassen. Das belebt die Verkehrsverbindungen, die regionale Wirtschaft und berücksichtigt die lokalen Animositäten. In Rostock ist noch ein tolles Stadion günstig abzugeben.


  2. „Drei-Stadt“? Machnig kennt sich wohl in der Wessiland-Geschichte nicht so gut aus, wie?
    Kurze Nachhilfe aus „Wikipedia:

    „Lahn[1] war eine Stadt in Hessen, die von 1977 bis 1979 (31 Monate lang) Bestand hatte. Wichtigste Teilgemeinden der Großgemeinde waren die Städte Gießen und Wetzlar. Zur Unterscheidung vom gleichnamigen Fluss, der Lahn, wurde sie meist als Stadt Lahn bezeichnet.

    Entstehung
    Die Stadt wurde zum 1. Januar 1977 im Zuge der Gebietsreform in Hessen als kreisfreie Stadt gebildet[2]. Sie hatte ca. 156.000 Einwohner und war gleichzeitig Verwaltungssitz des damals durch Vereinigung des Dillkreises mit den Landkreisen Gießen und Wetzlar neu gegründeten Lahn-Dill-Kreises. Die Stadt umfasste die frühere kreisfreie Stadt Gießen, die Stadt Wetzlar sowie 14 weitere umliegende Gemeinden. Nach Bürgerprotesten löste man die Großgemeinde zum 31. Juli 1979 wieder auf; bleibendes Resultat war für Gießen der Verlust der einstigen Kreisfreiheit.

    Einen ähnlichen Fall hatte es 1975 in Nordrhein-Westfalen gegeben, wo mit Bottrop ebenfalls eine zwangsvereinigte Großstadt (scherzhaft Glabotki) nach kurzer Zeit wieder aufgelöst wurde, in diesem Falle allerdings aufgrund eines Gerichtsurteils.“

    Kurios am Rand: Die Stadt Lahn bekam als Kfz-Kennbuchstaben das ursprünglich für Leipzig reservierte „L“, was nach der Auflösung von Lahn wieder für Leipzig frei wurde.