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	<title>Ost-Blog</title>
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	<description>Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.</description>
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		<title>Weiter im Text &#8230; (und nicht im Blog)</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 16:17:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Ruwoldt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Die letzte Meldung dieses Ostblogs kommt aus dem Westen. Von einer Krankenkasse. Eine dieser so genannten Körperschaften öffentlichen Rechts, die TK aus Hamburg, hat ihre Krankenscheine durchgesehen, hat Stapel gemacht, sortiert, Strichlisten angefertigt und das Ganze geordnet. Herausgekommen ist: Der Osten ist krank. Genauer: Der Osten ist öfter krank als der Westen. Aus den fünf [...]]]></description>
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<p>Die letzte Meldung dieses Ostblogs kommt aus dem Westen. Von einer Krankenkasse. Eine dieser so genannten Körperschaften öffentlichen Rechts, die TK aus Hamburg, hat ihre Krankenscheine durchgesehen, hat Stapel gemacht, sortiert, Strichlisten angefertigt und das Ganze geordnet. Herausgekommen ist: Der Osten ist krank. Genauer: Der Osten ist öfter krank als der Westen. Aus den fünf seit 1990 bestehenden Bundesländern und der Bundeshauptstadt kommen im Ländervergleich die meisten Krankenscheine mit den dann auch noch längsten Krankenzeiten. </p>
<p>Was sagt das nun über den Osten aus? &#8211; Diese Frage hat sich auch die TK gestellt und schickte eine <a href="http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-05/studie-fehlzeiten-bundeslaender" title="Sprecherin" target="_blank">Sprecherin</a> vor die Mikrofone mit einer Erklärung für diese Krankheit des Ostens: &#8220;Die Vermutung liegt nahe, dass die hohe Zahl an Fehltagen etwas mit der höheren Arbeitslosigkeit in den ostdeutschen Regionen zu tun hat.&#8221; &#8211; &#8220;Zu tun haben&#8221;, &#8220;Vermutung&#8221; und &#8220;liegt nahe&#8221; sind Floskeln, die anzeigen, dass hier jemand nicht Bescheid weiß und sich und anderen Annahmen präsentiert, auf die seine Daten eventuell passen könnten. So etwas passiert schon mal. Nicht nur der TK. </p>
<p>Wer aber nun feststellt, dass ihm da besonders oft ein Deckel übergestülpt wird, ein Deckel, den sich jemand anhand seiner fertigen Urteile zurechtgezimmert hat, der kann schon mal stänkern und sagen: &#8220;Nee, so einfach ist das nicht, den Deckel will ich nich!&#8221; &#8211; Genau das sollte hier passieren: Wir haben versucht, zu beleuchten, wo es holpert und kracht im Osten, wollten beschreiben, wie dieser Teil Deutschlands tickt und haben Erklärungsversuche angeboten. Und dann wollten wir im Ostblog ein bisschen pieksen und fragen, ob da &#8211; vor allem medial und politisch &#8211; immer mit den richtigen Nägeln und Brettern an den offenen Ostlöchern gewerkelt wurde. </p>
<p>Diese Debatte um die kleinen und großen Ostprobleme beenden wir hier nun. Allerdings lediglich an dieser Stelle und als Blog. Publizistisch geht das ganze weiter, denn <a href="http://www.zeit.de/themen/politik/zeit-im-osten/index" title="zeit.de" target="_blank">zeit.de</a> wird auch weiter verfolgen, was im Osten anders läuft und warum. </p>
<p>Dank, großer Dank, geht dabei an die Mitblogger im Netz, die hier  intensiv beschrieben und argumentiert, diskutiert und gestritten haben. </p>
<p>Ach so und zum Abschluss noch eine <em>unserer Annahmen</em> zu der Krankenscheinsache (denn auch wir wissen es nicht): Der Osten ist natürlich nicht krank, er ist nur eben öfter mal zuhause, um zu regenerieren. Und das ist ja nichts Schlechtes.</p>

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		<title>Wo sind die ostdeutschen Eliten?</title>
		<link>http://blog.zeit.de/ost/2013/04/30/wo-sind-die-ostdeutschen-eliten/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 10:02:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Reinhardt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutschlands Eliten sind westdeutsch. Nur fünf bis neun Prozent der Führungsposten in Politik, Wirtschaft, Militär, Justiz etc. sind derzeit von Menschen besetzt, die in Ostdeutschland geboren worden sind. Gemessen am Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland müssten es 17 Prozent sein – wenn man den Anspruch erhebt, dass jede Region, jedes Bundesland, jede [...]]]></description>
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<p>Deutschlands Eliten sind westdeutsch. Nur fünf bis neun Prozent der Führungsposten in Politik, Wirtschaft, Militär, Justiz etc. sind derzeit von Menschen besetzt, die in Ostdeutschland geboren worden sind. Gemessen am Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland müssten es 17 Prozent sein – wenn man den Anspruch erhebt, dass jede Region, jedes Bundesland, jede Bevölkerungsgruppe entsprechend ihrem prozentualen Anteil in den Führungszirkeln dieses Landes vertreten sein soll. <span id="more-2193"></span></p>
<p>Der Jenaer Soziologe Raj Kollmorgen hat die hier referierten Zahlen und Erkenntnisse zusammengetragen. Zum Beispiel: Nur zwei von 180 Vorständen von DAX-Unternehmen haben eine ostdeutsche Herkunft. In der Bundeswehr gibt es nur einen General aus den neuen Bundesländern. Immerhin: Im Bundestag sind dank Wahlrecht und Wahlkreis-Einteilung die Ostdeutschen angemessen vertreten. Und: Zwei der fünf höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik sind Ostdeutsche: Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel.</p>
<p>Welche Ursachen hat nun diese Unterrepräsentierung Ostdeutscher in den Kreisen und Zirkeln der Macht? Das hat – laut Kollmorgen – vor allem mit der Art und Weise der deutschen Wiedervereinigung zu tun. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik übernahm diese auch die Gesetze und sonstigen &#8220;Spielregeln&#8221; der BRD. Wer aber hätte diese Regeln den neuen Bundesbürgern nur vermitteln und beibringen können? Natürlich westdeutsche Eliten. Hinzu kam eine Kompromittierung vieler Angehöriger der DDR-Elite: Wer als Staatsanwalt in der DDR Grenzflüchtlinge angeklagt hatte, konnte unmöglich ein solches Amt in einem demokratischen Rechtsstaat ausüben.</p>
<p>Diese neuen, aus dem Westen stammenden Eliten in Ostdeutschland haben mittlerweile eigene Netzwerke gebildet, die – natürlich – vorzugsweise aus Westdeutschen bestehen und sich gegenseitig unterstützen. Für Ostdeutsche ist da wenig Platz.</p>
<p>Soweit der empirische Befund des Soziologen. Man kann (und muss wohl auch) die Unterrepräsentanz Ostdeutscher in den Zirkeln der Macht und des Einflusses in Deutschland beklagen. Aber: Welche spezifisch ostdeutschen Interessen sollten oder könnten ostdeutsche Eliten beispielsweise in der Bundeswehr oder in der Justiz vertreten? Kann ein ostdeutscher General dafür sorgen, dass Soldaten aus Ostdeutschland schneller befördert werden oder vorzugsweise in die weniger gefährlichen Auslandseinsätze geschickt werden? Ein Richter, egal ob er in Ost- oder Westdeutschland geboren wurde, ist an die Einhaltung von Recht und Gesetz gebunden. Besonders milde Strafen für Angeklagte aus dem Osten zu verhängen, dürfte daher kaum möglich sein.</p>
<p>Vielleicht spielt die Herkunft in der Wirtschaft eine größere Rolle. Möglicherweise könnte ein ostdeutscher Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens Investitionen lieber in Mecklenburg oder Sachsen-Anhalt ansiedeln als in Hessen oder Schleswig-Holstein. Bei solchen Entscheidungen spielen aber wohl doch eher Aktionärsinteressen oder Kostenargumente eine Rolle. Und wenn ein ostdeutscher Standort zum Beispiel durch niedrigere Lohnkosten einen Vorteil hat, dann dürfte auch die Wahl eines westdeutschen Managers eher auf diesen fallen. Vermute ich. Und dass eines der DAX-Unternehmen seinen Sitz in den Osten verlagert, sobald an dessen Spitze ein Mensch mit ostdeutscher Biografie einrückt, darf bezweifelt werden.</p>
<p>Immerhin spielt die Herkunft wohl bei Verteilungskämpfen auf politischer Ebene eine Rolle. Dieser Tage konnte man das an der Empörung der (überwiegend aus Ostdeutschland stammenden) Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer über die Kungelei ihrer Westkollegen beobachten, die ein paar EU-Patentgerichtsstandorte unter sich aufgeteilt hatten. Aber in der Politik spielen in erster Linie Mehrheiten eine Rolle, und die machen sich selten an landsmannschaftlichen Kriterien fest. </p>
<p>Was bleibt den Ostdeutschen also? Kollmorgen rät ihnen, eigene Netzwerke zu bilden und so ihren Einfluss in den Elitezirkeln zu vergrößern. Na, vielleicht hilft das. Aber die Frage bleibt: Welche spezifisch ostdeutschen Interessen kann oder will man vertreten, wenn man einmal da oben angekommen ist? Vielleicht fragen wir mal die Frau Merkel.</p>

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		<title>Das wusste ich schon immer</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Apr 2013 07:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Ruwoldt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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		<category><![CDATA[Trabi]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Tagen ist es schon wieder passiert. Es erwischte mich kalt und ich merkte sofort, dass sich in meinem Nacken so eine Art Ärgergerinsel bildete. Ich kenne diese Momente. Und jedes mal schwöre ich mir, vorbereitet zu sein. Aber es klappt nicht. Es gibt eine kleine Routine, die ich dann doch abfahren kann, aber [...]]]></description>
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<p>Vor einigen Tagen ist es schon wieder passiert. Es erwischte mich kalt und ich merkte sofort, dass sich in meinem Nacken so eine Art Ärgergerinsel bildete. Ich kenne diese Momente. Und jedes mal schwöre ich mir, vorbereitet zu sein. Aber es klappt nicht. Es gibt eine kleine Routine, die ich dann doch abfahren kann, aber sie ist jämmerlich. <span id="more-2180"></span></p>
<p>Diesmal lief es wie folgt: Zwischen zwei Kollegen ging es um Autos. Eigentlich ein tägliches Thema:<br />
- &#8220;Springt einfach nich an!&#8221;&#8230;<br />
- &#8220;Ach bei mir neulich auch&#8230;&#8221;<br />
- &#8220;Ich hab alles probiert: Kontaktspray, neue Sicherung, Batteriewechsel, nicht: Lampe brennt nicht.&#8221;<br />
- &#8220;Gibt&#8217;s ja gar nicht!&#8221;<br />
- &#8220;Stell Dir vor: ein Platten von einer Konservendose.&#8221;<br />
- &#8220;Da denkt man, die stell&#8217;n heute so gute Reifen her und dann das&#8230;&#8221;<br />
usw. </p>
<p>Ich wartete auf die Erwähnung einer weiteren Elektropanne, um von meinem kaputten Fensterheber erzählen zu können. </p>
<p>Aber die beiden wollten mich irgendwie nicht reinlassen in ihre Konversation. Jetzt sprachen sie über Entfernungen zur Heimat, darüber, wie sie mit ihren wenig zuverlässigen Autos am Wochenende problemlos zwei Mal sechshundert Kilometer schafften. Ich schaltete ab. Ich hatte nur zehn Kilometer zu Mutti und Papa. Doch das Abschalten war der Fehler. </p>
<p>- &#8220;Und laut ist der dann plötzlich.&#8221;<br />
- &#8220;Echt laut? Du meinst lautlaut, so wie ein … Trabi.&#8221;<br />
- &#8220;Haha, Trabi, genau. Stefan, das kennst Du doch. Trabi, Du weißt schon.&#8221;</p>
<p>Ich reagierte nicht. Ich konnte nicht. Sie wollten mir helfen. Sie wollten mich dabei haben in ihrem Gespräch. Sie versuchten dann noch, das Trabi-Geräusch nachzumachen, damit ich aufspringen konnte auf ihren Konversationszug. </p>
<p>Zum Glück erinnerte ich mich dann irgendwie an diese alte Routine für eine Pro-forma-Teilnahme an einer Konversation. Ich sah sie an, ließ meine Hände auf der Tastatur, machte meine Augen ganz groß und zog die Mundwinkel nach oben: das diplomatische Ich-weiß-schon-Lachen. Und dann schrieb ich weiter auf meiner Tastatur: asdf jklö. Wörter gingen nicht, aber das sah ja nur ich. Meine Routine.</p>
<p>Mir wird nicht warm ums Herz, wenn ein Trabi vorbei fährt und mir schmeckt das Ei nicht besser, wenn es in einem huhnähnlichen Ost-Plaste-Eierbecher steckt. Ich will auch nicht über die Unterschiede von S50 und S51 fachsimpeln. Und die Holloren-Kugel kann von mir aus Oma naschen.</p>
<p>Möglicherweise stimmt da was bei mir nicht, denn nach Ansicht eines Experten, <a href="http://www.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/die-ddr-lebt-im-hochregal--ostprodukte-liegen-im-trend/r-mitteldeutschland-a-176495.html" title="Marko Sarstedt" target="_blank">Marko Sarstedt</a> von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Otto-Von Guericke-Universtät Magdeburg stehen Ostler auch auf das Ostzeug. Er sagt, sie freuen sich, sie beharren sogar darauf, also auf Ostprodukte. Und dieses Verhalten ist Sarstedt zufolge ein Aufschrei, Ausdruck einer Suche nach Bodenständigkeit und Langlebigkeit. Die Menschen im Osten seien bis heute unbewusst an die Ostprodukte gebunden. Sagt Sarstedt.</p>
<p>Stimmt nicht! Denke ich jedenfalls. </p>
<p>Aber da solch ein Widerspruch von mir, wenn er einfach so publiziert wird, sofort als falsch denunziert wird, widerlegt jemand anderes die Richtigkeit meines Widerspruchs: ein Schwede. Professor Lars Hall von der Uni Lund. <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1363800" title="Lars Hall" target="_blank">Lars Hall</a> hat in einer Studie belegt: Menschen kehren sich heute nur noch sehr wenig um ihre Überzeugungen von gestern. Unbewusst natürlich. Die schwedischen Wissenschaftler fragten moralische Urteile in mehreren Runden bei Probanden ab. Und abhängig von den Formulierungen sagten die Leute vollster Überzeugung eben noch das eine und im nächsten Augenblick schon das andere. </p>
<p>Dieser Schweden-Beweis belegt, dass die Ostler flunkern, die sagen, der Ostkrempel sei gut und dass sie das auch schon immer so gesehen hätten. </p>
<p>Das wusste ich schon vor den Schweden. Also: Das wusste ich schon immer. Und das werde ich meinen Kollegen das nächste Mal auch genau erklären.</p>

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		<title>Vom Leben und Überleben</title>
		<link>http://blog.zeit.de/ost/2013/04/20/vom-leben-und-uberleben/</link>
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		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 19:05:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Ruwoldt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Wiedervereinigung]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ach, wer kann das schon so genau sagen?&#8221; &#8211; Das ist ein Satz einer älteren Nachbarin von mir, einer Rentnerin. Sie hatte eine Krankheit, wurde behandelt, kam wieder nach Hause und schien gesund. Aber sie ging nicht mehr in den Park oder zu ihren Verwandten, nur noch in den nächsten Discounter zum Einkauf. - &#8220;Und [...]]]></description>
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<p>&#8220;Ach, wer kann das schon so genau sagen?&#8221; &#8211; Das ist ein Satz einer älteren Nachbarin von mir, einer Rentnerin. Sie hatte eine Krankheit, wurde behandelt, kam wieder nach Hause und schien gesund. Aber sie ging nicht mehr in den Park oder zu ihren Verwandten, nur noch in den nächsten Discounter zum Einkauf. <span id="more-2164"></span></p>
<p>- &#8220;Und wie geht’s?&#8221;<br />
- &#8220;Och, naja, nich so.&#8221;<br />
- &#8220;Na, was sagen denn die Ärzte, das wird doch bestimmt wieder, oder?&#8221;<br />
- &#8220;Ach, wer kann das schon so genau sagen?&#8221;</p>
<p>Seit einigen Tagen habe ich die Kopie eines Zeitungsartikels auf meinem Tisch: <a href="http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1124877/" title="Den Osten als eigene Welt gibt es nicht mehr" target="_blank">&#8220;Den Osten als eigene Welt gibt es nicht mehr&#8221;</a>. Der Artikel, ein Interview aus der Märkischen Oderzeitung, ist ein dicker Fünfspalter mit dem Bild eines Wissenschaftlers in der Mitte: ein Mann mit verschränkten Armen auf der Kante seines Schreibtischs und vor einem Bücherregal sitzend. Er hat dabei den Mund halboffen. Das Foto vermittelt den Eindruck, dass hier gerade jemand eine Wahrheit verkündet, oder sagen wir: zumindest eine wichtige Erkenntnis. Und beim zweiten hinsehen wird einem klar, was der da gerade verkündet hat. &#8211; Genau, er hat gerade den Satz der Überschrift herausposaunt und dabei seine Arme verschränkt, um zu zeigen: So, ich wette, Sie können das Gegenteil nie beweisen.</p>
<p>Stimmt, kann ich nicht!</p>
<p>Allerdings erklärt der Soziologe Heinz Bude mit seinem Satz &#8220;Den Osten als eigene Welt gibt es nicht mehr&#8221; auch einen Zustand für beendet, den es nie gegeben hat. Bude erzählt von seinen soziologischen Untersuchungen und Befragungen in einer Brandenburger Kleinstadt zwanzig Jahre nach der Wende: &#8220;Wir haben in Wittenberge erlebt, dass es mit dem hoch gelobten ostdeutschen Wir-Gefühl nicht weit her ist.&#8221; </p>
<p>&#8220;Hoch gelobtes ostdeutsches Wir-Gefühl&#8221; &#8211; was soll das sein? Wer soll das hoch gelobt haben und vor allem: wie soll dieses &#8220;Wir&#8221; ausgesehen haben? &#8211; Das &#8220;Wir&#8221; der Ostler ist kein Gefühl und war es auch nie. Es ist ein Reflex, eine Art Notreaktion auf das ständige: &#8220;Ihr da drüben&#8221; oder &#8220;Ihr von da&#8221;. </p>
<p>In Leipzig, wo ich lange wohnte, war ich der Berliner. Für die Kollegin aus Hamburg und den Kollegen aus dem Ruhrgebiet waren die Leipziger und Magdeburger und Berliner die &#8220;Ossis&#8221;. Die Ostler hatten vor ihrer Zusammenarbeit in diesem Büro völlig verschiedene Biografien, verschiedene Berufe und verschiedene Autos; die einen hatten eine Abneigung gegen Sport, die anderen waren begeisterte Anhänger einer Fußballmannschaft, bestimmter Reiseziele oder einer Kuchensorte. Aber wenn es um Nachrichten über komische Ostprodukte, Pleiten, Stasi-Enthüllungen über Prominente und Doping-Geständnisse ostdeutscher Sportler ging, waren diese Ostler plötzlich Spezialisten mit der gleichen Expertise: &#8220;Frag doch mal die Ossis!&#8221; </p>
<p>Grundsätzlich gilt: Ja, der Soziologe Heinz Bude und seine Kollegen leisten eine gute Arbeit mit ihrem Projekt und sie gehen dabei tiefer als diese fragwürdigen Ihr/Wir- oder Ossi/Wessi-Kategorien zu untersuchen. Aber es ist komisch, was davon hängen bleibt oder was bei den Menschen ankommt als Erkenntnis aus dieser wissenschaftlichen Arbeit: offenbar eher ein großes Missverständnis. Denn: In der MOZ heißt das Wittenberger Forschungsprojekt &#8220;ÜBERLEBEN im Umbruch&#8221; der eigentliche Titel allerdings lautet <a href="http://www.ueberlebenimumbruch.de/index.php?page_id=0" title= "Über Leben im Umbruch" target="_blank">&#8220;Über Leben im Umbruch&#8221;</a>.</p>
<p>Vielleicht ist dieser Fehler auch wirklich nur ein Schreibfehler. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Redakteur den Titel des Projekts so verstehen wollte, wie er ihn abgedruckt hat. Und entsprechend genau dieser Erwartung ist auch die Essenz der Berichterstattung, fernab der Arbeit Heinz Budes und seiner Kollegen. </p>
<p>&#8220;Den Osten als eigene Welt gibt es nicht mehr.&#8221; Dieser Satz Heinz Budes mag stimmen, wenn der Westen den Osten nicht länger als eine &#8220;eigene&#8221; Welt betrachtet. Und vor allem dann, wenn Wissenschaflter dort das Leben beobachten und erforschen. Aber nicht, wenn Westler im Osten das Überleben entdecken.</p>

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		<title>Wann sagt man was?</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 21:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Ruwoldt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Es passiert nicht allzu oft, dass ich mich in der Redaktion umdrehe, um sicher zu gehen, dass auch ich gemeint bin, dass ich gerade eben angesprochen wurde, dass gerade eben meine Fachmeinung gefragt war. In dem Augenblick, wo dieser Umdreh-Reflex einsetzt, schäme ich mich auch sofort. Aber ich kriege ihn einfach nicht weg. Schon beim [...]]]></description>
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<p>Es passiert nicht allzu oft, dass ich mich in der Redaktion umdrehe, um sicher zu gehen, dass auch ich gemeint bin, dass ich gerade eben angesprochen wurde, dass gerade eben meine Fachmeinung gefragt war. In dem Augenblick, wo dieser Umdreh-Reflex einsetzt, schäme ich mich auch sofort. Aber ich kriege ihn einfach nicht weg. Schon beim Umdrehen weiß ich: &#8216;Ja, die meinten das jetzt ernst. Ich bin gefragt. Die Kollegen wollen eine Ost-Expertise. Eine Betroffenen-Meinung. Das Echte. Sie wollen den Ossi hören. Jetzt soll der Zoni sprechen.&#8217;<span id="more-2141"></span></p>
<p>Das Schlimme ist nicht so sehr, dass ich gefragt werde. Es ist wohl eher normal. Das Schlimme ist, dass ich überlegen muss, was ich erzähle. Wenn ich das sage, was mir einfällt und mir 22 Jahre nach der Wende als richtig und wahr erscheint, sorge ich im besten Fall für Lacher, für komische Grimassen oder Kopfschütteln. Ich stelle mir dann vor, wie die Kollegen innerlich die Augen verdrehen und sich denken: Das habe ich in der Anthologie (meine Kollegen lesen wirklich Anthologien) aber anders gelesen. </p>
<p>Und wenn ich mich langhangle an den Ost-Erinnungen, wie sie sein müssen, wie sie in vielen mehrfach wiederholten MDR-Dokumentationen erzählt werden, dann verstricke ich mich in Widersprüche: War ich wirklich immer nackig baden? Hatte ich wirklich immerzu das FDJ-Hemd an? Habe ich wirklich so oft nach irgendetwas angestanden? Und vor allem: Warum sollte es überhaupt jemanden interessieren, was ich anhatte oder worauf ich Hunger hatte?</p>
<p>Neulich kam die Rede auf Denkmäler, besser gesagt, es wurde über Bauwerke gesprochen. Und natürlich steht für die Kollegen fest, dass ich den Berliner Schlossneubau doof finde und den Palast der Republik gut fand, dass ich &#8211; genau wie sie neulich mit ihrem Besuch aus Niedersachsen &#8211; Marx und Engels an ihrem alten Platz im Marx-Engels-Forum sehen will und dass ich es schlimm und geschichtsvergessen finde, dass die späten Ost-Neubauten in der Wilhelmstraße weg sollen. </p>
<p>Ich habe in etwa gesagt: &#8220;Naja, die Dinger sehn wirklich ganz schön kacke aus!&#8221; Und als der Satz draußen war, fand ich mich doof. Ich hatte Verrat begangen. Und ich stellte mich auf einen Stufe mit … ja, mit Investoren, für die nichts heilig ist. Jedenfalls hatte ich, glaube ich, die Kollegen enttäuscht und als echter Zoni versagt. Und dann klapperten die Tastaturen weiter und bei der nächsten Wortmeldung wurde dann aus irgendeinem nicht erklärlichen Grund über Atomkraft diskutiert. Ich war wieder allein mit meiner Vergangenheit. Und so ganz allein schämte ich mich dann auch nicht, zuzugeben, dass bei meiner Äußerung der zweite Teil noch gefehlt hatte: &#8216;Naja, die Dinger sehn wirklich ganz schön kacke aus! Aber sie sind da, und solln nich weg. Finanzministerium, die Ost-Neubauten in der Wilhelmstraße, Sony Center  &#8211; in zehn Minuten 70 Jahre Berlin.“</p>
<p>In der Märkischen Allgemeinen stand neulich: &#8220;Guben streitet um Wilhelm-Pieck-Denkmal&#8221;. Und obwohl ich noch nie in Guben war, wollte ich wissen, was da los ist. </p>
<p>Natürlich kamen gleich im ersten Satz des Artikels die Pioniere vor, die Werktätigen und die Aufmärsche. Es geht in dem Streit darum, ob das Denkmal saniert oder überhaupt erhalten wird. Die CDU argumentiert mit den Schulden der Stadt und sagt: Weg damit. Die SPD sieht es zumindest offiziell genauso, nur die Linke sieht es anders. </p>
<p>Entscheidend ist dabei das Argument der Linken: &#8220;Pieck ist Teil der Geschichte. Abrisse machen uns geschichtslos.&#8221; Die sagen nicht: &#8220;Finger weg von unsern Pieck!&#8221; sondern eher: &#8220;Lasst das Ding stehen, dann kann man am besten sehen, wie blöd der Osten war.&#8221; Jeder kann an dem Denkmal bestens erkennen, wie ungelenk diese Möchte-Gern-Verehrung daherkam. </p>
<p>Niemand will Pieck zurück, keiner legt dort mehr Blumen nieder oder steht stundenlang davor und träumt vom Sozialismus. Und natürlich hängt die Erinnerung über den Osten nicht an diesem Denkmal oder an einem Neubaublock in der Berliner Wilhelmstraße. Aber wenn solche Dinge verschwinden, dann bleiben vom Osten: die Ostpro (&#8220;Schmeckt doch&#8230; das meiste jedenfalls.&#8221;), Frank Schöbel (&#8220;Singen kann er aber auch wirklich.&#8221;) und der Grüne Pfeil (&#8220;Das spart wirklich Zeit, das sagen alle.&#8221;). </p>
<p>Allerdings: Wenn ich beim nächsten Redaktionsgespräch mit meiner Ost-Expertise gefragt bin, bin ich der erste, der den Betonklotz in Guben &#8220;bedrückend&#8221; findet. Und ich werde mit den Schultern zucken, wenn sie sich über den möglichen Abriss empören. Ich weiß auch nicht warum.</p>

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		<title>Die Drei-Stadt</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 20:13:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Reinhardt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Monaten habe ich hier im mal Ostblog versucht, das etwas komplizierte, für Außenstehende aber durchaus auch amüsante (Nicht-)Verhältnis zwischen den Städten Erfurt, Jena und Weimar zu beschreiben. Sie erinnern sich vielleicht: Das sind die drei Städte im Zentrum Thüringens, deren Bewohner offiziell nichts miteinander zu tun haben wollen, was sie aber nicht davon [...]]]></description>
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<p>Vor einigen Monaten habe ich hier im mal Ostblog versucht, das etwas komplizierte, für Außenstehende aber durchaus auch amüsante <a href="http://blog.zeit.de/ost/2012/10/11/dieser-zug-halt-nicht-in-weimar/" title="(Nicht-)Verhältnis zwischen den Städten Erfurt, Jena und Weimar">(Nicht-)Verhältnis zwischen den Städten Erfurt, Jena und Weimar</a> zu beschreiben. Sie erinnern sich vielleicht: Das sind die drei Städte im Zentrum Thüringens, deren Bewohner offiziell nichts miteinander zu tun haben wollen, was sie aber nicht davon abhält, aus beruflichen Gründen oder denen des Freizeit-Vergnügens hin- und herzupendeln.<span id="more-2110"></span></p>
<p>Nun reden auch die Erfurter, Jenaer und Jenenser, Weimarer und Weimaraner nicht permament über die Bewohner der jeweils anderen Städte. Sie haben ja auch meist Wichtigeres zu tun. Nun aber gibt es Anlass, sich mit dem Binnenverhältnis der drei Städte wieder öffentlich zu befassen. Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig hat nämlich jetzt ein <a href="http://www.mdr.de/thueringen/gebietsreform/staedtefusion-erfurt-weimar-jena100.html" title="Zukunftskonzept für Thüringen" target="_blank">Zukunftskonzept für Thüringen vorgelegt</a>, in dem doch allen Ernstes die Rede von der &#8220;Drei-Stadt&#8221; Erfurt-Weimar-Jena ist. Gemeint ist damit zwar ausdrücklich nicht eine Fusion der drei Städte zu einer Thüringer Superstadt, aber immerhin ein aufeinander abgestimmtes, gemeinsames Planen zum Beispiel in Sachen Nahverkehr oder Wohnungsbau. Damit könnte diese Region zu einer Art Metropole Thüringens zusammenwachsen, so die Begründung Machnigs oder seiner Referenten (man weiß ja bei Ministern nie so genau, ob sie sich die Konzepte, mit denen sie an die Öffentlichkeit gehen, selbst ausgedacht haben). Also eine Art zweites Ruhrgebiet, wobei das räumliche Zusammenwachsen durch neue Wohngebiete entlang einer imaginären S-Bahn-Linie zwischen den drei Städten erfolgen soll.</p>
<p>Diese Drei-Stadt-Geschichte ist nicht der einzige Vorschlag des Machnigschen Zukunftskonzepts, aber der skurrilste. Auch wenn für die Idee einer engeren Planung in verschiedenen Bereichen durchaus einige Argumente sprechen (z.B. die Entlastung des mittlerweile ziemlich überhitzten Wohnungsmarkt in Jena). Aber die Bildung einer solchen Drei-Stadt würde die Lokalpatrioten aller drei Kommunen heraus- und überfordern. Denn die Pflege lokaler Animositäten ist ja für viele eine Art Volkssport und Teil des eigenen Selbstverständnisses. Und so ergeht sich denn das politische Thüringen &#8211; allen voran der Koalitionspartner von Machnigs Sozialdemokraten, die CDU &#8211; in lustigen Wortspielchen, wie die Dreistadt wohl künftig heißen könnte: Jenefmer, Erweina, Weijefurt oder Jeermar. Na immerhin hat Machnig so für etwas Spaß gesorgt im beschaulichen Thüringen. Tut ja zur Abwechslung auch mal ganz gut.</p>

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		<title>Deutschland bleibt anders</title>
		<link>http://blog.zeit.de/ost/2013/03/28/deutschland-bleibt-anders/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Mar 2013 08:44:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kristian Schulze</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
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		<description><![CDATA[Ein Jahr ist Bundespräsident Joachim Gauck jetzt im Amt, ein Ostdeutscher. Mehr als sieben Jahre regiert nun schon Bundeskanzlerin Angela Merkel, eine Ostdeutsche. Ungefähr genau so lange ist der Präsident des Bundestags kein Ostdeutscher mehr, war es davor aber eben diese anscheinend magischen sieben Jahre. Immerhin ist Wolfgang Thierse seit 2005, also die folgenden sieben [...]]]></description>
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<p>Ein Jahr ist Bundespräsident Joachim Gauck jetzt im Amt, ein Ostdeutscher. Mehr als sieben Jahre regiert nun schon Bundeskanzlerin Angela Merkel, eine Ostdeutsche. Ungefähr genau so lange ist der Präsident des Bundestags kein Ostdeutscher mehr, war es davor aber eben diese anscheinend magischen sieben Jahre. Immerhin ist Wolfgang Thierse seit 2005, also die folgenden sieben Jahre, wenigstens Vizepräsident des Deutschen Bundestags. Auch seine Kolleginnen, Petra Pau und Katrin Göring-Eckardt, sind Ostdeutsche. Was hat es zu bedeuten, dass die höchsten Staatsämter im Land mehrheitlich von Ostdeutschen besetzt sind? Ist alles in Butter, schon zusammengewachsen, was getrennt war?<span id="more-2037"></span></p>
<p>Nun ja, allein die vergangenen zwei Wochen haben kleine und größere Nachrichten hervorgebracht, die daran zweifeln lassen, dass man nicht mehr viel spürt von der Trennung, die eher darauf hindeuten, dass es weiter unten im Land so weiter geht wie bisher. Hier eine unvollständige Auswahl:</p>
<p><strong>1. Die Ost-Renten</strong></p>
<p>Ja, <a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-03/rente-steigerung-ostdeutschland" target="_blank">sie steigen jetzt stärker als die im Westen</a>, die Lücke wird kleiner, <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wirtschaftundgesellschaft/2047930/" target="_blank">aber sie verschwindet nicht</a>. Es wird auch immer mal wieder berichtet, dass insgesamt die Ostdeutschen sogar mehr Rente bekommen. Ja, das stimmt, vor allem aber weil ostdeutsche Frauen mehr gearbeitet haben. Pro Nase sind die Renten niedriger, denn der Renten-Punktwert, der Renten-Wert geleisteter Arbeit, ist es auch.</p>
<p><strong>2. Die Vermögen</strong></p>
<p>Was bei der Rente und der Debatte um Altersarmut in West und/oder Ost aber vor allem nicht aus dem Blick verloren werden darf: Ostdeutsche haben im Alter kaum mehr als die Rente, denn mit ihren Vermögen ist es &#8211; verglichen mit dem Westen und <a href="http://www.mdr.de/nachrichten/private-vermoegen-bundesbank100.html" target="_blank">von der Bundesbank jetzt bestätigt</a> &#8211; nicht weit her. Und daraus folgt natürlich, dass die Witwe im Osten und ihre Kinder auch weit weniger erben.</p>
<p><strong>3. Die Einkommen</strong></p>
<p>An dieser Vermögensverteilung dürfte sich allzu schnell nichts ändern, denn auch <a href="http://www.lohnspiegel.de/main/zusatzinformationen" target="_blank">bei den Einkommen hinkt der Osten weiter hinterher</a>. Dass es <a href="http://www.lohnspiegel.de/main/zusatzinformationen/Weihnachtsgeld" target="_blank">in Ostdeutschland seltener Weihnachtsgeld</a> gibt, ist dabei noch halb so wild.</p>
<p><strong>4. Die Arbeitszeiten</strong></p>
<p>Weitaus ungerechter mutet in diesem Zusammenhang an, dass ostdeutsche Arbeitnehmer in der Regel zwischen 80 und 100 Stunden im Jahr mehr arbeiten, wie jetzt aus <a href="http://www.statistik.sachsen.de/download/200_Mi-2013/mi05613.pdf" target="_blank">Sachsen</a> und <a href="http://www.welt.de/newsticker/news3/article113250649/Sachsen-Anhalter-arbeiten-laenger.html" target="_blank">Sachsen-Anhalt</a> gemeldet wurde. Das sind zwei bis drei Wochen im Jahr! Tut mir leid, dass ich die Produktivitätskennziffern gerade nicht zu Hand habe, die meist als Erklärung und Rechtfertigung für diese Unterschiede herhalten müssen. Es geht mir aber auch eher um die Menschen; und ostdeutsche Bauarbeiter bekommen auch dann Ost-Lohn, wenn sie im Westen bauen.</p>
<p>Ach so, im Osten sollen die Mieten niedriger sein. Das aber stimmt längst nicht mehr für alle Städte, und für viele andere Kosten gilt dieser Einwand schon gleich gar nicht mehr. Und Hand auf&#8217;s Herz: Welcher Arbeitgeber orientiert sich bei der Bezahlung am Mietspiegel?!</p>
<p><strong>5. Spenden, Religiosität, Mentalität</strong></p>
<p>Die niedrigeren Einkommen werfen aber nicht nur ein anderes Licht auf die Debatte um Renten, Gehälter und die Verteilung der Vermögen. Sie haben auch Folgen in anderen Bereichen und lassen sich gut etwa an der <a href="http://www.spendenrat.de/index.php?pressemitteilungen_2013" target="_blank">Spendenbereitschaft der Deutschen</a> ablesen. Diese bleibt nach jüngsten Zahlen des Spendenrats in Deutschland zwar hoch, im Osten aber niedriger. Laut Spendenmonitor machten 37 Prozent der Westdeutschen 2011 auch Spenden in ihrer Steuererklärung geltend. Im Osten waren es nur 27 Prozent. An einer divergenten Entwicklung des Steuerberatungswesens liegt das sicherlich nicht.</p>
<p>Der Sozialwissenschaftler Ulrich Lakemann nennt vor allem die im Osten niedrigeren Einkommen als Grund, weshalb es für ihn auch keine Anzeichen dafür gibt, dass sich diese Schere demnächst schließt. <a href="http://docs.dpaq.de/3143-endbericht_spendenforschung_f_r_frt.pdf" target="_blank">In seiner Studie</a> führt er allerdings auch die geringere religiöse Verwurzelung an. Auch könne die DDR-Sozialisation fortwirken, nach der es im Osten eine stärkere Erwartung an den Staat gebe, für soziale Belange aufzukommen. Damit hat Lakemann so ganz nebenbei übrigens noch zwei weitere andauernde Unterschiede aufgezählt.</p>
<p>Und es gibt noch mehr. Aber genug jetzt, da wird einem ja schwummerig. Diese Dinge sind schließlich nicht einfach herbeigeredet. Und machen wir uns nichts vor: Es besteht wenig Interesse daran, all das schnell zu ändern. Besitzstände wahren sich nun mal sehr viel leichter, als sie aufgebaut werden. Auch daran haben zwei Jahrzehnte und die von meist westdeutschen Besitzstandspolitikern dominierte Führungselite unterhalb der höchsten Posten nichts geändert. So etwas dauert: Bayern hat fast drei Jahrzehnte lang und auch die grundgesetzliche Hilfe anderer Bundesländer gebraucht, um vom Nehmerland zum Geberland zu werden.</p>
<p>Und sicher wird es auch immer Unterschiede in Deutschland geben &#8211; in der Mundart, auf dem Teller, bei Renten, Löhnen und anderen Dingen. Eines aber, das wurde jetzt auch gemeldet, hat sich geändert, angeblich:</p>
<p><strong>6. Das ostdeutsche Wir-Gefühl</strong></p>
<p><a href="http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1123107" target="_blank">Die Ostdeutschen als Schicksalsgemeinschaft gibt es nicht mehr</a> &#8211; sagte der Hamburger Soziologe Heinz Bude der &#8220;Märkischen Oderzeitung&#8221;. Bude hatte die Auswirkungen des industriellen Zusammenbruchs im brandenburgischen Wittenberge untersucht und daraus Rückschlüsse auf alle neuen Bundesländer gezogen. Im Ergebnis spricht er von einer &#8220;fragmentierten Gesellschaft&#8221;. Es gebe eine Gruppe im Osten, der es recht gut gehe. Noch besser gehe es &#8220;Alt-Eliten, die schon immer wussten, wie man das Beste aus einer Lage macht&#8221;. Und es gebe viele Menschen, die zu den &#8220;Ausrangierten des Systemwechsels&#8221; gehörten. Alle diese Gruppen wollten jedoch nichts miteinander zu tun haben, sie pflegten &#8220;wechselseitige Abstandsnahme&#8221;. Das Fazit des Soziologen Heinz Bude: &#8220;Den Osten als eigene gesellschaftliche Welt gibt es nicht mehr.&#8221;</p>
<p style="text-align: center;">Na bitte, wenigstens das hat geklappt!</p>

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		<title>Das Gestern aus dem Südharz</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Mar 2013 22:03:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Ruwoldt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Schön hier, rischtisch schick&#8221; ist eigentlich alles, was man hören will, wenn man Gästen seine Stube präsentiert. Dabei ist man stolz auf das Alte, das man gerade &#8220;schön aufgearbeitet&#8221; hat, poliert. Man will die Anerkennung, dass man ein gutes Plätzchen geschaffen hat. Dieses Bestreben ist eigentlich nicht auf die eigenen vier Wände reduziert, es ist [...]]]></description>
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<p>&#8220;Schön hier, rischtisch schick&#8221; ist eigentlich alles, was man hören will, wenn man Gästen seine Stube präsentiert. Dabei ist man stolz auf das Alte, das man gerade &#8220;schön aufgearbeitet&#8221; hat, poliert. Man will die Anerkennung, dass man ein gutes Plätzchen geschaffen hat. Dieses Bestreben ist eigentlich nicht auf die eigenen vier Wände reduziert, es ist das Gleiche, wenn man seine Straße herrichtet, sein Viertel, seinen Ort oder ein Fleckchen in seiner Region. In manchen Gegenden läuft das allerdings ein wenig anders, ganz besonders in Deutschlands Osten. Zumindest scheint es so.</p>
<p>Ein aktuelles Beispiel: Ein grüner Flecken in Sachsen-Anhalt soll nun weltweite Anerkennung bekommen, es ist eine Art Garten zum Her-Zeigen: die <a title="Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz" href="http://www.bioreskarstsuedharz.de/" target="_blank">Karstlandschaft Südharz</a>. Dieses Gebiet zwischen Stolberg im Nordwesten und Sangerhausen im Südosten, Wettelrode im Nordosten und Breitungen im Südwesten ist bereits Biosphärenreservat, kurz: ein schützenswürdiger Fleck.<span id="more-2019"></span></p>
<p>Auf der Internet-Seite &#8220;Karstlandschaft Südharz&#8221; hört sich das wie folgt an: &#8220;Den Besucher erwarten vielfältige Landschaften, geologische Raritäten und eine mannigfaltige Flora und Fauna.&#8221; Um hier nun einen langzeitigen Schutz hinzubekommen und gleichzeitig weltweit Menschen anzulocken, die sich das ansehen sollen, um Unberührtheit zu sichern und um forschen und erhalten zu können, gibt es den Plan, die Karstlandschaft Südharz bei der UNESCO als Biosphärenreservat anerkennen zu lassen.</p>
<p>Für dieses Vorhaben müssten sich alle Anlieger einig sein. Aber sie sind es nicht.</p>
<p>Es tun sich folgende Fronten auf: Die Gemeinden Sangerhausen, Allstedt, Berga und Wallhausen sind dafür, und sogar der Landtag scheint komplett einig zu sein, dass von dieser Landschaft die Welt erfahren muss: Jeder soll sehen, dass Sachsen-Anhalt diese Landschaft bewahren will. Aber es gibt Querschläger und die sitzen in der Regionalvertretung: die Gemeinde Südharz will nicht.</p>
<p>Unions-Bürgermeister Ralf Rettig fürchtet nämlich um einen Plan, den die UNESCO und die zu erwartenden Gäste gar nicht gut finden würden: ein Gewerbegebiet in Rottleberode. (Rettig benutzt auch dafür den Namen &#8220;Park&#8221;, also &#8220;Gewerbepark&#8221;, was natürlich Blödsinn ist).</p>
<p>Mit solch einem Gewerbegebiet wäre der für das Reservat erforderliche Trinkwasserschutz kaum möglich. Also sagt Rettig &#8220;Nee!&#8221;. Er sieht sich dabei von seinen Gemeindevertretern unterstützt und er begründet das mit dem Totschlagsargument des Osten: Die Menschen müssten hier <a title="Arbeit " href="http://www.mz-web.de/sangerhausen/mansfeld-suedharz-50-hektar-als-streitobjekt,20641084,17115438.html" target="_blank">Arbeit </a> finden und die Kinder dürften nicht gezwungen werden, in den Westen zur Arbeit zu fahren. Und darum will Rettig nicht die UNESCO-Anerkennung, sondern Straßen, Zäune, Beton und Abflusskanal.</p>
<p>Woher kommt das Verständnis, nicht die regionale Natur, Landschaft und Kultur als Verpflichtung zu betrachten, sondern Handel und Gewerbe und damit Händel, Absprachen und das Abwägen von Vergünstigungen? Mit dem Osten hat diese Ignoranz wohl wenig zu tun, eher mit dem Ausnutzen einer Angst, die in der Tat in der Nachwendezeit besonders im Osten gewachsen ist aufgrund der Umwälzungen verbunden mit Jobverlust und regionalen Entwicklungsdefiziten.</p>
<p>Die prominentesten Schlachtopfer der von Lokal- und Regionalpolitikern in der Nachwendezeit mit dem Arbeitsplatzargument begründeten Landschafts- und Kulturverluste sind die Orte Deumen, Mödnitz, Domsen, Grunau, Breunsdorf, Heuersdorf, Großgrimma, Werbelin, Altliebel, Haidemühl und Horno. Sie wurden abgebaggert. Und auch die mit Entwicklungsnotwendigkeiten begründete Waldschlösschenbrücke in Dresden oder der nutzlose, defizitäre und kaum mehr Beschäftigung schaffende Lausitzring sind genau solche &#8220;den Gegebenheiten geschuldeten Projekte&#8221;. Die Liste ist lang.</p>
<p>Die Rhön, das Wattenmeer, Rügen, die Schorfheide, der Spreewald oder die Schwäbische Alb folgen den Regeln der UNESCO und haben sich schick gemacht, vor allem für die Bewohner und auch für die Besucher, sie erarbeiten nachhaltige und umweltgerechte Landnutzungskonzepte, wollen regionales vermarkten und dabei auf &#8220;Nachhaltigkeit&#8221; achten. Sie setzen auf Kultur- und Landschaftsgeschichte. Die Gemeinde Südharz setzt auf das Gestern.</p>

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		<title>Den Soli abschaffen &#8211; warum nicht?</title>
		<link>http://blog.zeit.de/ost/2013/03/21/den-soli-abschaffen-warum-nicht/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 21:54:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Reinhardt</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
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		<category><![CDATA[Solidaritätszuschlag]]></category>

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		<description><![CDATA[Kürzlich haben einige ostdeutsche Ministerpräsidenten Danke gesagt. Danke für die Milliardentransfers aus dem Westen für den Aufbau Ost. Weit über 100 Milliarden Euro waren es seit Mitte der neunziger Jahre. Da kann man sich schon mal freuen und bedanken. Und so lobte denn Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, dass die finanzielle Kraftanstrengung der Deutschen dazu beigetragen [...]]]></description>
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<p>Kürzlich haben einige ostdeutsche Ministerpräsidenten Danke gesagt. Danke für die Milliardentransfers aus dem Westen für den Aufbau Ost. Weit über 100 Milliarden Euro waren es seit Mitte der neunziger Jahre. Da kann man sich schon mal freuen und bedanken. Und so <a href="http://www.mdr.de/nachrichten/solidarpakt_jubilaeum_danke_lieberknecht_tillich100.html" title="lobte denn Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht" target="_blank">lobte denn Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht</a>, dass die finanzielle Kraftanstrengung der Deutschen dazu beigetragen habe, &#8220;dass die neuen Länder die Folgen von Sozialismus und Planwirtschaft hinter sich lassen konnten&#8221;. Ihr sächsischer Amtskollege Stanislaw Tillich ergänzte, ohne die Unterstützung durch den Solidarpakt &#8220;wäre die wirtschaftliche Entwicklung im Freistaat Sachsen und den anderen neuen Ländern nicht so erfolgreich verlaufen&#8221;.<span id="more-1996"></span></p>
<p>Einige Tage später hatten die ostdeutschen Regierungschefs dann allerdings schon wieder Grund, mahnend den Finger zu erheben. Die FDP hat nämlich &#8211; der Wahlkampf für die Bundestagswahl läuft langsam an &#8211; vorgeschlagen, den Solidarzuschlag abzuschaffen. Den bezahlt jeder Arbeitnehmer in West und Ost, und als er 1991 eingeführt wurde, war er tatsächlich dafür gedacht, die Folgen der deutschen Teilung in den neuen Ländern abzumildern. Nach einem Jahr war er damals wieder abgeschafft worden, aber nur für kurze Zeit, denn 1995 wurde die Abgabe wiederbelebt. Allerdings dienen die Einnahmen aus dieser Abgabe &#8211; heute sind es etwa 13 Milliarden Euro pro Jahr &#8211; schon lange nicht mehr ausdrücklich für den Aufbau Ost. Sie fließen in den allgemeinen Bundeshaushalt ein, und wie viel Geld dafür nun tatsächlich in den Osten fließt, weiß wohl nur der Bundesfinanzminister.</p>
<p>Doch immer wenn in den letzten Jahren die Rede auf den Soli kam, waren wieder die allfälligen Klagen aus dem Westen zu hören, nun reiche es langsam mit der Aufbauhilfe. Im Westen verrotten die Innenstädte, weil mit dem Soli im Osten immer neue Autobahnen gebaut werden, lautet der Tenor. Das stimmt so ja gar nicht, erklärt etwa Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Die Einnahmen aus dem Soli würden auch für Infrastrukturprojekte im Westen verwendet.</p>
<p>Nun sind Forderungen nach Abschaffung des Soli gerade im Wahlkampf wohlfeil. Sie richten sich natürlich hauptsächlich an die zahlenmäßig größere Wählerschaft im Westen. Doch auch im Osten Deutschlands würde ein solcher Schritt wohl auf Zustimmung stoßen. Denn auch Ostdeutsche zahlen den Soli, und sie hätten sicher nichts dagegen, wenn die bisher vom Staat kassierten Soli-Euro auch in ihrem Portemonnaie bleiben würden. Dass der Zuschlag tatsächlich abgeschafft wird, darf aber als relativ unwahrscheinlich gelten. Denn es gibt &#8211; leider &#8211; die Regel: Einmal eingeführte Abgaben oder Steuern bleiben auf ewig bestehen, denn sie füllen die Säckel des Staates. Als Beispiel dient immer wieder gerne die zu Zeiten von Kaiser Wilhelm zwo eingeführte Sektsteuer, die zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte verwendet wurde. Die Flotte gibt es schon lange nicht mehr, die Steuer immer noch.</p>
<p>Wenn der Soli also nicht abgeschafft wird, sollte man ihn wenigstens umbenennen, schlug Haseloff im <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/article114559313/Soli-sollte-Strassencent-heissen.html" title="Interview" target="_blank">Interview</a> mit der Zeitung <em>Die Welt</em> nun vor. Zum Beispiel in &#8220;Straßencent&#8221;, um den Bezug zu Infrastruktur-Projekten deutlicher herauszustellen. Das ist zwar nicht unbedingt im Sinne des Soli-Zahlers. Aber immerhin müssten die Ostdeutschen dann nicht mehr als Adressat für Unmut über diese Abgabe herhalten. Das würde vielleicht dem inneren Frieden des Landes ein wenig gut tun.</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Kinderbetreuung: Die Mauer muss weg!</title>
		<link>http://blog.zeit.de/ost/2013/03/15/kinderbetreuung-die-mauer-muss-weg/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 10:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kristian Schulze</dc:creator>
		<category>Ost-Blog</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[In der Debatte um den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz und den Ausbau der Kinderbetreuung geht es kaum mal um den Osten. Das ist falsch, auch wenn es verständlich ist. Im Westen mag dieses Problem schwerer wiegen, auch weil es wohl etwas neuartiger erscheint. Das bedeutet allerdings nicht, dass Eltern im Osten keine Probleme haben. Darf [...]]]></description>
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<p>In der Debatte um den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz und den Ausbau der Kinderbetreuung geht es kaum mal um den Osten. Das ist falsch, auch wenn es verständlich ist. Im Westen mag dieses Problem schwerer wiegen, auch weil es wohl etwas neuartiger erscheint. Das bedeutet allerdings nicht, dass Eltern im Osten keine Probleme haben.<br />
<span id="more-1954"></span><br />
Darf Ostdeutschland in dieser Debatte übergangen werden, weil das DDR-Erbe dem Osten mehr Kindergärten beschert hat? In Wahrheit sind von den früheren Ost-Kindergärten gar nicht so viele übrig, wie man heute annimmt. Nach der Wende haben die Kommunen auch fleißig geschlossen. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist der in Ostdeutschland höhere Bedarf. Warum? Weil viele Ostdeutsche die Betreuung ihrer Kinder &#8211; auch aus der eigenen Erfahrung &#8211; für normal halten, weil die Erwerbsneigung von Frauen höher ist. Und aus noch anderen Gründen braucht der Osten mehr Plätze als der Westen, sogar noch mehr als er jetzt  hat. Es gibt kaum einen Bereich, in dem deutsche Uneinheitlichkeit noch so stark und doch so undeutlich erscheint wie im Bereich der Kinderbetreuung. </p>
<p><strong>Eine gedachte Mauer verstellt den Blick</strong></p>
<p>Das notorische Bild von der Mauer in den Köpfen verstellt hier tatsächlich den Blick auf die Realität, und offiziell gehandelte Zahlen sagen wenig: Ab Mitte 2013 soll die <a href="http://www.statistik-bw.de/GesundhSozRecht/Indikatoren/SZ-KJ_betreuungsquote.asp">Betreuungsquote</a> bei unter drei Jahre alten Kindern im Westen bei etwa 37 Prozent liegen und im Osten bei etwa 51 Prozent. Tatsächlich liegt der Bedarf etwa in Dresden laut Elternbefragung &#8211; also eher die tatsächliche Nachfrage &#8211; bei 86 Prozent. Rund 74 Prozent sind es nach Schätzung der Stadt in Leipzig. Doch selbst wenn diese Quote hier demnächst erreicht würde, was unwahrscheinlich ist, wird die wahre Nachfrage nicht gedeckt. Die Zahl ist nur geschätzt. Doch mit der politisch debattierten Statistik darf und wird Leipzig die glänzende Übererfüllung des 51-Prozent-Plans melden.</p>
<p>Das erinnert an die Erfolgsmeldungen der DDR-Wirtschaft: Offiziell war immer alles in Butter. Und die Wahrheit lag auf dem Schwarzmarkt. Nicht anders ist es heute, wenn es um Krippenplätze etwa in Leipzig geht: Eltern bestechen, tricksen, handeln, um einen Platz zu ergattern. Von Wahlfreiheit kann keine Rede sein. Es werden in aller Eile Container-Kitas gebaut, um den Rechtsanspruch ab August erfüllen zu können. </p>
<p><strong>Masse statt Klasse</strong></p>
<p>Wo aber hört Betreuung auf, wo fängt Verwahrung an? Nach der neuen &#8220;Nationalen Untersuchung Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit&#8221; (NUBBEK) ist die Qualität der deutschen Kindertageseinrichtungen unbefriedigend &#8211; vor allem im Osten. Bei einer ersten Präsentation monierte Studienleiter Wolfgang Tietze ein &#8220;im Durchschnitt nur mittelmäßiges Niveau&#8221; der pädagogischen Arbeit. Derzeit gehe es vor allem um Quantität, dabei müsse &#8220;Qualität zum zentralen Thema&#8221; werden. Auch mit Blick auf die Qualität der Betreuung ist laut Tietze die Anmeldung eines Kindes in einer Krippe &#8220;wie Lotto spielen&#8221;. Der Bericht soll im April veröffentlicht werden. Dass er bis dahin positiver klingen wird, ist kaum zu erwarten.</p>
<p>Tatsächlich ist das ein Desaster in einer Zeit, in der die Bedeutung frühkindlicher Bildung für spätere Erfolge in Schule und Ausbildung unter Experten schon längst nicht mehr strittig ist. Auch waren mehr als 20 Jahre genug Zeit, dass der Westen dem Osten mal zeigt, wie man aus angeblichen Kommando-Kitas kreative macht. Doch während es im Westen scheinbar noch immer eher darum geht, überhaupt Kita zu machen, scheinen ostdeutsche Eltern in der öffentlichen Debatte kaum betroffen zu sein. Probleme haben scheinbar nur westdeutsche Städte. Doch auch viele Kommunen im Osten werden den bald gültigen Rechtsanspruch noch nicht erfüllen können und dann sehr sichtbare Probleme mit verärgerten Eltern bekommen. Am 1. August wird die Mauer fallen.</p>

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