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Al-Kaida prahlt mit Gefangenbefreiung in Abu Ghraib

Von 23. Juli 2013 um 16:33 Uhr

Die irakische Al-Kaida-Filiale hat sich zu dem Angriff auf das Gefängnis von Abu Ghraib bekannt, bei dem Hunderte Kämpfer fliehen konnten.

Wie zu erwarten, hat sich am Dienstag die irakische Filiale des Terrornetzwerks Al-Kaida zu der gewaltsamen Befreiung Hunderter Häftlinge in dem irakischen Gefängnis von Abu Ghraib bekannt. Das Bekennerschreiben wurde auf einschlägig bekannten und seit Jahren von Al-Kaida genutzten arabischsprachigen Websites verbreitet. Fundort, Sprache, Form und Inhalt sprechen für seine Authentizität; die dort gemachten Angaben stimmen in weiten Teilen mit dem überein, was die irakischen Behörden bisher bekannt gegeben haben. Ob die in dem Kommuniqué erwähnten Details stimmen, lässt sich freilich nicht ohne Weiteres überprüfen. Es liegt ZEIT ONLINE vor.

In dem Bekennerschreiben prahlt Al-Kaida mit der Größe der “Operation”. So seien zwölf mit Sprengstoff gefüllte Fahrzeuge zum Einsatz gekommen; überdies hätten die Kämpfer zwei Zugangsstraßen komplett abgeriegelt und mit russischen Grad-Raketen Checkpoints der Armee attackiert. Über 500 “Mudschahedin” seien befreit worden, die nun “nach dem Kampf auf dem Wege Gottes” dürsteten.

Diese Zahl scheint zu stimmen. Die Washington Post berichtet, die Schätzungen von US-Beobachtern lägen in derselben Größenordnung. Darunter befände sich eine “bedeutende Anzahl Al-Kaida-Kämpfer”.

Dieser Umstand ist in der Tat alarmierend. Denn es steht zu erwarten, dass etliche der Befreiten sich auf den Weg nach Syrien machen werden, wo die irakische Al-Kaida-Filiale mit der dort den Ton angebenden Dschihadisten-Gruppe Jabhat al-Nusra eng verflochten ist.

Aber auch wenn die meisten im Irak bleiben sollten: Der Gefängnisausbruch bedeutet auf jeden Fall einen signifikanten Rückschritt in der Bekämpfung der irakischen Al-Kaida. Seit Monaten steigt die Zahl der dort verübten Anschläge wieder an. Die Massenbefreiung wird diesen Trend vermutlich verstärken.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Ein großer Rückschritt in der Terror-Bekämpfung, bloggt Y. Musharbash.”

    “Der ehemalige US-Soldat Joshua Casteel, der in Abu-Ghuraib gedient hat, über seine dortigen Erlebnisse:

    „Sie haben dort mit dem Einsatz der Spezialeinheiten die Insassen regelmäßig befragt. Es gab auch oft Folterungen. Beispielsweise wurden die Gefangenen nackt in eiskaltes Wasser gestellt und dann in einem Raum mit Klimaanlage, die auf extrem hohe Temperaturen gestellt wurde. Ihre Hände wurden mit Hämmern geschlagen. Auch Baseballschläger wurden benutzt.“

    Am 28. Mai 2009 veröffentlichte die englische Tageszeitung „Daily Telegraph“ einen Artikel, in dem die vom amerikanischen Präsidenten Obama angekündigte Revidierung des Vorhabens der Veröffentlichung vorhandener Folter-Beweisfotos bestärkt wird. Der (laut manchen Quellen ehemalige) Generalmajor und mit der Untersuchung und Einstufung der Beweise US-Regierungsbeauftragte Maj Gen Antonio Taguba erklärte, dass eine Publizierung der (die Folter, sexuellen Penetrationen mit Leuchtstäben und Schlagstöcken, Missbräuche von Jugendlichen und Erwachsenen, Vergewaltigungen etc. zeigenden, noch unveröffentlichten) Beweismittel „nur“ zu Zivilklagen führen würden und eine Gefährdung der Sicherheit der Armee darstellen würde. Die auf den Dokumentationen ersichtlichen Militärangehörigen wären identifiziert und geeignete Mittel ergriffen worden.”
    https://de.wikipedia.org/wiki/Abu-Ghuraib-Folterskandal

    Wenn man sich das in Erinnerung ruft, ist die jetzige Befreiungsaktion doch ein großer Schlag gegen den Terror.

  2. 2.

    War da nicht schon mal was ähnliches vor Jahren?

  3. 3.

    Irak, das US-Desaster: Es war falsch einzumarschieren, und es war falsch wieder auszumarschieren.

  4. 4.

    Es fällt einem schon ein bißchen schwerer als gewöhnlich, sich zu entrüsten, wenn Iraker ihre Leute aus Abu-Ghraib befreien.
    Wäre interessant, wie man hier Gut und Böse auseinanderklaubte, würden sich diese 500 jetzt aufmachen und die Gefangenen in Quantanamo Bay befreien.

    • 24. Juli 2013 um 01:11 Uhr
    • wAltz
  5. Kommentar zum Thema

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