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Hätte, hätte, Terrorkette

 

Kann es sein, dass es hierzulande eine Vorliebe für den apokalyptischen Konjunktiv gibt? Hätte, hätte, Terrorkette sozusagen? Zwei Gruselszenarien wabern derzeit durch die Republik, beide vermeintlich so plausibel, so realistisch, dass viele sich dieser Vision kaum noch entziehen können.

Unter den Flüchtlingen, die derzeit aus Syrien und dem Irak nach Deutschland strömen, könnten vom „Islamischen Staat“ eingeschleuste Terroristen sein, hören wir. Dies sei quasi der ideale Weg, Europa mithilfe von Schläferzellen zu infiltrieren. Die Passauer Neue Presse berichtete gar von 29 angeblich erwiesenen Fällen, in denen unter den Asylbewerbern Syrien-Kämpfer gewesen seien.

Das zweite Schreckgespenst: Deutsche Salafisten könnten versuchen, unter den Asylbewerbern radikalen Nachwuchs zu rekrutieren. Ausgangspunkt für diese Warnung ist, dass einige Salafisten tatsächlich angetreten sind, vor Flüchtlingsunterkünften Menschen anzusprechen.

Huch. Schluck. Angstschweiß.

Man könnte allerdings auch einfach die Realität heranziehen. Die sieht so aus:

* Fälle, in denen unter den Asylbewerbern in Deutschland nachweisbar Syrien-Kämpfer gefunden wurden: null. (Das Bundesinnenministerium hat die Meldung der Passauer Neuen Presse mittlerweile dementiert.)

* Fälle, in denen deutsche Salafisten einen Flüchtling radikalisiert haben: null.

* Fälle, in denen es dem „Islamischen Staat“ allein durch Propaganda, ohne direkte Ansprache, ohne Syrien-Aufenthalt, ohne organisatorische Verbindung gelungen ist, Radikale in Europa zu Anschlagsplanungen zu bewegen: mehrere Handvoll.

* Fälle, in denen deutsche Salafisten deutsche Muslime in den letzten drei Jahren dazu gebracht haben, nach Syrien in den Krieg zu ziehen: Hunderte.

Diese kleine Liste macht klar, wo die tatsächlichen Gefahren lauern.

Natürlich sind auch die anderen beiden Fälle vorstellbar. Nicht einmal unrealistisch (auch wenn viele der Flüchtlinge – gerade aus Syrien – die Schnauze gestrichen voll haben von religiösen und anderen Ideologien). Aber sich auf diese Szenarien zu stürzen, sich darauf gar zu konzentrieren, das bedeutete, der Spekulation den Vorzug vor der Realität zu geben. Wer sich ernsthaft vor Terror und Radikalisierung sorgt, vermeidet das.

 

 

 

 

 

57 Kommentare

  1.   Kommentator

    Anschläge von Terroristen, die in Syrien gekämpft haben und zwar ausschließlich aus Gruppierungen, die gegen Assad kämpfen haben die Anschläge auf Charlie Hebdo begangen, aus das jüdische Paar in Brüssel und auf die Touristen in Tunesien. Einer der tunesischen Terroristen ist sogar als Flüchtling nach Europa eingereist. Wir haben also die drei größten Terroranschläge auf europäischem Boden der letzten Jahrzehnten, begangen von eben jenen, die zu zig-tausenden nach Deutschland und Schweden geschleust werden. Googlen Sie im Internet und Sie finden Bilder von mindestens einem Dutzend syrischen Terroristen, die in Syrien schwer bewaffnet fotografiert wurden und nun mit „Thank you“ T-Shirts, iPads und RayBan-Brillen und Victory Zeichen an Deutschen Bahnhöfen fotografiert werden.

  2.   oberlausitzerin

    Mag sein, dass die Ängste übertrieben oder unbegründet sind. Kein Grund, sich über die Menschen lustig zu machen. Diese überhebliche selbstgefällig Arroganz ist unangenehm.

  3.   Bob Roberts

    Danke.Endlich ein Silberstreif in dieser hysterischen Debatte.

  4.   Jolli

    Und wenn dann nicht nur hunderte „Deutsche“ zum Morden im Namen des Islams nach Syrien gehen, sondern auch in Europa zuschlagen.
    Was dann?
    Dann lässt sich die verfehlte Politik der Duldung von islamischen Hasspredigern und den offenen Grenzen revidieren?
    Nein. Dann ist es zu spät.

  5.   Yassin Musharbash

    das ist aber ein anderes Thema.

  6.   Jolli

    Übrigens lieber Autor Moslems, die nicht ganz auf Linie der IS-Sympathisanten sind, stehen auf den Listen der Kopfabschneider noch weiter oben als Christen.

  7.   teenriot

    Schöner erdender Kommentar (Artikel).

  8.   Ralf Müller

    Ob Isis Schläfer einschleust oder nicht, es kommen hauptsächlich Moslems. In Deutschland leben jetzt schon 5 Millionen Moslems und mit dem Zuzug in den kommenden Jahren werden wir auch sehr bald die 10 Millionen Grenze erreichen. Da braucht es gar keine Isis mehr, Deutschland wird islamisch. Jeder weitere Konflikt mit dem Islam wird dazu führen, dass sich diese Gruppe immer mehr von den Deutschen distanziert und umgekehrt.

  9.   ImErnst56

    Es wurden noch nicht mal annähernd alle Flüchtlinge registiert, aber man weiss schon, dass unter den Flüchtlingen keine IS-Kämper sind. Toll. Die WELT meldete letztens, dass der norwegische Geheimdienst (ich wusste gar nicht, dass Norwegen ein Geheimdienst hat) in einem Flüchtlingkontigent IS-Kämper ausgemacht hat. Aber wenn die alle in Norwegen sind und nicht bei uns, dann bin ich ja beruhigt.

  10.   Tomtell

    Ich würde sogar so herum argumentieren: Deutschland hat sich mit der Entscheidung, syrische Flüchtlinge kurzfristig hereinzulassen, eine Art Schutz vor Terroranschlägen aufgebaut. Endlich spüren die Menschen einmal in der arabischen Welt, dass sie keine Menschen zweiter Klasse sind. Deutschland belegt das nicht nur durch Reden, sondern durch handeln. Das wird im gesamten Nahen und Mittleren Osten eine breite Wirkung haben, die noch lange nachwirkt. Statt die Region zu bombardieren, hilft Deutschland den Menschen in einer konkreten Notlage. Das nenne ich weitsichtig.