Über dieses Blog

 

Der amerikanische Schriftsteller und Journalist Ambrose Bierce (1842 – 1914) war ein anerkannter Zyniker. So ist auch seine Definition des Begriffs „Radikalismus“ in der berühmten Aphorismen-Sammlung „The Devil’s Dictionary“ einzuordnen: „Radicalism, n.: The Conservatism of tomorrow injected into the affairs of today“. Radikale als die Konservativen von Morgen? Das mag stimmen, wenn sie sich durchsetzen, also rückblickend – so wie zum Beispiel das in Konservatismus erstarrte Establishment aus Königsfamilie und Islamgelehrten Saudi-Arabiens seine Wurzeln in einer radikalen, revolutionären Bewegung hat. Aber eine wirklich schlagende Definition ist Bierce nicht gelungen. Das hat er vermutlich auch nicht beabsichtigt.

Tatsächlich setzen sich die meisten Radikalen jedenfalls nicht durch: nicht räumlich, nicht zeitlich, nicht in Zahlen. Sichtbar und spürbar sind radikale Strömungen dennoch. Sie schärfen die Debatte – im besten Fall. Sie sind gefährlich – im schlimmsten Fall. Dazwischen ist alles möglich. Das Bestreben dieses Blogs ist es, diese Bandbreite zu durchmessen und zu analysieren, gerne auch zu kommentieren, und zwar vor allem mit Blick auf islamistische und islamophobe Strömungen. Denn beide nehmen immer häufiger und direkter Bezug aufeinander, und beide speisen einander, jedenfalls in gewissem Maße.

Warum wird jemand „radikal“? Wo beginnt diese Sphäre überhaupt? Wie viel Radikalität verträgt der öffentliche Raum, wie viel sollte er vertragen? Gibt es Wege zurück? Und wie lässt sich die Schnittstelle zwischen Radikalität und Militanz begreifen? Was meinen Radikale, wenn sie bestimmte Dinge sagen? Wie begegnet man Ihnen? Das alles sind Fragen, die hier einen Platz haben sollen.

2 Kommentare

  1.   Halter

    Ihr perspektifisch umfassender Ansatz ist herausragend, allerdings fehlen die Antworten. Bis dahin werden die banalen Aufgaben örtlich geklärt.

  2.   Wiederkäu

    Stimmt.