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Echter falscher Hase

Von 29. Oktober 2010 um 11:04 Uhr

Wie immer zu Halloween hält in unserer Küche der Horror Einzug: Dieses Jahr wird ein süßes Kaninchen zu Hackfleisch verarbeitet und mit Wachteleiern gefüllt.

Für 2-3 Personen:
2 Kaninchenkeulen (à 250 g)
8 – 12 Wachteleier
50 g geräucherter Bauchspeck
1 altbackenes Brötchen
1 Hühnerei
1 große Schalotte
1/2 Bund Petersilie
50 ml Milch
1 EL Senf
600 g mehlig kochende Kartoffeln
100 ml Milch
Muskat
Butter
Salz
Pfeffer
Paprikapulver
1/2 Kopf Rotkohl
Olivenöl
1/2 frische Chilischote
2 EL Aprikosenmarmelade
2 EL Honig
Sesamöl

Wie so oft ist das Besorgen der ausgefallenen Zutaten das Schwierigste am ganzen Rezept, heute sind es die Kaninchenkeulen und Wachteleier. Letztere muss man meist einen Tag vorbestellen, und zwar praktischerweise bei dem, der auch Kaninchen verkauft. Vor einigen Jahren musste man noch das Telefonbuch wälzen, heute gibt man einfach zum Beispiel “Wild” und “Hamburg” in die Internet-Suchmaschine ein und schon hat man mehrere Telefonnummern von Wild- und Geflügelspezialisten. Und falls einer mal keine Wachteleier hat, weiß er bestimmt, wo es welche gibt …

Zurück in der Küche als erstes den Ofen auf 180 Grad Oberunterhitze vorheizen. Ein altbackenes Brötchen in kleine Würfel schneiden und mit 50 ml kochender Milch beträufeln. Acht bis zwölf Wachteleier hart kochen, das dauert bei den kleinen Dingern nur drei Minuten. Dann rausnehmen, mit kaltem Wasser abschrecken, pellen und beiseite stellen.

Zwei Kaninchenkeulen entbeinen, also mit einem scharfen Messer sich von unten nach oben am Knochen entlang arbeiten. Man muss dabei lediglich auf seine Hand aufpassen, wie das abgeschnittene Fleisch aussieht, ist egal. Es wird ja anschließend zu Hackfleisch verarbeitet: Mit einem großen, sehr scharfen Messer erst mal so kleine Scheiben wie möglich schneiden und dann so lange hacken, bis die gewünschte Hackfleisch-Konsistenz erreicht ist. Dasselbe macht man dann noch mit 50 g geräucherten Bauchspeck.

Eine große Schalotte schälen und sehr fein hacken, ein halbes Bund Petersilie waschen, wieder trocken schütteln, die Blätter abzupfen und ebenfalls sehr klein schneiden. Beides in einem EL Butter und einer Pfanne auf mittlerer Temperatur weich und glasig dünsten, die Schalotten dürfen aber keine Farbe bekommen! Deshalb nach kurzer Zeit die Hitze reduzieren.

Den Pfanneninhalt kurz abkühlen lassen und mit dem Hack, dem Speck, dem eingeweichten Brötchen, einem ganzen Hühnerei, einem EL Senf, einer guten Prise Paprikapulver und Salz und Pfeffer zu einem Teig verarbeiten. Am Anfang mit einem Kochlöffel, dann mit beiden Händen, er muss wirklich gut durchgeknetet werden.

Die Masse dann auf einem Backblech in eine Art Hasenrückenform modellieren, und mit einem Finger in der Mitte längs eine Furche ziehen. Darin dann die Wachteleier verteilen und oben alles wieder mit Hack schließen. Falls der Teig sehr klebrig ist, bekommt man mit leicht befeuchteten Händen die Oberfläche wieder schön glatt.
Dieser falsche Hase kommt jetzt für eine halbe Stunde in den heißen Ofen.

In der Zwischenzeit 600 g mehlig kochende Kartoffeln schälen, grob zerstückeln, in sehr salzigem Wasser aufsetzen und gar kochen.

Einem halben Rotkohlkopf die äußeren, dicken oder unschönen Blätter abschälen und unten großzügig den Strunk rausschneiden. Den Rest mit einem großen Messer oder einem speziellen Hobel in hauchdünne Scheiben schneiden.
Drei EL Olivenöl und einige Spritzer Sesamöl in einer großen Pfanne auf dreiviertel Temperatur erhitzen und den Rotkohl darin anbraten. Nach fünf Minuten und öfteren Wendungen mit zwei EL Aprikosenmarmelade, Salz und Pfeffer abschmecken. Noch mal fünf Minuten später eine frische Chilischote längs halbieren, die Kerne und alles Weiße rauskratzen und eine Hälfte kleingeschnitten zum Rotkohl geben. Dann noch zwei EL Honig dazu, alles noch mal gut durchrühren und dann auf kleinster Flamme fertig ziehen lassen.

Irgendwann ist der falsche Hase fertig: Aus dem Ofen nehmen und kurz stocken lassen. Parallel dazu die Kartoffeln ableeren, durch eine Kartoffel- oder Spätzlepresse pressen. Salzen, etwas Muskat drüber reiben und mindestens einen EL Butter und zirka 100 ml Milch unterrühren. Je nach Kartoffelsorte und -alter und eigener Vorliebe braucht man mehr oder weniger Milch. Das Püree noch mal auf Salz abschmecken und mit etwas Rotkohl und den in Scheiben geschnittenen falschen Hasen servieren.

Alle unserere Rezepte von A-Z gibts hier

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Echter falscher Hase ist ja prima und auch die Rotkohlvariante auf jeden Fall einen Test wert.
    Es erschließt sich mir aber nicht, warum man vom Kaninchen ausgerechnet die Keulen verhackstücken soll.
    Zum Kaninchenhack kann man gut die nicht so großen Fleischteile verwenden, die Keulen jedenfalls sind da doch echt zu schade für.
    Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass viele heutzutage gern aus purer Bequemlichkeit nur noch die großen Fleischteile (Brust und Keule) anfassen und verarbeiten und der Rest geht ins Tierfutter oder in die weite Welt.

    • 29. Oktober 2010 um 11:24 Uhr
    • Peter
  2. 2.

    Peter, prinzipiell hast Du natürlich total recht,
    aber wo kann man denn Kaninchenklein kaufen?

    Der echte falsche Hase hat übrigens wirklich sehr gut geschmeckt und muss nicht ausschließlich als Spaßrezept verstanden werden.

    • 29. Oktober 2010 um 11:59 Uhr
    • REZEPThORste
  3. 3.

    Und immer schön daran denken, unter welch erbärmlichen Umständen Mastkaninchen gehalten werden; die Haltebedingungen sind noch grausamer als die von Hühnern!

    • 29. Oktober 2010 um 14:31 Uhr
    • mamor
  4. 4.

    @mamor: …gääääähn!

    • 29. Oktober 2010 um 18:19 Uhr
    • Hasi
  5. 5.

    ich kauf hasen beim örtlichen kleintierzüchter im ganzen, da bleibt auch was fürs hasenhack, das wird sicher lecker.
    @ marmor
    die von ihnen beschriebenen “masttiere” sind sowieso out, die schmecken nach nichts.

    • 29. Oktober 2010 um 19:45 Uhr
    • Reallast
  6. 6.

    woher kommt eigentlich die Sitte, Eier mit in den Falschen Hasen zu backen? Ist das etwas Regionales? Ich stamme aus Hannover, kann mich aber an die Eier im Falschen Hasen meiner Mutter nicht erinnern. Oder ich weiß es wirklich nicht mehr und sie waren doch darin?

  7. 7.

    Ich kenne dieses Rezept nur als Boeuf Guttenberg (nur ohne Eier).

    • 24. Februar 2011 um 13:07 Uhr
    • Axel
  8. 8.

    Schleck … – gestern abend gekocht; mangels frischer Petersilie ein paar Schalotten mehr genommen und die Gewürze mit Thymian und Koriander ergänzt; Kaninchenfleisch und Bauchspeck altmodisch durch einen ebensolchen Fleischwolf gedreht und statt des eingeweichten Brötchens drei große Kleckse Crème fraîche und einen Extrabatzen groben Fallot-Senf zum “Binden” verwendet. Da wir zu sechst waren, habe ich die Mengen grob verdoppelt und alle vier “Hasenfüße” genommen. Die Knochen mit dem Restfleisch gleich wieder im “Fond-Fach” des Gefrierschranks geparkt. Für das Pürree aus etwas 1 kg Kartoffeln mußte fast ein Stück butter dran glauben; hat sich gelohnt. Das Rotkraut mit Aprikosenkonfitüre, Honig und Chili ist eine Offenbarung. In kürzester Zeit war von der ganzen Herlichkeit kein Krümel mehr übrig. Und die beiden Bouteillen 2009er Chablis machten auch einen eher vertrockneten Eindruck.
    Vielen Dank für dieses Super-Rezept. Kriegt einen Ehrenplatz auf der Festplatte ;-)

  9. Kommentar zum Thema

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