Die Schachweltmeisterin Hou Yifan vertraut nicht mehr aufs Glück

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Die Chinesin Hou Yifan (Bild: Anastasia Kharlowitsch)

Schach ist kein Glücksspiel. Beide Seiten spielen mit den gleichen Figuren nach den gleichen Regeln, es gibt keine Mitspieler, keine Karten, keinen Würfel, keinen Zufall. Aber trotzdem triumphiert in manchen Partien der Außenseiter, der eigentlich schlechtere Spieler. Deshalb nahmen sich die Schachspieler immer viel Zeit, um herauszufinden, wer der Beste ist. 1886, beim ersten Weltmeisterschaftskampf der Schachgeschichte, spielten Wilhelm Steinitz und Johann Hermann Zukertort 20 Partien gegeneinander. Nach fünf Partien lag Zukertort mit 4 zu 1 vorne, am Ende gewann Steinitz mit 12,5 zu 7,5. Weiter„Die Schachweltmeisterin Hou Yifan vertraut nicht mehr aufs Glück“

 

Garri Kasparow spielt wieder

Garri Kasparow spielt wieder
Garri Kasparow will es noch einmal wissen. (ERIC FEFERBERG/AFP/Getty Images)

Garri Kasparow liebt die Show, den großen Auftritt, bei dem er im Mittelpunkt steht. Einen solchen hatte der Ex-Weltmeister im Anschluss an die US-Meisterschaften im Schach, die Anfang dieser Woche in St. Louis zu Ende gingen. Kasparow kündigte an, in einem Blitzturnier gegen die drei Ersten der Meisterschaft anzutreten. Vier Spieler, jeder spielt gegen jeden sechs Partien, 18 Runden Blitzschach der Weltklasse. Die erste Runde beginnt am Donnerstag, den 28. April, um 13 Uhr Ortszeit, in Berlin ist es da 20 Uhr, am Freitag folgt die zweite Hälfte des Turniers. Der Veranstalter überträgt das Spektakel live auf seiner Turnierseite und so kann die Schachwelt zuschauen, wie gut Kasparow noch spielt. Weiter„Garri Kasparow spielt wieder“

 

Das lauteste Schachturnier der Welt

Der Bahnsteig der Hamburger U-Bahn-Station Stephansplatz ist in der Mitte schwarz-weiß gemustert. Kinder machen die Fliesen zum Spielplatz. „Ich bin der Läufer“, ruft ein Mädchen und hüpft schräg zur Seite. „Und ich bin der Springer“, antwortet ein Junge mit einem Rösselsprung. Letzte Vorbereitungen auf dem Weg ins CCH, Hamburgs Kongresshalle. Es ist Dienstag, der 12. April, um 10 Uhr beginnt der Wettkampf rechtes Alsterufer gegen linkes Alsterufer. Es beginnt das größte Schulschachturnier der Welt.

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Kandidatenturnier 2016: Karjakin und Aronjan immer noch in Führung

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Die zweite Hälfte des Kandidatenturniers 2016 in Moskau hat begonnen und nach acht von 14 Runden liegen Sergej Karjakin und Lewon Aronjan mit je 5,0 Punkten (zwei Siege, sechs Remis) knapp in Führung.

Darüber freut sich vor allem Karjakin, denn er stand in Runde acht gegen Pjotr Swidler am Rande einer Niederlage. Karjakin kam mit Schwarz zwar gut aus der Eröffnung heraus und diktierte das Tempo, doch dann entglitt ihm die Partie und er musste sich gegen einen gefährlichen Königsangriff im Endspiel verteidigen. Dabei hatte er Glück, denn Swidler übersah am Ende eine gute Möglichkeit und ließ Karjakin ins Remis entschlüpfen. Weiter„Kandidatenturnier 2016: Karjakin und Aronjan immer noch in Führung“

 

Kandidatenturnier 2016: Drei Spitzenreiter nach drei Runden

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Drei Runden sind beim Kandidatenturnier 2016 in Moskau gespielt und vor dem morgigen Ruhetag nimmt das Feld allmählich Konturen an. Das liegt vor allem an dem Bulgaren Wesselin Topalow, der in Moskau nicht gut in Form ist und in Runde drei bereits seine zweite Partie verlor. Er spielte mit Weiß gegen Lewon Aronian, aber stand nach einem Übersehen in der Eröffnung schon nach 17 Zügen auf Verlust. Weiter„Kandidatenturnier 2016: Drei Spitzenreiter nach drei Runden“

 

Kandidatenturnier 2016: Nervöser und vorsichtiger Auftakt

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Beim Kandidatenturnier 2016, das vom 10. bis 30. März in Moskau stattfindet, kämpfen acht Spieler um das Recht, im November 2016 gegen Magnus Carlsen um die Schachweltmeisterschaft zu spielen. Vierzehn Runden stehen auf dem Programm, die beiden ersten am Freitag und Samstag waren von Vorsicht und Nervosität geprägt. Sechs der insgesamt acht Partien endeten Remis, in nur zwei Partien gab es eine Entscheidung. In beiden Partien unterliefen den Spielern Fehler, die auf diesem hohen Niveau selten sind. Weiter„Kandidatenturnier 2016: Nervöser und vorsichtiger Auftakt“

 

Als Deep Blue das Genie Garri Kasparow schlug

Als Deep Blue das Genie Garri Kasparow schlug
Garri Kasparow gegen Deep Blue am 7. Mai 1997 in New York (Stand Honda/Getty Images)

In Seoul spielt das Computerprogramm AlphaGo gerade einen Wettkampf über fünf Partien gegen Lee Sedol, einen der besten Go-Spieler der Welt. Mensch gegen Maschine, da werden Erinnerungen wach. Vor 20 Jahren, am 10. Februar 1996, verlor der damalige Schachweltmeister Garri Kasparow in Philadelphia, USA, die erste Partie seines Sechs-Partien-Wettkampfs gegen den IBM-Computer Deep Blue. Nach zurückhaltender Eröffnung hatte der Computer seinen Springer ins Abseits manövriert, um einen Bauern zu erobern. Das sah riskant aus, denn jetzt konnte Kasparow gefährlich wirkende Drohungen gegen den König Deep Blues aufstellen. Doch der Computer, der Millionen von Stellungen pro Sekunde kalkulieren konnte, hatte berechnet, dass keine wirkliche Gefahr für ihn bestand. Deep Blue parierte alle Drohungen des Angriffskünstlers Kasparow und gewann die Partie. Maschinelle Rechenkraft hatte über menschliche Intuition triumphiert. Weiter„Als Deep Blue das Genie Garri Kasparow schlug“

 

Vishy Anand mag es nicht so wild

Vishy Anand, hier beim Turnier in London gegen Michael Adams (Foto: Carl Court/Getty Images)
Vishy Anand, hier beim Turnier in London gegen Michael Adams (Foto: Carl Court/Getty Images)

Das Tradewise Chess Festival in Gibraltar, das Anfang Februar zu Ende ging, hatte alles, was ein Schachturnier braucht: ein starkes Teilnehmerfeld, eine gute Organisation, hohe Preise und ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Doch so richtig freuen konnte sich der Ex-Weltmeister Viswanathan Anand aus Indien darüber nicht. Er spielte nicht gut. Mit einer Ratingzahl von 2784 startete er als Nummer drei der Setzliste, landete aber mit 6,5 Punkten aus 10 Partien am Ende nur im oberen Mittelfeld. Dabei lieferte er eine Ratingperformance von 2541 Punkten ab, womit Anand die Nummer 27 der deutschen Rangliste wäre. Dabei gehört der Inder seit über einem Vierteljahrhundert zur absoluten Weltspitze, von 2007 bis 2013 war er Schachweltmeister, 2013 und 2014 spielte er gegen Magnus Carlsen um die Weltmeisterschaft – und jetzt so etwas. Was ist da passiert? Weiter„Vishy Anand mag es nicht so wild“

 

Kann denn Schach Sünde sein?

Wie schrecklich! Ich genieße die Sünde. Seit Jahren, beinahe täglich und mit großer Leidenschaft – zumindest, wenn es nach Großmufti Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh geht. Der höchste Islamgelehrte Saudi-Arabiens hat eine Fatwa gegen das Schach ausgesprochen und empfohlen, die Finger von meinem Lieblingsspiel zu lassen. Das hat er schon im Dezember getan, doch zum Thema wurde es erst jetzt, denn am Freitag begann in Mekka, der heiligen Stadt des Islams, ein Schachturnier.

Was treibt den Mann? Hat ihn seine Enkelin Schäfermatt gesetzt? Oder ist ihm peinlich, dass die zehn besten Schachspieler Saudi-Arabiens im Schnitt fast 100 Elo-Punkte schlechter spielen als die zehn besten Spielerinnen aus dem Iran, dem politischen Rivalen Saudi-Arabiens? Natürlich nicht.

Wie so vielen religiösen und politischen Führern geht es ihm um nichts anderes als das Seelenheil seiner Anhänger. Deshalb warnt er vor dem Schach, es ist in seinen Augen „eine Verschwendung von Zeit und Geld und verursacht Rivalität und Feindschaft. Es macht reiche Leute arm und arme Leute reich“.

Es fällt leicht, sich über solche Verbote lustig zu machen. Schließlich ist es Frauen in Saudi-Arabien auch verboten, Auto zu fahren oder sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, wenn sie nicht voll verschleiert sind. Doch mit seiner Angst vor dem Spiel und seinen Folgen befindet sich Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh in guter Gesellschaft christlicher und jüdischer Gelehrter, die das Schach im Laufe seiner Geschichte auch gerne verbieten ließen. Selbst der Buddhismus warnt in einer seiner fünf ethischen Grundregeln davor, den Geist zu berauschen und das Bewusstsein zu trüben. Wer je stundenlang Blitzschach gespielt, ein Analysemarathon oder Zeitnot erlebt hat, der weiß, wovon die Rede ist.

Auch der Gedanke, dass Schach eine große Verschwendung von Zeit und Energie sein könnte, ist nicht neu. Stefan Zweig beschrieb das Spiel in seiner Schachnovelle als „ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz“ und Gustave Flaubert meinte über das Schach lapidar: „Zu ernsthaft für ein Spiel, zu seicht als Wissenschaft“.

Aber was weiß und versteht Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh denn eigentlich vom Schach? Hat er eine einzige Partie in seinem Leben gespielt, kennt er überhaupt die Regeln oder auch nur zwei Züge Eröffnungstheorie? Und wieso fühlen sich manche Leute überhaupt stets dazu berufen, anderen zu erklären, wie sie ihr Leben leben sollen, was gut und was schlecht ist, was man tun und was man nicht tun soll?

Schach mag Zeitverschwendung sein, aber es zeigt einem, wie leicht man sich irren kann, wie unzuverlässig das eigene Denken ist und wie schnell Überzeugungen, Züge, die man für gut und richtig hielt, sich bei genauerem Hinschauen und Nachdenken als schlecht herausstellen. Das schult den Geist und führt im besten Fall zu Toleranz und Bescheidenheit. Genau, zu Toleranz und Bescheidenheit.

 

Wijk aan Zee: Schachmekka an der Nordsee

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Am 15. Januar begann das Tata Steel Schachfestival in Wijk aan Zee, das erste Weltklasseturnier des Jahres. Wijk aan Zee liegt an der Nordsee in Holland, hat etwa 2.400 Einwohner und lebt von Stahlindustrie und Tourismus. International bekannt gemacht hat den Ort jedoch das Schach.

1938 feierte das Turnier Premiere, seitdem spielt man jedes Jahr, nur 1945 gab es wegen des Zweiten Weltkriegs ein Jahr Pause. Nur wenige Turniere haben eine so lange Tradition und nur wenige Turniere wirken so jung und frisch. Wer in der Schachwelt etwas ist oder werden will, der freut sich, wenn er im Winter an die Nordsee fahren darf.

16 Weltmeister zählt die Schachgeschichte, elf davon waren schon einmal in Wijk dabei. Die meisten Siege gelangen dem Ex-Weltmeister Vishy Anand: Er gewann das Turnier fünf Mal. Magnus Carlsen, Anands Nachfolger auf dem Weltmeisterthron, hat vier Mal gewonnen und will den Rekord seines Vorgängers dieses Jahr natürlich brechen.

Ein Spaziergang wird das nicht, denn Wijk ist nicht nur das Turnier der Weltmeister, sondern auch das Turnier der Talente und Weltmeisterkandidaten. Dazu zählen Anish Giri aus Holland, Wesley So und Fabiano Caruana, die beide für die USA spielen, und der Chinese Ding Liren. Alle vier sind jünger als Carlsen, alle vier gehören zu den zwölf Besten der Welt.

Nicht zu vergessen Sergey Karjakin aus Russland, der 2002 im Alter von zwölf Jahren und sieben Monaten jüngster Schachgroßmeister aller Zeiten wurde. Oder der Chinese Wei Yi, 16 Jahre jung und schon Nummer 37 der Welt. Aus China stammt auch Hou Yifan, die beste Frau der Welt, die zeigen will, dass sie auch bei den Männern mithalten kann.

14 Teilnehmer spielen im Masters, das führt jede Runde zu sieben Partien, da kommt bei den Zuschauern vor Ort und im Internet keine Langeweile auf. Außerdem gibt es noch das Challengers Turnier, auch das geht über 13 Runden. Wer hier gewinnt, darf 2017 im Masters spielen und schreibt Schachgeschichte. 2006 gewann Magnus Carlsen, sieben Jahre später war er Weltmeister.

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