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Blitzschach: Schnell, spektakulär, spannend

 
Kawumm! @ Alan_Smithee / photocase.de
Kawumm! @ Alan_Smithee / photocase.de

Schach gilt als ruhiges, ja fast langatmiges Spiel. Da ist was dran. Doch Schach kann auch anders. Blitzschach zum Beispiel. Während im klassischen Schach eine Partie mehrere Stunden dauert, haben die Protagonisten beim Blitzen nur fünf Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie. Sollte die eigene Zeit abgelaufen sein, bevor der Gegner Matt gesetzt wird, ist die Partie verloren. Stundenlanges Brüten über den nächsten Zug ist nicht. Und genau das macht den Reiz aus.

Wer es nicht glaubt, sollte ab Samstag bei der Schnell- und Blitzschachweltmeisterschaft vorbeischauen (oder die Partien im Live-Tool von ZEIT ONLINE verfolgen). Bei einem Preisfond von 400.000 US-Dollar werden auch Topstars wie Vishwanathan Anand oder Magnus Carlsen zu bestaunen sein. Letzterer ist Titelverteidiger sowohl im Schnell- als auch im Blitzschach.

Blitzschach ist die beliebteste und spektakulärste Varaiante des Schach. Die Schlagzahl, mit der die Figuren aufs Brett gezimmert werden, ist hoch. Genau wie die Zahl der Fehler. Kritiker werfen dem Blitzschach vor, dass ihm die Suche nach der Perfektion verloren ginge. Doch genau darin liegt der Reiz des Blitzschachs. Um erfolgreicher Blitzschachspieler zu sein, bedarf es einer gesunden Balance zwischen guten Zügen und dem richtigen Zeitmanagement. Ein Spiel für Pragmatiker.

Während beim Spiel mit längerer Bedenkzeit eine gewisse Grundanspannung zu spüren ist, wird der Blitzspieler mit Adrenalin geradezu überhäuft. Keine Zeit durchzuatmen, Züge im Sekundentakt und der ständige Kampf gegen die Uhr. Mit jedem Zug scheint sich die Lage zu ändern, ständig muss man sich auf die neuen Gegebenheiten der Stellung einstellen. Dabei werden viele Partien nicht nur auf dem Brett, sondern über die Zeit entschieden. Die Schachuhr wird zu einer Art virtueller Schachfigur, die zum Ende der Partie immer mehr an Kraft gewinnt. Ein Faktor, den viele Spieler unterschätzen.

Erfolgreiche Blitzschachspieler leben deshalb neben ihrem Zeitmanagement von ihrer Intuition. Wer keine Zeit hat, muss eine Stellung eher spüren als sie bis ins kleinste Details durchdrungen zu haben. Nur wer sich in den entscheidenden Momenten auf sein Gefühl verlassen kann, gewinnt Zeit. Es verwundert daher nicht, dass sich unter den besten Blitzspielern Allrounder wie Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura, Ian Nepomniatchi oder Alexander Grischuk wieder finden, während sogenannte „Serve-and-Volley- Spieler“ wie Fabiano Caruana oder Veselin Topalov, im Vergleich zu ihrer Spielstärke im klassischen Schach, keine sonderlich guten Blitzspieler sind.

Blitzschach ist beliebt. Fast jeder Vereinsspieler lässt sich regelmäßig zu einer Partie verleiten. Weil im Vergleich zum klassischen Schach in der selben Zeit mehr Partien und damit mehr Abwechslung zu Stande kommt. In unser schnelllebigen Zeit fällt es immer schwerer, sich für langatmige Partien zu begeistern.

Blitzschach nimmt die Angst vor dem Versagen. Weil so viele Blitzpartien gespielt werden, verliert die einzelne Partie an Bedeutung. Während im klassischen Schach ein Fehler meist die Arbeit von mehreren Stunden zunichte macht, gehören sie beim Blitzschach zum Spiel. Niemand geht mit der Einstellung an eine Blitzpartie, diese fehlerlos vorzutragen. Blitzschach nimmt dem Schach in gewisser Weise die Schwere.

Mit den ersten Schachonlineportalen ist Blitzschach noch beliebter geworden. Täglich werden tausende Partien im Internet gespielt. Noch nie konnte das Verlangen nach einem Schachquickie so einfach befriedigt werden, wie heute. Viele Vereine klagen bereits darüber, dass ihre Mitglieder dem Vereinsabend fern bleiben und sich lieber online vergnügen.

Aber auch offline gespielte Blitzpartien haben es ins Netz geschafft. Viele, oft hochkarätige Blitzmatches werden aufgezeichnet. Dabei spürt man die Anspannung der Spieler und ist gleichzeitig erstaunt, mit welcher Präzision trotzt schwindender Zeit Weltklassespieler wie Levon Aronian oder Hikaru Nakamura ihre Züge aufs Brett stellen.

Blitzschach hat aber auch für den gemeinen Zuschauer etwas ungemein befreiendes: Diese Genugtuung, wenn man gemütlich vor dem Laptop sitzt und sich zumindest für einen Moment überlegen fühlt, weil man ausnahmsweise einen Fehler schneller gefunden hat, als ein Magnus Carlsen.

1 Kommentar

  1.   FJG

    Dieser Artikel leidet unter vielen, teils üblen Fehlern, wie z. B „brühten“.

    Das ist der Zeit nicht würdig.