Wie findet man einen Weltmeister?

Wie findet man einen Weltmeister?
Weltmeister Magnus Carlsen fordert mehr Fairness bei der Vergabe des WM-Titels – Quelle: http://images05.kurier.at

Eigentlich hat Magnus Carlsen als amtierender Weltmeister keinen Grund zu klagen. Er ist selbst größter Nutznießer des bisherigen Systems. Während sich sein neuer Herausforderer erst beim nächsten Kandidatenturnier im März 2016 qualifizieren muss, ist der 24-jährige Norweger bereits für die kommende Weltmeisterschaft gesetzt, die aller Voraussicht nach 2016 in den USA ausgetragen wird. Weiter„Wie findet man einen Weltmeister?“

 

Die Schachwelt im Monat Juli

Ach, gewinnen ist schön. Am liebsten immer. Das tat Fabiano Caruana vor fast einem Jahr, im August 2014, beim Sinquefield Cup in St. Louis, einem der stärksten Schachturniere aller Zeiten. Er schlug einen Spitzenspieler nach dem anderen und gewann sieben Partien in Folge. Dann folgten drei Remis und Caruana hatte das beste Schachergebnis aller Zeiten erzielt.

Nach diesem Höhenrausch folgten die Mühen der Ebene. Nach St. Louis spielte Caruana viele Turniere, aber nie wieder so gut und er verlor Monat um Monat Ranglistenpunkte. Weltspitze ist er immer noch und für das Kandidatenturnier 2016 hat er sich auch qualifiziert, aber die Siegesserien blieben aus. Bis Anfang Juli das Großmeisterturnier in Dortmund kam. Caruana startete mit einem Remis und einer Niederlage, gewann dann aber fünf Mal hintereinander und wurde mit 1,5 Punkten Vorsprung Erster.

Mit dabei in Dortmund war Arkadij Naiditsch, lange Jahre Deutschlands Nummer eins. Seit Juli 2015 ist er nicht mehr die Nummer eins in Deutschland, sondern Nummer drei in Aserbaidschan. Dort fördert man das Schach intensiver als die Pressefreiheit, doch Naiditsch, der in Deutschland Trainer und Offizielle gern öffentlich kritisiert hat, hofft auf bessere Trainingsmöglichkeiten und mehr Geld. Aserbaidschan will mit dem Spitzenspieler eine Medaille bei der Schacholympiade 2016 gewinnen. Die wird in Baku, der Hauptstadt des Landes, gespielt.

Zu den großen Favoriten bei dieser Olympiade zählen Russland und China. Im Schach ist die Rivalität der beiden Weltmächte freundschaftlich und seit 2001 spielen die beiden Länder regelmäßig Vergleichskämpfe. 2015 traten bei den Herren und bei den Damen jeweils zwei Fünferteams gegeneinander an und jeder Spieler der einen Mannschaft spielte gegen alle Mitglieder des gegnerischen Teams. Bei den Männern gewann China 14-11, bei den Frauen 15-10. Zur gleichen Zeit spielte Chinas Nummer eins, Ding Liren, einen Wettkampf gegen den in Weißrussland geborenen Israeli Boris Gelfand, WM-Herausforderer 2012. Der Chinese siegte mit 3-1.

Diese Erfolge passen zu den Zielen des langen Marsches durch die Schachwelt, die der Schachfunktionär Chen Zude 1991 formulierte. Wie die aussehen, hat die chinesische Schachjournalistin Zhang Jilin deutschen Lesern in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Schach verraten:

  1. WM-Einzeltitel der Damen
  2. WM-Mannschaftstitel der Damen
  3. WM-Mannschaftstitel der Herren
  4. WM-Einzeltitel der Herren.

Die Punkte eins bis drei sind abgehakt: 1991 wurde die Chinesin Xie Jun Frauenweltmeisterin, 2007 gewann das chinesische Frauenteam im russischen Jekaterinburg die Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen, die Männer holten den Weltmeistertitel acht Jahre später in Zaghkadsor in Armenien. Jetzt fehlt nur noch der Weltmeistertitel der Herren. Da hofft der chinesische Verband auf den 16-jährigen Wei Yi, zur Zeit Nummer eins der Juniorenweltrangliste und der jüngste Spieler aller Zeiten, der die Elo-Marke von 2700 geknackt hat.

Seit Jahren tun Verband und Wei Yi alles, um an die Spitze zu kommen. Mit sieben verließ Wei Yi sein Elternhaus, um bei seinem Schachtrainer zu wohnen, mit acht ging er ins Schachinternat, mit zwölf verließ er die Schule, um Schachprofi zu werden. Ohne die lästige Lernerei hat er jetzt Zeit, sieben Stunden am Tag Schach zu trainieren.

Das trägt Früchte. Im Juli spielte der Junggroßmeister bei einem Turnier im chinesischen Haishan gegen den Kubaner Lazaro Batista Bruzon eine brillante Partie, auf die jeder Weltmeister stolz gewesen wäre: Er zerrte den gegnerischen König mit zahlreichen Materialopfern aufs offene Brett und setzte ihn dort mit einer Reihe ruhiger Züge Matt.

Erstaunlich, doch nur wenige Tage später gelang David Navara, Tschechiens Nummer eins, beim Traditionsturnier im schweizerischen Biel ein vielleicht noch größeres Kunststück. Er hatte Weiß und schickte seinen König in der Partie gegen den Polen Radoslaw Wojtaszek bis ans andere Ende des Bretts nach h8, in eine Gegend, in der eigentlich der schwarze König zu Hause ist. Die vielen schwarzen Figuren begleiteten den weißen König auf seinem Weg zwar mit zahlreichen Schachs, aber Matt setzen konnten sie ihn nicht. Als der Schwarze den Großteil seines Pulvers verschossen hatte, fiel der weiße König schließlich über die schutzlosen schwarzen Bauern her und Weiß gewann im Endspiel.

Doch auch die schönste Partie bringt nur einen Punkt. So landete Navara in dem Turnier, an dem sechs Spieler teilnahmen, auf dem vierten Platz, Wojtaszek, der Verlierer der Glanzpartie, wurde Zweiter, der Turniersieg ging an den Franzosen Maxime Vachier-Lagrave.

Auch Deutschland feierte im Juli Erfolge. Bei den NATO-Meisterschaften in Amsterdam funktionierten Technik und Logistik der Bundeswehr einwandfrei und die deutsche Mannschaft siegte zum vierten Mal in Folge.

Der deutsche Nachwuchs holte bei der Jugend-Mannschaftseuropameisterschaft im polnischen Karpacz Gold. Jüngstes Mitglied des deutschen Teams war der 11-jährige Vincent Keymer, mit einer Elo-Zahl von 2352 zur Zeit Nummer 280 der deutschen Rangliste. In Europa ist Keymer der beste Spieler unter zwölf Jahren und auf der ganzen Welt gibt es in dieser Altersklasse nur zwei Spieler, die besser sind. Er geht aufs Gymnasium, will Abitur machen und spielt außer Schach noch gerne Klavier und Fußball. Er lebt bei seinen Eltern.

 

Die Beschleunigung des Schachs

Der Schachweltmeister Magnus Carlsen ist jung und hip, doch vor Kurzem war er nicht auf der Höhe der Zeit. In der ersten Runde des Norway Chess Turniers hatte Carlsen den Bulgaren Weselin Topalow nach ruhiger Eröffnung allmählich überspielt und stand nach 60 Zügen kurz vor dem Sieg. Er suchte in aller Ruhe nach einem klaren Weg zum Gewinn, übersah aber, dass es, wie bei anderen Turnieren üblich, keinen Zeitbonus gab. Carlsen überschritt die Bedenkzeit und verlor die Partie. Weiter„Die Beschleunigung des Schachs“

 

Die Schachwelt im Monat Juni

Wesselin Topalow gewinnt ein Superturnier – und es ist ihm (fast) egal
Das schachliche Highlight im Juni war das Norway Chess  in Stavanger. In Präsentation und Außendarstellung setzte die Veranstaltung hohe Maßstäbe, alle Partien wurden in voller Länge live im norwegischen Fernsehen übertragen. Neu dabei: der „Confession Room“. Die zehn Spieler konnten während der laufenden Partien freiwillig vor die Kamera treten und die Zuschauer ganz aktuell an ihren Gedanken, Berechnungen und Sorgen teilhaben lassen, wovon besonders die jüngeren unter ihnen rege Gebrauch machten.

Gewonnen hat das Turnier der zweitälteste Teilnehmer und der ehemalige Weltmeister Wesselin Topalow, der in einigen seiner Partien (u.a. in der ersten Runde von Magnus Carlsen persönlich) allerdings reich beschenkt wurde. Topalow, der vor dem Turnier noch nicht einmal zum erweiterten Kreis der Favoriten auf den Sieg gezählt wurde, scheint an sich eine philosophisch-stoische Ader entdeckt zu haben. Mehrfach betonte er, sich auf seine Partien viel weniger intensiv vorzubereiten und entspannter zu spielen, als noch vor einigen Jahren. Selbst die Teilnahme am Kandidatenturnier 2016, die er sich mit dem Erfolg in Norwegen dank seines Aufstiegs auf Platz drei in der Weltrangliste so gut wie sicher erspielt hat, wolle er noch einmal überdenken, da er beim letzten Kandidatenturnier 2014 schlechte Erfahrungen gemacht habe und von Motivationsproblemen geplagt worden sei.

Wer von seinem eventuellen Rückzug profitieren könnte, erscheint noch unklar. Vishy Anand, der älteste Teilnehmer im Feld und für viele der Turniersieger der Herzen, hat seinen Platz dagegen als Unterlegener des letzten WM-Kampfes schon sicher. Für den nunmehr entthronten Weltranglistenzweiten Fabiano Caruana lief Stavanger dagegen äußerst durchwachsen, aber er versucht aktuell, die verlorenen Punkte beim nächsten Superturnier in Dortmund zurückzuholen.

Die Weltranglistenzweite kopiert unfreiwillig Magnus Carlsen
Die Frauen sorgten im vergangenen Monat für gute und nicht so gute Schlagzeilen. Die beste von ihnen, Yifan Hou, hält sich aktuell wacker bei ihrer ersten Teilnahme beim Dortmunder Sparkassen-Chess-Meeting , dem deutschen Traditionsturnier schlechthin, das Ende Juni begann. Nach fünf von sieben Runden hat sie allerdings noch nicht viel Zählbares vorzuweisen: vier Punkteteilungen, aber auch eine Niederlage gegen den Exweltmeister und den Dortmunder Seriensieger Wladimir Kramnik.

Für ihre Dauerrivalin, die Weltranglistenzweite Humpy Koneru, ist derweil ein anderes Turnier, die diesjährige Commonwealth-Meisterschaft, bereits nach vier Runden beendet: Die Inderin ahmte Magnus Carlsen nach und überschritt in der vierten Runde ihre Bedenkzeit, weil sie von der Regel nichts gewusst haben wollte. Die Ankündigung des Schiedsrichters über „30 minutes grace time“ scheinen einige Spieler als einen Zusatz nach Ablauf der regulären Bedenkzeit interpretiert zu haben (dem gleichen Irrtum erlag bereits in der ersten Runde die bekannte indische Spielerin Tania Sachdev), gemeint war aber lediglich eine Karenzzeit, um die man sich straffrei zur Partie verspäten durfte. Aus Protest über die Niederlage zog sich Koneru vom Turnier zurück.

Hexenjagd im 21. Jahrhundert
Ganz unerfreuliche Nachrichten gab es noch von der Fraueneuropameisterschaft im georgischen Chakvi zu hören, die Ende Mai zu Ende ging. Gewonnen wurde diese von einer der Favoritinnen Natalia Zhukowa, in Erinnerung behalten wird man das Turnier aber aus einem anderen Grund. Die rumänische, weitgehend unbekannte Spielerin Mihaela Sandu wurde von ihren Kolleginnen mehr oder weniger offen des Betruges verdächtigt, es wurden zwei Unterschriftenlisten gesammelt, die die Liveübertragung von Sandus Partien ins Internet verhindern sollten. Beide an erster Stelle von der künftigen Europameisterin Zhukowa unterschrieben.

Obwohl nach bestem menschlichen und computerunterstützen Ermessen an den Betrugsvorwürfen nichts, aber auch gar nichts Wahres dran war, scheint die Hexenjagd ihr Ziel erreicht zu haben – Sandu, die mit fünf (teilweise glücklichen) Siegen am Stück ins Turnier gestartet war, zerbrach am Druck und verlor am Ende mehrere Partien in Folge. Der rumänische Verband kündigte derweil die Überprüfung rechtlicher Konsequenzen gegen die Unterzeichnerinnen der Briefe an.

Die deutschen Spieler in Dortmund
Auch für die Deutschen brachte der Juni gemischte Ergebnisse. Drei von ihnen dürfen beim Superturnier in Dortmund mitspielen, welches Ende des Monats begann. Der vor einem Jahr eingebürgerte Dieter Nisipeanu belegt aktuell sogar den geteilten ersten Platz zusammen mit Fabiano Caruana, die beiden werden vermutlich bis zum Ende um den Turniersieg mitspielen können. Arkadij Naiditsch konnte zwar schon Kramnik besiegen, verlor aber auch schon zwei Partien und befindet sich im Mittelfeld. Der dritte im Bunde, Georg Meier, spielt bisher sehr unterhaltsam, wurde aber schon zweimal Opfer seiner unter anderem durch mangelnde Spielpraxis bedingten Zeiteinteilung, die ihn bereits zwei Partien kostete.

Enttäuschung beim Mitropa-Cup
Beim diesjährigen Mitropa-Cup (ein Mannschaftsturnier mit zehn Nationen aus Mitteleuropa, zu dem die Verbände traditionell ihren talentierten Nachwuchs schicken), ausgetragen im österreichischen Mayrhofen, konnte das deutsche Team nicht vollends überzeugen, obwohl es mit den beiden „Prinzen“ Matthias Blübaum und Dennis Wagner an den Spitzenbrettern durchaus als Turnierfavorit angetreten war. Souveräne Sieger wurden die Gastgeber aus Österreich, während den Deutschen nur die Bronzemedaille hinter dem Überraschungsteam aus der Slowakei vorbehalten blieb. Wirklich stark agierte in Mayrhofen nur Andreas Heimann am dritten Brett, während die beiden jungen Männer und Elisabeth Pähtz an Brett vier teilweise wackelten. Auf eine kuriose Weise kam zudem noch der knappe 2,5:1,5-Sieg gegen Kroatien zustande, als der Gegner von Elisabeth Pähtz ihr in totaler Gewinnstellung ein seltenes Pattbild erlaubte – Nachspielen unbedingt empfehlenswert! Im Frauenwettbewerb verpasste das deutsche Team durch ein 0:2 in der Schlussrunde gegen die zweite Vertretung von Österreich sogar ganz die Medaillenplätze und wurde Vierter.

Wenn die Hände schneller sein müssen, als der Kopf
Einen Vizetitel gab es für einen deutschen Spieler aber auch noch zu feiern. Der deutsche Meister Daniel Fridman gewann Silber bei den Niederländischen Meisterschaften im Lightning-Schach, bei dem jeder Spieler lediglich zwei Minuten für die ganze Partie hat. Im Finale unterlag er trotz guter Stellungen dem niederländischen Weltklassespieler Loek van Wely. Hier die entscheidende Finalpartie, man kann nur immer wieder den Hut davor zu ziehen, wieviel die Spieler selbst bei solch knapper Zeit noch sehen!

Wie geht es in der Schachwelt weiter?
Im Juli kehrt nach dem Ende des Dortmunder Superturniers eine gewisse Stille ein – die Sommermitte ist traditionell eher den Open-Turnieren für Amateure und schwächere Profis vorbehalten. Das nächste Top-Event wird der Sinquefield-Cup im US-amerikanischen St-Louis sein, wo sich neun von zehn Teilnehmern des Norway Chess zur zweiten Etappe der Grand Chess Tour wiedersehen werden. Er beginnt am 21.August, vermutlich ist das auch der Tag, an dem Magnus Carlsen und die meisten seiner Kollegem zum nächsten Mal am Brett sitzen werden. Auch für die deutschen Spieler wird es im August richtig spannend: In Dresden wird das German Masters ausgetragen, bei dem sich drei eingeladene Vertreter der deutschen Spitze gegen drei vorher im Challenge ermittelte Kandidaten messen werden, welches ebenfalls nur deutschen Spielern offen steht.

 

Ein Weltmeister in Schwierigkeiten

Am Ende spielte Magnus Carlsen, als hätte er keine Lust mehr. In Sekundenschnelle schleuderte er die Züge aufs Brett, als schon vieles, aber noch nicht alles verloren war. Carlsen, ein Meister des Findens kleinster Ressourcen, ließ sie alle an sich verstreichen. Als er ob er sich eine wundersame Rettung nicht mehr gönnen würde, in der letzten Runde dieses von vorne bis hinten verkorksten Turniers. Am Ende wurde sein allein gelassener schwarzer König von zwei weißen Türmen in die Zange genommen, kurz vor dem unausweichlichen Schachmatt gab der Norweger auf. Eine bittere, wenn nicht gar demütigende Niederlage gegen seinen Freund, Sekundanten und ehemaligen Klassenkameraden Jon Ludwig Hammer, der bei dem Turnier, der Norway Chess 2015, als krasser Außenseiter gestartet war und trotz dieses Sieges auf dem letzten von zehn Plätzen verblieb. Carlsen wurde Siebter. Es war, Kinderturniere ausgenommen, das mit Abstand schlechteste Ergebnis seiner Karriere.

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Schach – Ein Sport wie viele andere

Schachspieler haben es jetzt Schwarz auf Weiß: Schach ist Sport. Zumindest wenn es nach Johannes Aumüller und Jürgen Schmieder geht, ihres Zeichen Autoren von SPORT – Das Buch. In dieser amüsanten Anthologie porträtieren die beiden Sportjournalisten diverse Sportarten und deren Eigenheiten. Sie beginnen mit American Football, enden beim Zehnkampf und streifen unterwegs Disziplinen wie Armdrücken, Backgammon, Badminton, Basketball, Cheerleading, Frisbee, Tauchen, Tauziehen, Tennis und Trampolinturnen.

Schach ist auch dabei. In Stichpunkten wie „Was es war: Ein Spiel für Könige und deren Berater“, „Wie es wurde: Ein Spiel für die Ritter … und Bürgerliche…“ und „Was es ist: Ein Spiel für leidenschaftliche Exzentriker“ oder „Bester Sportler: Magnus Carlsen (höchste Elo-Zahl aller Zeiten)“ nähern sie sich kurz und knapp diversen Facetten des Schachs.

Man muss nicht mit allen ihren Aussagen einverstanden sein – zum Beispiel halte ich die „Kalaschnikov-Variante“ definitiv nicht für den „tollsten Fachbegriff“ und Stefan Zweigs Schachnovelle ganz sicher nicht für das „Beste Buch zum Sport“, aber Spaß machen Aumüllers und Schmieders Listen trotzdem.

Nicht zuletzt, weil sie an hübsche Schachpartien erinnern. So liest man unter „Beeindruckendster Laufweg: Nigel Shorts Königswanderung … gegen Jan Timman im Jahr 1991.“ Die war wirklich bemerkenswert.

Sport - Das Buch

Johannes Aumüller, Jürgen Schmieder
Sport – das Buch. Mit Illustrationen von Hanni Schmieder
Bertelsmann 2014, 352 Seiten, 19,99€.

 

 

Die Schachwelt im Monat Mai

Der Mai begann gut für Deutschlands Schachspieler. Vier von ihnen verlieh der Weltschachverband den Großmeistertitel. Damit hat Deutschland jetzt 88 Großmeister, genauso viel wie die USA. Besser ist nur Russland mit 230 Großmeistern. Doch so richtig, richtig gut sind die deutschen Spieler nicht. So zählt mit Arkadij Naiditsch nur ein Deutscher zu den fünfzig besten Spielern der Welt. Andere Länder sind beim Hervorbringen von Spitzenspielern weniger zurückhaltend. Weiterlesen…

 

Magnus Carlsen macht Schach zur Show

Ein Turnier wie das EnterCard Scandinavian Masters Turnier, das vom 10. bis 15. Mai in Oslo stattfand, hat es noch nie gegeben. Dabei ist es auf den ersten Blick ein gutes, aber kein außergewöhnlich starkes Turnier. Sechs Teilnehmer, drei Norweger, ein Schwede, ein Däne und ein Franzose, zwei davon unter den Hundert Besten der Welt, kämpften um den letzten freien Platz beim Norway Chess Event, bei dem im Juni zehn der besten Spieler der Welt gegeneinander antreten. Dass das Scandinavian Masters so besonders war, lag an einem Teilnehmer, der gar nicht mitspielte: Magnus Carlsen.

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Ein Rücktritt und noch einer und noch einer…

Alle zwei Jahre kommen Deutschlands oberste Schachfunktionäre zum Bundeskongress zusammen. Diesmal an diesem Wochenende in Halberstadt, Sachsen-Anhalt. Doch wo normalerweise nur Amtsinhaber bestätigt und neue Kandidaten abgenickt werden, geht es dieses Mal um mehr. Um sehr viel mehr. Auf dem Plan stehen die Wahlen des Vorstands, die deswegen so besonders werden könnten, weil alle drei Vizepräsidenten für den Kongress ihre Rücktritte angekündigt haben. Christian Warnecke, der nun ehemalige Vorsitzende der Deutschen Schachjugend, hat seinen schon vollzogen. Die Geschäftsführerin verabschiedet sich in den Mutterschutz, einige andere Funktionäre werden ihre Arbeit ebenfalls beenden. Um den Präsidenten Herbert Bastian könnte es so einsam werden, wie damals um Forrest Gump an der Bushaltestelle.

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Das Spiel der Schummelkönige

Nigalidze Handy
Ein Abgleich der Partienotation mit dem Schachprogramm von Gaioz Nigalidze erhärtet den Verdacht. Quelle: http://www.dubaichess.ae

Vor Kurzem wurde der neunzehnjährige Amateur Dhruv Kakkar in Neu Delhi ertappt. Beim Dr. Hedgewar Open Chess-Turnier ließ er sich über Handys und einen Knopf im Ohr von seinem Freund Züge ansagen. Nach einer Beschwerde seines Gegners in der fünften Runde fand der Schiedsrichter schließlich einiges Equipment am Körper des Jungen: Zwei Handys, die er sich mit Tesastreifen an die Beine geklebt hatte, ein Gürtel voller Batterien und einen kleinen Lautsprecher im Ohr.

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