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Woher kommt die Hängepartie?

 

Hängepartie

In der jüngeren Vergangenheit fiel der Begriff vor allem bei den Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und der SPD. Fast täglich war von Hängepartien bis tief in die Nacht die Rede, welche dann doch nicht den schnellen Erfolg versprachen. Logische Konsequenz: Die Entscheidung musste vertagt werden. Doch was hat das mit Schach zu tun?

Im Gegensatz zur Frage nach dem Ei oder der Henne, kann sie bezüglich der Herkunft des Wortes Hängepartie einigermaßen sicher beantwortet werden. Bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden Schachpartien nach der Zeitkontrolle (meist nach 40 Zügen) unterbrochen, um sie am nächsten Tag wieder aufzunehmen. Am ersten Tag wurde das Spiel im Anschluss meist noch ausgiebig mit Mannschaftskollegen, Vereinskameraden oder Sekundanten analysiert, bevor es zur Wiederaufnahme der Hängepartie am nächsten Tag kam. Ich bin mir sicher, dass es viele Schach-Analysen mit den Sitzungen im Konrad-Adenauer oder Willy-Brandt-Haus aufnehmen könnten, zumindest was die Ausdauer betrifft.

Jedoch verschwanden im Schach die Hängepartien im Zeitalter der Computerprogramme, was für manche Spieler sicherlich bedauerlich ist. An den langen Abenden nach einer Hängepartie entstanden Anekdoten, die im Laufe der Zeit zu Legenden wurden. Ich habe in meinen Bundesligapartien keine Hängepartien mehr erlebt. Dafür hat sich das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und es in die Unterzeile dieses Blogs geschafft. Und wann hatten Sie Ihre letzte Hängepartie?

2 Kommentare

  1.   Erik Lang

    Meine letzte Hängepartie war in einem Bergdorf im Jura. Ich war Schüler, und die Zugfahrt dauerte mindestens zwei Stunden. Die Verlängerung der Schachpartie wurde nötig, weil sie eine Woche zuvor nach der zweiten Zeitkontrolle nach sechs Stunden (und mindestens 60 Zügen) noch nicht entschieden war. Ich glaube, es gab wieder je eine Stunde Bedenkzeit für die nächsten 20 Züge – und, falls nötig, beliebig oft nochmals – bis nach weiteren sechs Stunden Spieldauer (und insgesamt mindestens 120 Zügen) der nächste Aufschub nötig geworden wäre. Die Spannung war jeweils gross, wenn die alte Position wieder aufgestellt und die Uhr wieder eingestellt war, und – feierlich! – das Couvert geöffnet wurde mit dem hingekritzelten Abgabezug.
    Aber es ging damals nur um ein paar Züge bis zum Remis. Das Bergdorf war dafür fast so idyllisch wie das traumhafte Bild mit der Hängematte… :-))


  2. […] wir mit Dennes Abel an. Er macht auf das verschwundene Phänomen der Hängepartie […]