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Nachkriegsliteratur (1945-1950)

 

Überblick: Der Begriff Nachkriegsliteratur, oder auch Trümmerliteratur, Literatur der Stunde Null oder Heimkehrerliteratur, bezeichnet in der Germanistik die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Literatur in Deutschland. Die Literatur der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war in verschiedener Hinsicht gespalten: ein Teil der Autoren wollte die NS-Diktatur in ihren Werken Verarbeiten, ein anderer Teil war dabei, sie zu verdrängen. Es bestand auch eine Kontroverse zwischen den Autoren, die in Deutschland geblieben und in die „Innere Emigration“ gegangen waren und den Vertretern der Exilliteratur. Auslöser war Thomas Mann, der die angebotene Rückkehr nach Deutschland mit der Begründung ablehnte, sich durch die Zeit der NS-Diktatur von seiner Heimat entfremdet zu haben.

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Die Schriftstellerin Nelly Sachs floh vor den Nazis © Central Press/Getty Images

Exilautoren, die in die westlichen Besatzungszonen zurückgekehrt waren, waren bald enttäuscht darüber, dass sich allmählich konservative Autoren durchsetzten und die jüngste Vergangenheit verdrängte wurde. Viele der nach Westdeutschland zurückgekehrten Exilautoren gingen daraufhin erneut ins Exil oder siedelten in die Osthälfte Deutschlands über. Die „Gruppe 47“ war ein westdeutsches Netzwerk von Autoren und Verlegern, die sich zu jährlichen Versammlungen trafen, darunter Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Günter Grass und Paul Celan. Auch auf diesen Treffen wurde weder der Krieg noch die Teilung Deutschlands behandelt. In der Sowjetischen Besatzungszone und der aus ihr hervorgehenden DDR bildete sich eine relativ homogene Literatur heraus. Staatliche Einflussnahme und die beherrschende Stellung heimgekehrter kommunistischer Emigranten prägten als erstes Hauptthema die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus als einer verbrecherischen Ausformung des Kapitalismus. Danach stellte sich die Literatur weitestgehend in den Dienst des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft.

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Allgemeine Materialien zur Nachkriegsliteratur

Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe Online (LiGo.de)
LiGo ist ein Selbstlernkurs zu literaturwissenschaftlichen Grundbegriffen. Die Analyseformen für Erzähltexte (z.B. Romane) und Lyrik werden im Detail erläutert und die Kunst der Rhetorik erklärt. Was ist ein Akt, was eine Szene? Welche Erzählformen gibt es und was ist die Erzählstimme? Was ist die semantische Ebene eines Gedichts und was die narrative Struktur? Was bedeuten Alliteration, Anapher, Parallelismus und Klimax in Texten?

Nachkriegsliteratur – Falscher Hase (DIE ZEIT Nr. 46/1993)
Im Jahr 1993 kritisiert ein ZEIT-Autor, die Nachkriegsliteratur sei feierlich, heimelig und nostalgisch geworden. Mit der deutschen Einheit sei sie nicht an ihr Ende gekommen, denn die deutsche Heimkehrerprosa und Trümmerliteratur blühe.

Innere Emigration – Vom Geist der Zeit (DIE ZEIT Nr. 47/1979)
Der Dichter unter dem Diktator – Kritik und Würdigung der Inneren Emigration im Nazi-Reich.

Rückkehrer aus dem Exil – Man schreibt deutsch (DIE ZEIT Nr. 11/1996)
Schriftsteller wie Alfred Döblin und die Philosophin Hannah Arendt waren entsetzt, als sie aus dem Exil zurück nach Deutschland kamen und feststellten: Die Menschen machten weiter, als sei nichts geschehen.

Ein Rätsel im Rätsel im Rätsel (DIE ZEIT Nr. 36/2004)
Auch nach dem Krieg wollte die Mehrheit der Kulturverantwortlichen sich mitnichten so etwas wie eine Schuld- und Schamkultur aufnötigen lassen. Sie verliehen Literaturpreise an Autoren der Nazi-Ära, ließen Schriftsteller wie Alfred Döblin als „überflüssig“ in die zweite Emigration entfliehen. Die widersprüchliche Geschichte der deutsch-jüdischen Literatur.

Gruppe 47

Die Gruppe 47 (digitale-schule.de)
Wer waren die Mitglieder der Gruppe 47? Warum fanden sie sich überhaupt zu einer Gruppe zusammen und was prägte ihre Werke?

Gruppe 47 – Mancher Dichter fand es grausam (Der Spiegel Nr. 36/1997)
Interview mit Marcel Reich-Ranicki über die „Gruppe 47“, ihre Autoren und ihren Gründer.

Bertolt Brecht

Dem Räuber, dem Spötter Bertolt Brecht zum Hundertsten (DIE ZEIT Nr. 7/1998) Er war Dissident, Räuber, Liebender. Bertolt Brecht portraitiert von Fritz J. Raddatz

Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Svendborg (DIE ZEIT Nr. 33/1997)
Sechs produktive Jahre verbrachte Bert Brecht im dänischen Exil. Sein Haus ist heute ein Künstlerdomizil.

Bertolt Brecht – Führer im Hofgarten (Der Spiegel Nr. 50/1996)
In einem Berliner Archiv ist eine Erzählung von Bertolt Brecht aufgetaucht – mit Hitler im Mittelpunkt. Der Autor schrieb die bisher unbekannte Geschichte, die teilweise auf einer wahren Begebenheit beruht, 1942 im US-Exil.

Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert: „Draußen vor der Tür“ – Das Schicksal eines Kriegsheimkehrers (BR, radioWissen)
In dieser Radiosendung schildern die Sprecher die Biographie von Wolfgang Borchert, der nach seiner Rückkehr aus dem Kriegsgefangenenlager das Anti-Kriegs-Stück „Draußen vor der Tür“ schrieb. Anhand von Ausschnitten aus der Radio-Uraufführung, erläutern die Sprecher den Kontext des Stücks.

Wolfgang Borchert – Da reißt er sein Herz blutig (DIE ZEIT Nr. 46/1947)
Im November 1947 wurde Wolfgang Borcherts Heimkehrerdrama „Draußen vor der Tür“ an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt. Eindringlich wie kaum ein anderes Stück aus jener Zeit reflektiert es den bitteren Alltag der Nachkriegsjahre. Eine Rezension.

Hans Fallada

Widerstand der kleinen Leute (3sat)
In Jeder stirbt für sich allein hat Hans Fallada die wahre Geschichte des Ehepaars Otto und Elise Hampel verarbeitet. Die haben sich mitten im Zweiten Weltkrieg entschieden, eine heimliche Protestaktion gegen den Hitlerismus zu starten. Aus diesem Fernsehbeitrag erfahren Schüler mehr über den Inhalt des Buches.

Fallada im Volksstaat (DIE ZEIT, 18/2011)
Adam Soboczynski erklärt, warum Falladas Roman über die Geschichte des Ehepaars Hampel auch heute fasziniert.

Paul Celan


Paul Celan, später Mitglied der „Gruppe 47“, liest in diesem Video sein wohl bekanntestes Gedicht „Die Todesfuge“. Er hatte es noch im Zweiten Weltkrieg geschrieben und so versucht die Judenvernichtung lyrisch zu erfassen.

Paul Celan – Nimmergesänge und Zwitscherhymmnen (Die ZEIT Nr. 21/1997)
Die Verse aus Paul Celans Nachlaß, unveröffentlichte Gedichte der Jahre 1944 bis zum Tod des Dichters in der Seine im April 1970, waschen uns die Augen, schärfen das Gefühl für deutsche Sprache, machen den Kopf hell und traurig das Herz.

Paul Celan – Glühbirnen des Geistes (DIE ZEIT Nr. 48/2009)
Der deutsche Tiefsinn ist eine französische Erfindung. Jüngstes Beispiel: Jean Daives Erinnerungen an Paul Celan.

Weitere Autoren der Nachkriegszeit

Johannes R. Becher – Schreiben fürs Volk (DIE ZEIT Nr. 39/2001)
1928 gründete Johannes R. Becher, Schriftsteller und späterer Kulturminister der DDR, den Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Die ZEIT hat die letzten Aktivisten getroffen.

Nelly Sachs im Interview (Deutsche Welle)
„Im letzten Augenblick hierher gekommen“ – Die Schriftstellerin Nelly Sachs erinnert sich an ihre Flucht aus Deutschland. In dem Interview mit der Deutschen Welle spricht sie über ihre Flucht aus Nazi-Deutschland, ihr Leben und ihr Werk.

Günter Eich – „Absicht des Anarchischen“ (DIE ZEIT Nr. 6/2007)
Mit Günter Eich ist die deutsche Literatur aus den Ruinen des „Dritten Reiches“ wiederauferstanden, hat nüchtern, sachlich und bescheiden, wie das sonst nicht ihre Art ist, ihre vier Sachen zusammengesucht und noch einmal von vorn angefangen.

Der kesse Herr Arno Schmidt (DIE ZEIT Nr. 7/1957)
Als 1949 der Novellenband „Leviathan“ von Arno Schmidt erschien, durfte man annehmen, ein drahtiges Erzählertalent mit unüberblickbaren Entwicklungsmöglichkeiten sei in die deutsche Literatur eingetreten.

Carl Zuckmayer – Die Nachsicht des Emigranten (DIE ZEIT Nr. 51/2004)
Carl Zuckmayer warb für eine Politik des Herzens gegenüber den Nachkriegsdeutschen – und bewies wenig Geduld mit den Amerikanern.

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6 Kommentare

  1.   Franziska Krause

    Liebes ZEIT-Team,

    ich finde diese Zusammenstellung sehr ansprechend und hilfreich und werde gern als derzeitige Referendarin im Literaturunterricht auf dieses Angebot zurückkommen, möchte aber doch darauf hinweisen, dass Bertolt Brecht ebenso geschrieben wird und nicht, wie in Ihrer Überschrift, „BertolD“ Brecht. Wäre schön, wenn das korrigiert würde!

    Herzliche Grüße,

    Franziska Krause

  2.   Frida Thurm

    Liebe Franziska Krause,

    vielen Dank für den Hinweis, nun habe ich auch dem letzten „d“ den Garaus gemacht.

    Herzliche Grüße,
    Frida Thurm
    Redaktion ZEIT ONLINE


  3. Liebe ZEIT-Redaktion,
    als angehender Lehrer finde ich, Vertonungen von Literatur haben eine ungeheure Wichtigkeit, weil sie Geschriebenes verlebendigen können. Daher sollte auch diese hier:

    in dieser Sammlung auftauchen, ist sie doch sogar vom Autor selbst gelesen, was ich persönlich sehr beeindruckend finde.
    Mit besten Grüßen,
    Max Mustermann*

    (*Name von der Redaktion geändert)

  4.   Franziska Kelch

    Lieber Herr Mustermann,

    ich danke sehr für den Hinweis und habe ihn sogleich eingebaut. So findet auch die Gruppe 47 noch ihren Platz.

    Beste Grüße
    Franziska Kelch

  5.   Superman

    was waren zu dieser zeit die bekanntesten und wichtigsten autoren der trümmerliteratur ich mach ein referat drüber drum und im wiki sind sehr viele auf gelistet bitte um schnelle antwort danke im vorraus.

  6.   Helmut Donat-von Bothmer

    Liebes ZEIT-Team,
    es ist erstaunlich, dass der Autor Bastian Müller (1912-1988) in Ihrer Übersicht keine Erwähnung findet. Sein Antikriegsroman „Hinter Gottes Rücken“, 1947 im Hamburger Kürger Verlag erschienen, erreichte bis 1949 vier Auflagen und wurde damit zum erfolgreichsten Roman der deutschen Nachkriegsliteratur. Danach geriet er in Vergessenheit. Zu Unrecht – und so vollständig, dass er offenbar nicht einmal den kritischen ZEIT-Autoren bekannt ist. Müller gehört zu den von der „zweiten Schuld“ (R. Giordano) vergessen gemachten Autoren. Max Krell, der als Lektor bei Ullstein 1929 mit Remarques „Im Westen nichts Neues“ seinen größten Erfolg erzielte, urteilt:
    „Das Buch ist viel maskenloser als ‚Im Westen nichts Neues’, wo
    die Existenzen noch durch die Uniform zusammengehalten wurden. … Hier aber weht ein schauriger Gräberwind. Diese Unterwelt hat Remarque noch gar nicht gekannt … Die Schonungslosigkeit, die Bastian Müller auch sich selbst gegenüber übt, gibt ihm das volle Recht zu sagen, was er sah und empfand. Gäbe es noch den Propyläenverlag und die Ullsteinmittel, so würde ich alles daran setzen, diesem Buche einen großen Erfolg zu verschaffen. Ich würde alle Gegner herausfordern, damit sich die heilsame Debatte daran entzündet und sich so ein – neben dem buchhändlerischen – vor
    allem ein moralischer Erfolg einstellte. Denn das Buch ist besser als das Remarques. Das Thema liegt tiefer, das Gewollte ist stärker, das Erreichte bitterer, aber notwendiger.“
    Zweifellos verdiente es Müllers Roman in einem Atemzug mit Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, Wolfgang Koeppens Roman-Trilogie des Scheiterns und Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ genannt zu werden.
    Was meinen Sie dazu? Und wie erklären Sie sich den „Fall Müller“?

    Mit besten Grüßen,
    Helmut Donat-von Bothmer