für Lehrer, Schüler, Eltern und Bildungs-Optimisten

Was schützt gegen sexuellen Missbrauch?

Von 13. März 2010 um 14:08 Uhr

Man liest dieser Tage viel über sexuellen Missbrauch von Lehrern an Schülern, der sich vor Jahren an katholischen Schulen und einer Vorzeigeschule der Reformpädagogik zugetragen hat.

Viele Eltern fragen sich: Wie können wir unsere Kinder  schützen? Denn die Gefahr des Missbrauchs besteht auch heute: in der Schule, im Sportverein, in der Familie.

Besonders wichtig erscheint mir dazu, was Sabine Rückert, Ulrich Schnabel, Henning Sußebach und Heinrich Wefing in der ZEIT vom 11. Februar 2010 geschrieben haben:

Wir alle leben Tür an Tür mit Sexualstraftätern, allein in Berlin wohnen etwa 10.000 Personen, denen Sexualdelikte aller Art vorgeworfen wurden. Sie machen 0,3 Prozent der Berliner Bevölkerung aus, was bedeutet, dass statistisch ein Angezeigter Sexualstraftäter auf 340 Bürger kommt. Wollten diese Bürger die Nähe zu belasteten Personen meiden – Berlin müsste geräumt werden. Der beste Schutz auch für Kinder ist deshalb: Offenheit. Eltern sollten ihre Kinder über das Vorgehen der Täter informieren, sie zur Aufmerksamkeit anhalten und sich nicht scheuen, sie sexuell aufzuklären, sagt die Jugendpsychiaterin Stellermann: »Wichtig ist, dass die Kinder lernen, welche Art von Anfassen okay ist und welche nicht. Dass Geschlechtsorgane private Regionen sind, die niemand berühren darf.«

Noch wichtiger aber, sagt Stellermann, sei es, den eigenen Kindern »Selbstwirksamkeit« zu vermitteln: »Ein Kind, das mit vier Jahren gelernt hat, zu sagen, ich will den blauen Pullover anziehen und nicht den roten, und das erlebt, dass diese Aussage ernst genommen wird, wird sich auch gegen unerwünschte Zudringlichkeiten wehren.« Denn immer wieder stellen die Psychiaterin Stellermann und die Gerichtsmedizinerin Seifert während ihrer Untersuchungen fest: Pädophile haben einen Blick für Kinder, die Hilf- und Wehrlosigkeit ausstrahlen. Sie wenden keine Gewalt an, sondern treten als nette Menschen in ihr Leben. Ob als Fußballtrainer oder Chorleiter. Sie warten in Freizeitheimen und Schwimmbädern. Sie lassen sich Zeit, das Vertrauen eines Kindes zu erschleichen, sich die Defizite emotional unterversorgter Wesen zunutze zu machen. Durch Geschenke und geheuchelte Anteilnahme gewinnen sie die Arglosen für sich. Kinder, die von ihren Eltern behütet werden, ein gutes Verhältnis zu ihnen haben und über merkwürdige Vorkommnisse zu Hause offen reden können, sind deshalb deutlich weniger gefährdet.

Kategorien: Schul-Alltag
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Warum berührt uns der Missbrauch durch Priester so tief?
    In der Diskussion der Ereignisse um den sexuellen Missbrauch durch Priester oder Lehrer vermisse ich einen für mich wesentlichen Aspekt. Die bisherigen Beiträge konzentrieren sich auf den Täter und die Gründe die zur Tat geführt haben. Ich kann die Bedeutung dieser Taten für die Opfer nicht ermessen. Deshalb will ich dazu auch nicht spekulieren
    Doch neben der Bedeutung der Tat für Täter und Opfer stehen weitere, für mich genauso wesentliche Fragen.
    Wiegt der Mißbrauch durch Geistliche oder Lehrer schwerer als durch einen Fremden?

    Kennzeichen von menschicher Zvilisation ist die Verständigung auf gemeinsame Werte und Normen. So unterschiedlich diese von Kultur zu Kultur sein mögen. Diejenigen, welche diese Werte und Normen vermitteln genauso wie die Hüter dieser Grundlage von Kultur besitzen einen besonderen Status. Zu dieser Gruppe zähle ich u.a. Eltern, Lehrer und Priester. Dieser Status basiet auf der Erwartung, daß die Bewahrung und Lehre verbunden ist mit einer besonderen Qualität der Persönlichkeit. Eine direkte Folge dieser Erwartung ist ein besonderes Vertrauen in diese Person. Aus dieser Situation ergibt sich das Ausmaß an emotinaler Betroffenheit. Das Opfer vertaut dem späterne Täter in einem weit größeren Maß als das in einer anderen Beziehung der Fall wäre. Wenn aus diesem kulturellen Vertrauen ein emotionales Vertrauen wird, steigt der Schaden durch den Mißbrauch auf ein kaum zu erfassendes Maß. Daraus leitet sich ein wesentliche Aspekt ab.
    Wir alle müssen unsere Erwartungen im Bezug auf Lehrer wie Priester reflektieren und das Verhältnis von Vertrauen und Verantwortung neu bewerten. Das blinde Vertrauen braucht sehenden Verantwortung als schützende Instanz. Wir alle müssen diese Verantwortung wahrnehmen und sie durch Erziehung und Bildung denen vermitteln, die wir anderen anvertrauen.
    Mißbrauch geschieht in unserer Gesellschaft. Damit sind wir alle dafür verantwortlich ihn zu verhindern.

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  2. 2.

    “einer Vorzeigeschule der Reformpädagogik”

    Eine weitere Vorzeigeschule, immer wieder dem sachlich-fachlich orientierten und -unterrichtenden Lehrer als Dauerkritik seines unlöblichen Tuns -Unterricht nämlich- vorgehalten, ist in diesem Zusammenhang bekannt geworden:
    die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden unter der damaligen [pädagogisch-visionären-publizitätsuchenden] Schulleiterin Enja Riegel.
    Reinhard Kahl berichtete des öfteren über diese perfekte Schule, die mit perfekten Erziehungs- und Unterrichtsergebnissen aufwarten konnte – so zumindest aus der Sicht von Schulleiterin und Berichterstatter.

    Hier fielen jedoch drei Berichte auf:

    1) G. Becker, Leiter Odenwaldschule, Hess. Inst f Bildungsplanung, Reformpädagogik. Etliche Schüler habe er sehr oft sexuell missbraucht u exzessiven Alkohol- u Drogen-Konsum unterstützt. (FR 17.11.1999)

    2) In e-m Missbrauchsfall 1989 wird der ehem. Schulleiterin der Helene-Lange-Schule Wiesbaden Enja Riegel vorgeworfen, nicht deutlich gegen Hajo Weber, Mehrfach-Täter, vorgegangen zu sein. Sie hatte auch Fotos von ihm im1997 gemeinsam mit G. Becker verfassten Buch “Das andere Lernen” verwandt. (FAZ 12.03.2010)

    3) R. Kahl 2004: »[Enja Riegel] fand .. Platz im..Hess. Landesinstit. f Pädagogik. .. Langsam kristallisierte sich .. ein Ziel: Schulleiterin werden .. Vielleicht hört sich manche Geschichte über d Schulleiterin so an, als sei sie selbstherrlich. Das stimmt, aber nur zu ungefähr 30%. .. E. Riegel ließ sich jahrelang von G. Becker beraten, kritisieren u korrigieren. Bald beriet G. Becker auch Lehrteams u dann über 10 Jahre die ganze Schule. Diese Korrekturinstanz hat viele Entscheidungen u Verhaltensweisen verbessert u über manchen blinden Fleck hinweg geholfen. Ohne sie wäre die Schule nicht geworden, was sie ist.«

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  3. 3.

    Mich schockiert dieses Thema immernoch sehr, da ich denke, das gerade Priester, Lehrer etc. unter einer besonderen moralischen Verpflichtung stehen. Sie haben einst diesen Beruf gewählt und somit muss ihnen klar gewesen sein, dass sie nicht nur eine Authorität und Respektsperson sind, sondern auch in besonderer Art und Weise eine Vorbildfunktion besitzen. Dass aber gerade solche Menschen höchst unmoralisch handeln, halte ich für absolut katastrophal.Doch es spiegelt zunehmend den Geist der Zeit wieder. Vertrauen ist in unserer Gesellschaft zu einer Seltenheit geworden und daher ist es wichtig, seine Kinder frühzeitig vor all den Gefahren, die in der Welt auf sie warten,zu warnen. Kommunikation und Aufklärung zwischen Eltern und ihren Kindern sollte somit absolute Priorität haben, damit zukünftig solchen Menschen weniger Chancen gelassen werden ihre Perversitäten in die Tat umzusetzten.

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    • 8. Januar 2011 um 15:03 Uhr
    • Jule
  4. 4.

    Mich schockiert dieses Thema immer noch sehr, da ich denke, dass gerade Priester, Lehrer etc. unter einer besonderen moralischen Verpflichtung stehen. Sie haben einst diesen Beruf gewählt und somit muss ihnen klar gewesen sein, dass sie nicht nur eine Autorität und Respektsperson sind, sondern auch in besonderer Art und Weise eine Vorbildfunktion besitzen. Dass aber gerade solche Menschen höchst unmoralisch handeln, halte ich für absolut katastrophal. Doch es spiegelt zunehmend den Geist der Zeit wieder. Vertrauen ist in unserer Gesellschaft zu einer Seltenheit geworden und daher ist es wichtig, seine Kinder frühzeitig vor all den Gefahren, die in der Welt auf sie warten, zu warnen. Kommunikation und Aufklärung zwischen Eltern und ihren Kindern sollte somit absolute Priorität haben, damit zukünftig solchen Menschen weniger Chancen gelassen werden ihre Perversität in die Tat umzusetzen.

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    • 8. Januar 2011 um 15:09 Uhr
    • Jule
  5. Kommentar zum Thema

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