Hamburger Schulreform: Primarschule gescheitert, Vernunft hat gesiegt
Mit einem Volksentscheid haben die Hamburger das Vorhaben des schwarz-grünen Senats (sowie der SPD und der Linkspartei) durchkreuzt, die Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre zu verlängern und die Grundschulen in Primarschulen umzutaufen.
276.416 Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt (endgültiges Ergebnis laut Statistikamt Nord) stimmten für einen dahin gehenden Antrag der Elterninitiative “Wir wollen lernen!”, lediglich 217.969 unterstützten den Reformkurs des Senats und der Bürgerschaft, wie Regierung und Parlament in Hamburg heißen. Für ein Gelingen des Volksentscheids, der in Hamburg verbindlich ist, war die Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig, sowie eine Mindeststimmenzahl von 247.335 (ein Fünftel der Wahlberechtigten). Auch das Recht der Eltern bleibt nun erhalten, zu entscheiden, auf welche Schulform ihr Kind nach der Grundschule wechselt.
Damit haben auch bundesweit die Befürworter des „längeren gemeinsamen Lernens“ einen Dämpfer bekommen. Die neue rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen etwa, die dreißig Prozent der Schulen bis 2015 in Gemeinschaftsschulen umwandeln will oder die schwarz-gelb-grüne Regierung des Saarlands, die die Grundschulzeit auf fünf Jahre verlängern will.
Keineswegs ist damit jetzt der Weg für weitere mutige Schulreformen versperrt, nur an übermütige Reformen wird sich so schnell keiner wieder heranwagen.
Auch in Hamburg ist nicht die Schulreform gescheitert, sondern nur eine Übertreibung. Der bedeutendste Teil der Schulreform – für den es einen breiten Konsens in der Stadt gibt – kann nun mit Macht in Angriff genommen werden: Die Vereinigung aller Schulformen neben dem Gymnasium zur sogenannten Stadtteilschule. Damit soll dem Trend entgegengewirkt werden, dass sich insbesondere Hauptschulen zu “Restschulen” entwickeln, in denen sich die schwächsten zehn Prozent der Schülerschaft sammeln und an denen die Kinder kaum etwas lernen. An der Stadtteilschule sollen die Schüler alle Schulabschlüsse ablegen können, die leistungsstarken unter ihnen auch das Abitur – nach 13 Schuljahren, statt nach 12 wie am Gymnasium. Damit die Stadtteilschule sich zu einer attraktiven Alternative zum Gymnasium entwickeln kann, müssen Schulpolitik und Schulverwaltung viel Kraft und Ideen in sie investieren. Gut also, dass das kraftzehrende Primarschulabenteuer nun vom Tisch ist.
Auch andere Maßnahmen, mit denen den schwachen Schülern geholfen werden kann, können nun vorangetrieben werden: Die dringend nötige Sprachförderung schon vor der Schule und begleitend während der gesamten Schulzeit, im Unterricht, am Nachmittag, an den Wochenenden, in den Ferien. Zudem muss verstärkt in die frühkindliche Bildung investiert werden. Alle Bildungsforscher sind sich darin einig, dass dort für die Kinder aus bildungsfernen Schichten am meisten erreicht werden kann.
Die Einführung der Primarschule hätte viel Kraft gekostet und Unruhe verbreitet. Vor allem die Gymnasien und ambitionierte weiterführende Schulen hatten um ihre fünften und sechsten Klassen gebangt. Ob die längere gemeinsame Schulzeit von schwächeren und stärkeren Schülern aber mehr Bildungsgerechtigkeit gebracht hätte, wie die Verfechter der Primarschule anführen, wäre vollkommen ungewiss gewesen. Zwar weisen einige Statistiken vage darauf hin. Aber andere Untersuchungen zeigen, dass die Schule gegen die starke Rolle der sozialen Herkunft für den Schulerfolg recht machtlos ist. Auch schaffen Länder wie Holland oder Belgien oder das Bundesland Berlin mit ihren sechsjährigen Grundschulen nicht mehr Gerechtigkeit als Bundesländer mit vierjähriger Grundschulzeit, wie die Pisa-Studie und andere Untersuchungen zeigen.
Aber auch die Schüler, Eltern und Lehrer der Hamburger Gymnasien, die erfolgreich gegen die Primarschule gekämpft haben, sind nun in der Pflicht. Sie müssen sich überlegen, was sie zum sozialen Zusammenhalt der Stadt beitragen können – ganz besonders die humanistischen Gymnasien, wenn Humanismus nicht zu hohlen Phrase verkommen soll. Sie könnten Patenschaften für Schulen in sozial schwächeren Stadtteilen übernehmen, ihre Schüler, Eltern und Lehrer könnten den Schülern in Problemstadtteilen Nachhilfe geben oder ihnen als Mentoren dienen.
Es wäre schön, wenn sich die Elterninitiative “Wir wollen lernen!” in die Initiative “Wir wollen helfen!” umwandelte.
Es waren die falschen Argumente: Die etwas dümmliche Argumentationsweise der Befürworter lief darauf hinaus, das die guten Schüler 2 Jahre ihrer Schulzeit “opfern” sollten um während dessen den schlechteren Schülern zu helfen. Also sollten jetzt 10-12 jährige das leisten was dem Land schulisch nicht gelang? Natürlich ist das eine Zumutung und natürlich verwahren sich Eltern dagegen.
Hätte man mehr betont, das im 4. Schuljahr die Eignung eines Schülers nicht erkennbar ist und das ein sehr hoher Prozentsatz der Prognosen schlicht falsch sind, wäre es vielleicht anders gelaufen.
Wenn dieser Bürgerentscheid eines zu Tage gebracht hat, dann ist es die klassische Unfähigkeit der Grün – Alternativen mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Die Macht im Staate geht NICHT von den Gewerkschaften oder von den Kirchen aus!
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leider wurde auch in den neuen BL das völlig überholte westliche schulmodell nach der wende eingeführt, anstatt das bisherige system weiterzubetreiben. glaubt denn die westliche elite wirklich, dass sie besser leben könne, wenn sie die unterschicht möglichst dumm – und frühzeitig von sich fern -hält.Neben der wissensvermittlung sollte schule endlich auch wieder andere ziele aufgreifen: Gemeinschaft, solidartät, verständnis. Nicht nur die klugen individualisten können die menschheit vorwärtsbringen, sondern auch eine starke gemeinschaft.
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Komischer Kommentar. Irgendwie fehlen da die Argumente, wieso das jetzt besser sein soll.
Aber besonders witzig ist der Schluss. Das war doch Ironie oder? Dass die sich jetzt umbenennen in “Wir wollen helfen”. Das glaubt doch kein Mensch! Denen sind die unteren 90% der Bevölkerung doch wurschd. Hauptsache ihre Brut wird von dem Pöbel beschützt und nicht durch “die da unten” versaut. Ausgerechnet die sollen jetzt denen helfen, durch ehrenamtliches Engagement. Rofl.
Naja, sehen wir es positiv: Ein weiterer Schritt an den Rand des Aufruhrs.
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“Vom Alster- bis zum Elbestrand
tobt der Bildungs-Mittelstand.”
Entweder Leistungsprinzip – oder Elternwahlrecht der Schulform.
Frühe Differenzierung plus Elternwahlrecht
= keine Leistungsgerechtigkeit, sondern Privilegienerhalt für die Kinder derer, dies geschafft haben.
Hier hat die Abstiegsangst gewonnen.
Die sechsjährige gemeinsame Schule wäre weder Teufelszeug, noch Allheilmittel gewesen, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung: heraus aus der Klassengesellschaft des 19. Jahrhunderts.
Ob sich schwarz-grün gegen die Koalition der Blockierer Verhinderer halten kann, bleibt abzuwarten.
Merke:
Elternvertreter tendieren dazu: _jede_ Veränderung abzublocken (in NRW damals sogar die Mengenlehre: was haben sie getobt!).
“Was gut für uns war, ist gut für unsere Kinder”.
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@Dietmar Tholen:
“Im Uebrigen sollte man nicht so sehr auf die Ausbildungskriterien und -formen im Ausland, vor Allem der USA schauen, um bessere Lehr-/Lernergebnisse zu erziehlen.”
Ich verstehe natürlich, dass Bildungsfolkloristen Vergleichstests ablehnen (ähnlich wie Homöopathen). Da können sie ja auch wenig Honig draus saugen. Siehe PISA.
“Was in Zukunft gebraucht wird sind Koepfe, keine Teams. Koepfe bekommt man nicht in einem sozialisierten Untericht.”
Definiere bitte “sozialisierter Untericht”.
“Die Herausbildung und Ausbildung von eigenstaendig denkenden und handelnden Menschen, keine Schaumschlaeger und heisse Luft Produzenten, wie es das einstufige, zwoelfklassige oeffentliche nordamerikanische System ueberwiegend produziert, muss Ziel eines Schulsystems sein.”
Trotz dieser angeblichen Schaumschläger sind die USA seit Jahrzehnten Wissenschaftsnation Nr. 1. Diese Kritik erinnert mich an abfällige Bemerkungen meines Englischlehrers über die USA – das dreigliedrige Schulsystem scheint vor allem bei der Arroganzproduktion führend zu sein.
“Da ist das vorhandene, dreistufige, deutsche System kaum zu schlagen.
Nicht umsonst ist Deutschland Exportweltmeister, trotz hoher Lohn- und Lohnnebenkosten.”
Hohe Lohn- und Lohnnebenkosten? Dein aktueller Kenntnisstand ist ähnlich angestaubt wie deine Ansichten zum Bildungssystem.
“Bezueglich der industriellen Fertigkeiten spielen allerdings auch die Spitzenleistungen, die auf dem deutschen handwerklichen Koennen beruhen, eine wesentliche Rolle. Auch das ist ein nicht unwesentlicher Teil, der auf dem dreistufigen Schulsystem basiert, der in der augenblicklichen Diskusion zu vermissen ist.”
In welchem Teil des Schulsystems wird das denn vermittelt? Bestimmt nicht auf der Hauptschule, die gerade vergammelt. Unternehmen beklagen sich, dass sie ihre Lehrlinge erstmal in Deutsch und Mathe auf Vordermann bringen müssen, weil die Hauptschule elementare Fähigkeiten nicht mehr vermittelt.
fritzpeter (der ECHTE)
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Übrigens, wer sagt denn, dass dumme und faule Kinder von Mittelstandseltern mit entsprechender Nachhilfe (davon gibts auch auf Gymnasien genug) wirklich leistungsfähiger sind als begabte, aber kaum geförderte Kinder aus Unterschicht und Einwanderermilieu?
Bei entsprechender Förderung und echter Auslese nach Leistung könnte leicht der Konkurrenzdruck steigen.
(In Frankreich gehört, wo das Leistungsprinzip tatsächlich gilt:
“Wenn Du nicht lernen willst – es gibt genug Einwandererkinder, die sich mehr Mühe geben, als Du!” – und das auf einem katholischen privaten “Lycee”/Gymnasium).
Das ist der ware Grund für die Eltern-Panik!
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Nicht der “kleine Mann”, sondern kleine “Westerwelles” haben gegen die Vernunft – denn diese hat verloren, ansonsten geschätzte “ZEIT” – und am Ende auch gegen ihre eigenen Kinder gestimmt. Was da in Hamburg gewonnen hat ist nicht die Sorge um die Bildung der Kinder, sondern das Bedürfnis nach Sicherung der eigenen Privilegien, also die spätrömische Dekadenz.
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[...] Hamburger Schulreform: Primarschule gescheitert, Vernunft shawl … [...]
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Leider wurde mein Beitrag (Aha, die Vernunft hat gesiegt?) von der Redaktion noch nicht freigeschaltet. Zeit um ihn zu prüfen, war wohl genug, aber langsam könnte den Eindruck gewinnen, er soll nicht……….?
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Herr Kerstan,
wie naiv kann man denn eigentlich sein? Darauf bin ich aber gespannt auf ihr “Wir wollen helfen”. Frau Mustermann fährt mit ihrem Porsche Cayenne nach Steilhoop, läuft auf ihren Stöckelschuhen in die örtliche Gesamtschule und gibt armen Migrantenkindern Nachhilfe . Ihre Kinder fahren nach dem gemeinsamen Besuch des Alsterclubs in ihrer Hockeymontur mit der S-Bahn nach Wilhelmsburg und üben mit Mustafer und Oleg Mathematik.
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In meinem zweiten Kommentar(der auch noch nicht, meines wissens, freigeschaltet worden ist) ist mir eine Korrektur nötig. es soll: “könnte man den Eindruck gewinnen…..!
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Liebe Redaktion “der zeit online”, sollte ich die Wahrheit geschrieben haben und deshalb wurden meine Beiträge nicht freigeschaltet?
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‘Was den “kleinen Mann” zur Abstimmung gegen die Primarschule trieb, war ausschließlich die Primarschule, und keine generelle Abrechnung mit dem Hamburger Senat. ‘
Wer genau hat abgestimmt? Der “kleine Mann”? Dann schauen Sie sich doch mal die Wahlbeteiligungen in den Abstimmungsbezirken an!
Ja, das ist tragisch.
‘Einzig und allein wichtig sind dabei unser wertvollstes: unsere Kinder.’
Das sagen sie alle.
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Das Projekt des “gemeinsamen Lernens” aller Kinder aus Elternhäusern, die sich keine Privatschule leisten können, ist ein Anliegen der neoliberalen Finanzelite, also der Superreichen. Die sehen es nicht ein, dass den Kindern ihrer Arbeitssklaven ein aufwendiges Gymnasium spendiert werden soll. Viel besser wäre es doch, wenn diese Kinder sich schon frühzeitig daran gewöhnen würden, dass sie keine Chance in diesem System haben werden. Das lernen sie am leichtesten zusammen mit all den anderen Kindern, die eh keine Chance bekommen werden.
Selbstverständlich sind die Vertreter der neoliberalen Einheitspartei CDU/SPD/FDP/DIEGRÜNEN alle für das “gemeinsame Lernen”, also dafür, dass es bald kein Gymnasium und keine Chance für begabte Kinder der Mittelschicht geben soll.
Die Reichen haben ja ihre Privatschulen und für den Rest reicht eine Gesamtschule. Möglichst noch ganztags, damit die Kinder auch daheim keine Förderung und Entfaltung geboten bekommen können.
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wenn 50 % der Erstklässler in Hamburg eine Migrationshintergrund haben, sollten diese Kinder froh darüber sein, in eine deutsche Schule gehen zu dürfen. Wo sonst bekommen sie eine solche Ausbildung ? Daß die Integration nicht nur einseitig von deutscher Seite aus umgesetzt wird, könnte ruhig einmal öffentlich gesagt werden !
Durften die Eltern der Schüler ohne deutschen Paß zur Wahl in Hamburg gehen ? Wie viele der nicht-deutschen Eltern interessiert überhaupt die Schule, oder lehnt sie überhaupt ab aus vermeintlich religiösen Gründen ?
Herr Özdemir hat die ihm angebotene Chance genutzt !
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die entscheidende Frage bzw. Forderung fehlt eigentlich noch in so einer unwürdigen und kranken Debatte…
Wann kommt endlich der IQ-Test ab der 1. Klasse…?
Und wann fordern wir endlich 5% Bildungssoli, für Hamburger mit einem Vermögen von 5 Mio aufwärts…
obwohl erstere Frage besser wäre…
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@fritzpeter der echte
19. Juli 2010 um 08:31 Uhr
“Trotz dieser angeblichen Schaumschläger sind die USA seit Jahrzehnten Wissenschaftsnation Nr. 1. Diese Kritik erinnert mich an abfällige Bemerkungen meines Englischlehrers über die USA – das dreigliedrige Schulsystem scheint vor allem bei der Arroganzproduktion führend zu sein.”
Die Wissenschaftsnation Nr. 1 ist Wissenschaftlerimportnation Nr. 1, der produktive Sektor der USA liegt – auch im Bildungsbereich – danieder.
“In welchem Teil des Schulsystems wird das denn vermittelt? Bestimmt nicht auf der Hauptschule, die gerade vergammelt. Unternehmen beklagen sich, dass sie ihre Lehrlinge erstmal in Deutsch und Mathe auf Vordermann bringen müssen, weil die Hauptschule elementare Fähigkeiten nicht mehr vermittelt.”
Weshalb vergammelt die Hauptschule denn? Fehlende Finanzmittel? Diskriminierung der Schüler? Immer schön um den heißen Brei herum reden, alle wissen es, aber keiner darf es aussprechen sonst kommt der PC-Zensor.
Es ist einfach nur dumm MIT linken Gesellschafts- und Schulreformern zu diskutieren – man muss ÜBER sie diskutieren. Was sind das für Menschen, was sind ihre wahren Motive und Ziele, welche Strategien wenden sie an? Wie erfolgreich waren sie bisher, wann werden sie ihre zerstörerischen Ziele erreichen?
Für das Bürgertum ist es 5 vor 12, Zeit genau hinzusehen, und dem Bedrohungspotential angemessen zu reagieren. Sonst wird es in 2-3 Generationen nicht mehr existieren, und damit wird auch all das nicht mehr existieren was dieses Land ausmacht.
fritzpeter (der ECHTE)
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Den Ausgang des Volksentscheids in Hamburg bedaure ich sehr. Ich fande es ein richtiges und mutiges Vorhaben das Hamburger Schulsystem auf moderne Grundlagen zu stellen. Leider wurde von der “Elterninitiative” nicht nur sachliche Argumente vorgetragen, sondern bewußt die Angst von Eltern bedient. Ich habe viele Diskussionen miterlebt. Da wurde von vielen Eltern die Idee der Primarschule als richtig und gut anerkannt, jedoch hatten die meisten Eltern Angst vor Organisationspannen bei der Umsetzung der Schulreform. Und aus diesem Grund lehnten Sie die Schulreform ab.
Natürlich sind große Veränderungen auch immer mit großen Organisatorischen Herausforderungen verbunden. Und meistens geht auch irgendetwas schief (bei noch so sorgfältiger Planung). Wenn man aber gute Ideen nur deshalb nicht umsetzt, weil es zu (lösbaren) Problemen bei der Organisation führen kann, gäbe es überhaupt keinen Fortschritt.
Desweiteren wurde sogar mit der Unwarheit bezüglich des Elternwahlrechts Werbung gegen die Schulreform gemacht. Die Reformgegner traten mit großen Plaketen so auf, als ob das Elternwahlrecht bei der Wahl der Schulform durch die Reform abgeschafft werden sollte. Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben.
Und ob man das zementieren alter Verhältnisse als “Vernunft” bezeichnen kann, wage ich zu bezweifeln.
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[...] wertvollen Vorsprung rauben könnte, den sie vermeintlich errungen haben. Kerstan stellt – auch in anderen seiner Artikel – gerne darauf ab, dass die soziale Herkunft das eigentliche Problem des Bildungssystems in [...]
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@Nachricht 43 (bzw. jemand der nicht posten und zitieren kann)
19. Juli 2010 um 08:31 Uhr
“”Trotz dieser angeblichen Schaumschläger sind die USA seit Jahrzehnten Wissenschaftsnation Nr. 1. Diese Kritik erinnert mich an abfällige Bemerkungen meines Englischlehrers über die USA”"
“Die Wissenschaftsnation Nr. 1 ist Wissenschaftlerimportnation Nr. 1,”
Exakt das sagte auch mein Englischlehrer vor 35 Jahren. Es wird immer wieder der gleiche Scheiß erzählt. Kommt es dir nicht merkwürdig vor, dass ein Strom hochintelligentler Dreigliedler sich in ein Land von Einheitsschuldummköpfen ergießt? Nachdenken scheint nicht deine Stärke zu ein. Außerdem kann ich dir aus dem Stegreif jede Menge nativer US-Geistesgrößen aufzählen: Benjamin Franklin, Ambrose Bierce, Mark Twain, Michelson, Morley, Thomas Edison, Murray Gell-Man, Richard Feynman, Louis Armstrong, Aretha Franklin, …
Sonst noch was? Es gibt eine dumpfdeutsche Arroganz gegenüber den USA, die man gar nicht oft genug an den Pranger stellen kann, die aus den Zeiten stammt, als das dreigliedrige Bürgertum Deutschland an die Wand gefähren hat – zweimal hintereinander.
Das war’s. Ich habe keine Lust mehr, hier mit Dünkelträgern zu debattieren. Außerdem funktioniert die Blog-Technik nicht oder hier gibt’s zu viele, die kein Webformular ausfüllen können. Haben sie wahrscheinlich auf dem Gymnasium nicht auswendig gelernt.
Schönen Tag noch. Halt, da war noch was:
“Für das Bürgertum ist es 5 vor 12, Zeit genau hinzusehen, und dem Bedrohungspotential angemessen zu reagieren.”
Das Bürgertum sind wir ALLE oder KEINER, capito? Für die Klassenperspektive sind die Kommunisten zuständig.
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In den meisten Beiträgen wird davon ausgegangen, dass Bildung eine quasi-natürliche Ressource wäre, welche beliebig umverteilt werden kann. Dieses Prinzip der “Bildung für alle” ist ähnlich absurd wie die Forderung nach “Reichtum für alle” aus einem der letzten Wahlkämpfe.
Ein hoher Bildungsstand ist nur durch ein entsprechendes schulisches, soziales, finanzielles und familiäres Umfeld erreichbar. Die Schule stellt dabei lediglich das Fundament dar, dass die grundlegenden Wissensbausteine vermittelt. Viel entscheidender ist das soziale Umfeld. Hier finden sich die Vor- und Leitbilder der Schüler, die gerade junge Menschen für einen an sich schwierigen Prozess motivieren: das Lernen. Ohne die finanziellen Mittel erfolgt keine Teilhabe an den bildungsrelevanten, ausserschulischen Inhalten. Nur durch eine entsprechend starke familiäre Unterstützung gelingt die Bildungsentwicklung auch in schwierigen Zeiträumen der jugendlichen Entwicklung.
Konkretes Beispiel: das von mir besuchte Gymnasium in einer Kleinstadt war durchschnittlich (keine Eliteschule). Meine Eltern hatten die freie Schulwahl und haben mich gegen die Empfehlung der Lehrerin angemeldet. Damit war das soziale Umfeld homogenisiert. Alle Klassenkameraden waren Nachbarn aus einer bürgerlichen Nachbarschaft (Ärzte, Kantor, Wissenschaftler, Lehrer, Juristen etc.). Alle Kinder der Nachbarschaft haben das Abitur geschafft und später studiert.
Beide Elternteile sind Akademiker (Ingenieur und Lehrerin) und berufstätig. Nahezu alle Verwandten der letzten drei Generationen haben studiert. Damit waren die finanziellen Voraussetzung geschaffen, um bereits in jungen Jahren den bildungsbürgerlichen Wissenskanon zu verinnerlichen (Musik, Theater, gemeinsame Reisen ins europäische Ausland, Schlüleraustausch nach England/Canada, Sport (kein Fussball)). Durch den hohen Bildungsstand der Eltern konnten über Jahre hinweg Lücken der schulischen Ausbildung durch familieninterne Nachhilfe ausgeglichen werden.
Die nachfolgende Phase des Studiums, der Promotion und Habilitation mündete in der Professur. Meine Frau ist Lehrerin. Meine Töchter besuchen das Gymnasium einer Kleinstadt (keine Eliteschule) …
So leid es mir tut: keine Schule der Welt macht aus Klein-Ali oder Klein-Vladimir einen Professor oder auch nur einen Ingenieur, wenn nicht auch der Rest stimmt.
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Richtiger und guter Entscheid! Nur weil der Jäger nicht jagen kann/will, muss man ihn nicht zum Jagen tragen. Einerseits wird das G8 proklamiert, die Studenten sollen schon mit Anfang 20 den Doktortitel haben und mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen können, andererseits darbt dann ein Teil der Schülerschaft bis zur 6 Klasse vor sich hin. Wieder einmal schwachsinniges Gutes-Meschentum-Gehabe.
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Ich durfte bedauerlicherweise die ersten 2 Jahre des Gymnasiums mit einigen Schülern aus einem Milieau, dass sich ansonsten wohl an einer Hauptschule angesammelt hatte verbringen.
Eine einzige Katastrophe. Diesem Personal wurde immerhin einmal das Jahreszeugnis geschenkt, im zweiten Jahr verzichtete die Schule darauf. Man hatte gesehen, dass man die Lernwilligen Schüler vor notorischen Störenfrieden und Gewalttätern verschonen sollte.
Wer dies einmal mitgemacht hat wird wohl kaum einen Gymnasiasten zu irgendwelchen Projekten entsenden, deren Teilnehmer mehr Wert auf Ghettofantasien als korrekte Grammatik legen.
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Vernunft gesiegt?
Eher hat da wohl die Angst der Mittelschicht vor einem vermeintlichen Absinken in ein Bildungsprekariat gesiegt. Die Oberschicht ist sowieso außen vor. Sie kann sich Privatschulen leisten, wo ihre manchmal mit geringen IQ gesegneten Sprößlinge hochprepariert werden.
Vernunft ist in unserem bundesrepublikanischen, förderalistischen Bildungschaos sowieso ein Fremdwort. Vernünftige Bildungs- und Schulpolitik finden wir bei unseren europäischen Nachbarn, wo längeres miteinander Lernen schon seit Jahrzehnten die Regel ist und wo es auch eine wesentlich bessere Vorschulerziehung gibt. Aber statt von ihnen zu lernen, glauben wir noch immer das an deutschem Wesen die Welt genesen wird.
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zu Beitrag 40: Danke, so ist es leider gekommen. Aber es war wohl schon absehbar. In Bayern startet im September der Versuch “flexible Grundschule”. Hier können dann Kinder drei, vier oder fünf Jahre bleiben. Die 6-jährige Grundschule wurde ebenfalls vehement abgelehnt.
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Herr Kerstang!
Entschuldigen Sie meine Empörung und Ausdrucksweise, aber ich könnte derart kotzen, wenn ich Ihre Texte lese, dass ich keine Lust mehr habe die bei Meinungsverschiedenheiten angebrachte Höflichkeit zu bewahren.
Sie drehen die Wahrheit, wie es Ihnen beliebt. Ihr Text von der Titelseite diese Woche, also vier Tage vor der Abstimmung, schießt den Vogel ab! Sie zitieren eine große Vergleichsstudie mit dem Verweis auf Ungleichheit und behaupten, Berlin hätte mit seiner 6-jährigen Primarschule das ungerechteste Schulsystem aller Bundesländer. Geradezu witzig ist, dass mit mit einigem Abstand in den Ergebnissen genau das Gegenteil richtig ist, Sie bislang immer noch nicht von Ihren Kollegen darauf hingewiesen worden sind und den gleichen Blödsinn in diesem Text vier Tage später wiederholen.
Keine Hinweise auf eine Verbesserung der Chancengleichheit durch längeres gemeinsames Lernen? Seien wir mal ehrlich: Alle international vergleichenden Studien deuten genau darauf hin! Naja, und Berlin.
Ihr Kampf ist peinlich, der ZEIT unwürdig und auf eine besonders dumme Art und Weise reaktionär. Vorschläge wie der Hilfe bildungsferner Kinder durch freiwillige Patenschaften sind von von einer Lächerlichkeit, dass man sie kaum in der BILD erwarten würde.
Bitte, liebe ZEIT, ich möchte gerne auch Außenseitermeinungen hören, aber bitte keinen ideologischen Außenseiter, der so tut als repräsentiere er die Quintessenz wissenschaftlicher Erkenntnisse.
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ZITAT: “Die Eltern der Kinder, gegen welche abgestimmt wurde, duerften leider nicht mitabstimmen. Ein Skandal!!! Ein typisches Beispiel wie man in Deutschland mit Migranten und deren Kindern umgeht.”
Kurze Frage: Ist es z.B. in der Türkei eigentlich erlaubt, dass deutsche Staatsbürger wählen/abstimmen dürfen, wenn es um politische Belange geht? Falls nein, wäre das ja kein geringerer Skandal für in dem jeweiligen Land lebende deutsche Staatsbürger.
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Normalerweise weigere ich mich ja, die oft unqualifizierten Kommentare auf Internetkommentarseiten durch meine Anmerkungen zu veredeln – aber ein so von jeder – in der Überschrift so beschworenen – Vernunft freier Text wie der von Herrn Kerstan kann dann doch nicht unkommentiert bleiben.
Vernunft:”Wir wollen lernen” hieß die Parole der Zurück ins Kaiserreich-Nicht-Pädagogen, die die unsinnige Volksabstimmung in HH angestochen hatten. Eben – dann mal los.
Längeres gemeinsames Lernen hilft nicht? Ach was- da haben die Bildungswissenschaftler der vergangenen 100 Jahre wohl nicht aufgepasst – aber Herr Kerstan weiß das im Alleingang besser. Nur zur Info: Auch die gemeinsame 4-jährige GS (übrigens ein schulpolitischer Verdienst der Weimarer Republik)wurde vom selbsternannten “Bildugs”bürgertum der damaligen Zeit vehement bekämpft. Fakt ist: Starke Schüler lernen um so besser, wenn sie ihr Wissen “Schwächeren” vermitteln können (Lernen durch Lehren heißt das in der Weiterbildung – aber die Weiterbildner kennen sich wohl auch nicht so gut aus wie Herr K.) und “schwächere” Schüler profitieren besonders von der ergänzenden Unterstützung durch “Stärkere” . Alles Klar? . Für die Notenfreaks, die sich im der Halbbildung zugetanen Bürgertum (Bildungsbürger – mir wird übel…) ja auch gerne finden: Setzen Herr K., Sechs!
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Bildungsforscher Jürgen Baumert:
” … belastbare empirische Evidenz für die Wirkungen einer zweijährigen Verlängerung der Grundschule kenne ich nicht.”
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-700334,00.html
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Das eigentliche Problem jenseits jeglicher Bildungs- und Schuldebatte:
» … Langfristig wird die Arbeit verschwinden. … Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als die Maschine. … Sehen Sie, ich verdiene einen Teil meines Einkommens damit, die Chefs großer Konzerne zu beraten. Wenn ich die frage, ob sie in Zukunft noch Zehntausende von Mitarbeiter haben werden, dann lachen die laut los. Die Wirtschaftsführer wissen längst, wo die Reise hingeht.
Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. … Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein.
Von 1982 bis 2002 stieg die amerikanische Stahlproduktion von 75 auf 102 Millionen Tonnen. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Stahlarbeiter von 289.000 auf 74.000 ab. In den 20 größten Volkswirtschaften der Erde sind zwischen 1995 und 2002 mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden. Wohin sie schauen, dasselbe Bild: Die Produktion steigt, die Produktivität steigt, aber die Arbeitsplätze nehmen ab.
Die Arbeit verschwindet. Das will kein Politiker seinen Wählern erzählen.
Statt dessen betet man immer wieder dieselben drei Pseudotheorien herunter.
Erstens: Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern.
Zweitens: Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet.
Und drittens: Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind.
Alle drei Argumente sind absurd.
Erstens: Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber davon hören Sie von den Politikern kein Wort. Maschinen machen sich als Buhmann eben schlechter als Chinesen oder Polen.
[Frage: Was ist das zweite Pseudoargument?]
Nehmen wir mal an, man könnte tatsächlich alle fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland so fortbilden, wie sich die Politiker das vorstellen. Was wäre denn dann? Es gebe immer noch nicht genug Jobs. Die Zeiten der Massenarbeit ist vorbei. Wir werden nie wieder Tausende von Leuten sehen, die aus den Fabriktoren strömen. In Zukunft wird Arbeit etwas für die Eliten sein. Für besondere Aufgaben wird man immer noch die Top-Ärzte, Top-Anwälte oder Top-Designer brauchen. Aber Durchschnittsqualität kann ein Computer oder ein Roboter billiger liefern.
[Frage: Wo liegt der dritte Fehler?]
… wenn jemand daran denkt, den Weg der USA einzuschlagen, dann kann ich davor nur warnen. Je härter sie die Sozialsysteme beschneiden, desto eher tauchen die Probleme an anderer Stelle wieder auf. Schlechtere Gesundheit, größere Armut, weniger Sicherheit, mehr Kriminalität. Natürlich ist die US-Arbeitslosenquote niedriger als die deutsche. Aber bei uns sitzen allein zwei Millionen Leute in den Gefängnissen. Meinen Sie, das ist keine versteckte Arbeitslosigkeit? Glauben Sie mir, sie sind hier immer noch besser dran.
…
[Frage: Entschuldigen Sie, aber die Frage ist doch nicht, was die Menschen mit ihrer freien Zeit anfangen, sondern mit welchem Geld Sie ihre Miete und ihr Essen bezahlen, wenn alle Jobs verschwinden.]
… Also, es gibt verschiedene Ansätze. Besonders wichtig ist der so genannte Nonprofitsektor. Gemeint sind hier Aktivitäten von der Sozialarbeit über die Wissenschaft, Kunst, Religion bis hin zum Sport. In den Niederlanden sind heute bereits 12,6 Prozent aller Vollzeitstellen im Nonprofitsektor angesiedelt. In Deutschland sind es erst 4,9 Prozent. Hier gibt es ein Potenzial für Millionen von Arbeitsplätzen.
[Frage: Aber wie soll dieser Nonprofitsektor finanziert werden?]
Durch Steuerumschichtung. 90 Prozent der Regierungseinnahmen weltweit stammen aus der Besteuerung von Arbeit und Kapital. Wir müssen viel stärker zur Besteuerung von natürlichen Ressourcen kommen. Warum sollen sich die Unternehmen einfach frei bedienen? Eine Besteuerung von Ressourcen würde sowohl zur Schonung der Umwelt führen wie zur Senkung von Unternehmensgewinnen. Die Steuereinnahmen könnten dann in den Nonprofitsektor fließen und dort Mehrbeschäftigung stimulieren. Man könnte auch über etwas anderes nachdenken. Wenn Maschinen immer mehr Menschen ersetzen, warum sollte es in Zukunft nicht genau so eine Maschinensteuer geben, wie es heute eine Einkommenssteuer gibt?
… Generationen von Ökonomen haben sich damit beschäftigt, die Marktwirtschaft zu analysieren und Vorschläge zu machen, wie sie besser funktionieren könnte. Dabei ist der Mensch aus dem Blickpunkt geraten. Es ist doch so: Die Globalisierung hat versagt.
Weil sie zu viel Geld von unten nach oben verteilt hat. Die 356 reichsten Familien besitzen heute 40 Prozent des Reichtums der Menschheit. Diese Entwicklung führt uns in den Abgrund. Wenn die Unternehmen die Löhne immer weiter drücken, wird irgendwann niemand mehr ihre Produkte kaufen. Das ist so logisch, dass es eigentlich jeder verstehen müsste.
Was wir brauchen, ist eine Reglobalisierung, bei der die Bedürfnisse der Mehrheit im Vordergrund stehen, nicht die Gewinnspannen einer kleinen Minderheit. Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können.
Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen.«
Quelle:
Interview mit Jeremy Rifkin – „Langfristig wird die Arbeit verschwinden“
Stuttgarter Zeitung, veröffentlicht am 29.04.2005
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/916564?_seite=1
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Es gibt kein Schulsystem, das jedes Kind optimal fördert und jeden Eltern gefällt. Natürlich wäre die Primarschule für schlechtere Schüler womöglich eine Chance gewesen, die Bedenken von Eltern besserer Schüler müssen jedoch auch verstanden werden. In der heutigen Leistungsgesellschaft mit den G8 Abiturienten haben es Schüler schwer genug. Zwei Jahre durch schlechte Mitschüler die den Lehrplan aufhalten zu verlieren, ist ein Preis, den viele Eltern und auch Schüler nicht zahlen wollen. Schüler sollten ihre Kurse bzw. Schulen nach Leistungen besuchen. Der Schul- bzw. Kurswechsel muss erleichtert werden, was in einer Gesamtschule der Fall wäre. So könnten die Schüler nach Leistungen zusammen lernen, Schüler die zu gut für bestimmte Fächer sind, könnten aber relativ flexibel wechseln, so die Theorie. Letztendlich hat sich aber bei der Abstimmung die Lobby der “guten” Schüler durchgesetzt, was durch eine höhere Wahlbeteiligung der anderen Seite hätte verhindert werden können.
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Die Bildungsbenachteiligung sozial schwacher Schichten in Deutschland ist spätestens seit der Veröffentlichung der ersten PISA Ergebnisse faktisch belegt und nicht abzustreiten. Seit 2001 ist nun beinahe ine Jahrzehnt vergangen, in dem viel angeklagt, geleugnet, sachlich debattiert wurde. Auch kann das deutsche Bildungssystem Neuerungen vrweisen, so z.B. die Einführung deutschlandweit gültiger Bildungsstandards nachweisen.
Dennoch ist es schade, dass wir nicht weiter gekommen sind, dass solche Artikel wie dieser, einseitig, schlecht recherchiert und subjektiv, nicht wenigstens einer Gegenposition gegenübergestellt werden, die sich nicht in Leserkommentaren erübrigt.
Die Ablehnung der Einführung der Primarschule ist ein schlimmes Signal für das deutsche Bildungssystem und es zeigt tiefe Abgründe im Denken unserer Gesellschaft auf.
Herr Kerstan zitiert in diesem Artikel und auch in “Der Glaubenskrieg” die PISA-Studie. Dabei ist es fraglich, ob er sich diese jemals selbst angeschaut hat – oder ob er, wie das im heutigen Journalismus so oft der Fall ist – einem schlecht recherchierten Fakt aufgesessen ist.
Die sozioökonomische Varianz wird in der PISA Studie überhaupt nicht mit dem Zeitpunkt der Differenzierung in Zusammenhang gebracht. Es wird allerdings ausgesagt, dass
“die Varianz der Schülerleistungen zwischen Schulen, die auf den sozioökonomischen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler zurückzuführen ist, über 12% der durchschnittlichen Varianz innerhalb
von Schulen im OECD-Raum (vgl. die Spalten 5 und 6 in Tabelle 4.1a) aus[macht], und in Belgien, Deutschland und Ungarn steigt dieser Wert unter Berücksichtigung des zusätzlichen Effekts der sozioökonomischen Zusammensetzung der gesamten Schule auf die Leistungen der einzelnen Schüler auf über 40% (vgl. Spalten 7 und 8 in Tabelle 4.1a).”
Zitat aus „Lernen für die Welt von morgen. Erste Ergebnisse von PISA 2003“, OECD (Hrsg.) 2004, S. 214.
Hinsichtlich des Zeitpunktes der Differenzierung wird folgendes ausgesagt (Zitat aus „Lernen für die Welt von morgen. Erste Ergebnisse von PISA 2003“, OECD (Hrsg.) 2004, S. 300):
“Ein wichtiger Aspekt der Einteilung in Leistungsgruppen ist das Alter, in dem die Aufteilung auf verschiedene Schultypen im Allgemeinen erfolgt und Schüler und Eltern folglich mit Entscheidungen konfrontiert werden. In Deutschland und Österreich werden solche Entscheidungen sehr früh getroffen, in etwa im Alter von 10 Jahren. In Ländern wie Neuseeland, Spanien und den Vereinigten Staaten findet hingegen keine formelle Differenzierung vor Ende der Sekundarschulzeit statt, zumindest nicht zwischen den Schulen. Es besteht kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem die Selektion stattfindet, und den Durchschnittsergebnissen der Länder.”
Bis hierher kann man diesen Ausschnitt der Ergebnisse heranziehen, um gegen die Einführung der Primarschule zu argumentieren (aber: man könnte damit genauso gut DAFÜR argumentieren).
Weiter heißt es allerdings:
“Der Anteil der im OECD-Durchschnitt festgestellten Varianz der Schülerleistungen, der auf Unterschiede zwischen Schülern und Schulen entfällt, ist in Ländern mit frühzeitig greifenden Selektionsmechanismen in der Tendenz jedoch höher. Tatsächlich kann das Alter, in dem die erste Selektion stattfindet, mit der Hälfte
der Leistungsvarianz zwischen den Schulen in Zusammenhang gebracht werden (vgl. Abb. 5.20b, Spalte 3, Zeile 9). Dies ist zwar an sich nicht verwunderlich, da Leistungsunterschiede zwischen den Schulen ja gerade das Ziel der Gliederung der Schulsysteme sind, die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die sozialen Disparitäten tendenziell in solchen Bildungssystemen stärker ausgeprägt sind,
in denen die Selektion in einem früheren Alter stattfindet, wobei sich aus dem Alter der ersten Selektion 28% der im Landesdurchschnitt beobachteten Stärke des Zusammenhangs zwischen dem PISA-Index des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Status und den Schülerleistungen erklären (vgl. Abb. 5.20b, Spalte 3, Zeile 10).”
Der vorangehende Abschnitt spricht für sich. Es darf hier nicht mit dem “signifikanten Zusammenhang” argumentiert werden, den es nicht gibt, und der damit weder für die eine noch für die andere Richtung der Argumentation herangezogen werden kann. Schaut man sich die Tendenzen jedoch an, so ist es eindeutig, dass bei späterer Differenzierung eine geringere Leistungsabweichung zu sehen ist und dass sich die sozialen Disparitäten verringern.
Der Zeitpunkt der Differenzierung ist wichtig: je später, desto weniger Leistungsvarianz, desto weniger soziale Disparitäten. DAS ziegt uns PISA, nichts anderes.
Wo also, Herr Kerstan, sehen Sie bitteschön den Ansatzpunkt für ein besseres Bildungssystem wenn nicht bei einer Einführung einer bundesweiten (!) späteren Leistungsdifferenzierung?
“die Schüler, Eltern und Lehrer der Hamburger Gymnasien, die erfolgreich gegen die Primarschule gekämpft haben” werden sich gar nichts überlegen. Der Humanismus ist für die meisten Menschen eine hohle Phrase geworden. Es gehört zum Humanistischen Bildungsideal, dass alle Menschen gleichberechtigt Zugang zu Bildung haben. Dies ist in Deutschland nicht gegeben und es wird nicht dadurch gelöst, dass diejenigen, die gegen die Primarschule gekämpft haben, nun “Patenschaften für Schulen in sozial schwächeren Stadtteilen übernehmen, ihre Schüler, Eltern und Lehrer könnten den Schülern in Problemstadtteilen Nachhilfe geben oder ihnen als Mentoren dienen.” In welcher Welt leben Sie?
In unserem Bildungswesen findet ein Klassenkampf statt – niemand wird denjenigen helfen, die am Sonntag verloren haben.
Was helfen könnte, wäre ein gerechteres Schulsystem, wären mehr und besser ausgebildete Lehrer (dieser Punkt kommt nirgends zur Sprache), wäre mehr Geld für Bildung, wäre eine Ansichti von Bildung, die diese nicht nur auf Leistung reduziert, wäre mehr Idealismus in Richtung einer Gesellschaft, in der nicht mehr Geld zu Geld und Armut zu Armut kommt, wie Stefan Gärtner dies in seiner Kolumne treffend beschreibt: http://www.theeuropean.de/stefan-gaertner/3718-klassenkampf-ist-auch-bildungssache
Wo sind unsere Werte geblieben? Bildung ist nicht nur Leistung, Bildung bedeutet Erziehung zu Gerechtigkeit, zu Selbstständigkeit, zu eine verantwortungsvollen Teilnahme an der Gesellschaft (und zwar an der gesamten Gesellschaft, die niemanden ausgrenzt).
Wenn wir so weitermachen, vermitteln wir unseren Kindern Egoismus, Kurzsichtigkeit und den Eindruck, dass Schule nichts anderes als Selektion bedeutet. Die Folgen, die daraus langfristig erwachsen, sind nicht auszudenken.
Da sollten sozioökonomisch bessergestellte Bürger doch von ihrem hohen Ross herabsteigen und auch einmal schwächere über eine längere Zeit mitziehen und ihnen eine Chance geben. Das ist dann Humanismus und darunter wird sicherlich kein Kind leiden. Vielleicht ist unsere Gesellschaft (oder zumindest Teile dieser) moralisch schon so verdorben, dass dies nicht mehr möglich ist?
Es fällt schwer, in dieser Diskussion sachlich zu bleiben. Aber es ist fraglich, wie sachlich es ist, der Aussage “Meine Kinder sollen nicht mit irgendwelchen Assis in die Schule gehen”, schlecht belegte Pseudo-Argumente vorzuschieben. Lieber sollten ALLE den Mut fassen, neue Wege zu beschreiten und ich möchte ersthaft an diejenigen appellieren, die gegen die Primarschule gestimmt haben, sich einmal gewissenhaft zu fragen, welche Argumente zu dieser Entscheidung geführt haben.
Valerie Krupp, Berlin
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Was soll der Aufruhr? In der Schweiz dauert die Primarschule in fast allen Kantonen seit eh und je sechs Jahre. Sind deshalb wir Schweizer dümmer als die Deutschen?
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Im Grunde ist es ganz einfach und lässt sich in einer 2×2 Entscheidungs-Matrix ausdrücken (geht hier html?):
gleich
ungleich
gleichbehandelt
Paradies
Sozialismus
ungleichbehandelt
Diskriminierung
Pragmatismus
In HH gibt es jetzt Pragmatismus anstatt den Versuch über eine Diskriminierung-Lüge den Sozialismus einzuführen. Danke HH!
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html geht nicht ;-(
vielleicht so:
gleich ungleich
gleichbehandelt Paradies Sozialismus
ungleichbehandelt Diskriminierung Pragmatismus
In HH gibt es jetzt Pragmatismus anstatt den Versuch über eine Diskriminierung-Lüge den Sozialismus einzuführen. Danke HH!
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auch nicht ;-(
dann geht nur
(1) gleich + gleichbehandelt = Paradies
(2) gleich + ungleichbehandelt = Diskriminierung
(3) ungleich + gleichbehandelt = Sozialismus
(4) ungleich + ungleichbehandelt = Pragmatismus
die Linken lügen und heucheln dass sich die Balken biegen, weil sie (3) erreichen wollen. Sie unterstellen dass (2) der Status Quo ist und träumen öffenlich propagandistisch hin von (1).
All das ändert nichts an der Tatsache dass (4) die Grundlage unseres Daseins ist (auch in der Schule) und immer sein wird.
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Zum gemeinsamen Lernen in Klasse 5 und 6 (zum Schulstreit Hamburg):
» … In Hamburg wird für mich ein völlig unnötiger bildungspolitischer Streit ausgetragen. …
… belastbare empirische Evidenz für die Wirkungen einer zweijährigen Verlängerung der Grundschule kenne ich nicht….
… musste man gleichzeitig den Streit um die Gymnasien beginnen und auch noch das humanistische Gymnasium antasten? …«
Zum eigentlichen Bildungsproblem – ein Fünftel der Schulabgänger ohne die Kompetenzen eines Schulabschlusses:
» … Unser großes Problem besteht darin, dass etwa 20 Prozent eines Jahrgangs das Mindestziel verfehlen: Sie verlassen die Schule ohne eine Basisausstattung für einen zukunftsfähigen Beruf. …Die Folgeprobleme sind prognostizierbar: fehlende oder abgebrochene Berufsausbildung, instabile Beschäftigungsverhältnisse, instabile soziale Beziehungen, mangelnde Fürsorge auch für sich selbst, das heißt – höheres Krankheitsrisiko. … «
Zur Leistung des [vielgeschmähten] Gymnasiums:
» … der immer noch kontinuierlich ansteigende Übergang zum Gymnasium. 1950 gingen 11 Prozent einer Alterskohorte zum Gymnasium, und nur 50 Prozent von ihnen haben das Abitur geschafft. Jetzt sind wir bei 45 Prozent, und 80 Prozent erreichen das Abitur. Das Gymnasium ist immer noch eine anspruchsvolle Schule, aber nicht mehr die Selektionsanstalt, die sie in den fünfziger Jahren war. …
Die soziale Auslese ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, und zusätzlich hat sich die Chance, mit einem mittleren Abschluss ohne großen Zeitverlust eine Hochschulreife zu erreichen, verbessert. Der Übergang zum Gymnasium ist noch eine kritische Stelle in einer Bildungskarriere, aber die Dramatik der sozialen Selektivität hat sich verringert.… «
Zur Relevanz der gründlichen fachlichen Bildung der Lehrkräfte:
» … Die fachlich besser ausgebildeten Lehrkräfte [an Gymnasien] unterrichten unter bevorzugten Bedingungen an Gymnasien. Die kürzer und fachlich weniger anspruchsvoll ausgebildeten Lehrkräfte werden dort eingesetzt, wo pädagogische Professionalität und fachliche und fachdidaktische Kreativität besonders gefordert sind – nämlich im Unterricht der schwächeren und schwächsten Schüler. … «
Interview mit dem Bildungsforscher Prof. Jürgen Baumert
SPIEGEL ONLINE – 14. Juni 2010 / DER SPIEGEL 24/2010
URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,700334,00.html
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@ placebolix – Nr. 60, 62, 63
Falls Sie mehr als einen Link in Ihrem Beitrag angegeben haben,
kann die Freischaltung – wohl aufgrund der Software – bis zu einem ganzen Tag dauern.
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Die Abiturientenquote ist teilweise bei 50%. Was wird da denn noch erwartet? Danach gibt es noch ungezählte Möglichkeiten, Universitäten zu besuchen, Fachhochschulen ja ohnehin. 80 % Abitur und der Rest amtliche Volltrottel oder wohin geht der Wille? Dann noch eine Bachelorlehre und wir sind ein richtig gut ausgebildeter Staat. Wer sich aber darüber hinaus qualifizieren kann, wird bestimmt Kind arbeitsloser Immigranten sein? Träumt weiter Reformer. Drei, vier Mittelstandstrottel, die am Gymnasium nichts verloren haben, gegen Migrantenkinder auszutauschen, ist der Mühe wohl kaum wert. Es wird Zeit ein “höheres Gymnasium” zu gründen, die besseren Schüler von diesem Sumpf zu entlasten.
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[...] Hamburger Schulreform: Primarschule gescheitert, Vernunft shawl … [...]
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@w.jaschke:
Wahrscheinlich waren es genau die “richtigen Argumente”, weshalb sich die Hamburger gegen die geplanten Reformen ausgesprochen haben.
Dabei ging es weniger um die Frage, ob Anschluss an international übliche sechs gemeinschaftliche Schuljahre gewonnen werden sollte, als vielmehr darum, ob drastisch erhöhte Kita-Gebühren eine zukünftige Duldung des “längeren gemeinsamen Lernens” von der 1.-3. und der 4.-6. Klasse rechtfertigen.
In der Diskussion wird allzuoft das Kleingedruckte vergessen, dass auf die Hamburger zukommen sollte.
Im Huckepack zu den bedenkenswerten Argumenten einer gemeinsamen Beschulung aller Schüler in einer Schule sollten die zu Primarschulen veredelten Grundschulen reformpädagogisch aufgerüstet werden.
Primär wurden diese Überlegungen in Brandenburg angestellt, das auf gemeinsame Konzepte von Gerold Becker (Ex-Odenwaldschule) und Klaus-Jürgen Tillmann (Ex-Bielefelder Laborschule und Ex-Landesinstitut für Schule Brandenburg) zurückgriff.
Gerade die theoretische Gründung auf Becker, der eine alters- und soziale Mischung an einer ansonsten hochselektiven Eliteschule für eigene sexuelle Bedürfnisse forcierte, steht auf tönernen Füßen.
Zur Altersmischung schreibt Dieter Lenzen (FU Berlin/jetzt Hamburg): “Es gibt eine ganze Reihe von empirischen Untersuchungen, die das Lernen in altersgemischten Gruppen mit dem Lernen in jahrgangsgleichen Gruppen vergleichen (vgl.
Rossbach 1996, Marsolek 2003). Sie sagen in der Grundtendenz Folgendes: Das Lernen in jahrgangsübergreifenden bzw. altersgemischten Gruppen hat – bezogen auf die Lernleistungen in den einzelnen Fächern – keine deutlichen und durchschlagenden Vorteile.”
http://www.uni-kassel.de/~refsps/Ringvorlesung/031120_handout.pdf
Zur “Nichterlangung von Vorteilen” ist allerdings ein erheblich höherer Personalbedarf nötig, wohl ein Grund, warum diese Unterrichtsform bei Lehrern und pädagogischen Funktionären beliebt ist.
Für Schüler bedeutet es weniger potentielle altersgleiche Freunde, mehr schulische Unruhe, häufiges Einstellen auf neue Klassenkameraden. Für Kinder, die sozial gefestigt sind, mag diese Zusatzunruhe förderlich sein, für sozial oder leistungsmäßig schwierige Schüler ist es eine riesige Zusatzbelastung, wie die Berliner Erfahrungen mit der Schuleingangsstufe eindrücklich beweisen.
Die Hamburger Entscheidung eröffnet die Möglichkeit, die riesige Begriffsverwirrung, die sich um “Länger gemeinsam lernen” und “individualisiertes Lernen” rankt, noch einmal genau anzuschauen.
Soll in jahrgangsgleichen Gruppen mit vorgegebenen festen Lernzielen und individuellen Interventionen bei drohender Nichterreichung durch Zusatzpersonen reagiert werden, wie es das finnische Modell vorsieht?
Oder soll vorrangig eine starke Jahrgangsmischung erreicht werden, in der eine einzelne Lehrkraft bei drohender Nichterreichung eines Lernziels individuell differente Lernziele formuliert, wie das von der Bielefelder Laborschule/Odenwaldschule inspirierte Vorgehen ist?
Hier ist Klarheit vonnöten, handelt es sich bei unter dem gleichen Schlagwort des “längeren gemeinsamen Lernes” firmierenden Schulformen um im Detail so stark differente Systeme, dass die Unterschiede zwischen einem durchschnittlichen Gymnasium und einer durchschnittlichen Hauptschule nachgerade gering erscheinen.
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Warum nicht gleich den Abiturabholschein für alle mit Ausstellung der Geburtsurkunde?
Dann aber nicht auf die reaktionären Unis schimpfen, die 80% eines Jahrganges als nicht geeignet zurückweisen, weil sie den Aufnahmetest nicht schaffen.
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Danke für den wichtigen Link !
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Hallo Herr Kerstan,
lassen Sie sich von den Kommentaren nicht abschrecken. Ihr Artikel ist gut und trifft den Kern der Sache ebenfalls sehr gut. Die Primarschule wäre ein unglaublich teures Schulexperiment mit ungewissem Ausgang gewesen, und es bleibt mir nach wie vor schleierhaft, wieso alle Befürworter dieses Experiments davon ausgehen, dass die Verlängerung der Grundschule um 2 Jahre die Benachteiligung der Benachteiligten wie von Zauberhand in Luft aufgelöst hätte.
Obwohl das in Berlin, Belgien und den Niederlanden schon nicht funktioniert. Müssen wir auch noch testen ob das in Hamburg vielleicht doch funktioniert?
Nein, müssen wir nicht.
Und die Idee, alle und auch gut funktionierende Schulen niederzumähen (was die Primarschule getan hätte) und zu hoffen, dass etwas Besseres nachwächst, das kann man ja nun wirklich nicht als kluge Reform bezeichnen.
Bei jeder Creme, die man auf den Markt bringt muss man erst mit Studien mit Kontrollgruppen beweisen, dass sie auch hält was sie verspricht – mit Schülern aber kann man experimentieren, auch wenn man nur daran „glaubt“ dass das Neue besser ist als das alte.
Wohin solche schulischen Experimente führen können das beweist ja z. B. Berlin, dass seit der Einführung des flächendeckenden jahrgangsübergreifenden Lernens bei den Vera-Studien immer weiter abrutscht.
Auch und besonders die Vergleiche mit Amerika hinken. Das Schulsystem in einem Land, in dem 1/3 aller Schüler die Einheitsschule ohne Abschluss verlässt (die meisten davon sind, wen wundert es, Afroamerikaner und Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln) kann doch nun wirklich nicht Vorbild für Deutschland sein.
Es macht mich wütend, wie hier alle Gegner der Primarschule in einen Elite-Topf geworfen werden, und ich persönlich glaube, dass auch daran letztlich die Primarschule gescheitert ist. MICH jedenfalls hat es sehr gegen die Primarschule aufgebracht, als Zweiflerin nicht respektiert, sondern als „Gucci-Frau“ beschimpft zu werden. Und das gerade von Menschen, die den „Gemeinsinn“ predigen. Gehören Bürger, die sich um die Bildung ihrer Kinder sorgen, etwa nicht zur Gemeinschaft? Abgesehen davon stimmt das einfach nicht. Wenn man sich mal die Wahlergebnisse so anschaut, scheint es ja z. B. in Billstedt besonders viele Eliten und Gucci-Träger geben, denn dort bekam die Primarschule sehr wenig Stimmen.
Ihre Idee, wir wollen lernen in „Wir wollen helfen“ umzubenennen finde ich persönlich sehr gut. Denn es gibt eine große Bereitschaft dafür in Hamburg. Dafür müsste man allerdings erstmal das Kriegsbeil begraben. Und respektieren, dass alle im Prinzip das Gleiche wollen: Eine bessere Bildung für alle Kinder dieser Stadt. Auch wenn die Primarschulgegner (NICHT Schulreformgegner) dafür einen anderen Weg sehen als die Befürworter.
Das ist in einer Demokratie absolut legitim und macht sie nicht zu schlechteren Menschen ohne soziales Bewusstsein.
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Hallo Frau Krupp,
Sie kommen doch aus Berlin. In Berlin gibt es eine 6jährige Grundschule. Und laut der neusten Pisa-Studie von 2009 ist Berlin das Bundesland, in dem der Schulerfolg am meisten von der sozialen Herkunft abhängt. Und Berlin ist auch das Bundesland, in dem die Deutschleistungen der Migranten am meisten hinter denen der deutschstämmigen Schüler zurückliegen.
Mit anderen Worten: die Verlängerung der Grundschulzeit nützt nichts, und sie würde auch in Hamburg (das als Stadtstaat ja dieselben Probleme wie Berlin hat) nichts nützen.
Und wenn Sie sich Pisa schon so genau anschauen, dann vergessen Sie bitte folgendes nicht: Der Statistiker Dieter Borsche hat schon für Pisa 2000 eine bis zu 75%prozentige Korrelation zwischen den Pisa-Ergebnissen und dem sozialen Status der Einwohner inklusive dem sozialen Status der Migranten bewiesen, die bei den Pisa-Auswertungen schlicht und einfach verschwiegen wurden und werden: http://www.borsche.de/pisa/
Pisa sagt viel mehr über die Ausländerpolitik als über das deutsche Schulsystem. Und genau diese falsche Multi-Kulti-Politik bei der die zentralen Probleme unter den Teppich gekehrt werden und gehofft wird: „das kommt alles von allein wenn die Schüler gemeinsam mit anderen Kindern lernen (hat nicht geklappt) oder jetzt wenn sie nur länger gemeinsam mit anderen Kindern lernen“ bloß weil man niemandem auf die Füße treten will wäre mit der Primarschule fortgesetzt werden.
Was tun denn all die Verbände und die Migranten die es geschafft haben dafür, dass die islamischen Familien ihren Kindern Deutsch beibringen oder zumindest dafür sorgen dass sie es lernen – die Sprache des Landes, in dem sie leben? Warum fordert ein Poliker wie Cem Özdemir nicht mal seine Landsleute auf, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder Deutsch lernen bevor sie in die Schule kommen?
Die Sprache ist der Schlüssel zur Bildung. Und wer die Unterrichtssprache nicht beherrscht hat einfach schlechtere Karten von Anfang an.
Und die Primarschule hätte daran nichts geändert – im Gegenteil, sie hätte alles noch verschlimmert, weil sie wie ein schwarzes Loch alles Geld geschluckt hätte dass dann für die Sprachförderung fehlt.
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Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt. Klingt gemein, ist aber so: Die Menschen sind nicht gleich und sind es von Anfang an nicht, und sie dann gleich zu behandeln kränkt sowohl die Begabteren als auch die Schwächeren. Und es gleicht schon gar keine Unterschiede aus.
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Vielen Dank, aber keine Sorge, dass ich mich durch ablehnende Kommentare abschrecken lasse. Ich bin hart im Nehmen, und außerdem finde ich Streit einen guten Weg, um etwas von anderen (oder über andere) zu lernen und seine Argumente zu schärfen.
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