Man muss ja nicht immer reden

Schlechter Literatur-Sex

Von 29. November 2005 um 10:12 Uhr

In Großbritannien (wo sonst?) wird wunderbarer Weise alljährlich ein Preis für schlechten Sex verliehen – für schlechten Sex in der Literatur. (Wie sonst könnte man die Nominierten überblicken? Höhö.)

Hier kann man die in diesem Jahr nominierten Passagen “genießen”, darunter immerhin Werke von Autoren wie John Updike oder Salman Rushdie. Der “Gewinner” wird am 1. Dezember bekannt gegeben und erhält eine Statue sowie eine Flasche Champagner – wenn er zur Preisverleihung erscheint.

Was für eine geniale Idee! Könnte man hierzulande nicht auch einen Preis für schlechten Sex im Film, oder noch lohnender, im Fernsehen ins Leben rufen?

Kategorien: Humorotisches
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das Gegenteil von Striptease

    Die Antithese zu Stripease, finden Sie hier und ist auf jeden Fall die paar Minuten bis zum Ende wert. Animierte Kunst, die Spaß macht.

    Gefunden habe ich das im Sexblog der ZEIT, der gut kommt. Reinlesen!

  2. 2.

    Liebe Sigrid Neudecker,

    als Sex-Weblog-Kollegin darf ich hierzu gratulieren. Mag ich sehr, was Sie da so schreiben….

    Zum Thema “schlechte Sex-Literatur” kann ich nur folgendes sagen: Als 13-jährige bin ich wahnsinnig darauf abgefahren, mir in den Donauland-Büchern meiner Eltern die “argen” Passagen rauszusuchen. Die Seite 13 des “Paten” (ich glaub, es war die Seite 13) war von mir schon völlig abgegriffen, so fasziniert war ich von der koitalen Schilderung. Heute frage ich mich, wie sehr solche Genitalitäten meine Vorstellungen von Sexualität beeinflusst haben. Dazu habe ich mir übrigens mal in meiner Kolumne, die wöchentlich im Freizeit-Magazin des Wiener Kurier erscheint Gedanken gemacht. Dabei kam mir ein herrliches Stück “Literatur” unter. Bitte sehr, hier ein Auszug aus meinem und “seinem” Text:

    Die verzweifelte Suche nach dem goldenen Genital-Gral beginnt ja oft mit der falschen Lektüre. Ich denke an Autoren wie Mario Puzo (“Der Pate”), Jackie Collins (“Die Stute”) oder den guten alten Onkel Harold Robbins, dessen Bestseller weltweit die Regale von Millionen Lesern (vermutlich noch immer) füllen und Generationen in die Schlafzimmer begleitet haben. Werke, die nur so von sexuellen Platitüden und Merkwürdigkeiten strotzen. Sex a la Harold: Ihre Finger öffneten sanft seine Hose und er sprang ihr entgegen wie ein hungriger Löwe aus seinem Käfig. Vorsichtig nahm sie ihn in beide Hände, eine hinter der anderen, als würde sie einen Baseballschläger halten. Sie starrte ihn an, voller Bewunderung… “Mein Gott”, schluchzte sie, “mein Gott.” Sie erreichte ihren Höhepunkt, noch bevor er ganz in ihr war (!!!).

    ****

    Schön, nicht wahr?

  3. 3.

    ;-) Ja, sehr schön! In der Literatur sind offensichtlich viele Höhepunkte zu finden … Mal überlegen, ob ich hier nicht noch eine eigene Kategorie für ähnliche “Ergüsse” eröffne. Vielen Dank!

    • 29. November 2005 um 13:29 Uhr
    • Sigrid Neudecker
  4. 4.

    “Oh, Lord”, he cried out, “I’m a-comin’!”

    (Frei übersetzt: “Oh Gott”, schrie er auf, “ich komme!”) Jedes Jahr wird in Großbritannien ein Preis für schlechten Sex in der Literatur verliehen. Super Sache, das könnten die hier eigentlich auch machen! …

  5. 5.

    Liebe Sigrid Neudecker, schauen Sie doch mal bei der Kollegin Borchert vorbei.

    Da hat man sich der “Sache” auf eigene Weise angenommen: Wenn uns sonst keine schlechten Sexszenen liefert, schreiben wir sie halt selbst….!

    • 30. November 2005 um 09:42 Uhr
    • Lorenz Lorenz-Meyer
  6. 6.

    Faszinierend!
    Nun, wahrscheinlich hat sich die Literatur mehr auf den Anti-Porno verlegt. Jedenfalls scheint mir die Beschreibung von Sexszenen häufig mehr als eine Entmythifizierung; und das ist ja auch sinnvoll so, da Sex eben nicht immer gut ist – auch in der Realität nicht.
    Was die schlimmsten Sexszenen in deutscher Literatur angeht, kann ich nur auf den guten Herrn Kastenholz verweisen, den ich hier zwar ausdrücklich nicht empfehlen mag, der es aber immerhin schafft, sexuelles Begehren mit notgeilen Milben zu vergleichen, die das Rückenmark hinaufklettern, um sich im Hirn (eines Menschen wohlbemerkt) mit einem Nest von Milbenweibchen zu paaren. Andere solcher beängstigend kühner Sexvorstellungen kennt Kastenholz ebenso.
    Dazu ist wohl jeder Kommentar überflüssig.

    Frederik Weitz

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