Und ewig lockt der Härtegrad
Das Thema hatten wir schon einmal. Und ich bin mir auch gerade nicht sicher, ob ich Pfizers Versuch, Viagra an noch mehr Männer zu verticken, hiermit nicht auch noch unterstütze.
Aber jetzt gibt es – laut einer Pfizer-Pressemitteilung – sogar einen “internationalen Konsens”, dass Männer, die keine hammerharten Erektionen zustande kriegen, ein Problem haben.
Aber lesen Sie selbst:
Internationaler wissenschaftlicher Konsens: Erektionshärte ist Behandlungsziel
Berlin (ots) – Ein aktueller Konsens unter führenden Sexualmedizinern legt Erektionshärte als Leitfaktor in der Behandlung von Potenzproblemen fest. Am Freitag stellte Pfizer im Rahmen des Europäischen Urologen Kongresses (EAU) in Berlin eine entsprechende, praxisnahe Messmethodik vor.
Das Tool zur Messung der Erektionshärte, der Erection Hardness Score (EHS), basiert auf einer vierstufigen Erektionshärteskala, in der Grad 4 als optimales Behandlungsziel festgelegt ist. Durch seine Gliederung bietet das Tool den Männern mehr Kontrolle und macht den Behandlungserfolg messbar. Der EHS ermöglicht damit die direkte Umsetzung des neuen Konsenses. Diese gemeinsame Stellungnahme führender Sexualmediziner, veröffentlicht im Journal of Sexual Medicine, identifiziert als Schlüssel für befriedigenden Sex die Erektionshärte. Die unkomplizierte Methodik des EHS konzentriert sich auf diese Zielgröße und stellt damit einen Paradigmenwechsel in der weltweiten Behandlung von Potenzproblemen dar.
“… identifiziert als Schlüssel für befriedigenden Sex die Erektionshärte”: So, jetzt bitte ich um Handzeichen. Ist ein 3er-Ständer wirklich der Anfang vom Ende für Männer? Was ist daran so schlimm? Ist dann das sexuelle Erlebnis nicht so toll wie mit einem Vierer?
Ah, Moment, Pfizer will auch dazu etwas sagen:
Harte Erektionen: ein Schlüssel zur erfüllten Sexualität?
Professor Mike Kirby, britischer Allgemeinmediziner und Mitglied der Konsenskommission, erklärt dazu: “Wir wissen, dass für Männer die Erektionshärte ein sehr wichtiger Faktor für guten Sex ist und stark mit einer Steigerung des emotionalen Wohlergehens und des Selbstvertrauens korreliert. Der EHS bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Potenzproblemen, da er Männern eine einfache Einschätzung ihrer Erektionshärte ermöglicht und ihnen und ihren Partnerinnen dadurch hilft, eine optimale sexuelle Befriedigung zu erreichen.”
Durch die einfache Skalendarstellung wird die Kommunikation zwischen Arzt und Anwender beim komplexen Thema Potenzprobleme wesentlich erleichtert. Der Patient lernt, seine Erektionsfähigkeit auf neutrale Weise einzuschätzen, erkennt Möglichkeiten der Verbesserung und kann gemeinsam mit dem Arzt ein realistisches Behandlungsziel formulieren. Er hat erstmals auch eine einfache Handhabe, die Erfolgsschritte der Behandlung selbst nachzuprüfen.
Gut, sie sprechen immer von einer “Behandlung”, sprich, von Männern mit Erektionsproblemen, die Viagra/Sildenafil sozusagen aus medizinischen Gründen nehmen. Aber sehe ich Gespenster oder schwingt hier überall subkutan mit, dass auch “normale” Männer mit ausreichender Erektionsfähigkeit was schlucken sollten?
Wie die internationale Studie GBSS (Global Better Sex Survey) im vergangenen Jahr zeigte, sind nur 29 Prozent der deutschen Männer voll zufrieden mit ihrer Erektionshärte, weniger als der internationale Durchschnitt von 43 Prozent. Viele Männer sind zudem aufgrund ihrer nicht optimalen Erektionshärte mit ihrem Sexualleben unzufrieden, obwohl sie Geschlechtsverkehr ausüben können. Und das spiegelt sich in der Regel auch in der sexuellen Zufriedenheit der Partnerin. Eine aktuelle GfK-Umfrage bestätigt, dass für über 90 Prozent der Frauen für befriedigenden Sex nicht die Länge des Penis, sondern die Qualität der Erektion zählt.
Diese GfK-Umfrage wurde freilich auch im Auftrag von Pfizer durchgeführt. Die Frage nach der Penislänge wurde im vergangenen Jahr so wiedergegeben:
Im Hinblick auf die körperlichen Faktoren gab es bei den Frauen eine eindeutige Aussage: Für befriedigenden Sex zählt nicht die Länge des Penis, sondern die Qualität der Erektion. 90 Prozent der Frauen antworteten, dass für sie die volle Erektion einen höheren Stellenwert habe als die Penislänge des Partners. Wie die Umfrage zeigt, ist eine komplett harte Erektion in erster Linie deshalb wichtig, weil sie nicht nur den Liebesakt erleichtert, sondern zudem das Empfinden für beide intensiviert. Dieser Aussage stimmen 63 Prozent der Frauen und Männer zu.
Boah, 90 Prozent! Schon immens, nicht? Außer, man überlegt, wie die Fragestellung wohl gelautet haben mag: “Was ist Ihnen beim Sex wichtiger? Dass der Penis lang ist oder dass er überhaupt steif wird?” Na, wie hätten Sie geantwortet?
Weiter im Pressetext:
Konkretes Ziel mit einfacher Kontrolle
Somit ist die Erektionshärte ein wichtiger Faktor in der Behandlung von Potenzproblemen. Eine Untersuchung von Prof. Klaus-Peter Jünemann, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, zeigte, dass Männer mit einem Ausgangshärtegrad 3, also einer für den Geschlechtsverkehr ausreichenden, aber nicht vollständig harten Erektion, durch die Einnahme von 100 mg Sildenafil zu 76 Prozent den Härtegrad 4 erreichten. Dieser optimale Erektionshärtegrad kann sowohl für die betroffenen Männer selbst als auch für ihre Partnerinnen eine Steigerung der sexuellen Zufriedenheit bedeuten.
Noch einmal: “… Ausgangshärtegrad 3, also einer für den Geschlechtsverkehr
ausreichenden, aber nicht vollständig harten Erektion …”. Mir wird ja gern Schwarz-Weiß-Malerei vorgeworfen. Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass das eine Geht-Gehtnicht-Situation ist. Wenns geht (= ausreichende Erektion), wieso dann noch ein Pulverchen hinterherwerfen? Weils dann angeblich besser geht?
Oder weil der Satz “Herr Müller, eine Dreier-Erektion ist vollkommen normal. Haben Sie und Ihre Partnerin Spaß am Sex? Fein, dann sehen wir uns in einem Jahr wieder” kein Geld bringt.
Je härter der Ständer, desto besser der Sex. Aha. Dann kann ich ja aufhören, mir Gedanken zu machen, was meine Partnerin schön finden könnte, und mich auf die Einnahme von kleinen blauen Pillen beschränken. Am besten noch ne Batterie in den Hintern und dann rammeln wie der Duracell-Hase…
Nee, nee, nee.
Aber wer Pfizer zum Thema guter Sex fragt kann auch Exxon nach guten Autos befragen. In beiden Fällen darf man sich nicht wundern, wenn die Antwort eben “viel hilft viel” heisst.
Erst ist er zu kurz, dann zu dünn, dann hält er nicht lange genug durch und nun ist er auch nicht hart genug.
Wir Männer sind eine echte Fehlkonstruktion von Gott.
Bald sucht man nicht nur nach dem Kondom, sondern noch nach 6 verschiednen Medikamenten ohne die es nicht geht. Und die dann noch erotisch ins Liebespiel einbinden. Ganz eindeutig das ist guter Sex
beton – es kommt darauf an, was man daraus macht.
[...] Hierzu paßt vielleicht eine Untersuchung vom Erfinder der kleinen bunten Pillen Hart, Härter, Kaputt. [...]
Diese “Geht/Geht-nicht”-Sicht ist genauso blöde und uneinfühlsam wie diese irrsinnige Pfitzer-Studie:
Da ist definitiv ein Unterschied zwischen einer ausgeschlafenen Morgenlatte und einer Erektion am Ende eines langen, stressigen Tages!
Ich unterscheide drei “taugliche” Härtegrade: weich, normal und hart. Nur “normal” ist gut. “Hart” tritt nur sehr selten und meist in besonderen Situationen auf (z.B. bei leichtem Fieber oder bei sehr kurz aufeinanderfolgendem Sex). Das tut auch ein wenig weh und Positionen für die aktive Frau sind dann oft recht schmerzhaft. Das Hauptproblem ist jedoch die enttäuschende Ejakulation in “harten” Fällen: sie bringt keine Erlösung und ist zu kurz, auch wenn die Menge noch stimmt.
Beide Probleme gelten interessanterweise auch genauso für “weich”: für ‘ne Missionarsstellung reicht es noch, aber gerade wenn man selbst eigentlich zu müde ist und unten liegen will, stört es. Der Partnerin scheint es zwar zu reichen, aber wie jeder Mann weiß, sagen Frauen A und meinen B. Nein, Scherz beiseite, auch die 100ste Versicherung beseitigt da psychische Unzufriedenheit nicht, auch wenn man genau um den Grund weiß, wie z.B. ein sehr langer, anstrengender Tag. Ein Mann der zu müde zum Sex ist? Dafür ist doch offiziell kein Platz in unserer Gesellschaft und noch weniger in (m)einem Männerhirn! Das wiederum, auch wenn man das psychologische Problem erkannt hat, kann die Erektion dann trotzdem ganz zerstören. Blöde Psyche!
Fazit: Im gesunden Alter ist der Härtegrad doch nur ein Symptom und keine Ursache. Diese Pillen zielen letzendlich genau auf diese eben erwähnten Unsicherheiten und Wunschvorstellungen. Trotzdem is jede Erektion ein sher individuelles Ereignis!
Da gibt es aber auch noch die , am Ende eines
langen Arbeitstages plötzlich entstehen könnenden Supererektionen
(irgendwo zwischen normal und hart)
mit wunderschönen Nachwirkungen, wofür es aber keinerlei Erklärung gibt,
ausser vielleicht, dass die Überschreitung eines Schwellenwertes
ungeahnte Tiefen eröffnet…
Und das alles ohne ChemoBlasebalg…
Ach medels, wißt ihr was? Wir werden alle schwul und oder treibens via second life, ihr lesbisch & laßt euch künstlich befruchten & ansonsten kümmert sich jeder um seinen Kram…
Kanns nicht besser sagen als Stefan!