Man muss ja nicht immer reden

Ist die Zeit reif für männliche Prostituierte?

Von 20. Januar 2010 um 14:36 Uhr

Man könnte – zumindest für die USA – von einem Durchbruch sprechen. Vor kurzem wurde im Bundesstaat Nevada dem ersten Bordell die Erlaubnis erteilt, auch männliche Prostituierte zu beschäftigen.

Jim Davis, knackige 78 Jahre alt, und seine Frau Bobbi, 55, Betreiber der Shady Lady Ranch (“Voted Best Small Brothel for Seven Consecutive Years”!), konnten just mit dem Argument überzeugen, das Verbot männlicher Prostitution sei diskriminierend und verfassungswidrig. Nun bekamen sie vom Nevada Board of Health grünes Licht.

Ah, ist diese Gleichberechtigungssache nicht grandios?

Heidi Fleiss, berühmt-berüchtige Hollywood-Madam, hatte fünf Jahre zuvor weniger Glück mit ihrem Plan, eine “Stud-Farm” (Zuchthengst-Farm) zu eröffnen. Lag vermutlich an ihrem nicht ganz sauberen Leumund. Sie hat dann eben einen Waschsalon aufgemacht.

Jim und Bobbi hingegen konnten bereits Markus engagieren. Voilà, Amerikas erster legaler Prostituierter (sagt man das so?):

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Markus (Künstlername) ist Ex-Marine, hat auch schon einmal Politikwissenschaften studiert, möchte bitte lieber als Gigolo bezeichnet werden und findet, dass ein guter Gigolo “das Herz eines Heiligen, den Geist eines Philosophen und das Geschick des Teufels” haben müsse. Oh, und kochen müsse er können.

Details kann das wohl erste Interview mit ihm liefern, und die Shady Lady Ranch wird in ihrem Shop hoffentlich bald T-Shirts mit Markus’ grandiosem Spruch “Mein Schließmuskel ist nicht käuflich” anbieten.

Er ist nämlich, was Bildung, Aussehen, Hautfarbe etc. seiner Kundschaft angeht, sehr aufgeschlossen, nicht jedoch, was das Geschlecht betrifft: Women only.

Und das ist genau der Knackpunkt bei allem, was man bislang über männliche Prostitution gehört/gelesen/gesehen hat: Entweder handelte es sich um homo- oder heterosexuelle Männer, die männliche Freier bedienten – oder es funktionierte nicht.

Sicher, ein paar vereinzelte Callboys können sich mit ihren Diensten angeblich über Wasser halten, aber da muss man jeweils ihren eigenen Aussagen glauben.

Wenn man einmal welche zum Interview trifft, ist der häufigste Satz, den man von ihnen hört, dass sie verwundert sind, wieso ihr Telefon just in den vergangenen zwei Stunden kein einziges Mal geläutet hat …

Jeder Callboy/Gigolo schwärmt von seiner Stammkundschaft, doch auch die Sexkolumnistinnen EmandLo fragen sich, ob die Shady Lady Ranch nun den erhofften Geschäftsaufschwung verzeichnen können wird.

Oder nur erhöhtes Verkehrsaufkommen im ursprünglichen Sinne dank der Riesen-PR.

Engagieren Frauen tatsächlich männliche Prostituierte? Die üblichen Pro-Argumente umfassen “Der ruft nachher nicht mehr an” oder “Ich will einen Profi”. Nur, wieso gibt es dann nicht mehr Callboys? Am Geld kann’s heute ja wohl nicht mehr liegen.

Ist es wirklich nur eine Frage der Zeit und des Sich-an-den-Gedanken-Gewöhnens? Auch das tun wir jetzt schon lange genug. Ist den Gigolos der Trend “Casual Sex” dazwischengekommen? Also der unkomplizierte, wiederholte Sex mit Bekannten/Freunden, der nicht unbedingt eine Beziehung oder das übliche Trara mit Kino, Abendessen und gemeinsamem Frühstück voraussetzt?

Herzlichen Glückwunsch an Jim, Bobbi und Markus, aber Sie sehen mich skeptisch. Shady-Lady-Aktien würde ich jedenfalls nicht kaufen.

Kategorien: Über Frauen
Leser-Kommentare
  1. 9.

    Dafür gibt’s doch heute so kleine blaue (?) Pillen, oder?

  2. 10.

    Für mich ist und bleibt Prostitution menschenverachtend, auch wenn es sie nur deshalb gibt, weil 1. Menschen sich Sex kaufen und 2. Menschen Sex verkaufen und 3. das täglich in Deutschland ungefähr 1 Million mal geschieht, also Angebot und Nachfrage existieren. Auf diese Form der “Gleichberechtigung” kann ich gut verzichten, denn gleich berechtigt zu sein in Formen sexueller Ausbeutung ist kein Ziel, was mich als Frau und als Mensch persönlich zufriedener macht. Entweder wollen wir als Individuen Sex vom Geld trennen oder eben nicht – das muss jede(r) mit sich selbst ausmachen…

  3. 11.

    90-60-90…und zwar jedes Bein. Sprich, wieso geht hier offenbar jeder von jungen Models aus? Vielleicht haben es manche Frauen nicht so leicht, mal eben entsprechende Bedürfnisse (und sage mir keine, sie hätten keine!) befriedigen zu können.

    • 20. Januar 2010 um 23:41 Uhr
    • pct
  4. 12.

    In meinem Kopf schwirren gerade mehrere Gedankengänge zu diesem Themenkomplex herum.

    Zum Einen sei gesagt, dass ich auf anonymen Sex stehe und mir diesen für gemeinhin in einem gut geführten Swingerclub hole. (Wobei man auch wieder darüber diskutieren kann, warum dort der Eintritt für den Herren ungefähr 10mal höher ist als für die Dame).

    Ich für mich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich für Sex bezahlen würde, wenn ich dafür eine beondere Leistung sicher bekäme. Oder der zum Beispiel besondere Körpermerkmale aufweist.

    Des weiteren denke ich, dass im Zuge der Angleichung von Mann und Frau, die Frauen in gewissen Karriereabschnitten auch die schlechten Eigenschaften ihrer männlichen Kollegen übernehmen und dazu gehört nunmal der Besuch in einem Bordell.

  5. 13.

    Endlich darf ich auch das Wort “bitches” in der ZEIT-Community lesen……

    • 21. Januar 2010 um 08:59 Uhr
    • Dimebag
  6. 14.

    Werter ztc77,

    ich finde Ihre erotischen Ergüsse sehr interessant. Aber da sich von vier teils sehr ausführlichen Absätzen, die phasenweise ein wenig ins Pornografische tendieren, gerade mal ein halber Satz mit dem eigentlichen Thema beschäftigt, habe ich mich dazu durchgerungen, ihn der übrigen Leserschaft vorzuenthalten.

    Mit der Bitte um Ihr Verständnis.

    • 21. Januar 2010 um 11:11 Uhr
    • Sigrid Neudecker
  7. 15.

    Ich glaube auch, das aus diesem Geschäftskonzept nichts wird…
    der überwiegende Teil der Frauen um ein vielfaches wählerischer als die meisten Männer. Selbst wenn wirklich Not am Mann ist: an jeder Ecke gibt es eine Bar, in der Frau den richtigen für 2 Stunden findet. Und den kann sie sich aussuchen (im Gegensatz zur Auswahl von 10 Prostituteuren, wie öde) Hingegen sind Sexpartnerwahlkriterien von Männern sind meinem ehemaligen Musiklehrer zufolge niedriger, der, ich zitiere wörtlich, sagte: “Männer brauchen dafür nicht viel. Da kann ne Frau von ner Leprastation kommen.” Ob das stimmt? Zumindest sind auch die wenigsten Prostituierten Schönheitsköniginnen.

    Ich persönlich finde, dass das gemeinsame Einverständnis die Sexualität ausmacht ( neben vielen weiteren anderen Faktoren, versteht sich) – sprich das gegenseitige “ich schlafe mit dir, weil ich es möchte”. Einfach ein Paar Scheine rüberzuschieben wäre eine Dienstleistung. Sex ist aber keine Dienstleistung, sondern unendlich viel mehr. Vermutlich sehen das viele Frauen eher so.

    Davon abgesehen stößt mich alleine schon diese hohle Zuchtbullenmine des guten Markus derart ab, dass ich weder auf freier Wildbahn, geschweige denn “geschäftlich” mit ihm Kontakt haben wollte. Würg.

    • 21. Januar 2010 um 11:58 Uhr
    • Melanie
  8. 16.

    Das ist kein Geschaeft, weil Frauen Sex im Grunde egal ist. Aber das wussten wir ja schon.

    Trotzdem, nett geschrieben, Sigrid

    • 22. Januar 2010 um 00:13 Uhr
    • eckhard
  9. Kommentare sind geschlossen.