Banalverkehr

Frank drüben bei argh! ist ein Genie. Schon allein wegen Beobachtungen wie diesen hier:

banalverkehr, der:
umgangssprachliche bezeichnung für eher unspektakulär-gelangweilten vollzug des geschlechtsakts, meist in sog. romantischen zweierbeziehungen oder eheähnlichen partnerschaften nach ablauf der sog. -> stoßzeit (die ersten vier wochen des gemeinschaftlichen daseins) vorzufinden.
der banalverkehr war bis ende 2007 unter dem begriff blümchensex bekannt und ähnelt in seiner ausprägung dem sog. -> moralverkehr, der aber wiederum ausschließlich mit latent christlichem subtext im dunkeln und unter der bettdecke vollzogen wird.
der banalverkehr ist nicht zu verwechseln mit dem sog. -> berufsverkehr.

Nur der Einschränkung auf die „ersten vier wochen des gemeinschaftlichen daseins“ muss klar und deutlich widersprochen werden.

 

Augenfutter

Die Illustrationen von Christoph Niemann sind wohl das perfekte Pendant zum Wortspiel. Und keine Angst, der Mann ist renommierter Grafiker, der auch schon Cover für den „New Yorker“ gezeichnet hat. Ich habe nur zwei Blogtaugliche ausgesucht. Gute Unterhaltung!

 

Intern: Spamfilter

Bitte um ein wenig Geduld bei den Kommentaren. Unser Spamfilter läuft bei diesen Themen verständlicherweise zur Hochform auf. Wird aber alles freigeschalten, keine Angst.

Alles, was nicht Spam ist, that is.

 

Ein Puff für Frauen?

Heidi Fleiss, berühmt-berüchtigte Ex-Betreiberin eines amerikanischen Callgirl-Ringes, der einige Hollywood-Showgrößen schwer ins Schwitzen gebracht hat (vermutlich nicht erst, als er ausgehoben wurde, höhö), will also ein Bordell für Frauen eröffnen, schreibt die „Los Angeles Times“ und lese ich bei Regina Lynn.

Frauen seien heutzutage schließlich unabhängiger, würden mehr Geld verdienen und außerdem „ist es ja so schwierig, neue Leute kennenzulernen“, sagt Fleiss. Und dass schon ganz viele Frauen versprochen hätten, in Nevada, wo das Haus bald eröffnet werden soll, vorbeizuschauen. Für 250 US-Dollar pro Stunde.

Das ist wohl der Vorteil des Alters, wenn man angesichts solcher Nachrichten nur milde lächelt und die Kinderleins um sich schart, um ihnen eine kleine Geschichte aus der Vergangenheit zu erzählen.

Es muss wohl so Anfang 2002 gewesen sein, da eröffnete – ausgerechnet! – in der Schweiz das letzte Frauenbordell, von dem ich gehört habe. Irgendwas mit „Angel“ im Namen, aber sparen Sie sich das Googlen. Ich war dort, und es wäre um ein Haar schon wieder geschlossen gewesen, als ich noch im Zug zurück nach Hamburg saß.

Der Betreiber vulgo „Puffvater“ nannte sich Calvin (wie in „Klein“), hieß aber in Wirklichkeit Clemens oder Claus oder ähnlich unspektakulär. Das Haus war ein vermutlich zweistöckiges Einfamilienhaus (es war dunkel, und ich kann verdammt gut verdrängen) in einem kleinen Nest in der Nähe der Grenze zu Deutschland. Als ich dort war, herrschte tote Hose – um mal einen Begriff zu verwenden, der noch nicht total abgegriffen ist.

Calvin ging mir bis zur Nasenwurzel, und woran ich mich noch erinnern kann, war, dass er wohl etwas zu oft im Fitnessstudio war. Ich quälte mich (und vermutlich auch ihn) eine Stunde lang damit, halbwegs angeregt über Frauen, Erotik und Sex sprechen zu wollen. Wenn man jemals jemandem ansehen konnte, dass er schlecht im Bett ist, dann Calvin.

Am Schluss bot er mir halb im Spaß an, mir eine Runde „auf Haus“ zu gönnen. (Lehnen Sie DAS einmal höflich ab!) Und als sich meine Begeisterung in Grenzen hielt, meinte er: „Ich kann dir auch einen Ernährungsplan erstellen.“

Der Mann wusste eindeutig, wie man eine Frau rumkriegt.

Knapp drei Wochen nach meiner Flucht las ich in der Zeitung, dass Calvin im Knast sitzt. Er hatte ein deutsches Pensionistenpärchen ausgeraubt, weil er die Reparatur für seinen Opel nicht mehr zahlen konnte.

Die Moral von der Geschicht? Bordelle für Frauen funktionieren einfach nicht, wenigstens nicht in unseren Breitengraden. Frauen wollen nicht einfach nur gevögelt werden, das bekommen sie in jeder Dorfdisco. Und schon gar nicht von jemandem, den sie vorher dafür bezahlen, dass er das tut. Frauen wollen – gähnen Sie nicht, da hinten! – begehrt werden. Sie wollen sich wenigstens vorübergehend in der Illusion verkriechen, dass der Typ gerade jetzt scharf auf gerade SIE ist. Und wenn’s nur für die eine Nacht ist. Oder den einen Quickie.

Ein Bordell für Frauen ist wie sich selbst kitzeln. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.) Sollte eine Frau tatsächlich irgendwann so gamsig sein, dann greift sie zum Vibrator, nicht zum Callboy. Denn wie gut der auch immer sein mag, er kann ihr nie was vortäuschen.

Darin sind wir nämlich ungeschlagen.

 

Über Mumus und Pipis

Die New York Times bringt ein sehr kluges (und lustiges) Stück über Sexualerziehung für die ganz Kleinen:

THIS September 3-year-old Halley Vollmar of Bellmore, N.Y., was having her annual checkup when her pediatrician paused. „I’m going to check your peepee now,“ he warned, and tugged down her underwear. But Halley protested. „Mommy, why he call my vagina a peepee?“ she scolded, telling the startled physician he was a „silly doctor“ before allowing him to proceed.

(Grob übersetzt: Die 3-jährige Halley mit ihrer Mutter beim Arzt. Als er sie vorwarnt „Ich werde jetzt deine Mumu untersuchen“, wendet sie sich entrüstet zu ihrer Mutter und sagt: „Mami, wieso nennt er meine Vagina eine Mumu?“ Dann gönnt sie dem Arzt noch ein „dummer Doktor“ und lässt ihn gewähren.)

 

Soso. Ein Vaginalgel gegen HIV. Na super.

Wissen Sie, manch Anlass zum Kopfschütteln kommt auf leisen Sohlen daher. Beispielsweise diese Meldung: Die University of Tulane (New Orleans) hat drei antivirale Wirkstoffe entdeckt, die, im Tierversuch als Vaginalgel verabreicht, gegen eine HIV-Infektion schützen können.

1. Reaktion:
Hey, toll! Gut gemacht, Jungs! Man kann ja nie genug gegen eine weitere Verbreitung von HIV tun!

2. Reaktion (3 Minuten später)
Warum müssen sich Frauen mit einem Gel schützen, wo es doch eigentlich Kondome gibt? Die werden mittlerweile ja schon recht weit verbreitet angeboten, sind einfach in der Anwendung und schützen wohl auf jeden Fall besser gegen eine Ansteckung, als dieses Gel (es haben sich immerhin nur drei von insgesamt 20 (!) Affen den Virus eingefangen – tolles Ergebnis!).

Ach ja, richtig, weil es Männer gibt, die einfach keine Gummis verwenden möchten. Oder die – ein ewiger Klassiker – „allergisch“ dagegen sind. Und bevor man sich bei so einem ansteckt, tut man sich lieber einfach das Gel rein. Na dann.

Nix na dann. Wenn ein Mann sich weigert, ein Kondom zu benützen, gibt es keinen Grund, diese Weigerung auch noch zu belohnen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Ansteckungsgefahr bei heterosexuellem Verkehr für eine Frau immer noch größer ist als für einen Mann.

Das Gel solle vor allem afrikanischen Frauen dabei helfen, sich gegen eine Infektion zu schützen, schreibt eine Nachrichtenagentur. Schließlich verbreite sich das Virus dort nach wie vor beängstigend schnell, vor allem unter Frauen. Vielleicht ein etwas gerechtfertigterer Einsatzgrund, aber – man verzeihe mir meine naive Blauäugigkeit – doch eigentlich auch das falsche Ende, von dem man das Pferd aufzäumt. Man stelle sich den Aufwand vor, mit dem dieses Gel und seine richtige Anwendung unter die Frauen gebracht werden muss. Man stelle sich vor, wie bei Paaren, die bislang nicht dazu bewegt werden konnten, Kondome zu benützen, vor dem Sex die Frau zu ihrem Mann sagt: „Du, entschuldige, Schatz, ich muss mal eben das Gel anwenden. Warte doch bitte noch fünf Minuten!“

In Gesellschaften, die teilweise noch immer glauben, dass Sex mit einer Jungfrau von einer HIV-Ansteckung heilt? Ich weiß nicht.

Ich verstehe, wenn man Affen mit einem Gel vor einer Infektion schützen will. Aber Menschen kann man beibringen, wie man einen Gummi überzieht. Vermutlich mit einem Bruchteil des Aufwandes.

Ach ja: Merck & Co. und Bristol-Myers Squibb wollen diese antiviralen Wirkstoffe für eine flächendeckende Nutzung weiterentwickeln. Wir sprechen uns einfach in fünf Jahren noch einmal.