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Manchester City-HSV 2:1

 

20.30 Moin, moin. Herzlich Willkommen zum Uefa-Pokal-Live-Blog von ZEIT ONLINE aus Hamburg. Drücken wir den beiden Nordklubs die Daumen, denn ein wunderbares Halbfinale würde auf den deutschen Fußballfreund warten: HSV gegen Werder.

Ich konzentriere mich zunächst auf den HSV, will aber ein Auge auf Werder haben. Und vielleicht entscheide ich mich noch um – je nach Spielstand. Den aktuellsten Beitrag finden Sie unten. Und ganz unten kurze Vorberichte. Natürlich freue ich mich auf Ihre sachdienlichen Hinweise in den Kommentaren.

Der HSV spielt mit zwei 6ern: Jarolim und Aogo. Petric ist auf der Bank. Für Werder macht Diego mit. Die haben ja daraus ein Geheimnis gemacht wie Bayern München. Offenbar ihr Vorbild, auch in Sachen Aufmerksamkeit des Boulevards, wie Klaus Allofs heute in der Berliner Zeitung zugibt: „Wir haben vor sechs Jahren mit einem Unternehmensberater definiert, was wir überhaupt wollen. Das Wichtigste war, dass man nicht im Mittelmaß versinkt, sondern sich als Marke Werder positioniert. Dazu gehört, dass man vorkommt. Wir wollten schon in die Klatschspalten.“ Auf dem Weg zum SV Werder Hollywood?

dogfood bloggt auch. Wer noch?

2′ Die Holzklotzigkeit der City-Abwehr hat schon im Hinspiel amüsiert. Dunne hackt am Ball vorbei und streift das Püppchen Pitroipa an seinen dünnen Hüftknochen. Das war schon fast Elfmeter.

8′ Ganz seltsame Aktion eben: Viele Spieler um den Hamburger Strafraum und den Ball, und keiner bekommt ihn unter Kontrolle, nicht mal Keeper Rost, der ihn einem Gegner in den Rücken abschlägt. Eine halbe Minute lang springt der Ball hin und her, als wäre er ein Rugby-Ei, und die Spieler rutschten wie auf Schmierseife. Diese Szene könnte man schön mit der Musik der „Klamottenkiste“ unterlegen.

12′ Tor für den HSV 0:1 Paolo Guerrero Irgendwas scheint mit dem Rasen oder dem Schuhwerk der Spieler nicht zu stimmen. Pitroipas Flachpass in die Mitte kriegt Olic nicht in Besitz, den trudelnden Ball grätscht Guerrero ins Tor.

16′ Tor für Manchester City Elano 1:1 (Handspenalty) Herr Schiedsrichter, das war eine Fehlentscheidung! Trochowski wird am angelegten Oberarm angeschossen, dreht sich dabei noch weg. Elano mit viel Schmackes ins Tor. Reporter Wolff-Christoph Fuss: „Dieser Elfmeter war unseriös.“

20′ Sehr lebhaftes Spiel vor sehr lauter Kulisse,. Wie im Hinspiel, nur nicht so einseitig für das Heimteam. Auch die HSV-Fans hört man gut: „Wir sind alles Hamburger Jungs.“

Werder liegt 0:1 durch Inler hinten.

30′ Mit langen Flugbällen sollte es der HSV immer mal wieder versuchen, auch wenn es nicht der hohen Ästhetikschule entspricht. Die Schwächen der City-Abwehr, sich darauf vorzubereiten, waren schon vor einer Woche sichtbar. Gerade auf der rechten Seite, wo Richards soeben etwa zehn Meter rückwärts läuft und die Gefahr gerade noch bannen kann.

Udinese gegen Bremen inzwischen 2:1 durch Quagliarella. Diego hatte zuvor ausgeglichen.

Uiuiuiui! Quagliarella zum 3:1 für Udinese, damit ist das Hinspielergebnis egalisiert.

43′ Man City ist dem 2:1 zum zweiten Mal sehr nahe gekommen. Zwei Mal Elano, erst kann Rost einen Schuss aus kurzer Distanz halten, dann jagt Elano einen direkten Freistoß aus 30 Metern an die Latte.

Halbzeit 1:1 Tempo und Intensität sind im Spiel, kaum Unterbrechungen, von den vielen Abseitsentscheidungen gegen City abgesehen. Zweite (Europa-)Liga im besten Sinne. Der HSV hat sich zunächst durch die üble Fehlentscheidung, die zum Ausgleich geführt hat, nicht aus dem Konzept bringen lassen. In den letzten 15 Minuten jedoch war City aktiver. Entweder sind die Außenmikrofone extrem laut gestellt (soll in England ja vorkommen), oder die Stimmung ist wirklich so gut. Musste eben den Fernseher leise stellen. HSV-Fans wie immer sangesfreudig, vorhin war der Capo und Fast-Aufsichtsrat Jojo Liebnau im Bild. Mit Megaphon. Und mit dem Rücken zum Spiel.

Kurz zu Werder: Diego nutzt den Bock des Kolumbianers Zapata zu einem Traumtor: dreht sich auf dem Ball (Fachbegriff „Schwalbe“) und ihn in den Giebel. Aber der Vorsprung ist verspielt. In Italien regnets.

46′ Alle, Didi Beiersdorfer, Wolff-Christoph Fuss und die Twitter-Gemeinde, fordern seit 15 Minuten Gelb/Rot für Dunne. Doch er darf weitermachen.

50′ Tor für Man City 2:1 Caicedo Wieder wird der HSV durch eine Fehlentscheidung benachteiligt. Beim Pass, der dem Tor mittelbar vorausging, stand ein Stürmer im Abseits, der Jansen zu einer Abwehraktion zwingt, die zum Ballverlust führt. Aber schon wieder rutschen Spieler aus, diesmal Gravgaard. Caicedo nutzt es prima.

54′ Junge, der Elano kann vielleicht undurchschaubare Freistöße schießen. Diesmal geht er an den Pfosten. In der Folgeszene muss Rost eine Flanke von der Linie kratzen, und der Nachschuss steigt über die Latte. Das Spiel kommt nicht zur Ruhe.

59′ Das geht wohl nicht mehr lange gut. HSV-Abwehr lässt sich von einem Lupfer aushebeln, und Robinho, der einläuft, schießt im Fallen, bedrängt vom Außenverteidiger (!) Boateng Rost an. Kurz später Abseitstor von Caicedo.

Wieder Diego! Nur noch 2:3, das heißt Udinese braucht zwei Tore. Deutsche Klubs wackeln, und alle fiebern mit. #Europapokal-Feeling

73′ Dem HSV gelingt es jetzt ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen, besser, Ruhe ins Spiel zu bringen. Zwischen der 50. und der 65. Minute musste man auf das Gegentor fast warten. Robinho, der City-Star, mit zwei Aktionen: einer ekligen Schwalbe und einem Tritt in Frank Rosts Blume. Petric kommt für Trochowski.

76′ Gelb/Rot für Dunne: nach einem Nichts an Foul, aber dennoch gerecht. #wurdaberauchzeit

84′ Olic scheitert nach gutem Pass von Jansen am großen Shay Given, der per Fußreflex abwehrt. HSV jetzt stärker, aber souverän ist das nicht. Richards kommt zu einer Chance, nachdem Jansen die Kraft für einen Befreiungsschlag ausgeht.

Endstand 2:1 Der HSV hat es geschafft – und Werder auch. Das heißt, es wird in den nächsten drei Wochen vier Mal zum Nordd-Derby kommen: DFB-Pokal, Uefa-Pokal (2x) und Bundesliga.

Der HSV hatte in Manchester bange Minuten zu überstehen, zwischenzeitlich war seine Widerstandskraft erloschen. Ein Mal Pfosten, ein Mal Latte, einige gute und einige halbgute Torchancen für Man City – das war knapp. Andererseits gingen beiden Gegentoren Fehlentscheidungen des Schiedsrichters voraus: ein Nieundnimmer-Elfmeter und ein übersehenes Abseits. Der HSV hat in dieser Saisonphase große Probleme, über 90 Minuten zu „gehen“. Rechnet man das Hinspiel ein, ist der HSV der verdiente knappe Sieger. Jedenfalls waren es zwei sehr aufregende, intensive Spiele. Komisch, dass die Spieler heute ständig ausrutschten. Da muss der Zeugwart aber was in die Mannschaftskasse tun.

Martin Jol nach dem Spiel: „Wir wussten, dass sich die Schiedsrichter hier beeinflussen lassen.“ Spricht den Elfmeter und das Abseitstor an. Premiere-Reporter: „War kein Abseits.“ Das wäre auch zu viel verlangt, dass ein deutscher Sportreporter die Abseitsregel verstehen würde.

Werder lag schon 1:3 zur Pause hinten und hätte beinahe das 1:4 hinnehmen müssen. Ganz schlimmes Stellungsspiel der Werder-Viererkette übrigens beim 1:2. Inklusive Tim Wiese. Doch dann machten  Diego und Pizarro den Italienern den Garaus. Diego hatte zuvor sogar einen Elfmeter verschossen. Thomas Schaaf nach dem Spiel: „Die erste Halbzeit war gar nichts.“ „Es war kein Bluff mit Diego.“

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Vorbericht

Wie hat der HSV die Last-Minute-Niederlage in Stuttgart verkraftet? Heute im Rückspiel gegen Manchester Ciy sind jedenfalls Defensiv- und Steherqualitäten gefragt. Die Engländer sind heimstark. 3:1 ist zwar eine gute Ausgangsposition für den HSV, aber die lange Saison in drei Wettbewerben zehrt an den Kräften. Vor einer Woche in Hamburg war Piotr Trochowski bester Spieler, er ist inzwischem zu einem Stammspieler gereift, der auch Verantwortung übernimmt. Auch Michael Gravgaard, der dänische Abwehrspieler, wird immer wichtiger – nachdem er sein erstes Spiel in Karlsruhe mit drei Fehlern in den Sand gesetzt hat. Martin Jol hat alle Puzzle-Teile gut zusammengelegt.

Mit dem gleichen Ergebnis tritt Werder Bremen in Udinese an. Die Bremer haben den Vorteil (wenns einer ist), dass sie in der Bundesliga auf die Bremse treten können, denn mehr als Mittelfeld ist nicht mehr drin. Umso mehr sind sie heute unter Zugzwang. Udinese giit als Klub, der aus wenig viel macht, und gute Stürmer hat. Und schon immer hatte. Fast immer. Oliver Bierhoff schoss hier dies meisten seiner über 100 Serie-A-Tore. Carsten Jancker jedoch verdiente sich das Etikett „Nulltorestürmer“. Handicap für Werder, dass Diego wohl verletzt ausfällt. Im Hinspiel schoss er zwei Tore.