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HSV revanchiert sich an und in Bremen

 

0:29 Moin. Hier, in den Straßen von Pauli, lassen sie gerade schon wieder Tim Wiese hochleben (sofern sie noch singen können, stehen können muss man dazu ja nicht). Moin dogfood, ich schreib bei Dir mal die Aufstellungen ab.

Werder

Wiese – Fritz, Mertesacker, Naldo, Bönisch – Tziolis, Frings, Diego, Özil – Pizarro, Almeida

HSV

Rost – Demel, Gravgaard, Mathijsen, Aogo – Jarolim, Silva, Trochowski, Pitroipa  – Guerrero, Olic

20:42 Gerade vorhin auf dem Fußweg nach Hause über darüber aufgeregt, dass Waldemar Hartmann Fernsehwerbung macht (Bier). Ohne Anlass, einfach so. Aber nicht ohne Grund, nicht ohne Gründe, zwei, um genau zu sein: Erstens macht ein Journalist keine Werbung. Zweites nicht mit jemandem (Hoeneß), über den er berichtet. Und drittens schon gar nicht, wenn er von der ARD bezahlt wird. Das muss ein Ende haben! Auch wenn es müßig scheint und man es schon hundert Mal gesagt hat – das darf man nicht hinnehmen.

Ich schaue übrigens Sat.1, Moderator ist Erich Laaser. Laaser ist Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. Was sagt er eigentlich zu dem Thema Journalisten und Werbung?

2′ Geht ja gut los: Olic taucht vor Wiese auf, weil Pitroipa ihn per Hacke freigespielt hat. Aber Wiese hält. Im Gegenzug (die Ecke hat die Weltregie nicht gezeigt, stattdessen Zeitlupen), muss Rost bei einem Diego-Schuss nachfassen.

12′ Der HSV geht mutig ran, ist die aktivere Mannschaft. Bislang nichts von Verunsicherung zu spüren. Sieht ganz anders aus als vor einer Woche im Pokalhalbfinale.

17′ Gravgaard, das anatomische Wunder, hat nur ein Gelenk, irgendwo um die Hüftgegend. Hat sich auch das Copyright auf den Titel “Mein Feind, der Ball” für seine Autobiographie gesichert. Aber er steht meist richtig. Außer bei langen, hohen Bällen. Remember Dortmund: Sahin auf Kehl – 1:0.

22′ HSV bekommt mehrere Schuss-Chancen während eines Angriffs. Den von Guerrero wehrt Wiese spektakulär zur Ecke. Wieder Wiese! Immerhin, liebe Hamburger, Elfmeterschießen bleibt Euch heute erspart.

28′ Tor für Hamburg 0:1 Trochowski Gute, wenn auch gemächliche Kombination des HSV. Die Flanke Demels vom rechten Flügel zielt auf den langen Pfosten, wo Trochwoski sich im Rücken von Fritz gelöst hat. Kopfball gegen die Laufrichtung des Torwarts. Viele Kopfballtore wird der kleine Trochowski nicht mehr machen und gemacht haben. Aber wie fahrlässig die Bremer linke Seite (Özil und Bönisch) beim Gegentor verteidigt hat! Unterzahl auf dem Flügel bei einem eher langsamen HSV-Angriff.

34′ Dass Bönisch Bundesliga spielt, finde ich erstaunlich. Null Ballgefühl.

Halbzeit 0:1 HSV legt im Vergleich zu voriger Woche klar zu und die gefährlicheren Szenen, daher ist das Ergebnis gerecht. Bremen fast ohne Torchance, Diego hat nur weit entfernt vom Tor gute Szenen, Özil hingegen ist sehr beweglich, doch die Spitzen sind isoliert. Beim HSV hat Guerrero offensichtlich nicht verwunden, dass Olic ihn bei der ersten Aktion des Spiels übersehen hat. Seitdem spielt er den Ball zu spät oder gar nicht ab. Insgesamt auf jeden Fall ein anderes Seherlebnis, zwei Bundesligisten zuzuschauen als (gestern) zwei Premier-League-Klubs.

48′ Die Hamburger beginnen die zweite Halbzeit mit einer ihrer kurzen Ecken, die sie immer wieder einstreuen. Aogo schießt ans Außennetz, ans Außennetz. Die Hamburger Spieler, wohlgemerkt. Die Hamburger Fans beginnen die zweite Halbzeit mit einer Rauchbombe.

51′ Rost mit einer geradezu hilflosen Flankenabwehr. Den abtropfenden und tickenden Ball kann Almeida mit dem Kopf nicht mehr genug beschleunigen, Rost kann fangen.

55′ Bremen im Glück! Naldo fällt im Zweikampf mit Olic im eigenen Strafraum und bekommt den Freistoß. Wäre ein sicheres Tor geworden. Ich hab da nichts gesehen, im Gegensatz zu Laaser.

Dafür hat der HSV in der ersten Halbzeit von einer falschen Abseitsentscheidung profitiert. Wäre auch ein sicheres Tor geworden.

60′ Jetzt hat sich Bönisch gerade mit dem Ausgleich per Fernschuss versucht. Da hätt ich mich aber entschuldigen müssen. Man sieht übrigens aber nicht, ob er Links- oder Rechtsfuß ist.

64′ Der HSV hat schon einige ordentliche Fouls gesammelt. Jetzt sieht Guerrero Gelb und wird im Rückspiel gesperrt fehlen. Hab ich schon mal gesagt, dass ich Gelbsperren schlecht finde? In der Liga lasse ich es mir noch gefallen, aber in K.o.-Systemen ist es überflüssig. Man stelle sich vor, man verpasst ein WM-Finale wegen einer Gelbsperre. #Überregulierung

65′ Wieder siegt Wiese gegen Olic, der alleine schräg auf ihn zuläuft. Olic versuchts mit einem Heber. Kurz später macht Pitroipa fast das 0:2.

71′ Größte Chance für Werder im ganzen Spiel. Der eingewechselte Rosenberg kommt im 16er frei zum Schuss. Doch statt zu schieben , schickt er den Ball knapp drüber. Keeper Rost zeigt seinen Mitspielern Zähne.

78′ Es wird langsam brenzliger für den HSV. Nur noch Werder greift an und kommt zu Schüssen um die Strafraumgrenze und Ecken. Eben zwei Aktionen im Hamburger 16er, die Schiedsrichter außerhalb schon mal ahnden.

90′ 4 Minuten Nachspielzeit. HSV hängt in den Seilen, Werder drängt und packt die Brechstange aus.

Endstand 0:1 Der HSV überrascht mit einer klaren Steigerung gegenüber der Vorwoche. Mit einem Sieg in Bremen haben die Experten nicht gerechnet. Die erste Halbzeit ging an die Gäste, Mitte der zweiten Halbzeit war der HSV zwei drei Mal dem 0:2 nahe. In der Schlussphase musste er wieder mal in den roten Bereich. Da hat nicht viel zum Ausgleich gefehlt, auch ging er am Rande eines Elfmeters spazieren. Aber davon bekam der HSV in jüngster Zeit ja genug.

Bremen verteidigte nachlässig, besonders beim Tor. “Begleitschutz” nennt das Thomas Schaaf. Offenbar hatte sich der Schlendrian wieder in die Mannschaft geschlichen. Der Sturmlauf kam zu spät und war zu ungenau. Zur Not rettete Frank Rost.

Der HSV mag nächsten Donnerstag Favorit sein, aber allenfalls leicht. Zumal Martin Jol auf Guerrero verzichten müssen wird, der gelbgesperrt ist. Weil Petric wohl noch verletzt ist, bleibt nur noch Olic als einzige Spitze. Aber vielleicht zaubert er ja noch eine aus seinem holländischen Hut.

Gute Nacht, einen schönen 1. Mai, nachher gibts noch die schönsten Bilder, und nächsten Donnerstag werde ich im Stadion sein.

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Vorbericht

Nordderby Teil 2/4: Werder Bremen gegen den Hamburger SV, Uefa-Cup-Hinspiel. Die Hamburger haben in diesen entscheidenden Saisonwochen doppeltes zu fürchten: Erstens könnten sie am Ende trotz dreier Chancen wie immer in den vergangenen rund zwanzig Jahren ohne Titel dastehen, zweitens die Bremer die Hauptverantwortung dafür tragen. Ausgerechnet die Bremer also, die ja „alle stinken, weil sie aus der Weser trinken“, wie der Hamburger Fußballvolksmund behauptet. Vor einer Woche versperrte Werder dem HSV den Weg ins Pokalfinale. Dass es der Solar-Tim im Werder-Tor war, der im Volkspark seine drei Paraden im Elfmeterschießen wie vor wilden Pferden flüchtend feiern durfte, schmerzt die Hamburger sehr. David Jarolim, der die Rote Karte sah, aber dennoch heute spielen und fallen darf, gibt zu: „Wenn ich daran denke, tut es immer noch weh. So etwas erlebt keiner gerne.“ Mit Wut aber auch der Last von zwei Niederlagen reist das HSV-Ensemble um Trainer Martin Jol, Sportchef Dietmar Beiersdorfer, Kapitän Jarolim und Fan-Vorsänger Jojo Liebnau rund 120 Kilometer westlich. Um Revanche zu nehmen.

Hinter der Bremer Mittelmäßigkeit in der Bundesliga könnte man fast eine List vermuten: Lange ließen sie einen glauben, ihre Saison wäre verpfuscht, selbst Trainer Thomas Schaaf stand (zumindest außerhalb des Klubs) in Frage. Lange glaubte man in Hamburg, die Bremer endlich mal wieder sportlich überholt zu haben. Kommt jetzt der große Pustekuchen? In der Bundesliga jedenfalls schlampen die Bremer, wie zuletzt gegen Bochum, und schonen ihre Kräfte. Der HSV hingegen, für den in der Liga zwischen Meisterschaft und Platz 7 noch alles drin ist, fährt auf Reserve. Doch unken gilt nicht im Fußball, um 20.45 Uhr geht es bei Null wieder los. Und hier wird live gebloggt.

16 Kommentare

  1.   Kiwein

    Tipp: 2:1 für Bremen. Eine Kiste Bier, wenn Hamburg gewinnt.

  2.   Kiwein

    Laaser startet schon mal finalwürdig mit einer Anspielung auf Loriot und dem schönen Satz: “Das Leben und der Fußball finden nicht im Konjunktiv statt”. Hübsch.

  3.   Oliver Fritsch

    Ist das von Loriot?

  4.   Kiwein

    Der Satz nicht, aber als er vorher versuchte, zu erklären, wo der Schiedsrichter herkommt. Fühlte mich an Evelyn Hamanns Versuche, die englische TV-Serie in xx Teilen anzukündigen, erinnert. “Nether Addlethorpe” und “North Cothelstone Hall” war es, glaube ich.

  5.   Oliver Fritsch

    Ah ja, stimmt! “Middle Fritham” wars, glaub ich.

  6.   erz

    Abgesehen vom munteren Spiel – hab ich mich verhört oder hat Laaser gerade “hüben wie drüben” gesagt? Ich dachte, dass darf nur Heribert Fassbender?

  7.   Oliver Fritsch

    “Hüben wie drüben” schreibt, glauch ich, auch die Frankfurter Rundschau.

  8.   Kiwein

    Noch könnte es mit meinem Tipp klappen. Aber heute ist alles möglich. Ein beheimateter B-Liga-Verein hat immerhin heute 12:3 gespielt.

  9.   Winston Smith

    Oh, Erich Laaser ist doch der, der vor Fußballweltmeisterschaften in Deutschland seine Journalistenkollegen gerne mal darum bittet, nicht allzu journalistisch über die tollen Sponsoren zu berichten! Im sprichwörtlichen “selben Boot” sitzt er direkt neben Rolf Töpperwien.

  10.   erz

    Soso, da hat der feine Herr genug Zeit, nebenan bei dogfood auf deutschen Nationalspielern rumzuhacken, statt hier doppelt so viel zu schreiben. Oder war das Linkbait und ich fall drauf rein?