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Gladbach – Bayern 2:4 n.E.

 

Fußballdeutschland erlebt am 12. Mai sein Traumfinale: Borussia Dortmund gegen Bayern München. Meister gegen Vizemeister oder umgekehrt – das verspricht, ein Höhepunkt zu werden. Wobei man anmerken muss, dass auch ein Endspiel Borussia gegen Borussia ein solches Etikett verdient gehabt hätte.

Gladbach, das muss man nicht weiter ausführen, spielt eine tolle Saison. Auch heute erwies sich die Borussia als erwartet abwehrbereit, kam auch zu ein paar Chancen, spielte aber zu viele Fehlpässe und musste sich oft am Strafraum verbarrikadieren.

Für einen dritten Saisonsieg gegen die Bayern hat es daher nicht gereicht. Bayern war die aktivere Mannschaft, vor allem in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase der Verlängerung. Der Ex-Meister hatte mehr Chancen, vor allem weil Ribéry seine Mitspieler in Szene setzte. Man merkte, dass diese Mannschaft die Kurve gekriegt hat. Es ist daher ein verdienter Sieg, auch wenn ein Elfmeterschießen nur in (geschätzt) der Hälfte der Fälle die bessere Mannschaft belohnt.

Sonst waren in diesem guten Spiel Defensivkräfte die Auffälligen: beide Tormänner, Badstuber, Daems, Stranzl. Der große Pechvogel war der Fehlschütze Dante. Erstens weil er einer der Besten war. Zweitens weil er durch seinen wahrscheinlichen Wechsel nach München nun dauerhaft mit Lothar-Matthäus-Vergleichen leben müssen wird.

Einen Tieftieftiefpunkt erleben die ARD-Zuschauer nach dem Spiel bei Anne Will, wo über Geld im Fußball auf einem Niveau debattiert wird, dass einem jede Kuhhaut Leid tun muss. Lesen wir dazu morgen bei den Kollegen von faz.net eine Frühkritik?

Der Spielverlauf

Nordtveit verschießt, Neuer lässt sich anschießen, Bayern ist im Finale
2:4 Kroos
Dante verschießt, does it the Matthäus-way
2:3 Lahm
2:2 Herrmann (Neuer erläuft die Ecke, aber die falsche)
1:2 Ribéry
1:1 Daems (Neuer mit der Hand dran)
0:1 Alaba

Zwischenstand nach 120 Minuten 0:0 Ein 0:0 ist kein überraschendes Ergebnis zwischen diesen beiden abwehrstarken Mannschaften. Allerdings hatte Bayern mehr Chancen als erwartet, vor allem, weil Ribéry derzeit in Vorbereiterlaune ist. Bestnoten verdienen sich auch Daems, Dante, Stranzl und ter Stegen. Und Badstuber.

120′ Petersen hätte seine Ablöse (2,5 Mio) doppelt reinspielen können, rutscht aber vor dem Siegtor am Fünfmeterraum aus.

Wir bekommen ein Elfmeterschießen.

116′ Wenn Robben mal nicht von seiner Seite, der rechten, kommt, ist er erstaunlich hilflos.

113′ Gladbach hängt in den Seilen, hält aber die Deckung.

Erstaunlich, wie oft die Schiris heute bei Abseitsentscheidungen daneben liegen. Und soeben auch bei einer Beinschere von Daems an Lahm an der Grundlinie.

109′ Oooh, da darf sich Gladbach wieder mal bei ter Stegen bedanken, der Robbens Pfeil übers Ziel lenkt.

0:0 nach 105 Minuten Das Spiel hat an Fahrt verloren, eigentlich schon nach dem ersten Durchgang. Die Bayern seit etwa vierzig Spielminuten mit gedrosselter Geschwindigkeit.

Petersen für Müller

102′ Gegen alle ist Badstuber heute Sieger geblieben, aber an Schiri Kinhöfer ist für ihn kein Vorbeikommen.

100′ Olic für Gomez. Ein Signal der Offensive?

93′ Vielleicht mal nebenan bei den 11 Freunden reinschauen? Als ein Bekannter die noch aktuelle Ausgabe am Kiosk sah, fragte er sich erst: Müssen wir uns Sorgen Käßmann machen, trinkt sie wieder?

0:0 nach 90 Minuten Auch das zweite Halbfinale geht torlos in die Verlängerung. Bayern hat mehr Chancen, vergibt sie aber, und zuletzt werden sie weniger. Gladbach setzt auf Konter, spielt aber viele Fehlpässe, wirkt stärker bei Standards.

Ausgeglichenes Spiel inzwischen, Elfmeterschießen nicht ausgeschlossen. Ich gönne mir nun ein Astra.

84′ Arango öffnet mit einem Traumpass die Abwehrreihe der Bayern, Reus schießt dem herauseilenden Neuer fast durch die Beine. Das war ein Matchball für Gladbach.

77′ Interessanter Programmhinweis: Geld oder Leidenschaft – wer regiert die Fußballwelt?, diskutiert Anne Will im Anschluss. Und wen lädt die ARD zu diesem spannenden Thema ein? Udo Lattek, Waldi Hartmann, Toni Schumacher. Da wären mir ein paar andere eingefallen, vielleicht ein paar Kriminologen.

75′ Letzter Wechsel Favre: de Camargo für Hanke. De Camargo, der Mann für die wichtigen Tore wie am Samstag in Leverkusen.

Das 1:0 im Viertelfinale von Berlin hat er immerhin vorbereitet.

66′ In den Kommentaren ist wieder ein Radikalkritiker aufgetaucht: „Sport ist Opium für’s Volk“, warnt mulliman in marxistischem Tonfall. „Wahnhafte Teilhabe am Glück (Geld) anderer und Ablenkung von den Ketten an Händen und Füßen.“

62′ Doppelwechsel Borussia: Brouwers für Stranzl, Herrmann für Wendt. Ob Favre sich den dritten für den Keeper und die 118. Minute aufspart?

60′ Mördergrätsche von Stranzl, sehr wichtig für Gladbach. Denn wenn Gomez im Strafraum Platz hat, klingelts meist kurz später. Offenbar Stranzls letzte Aktion, er muss verletzt raus.

54′ Zu Hertha-Zeiten soll sich Favre ab und an, wenn es ihm zu bunt wurde, in sein Auto gesetzt haben, um vor Dieter Hoeneß und den Berliner Verhältnissen Richtung Schweizer Heimat zu flüchten. Ich kann aber nicht sagen, wie weit Favre je gekommen ist.

49′ Oh, das geht fein los. Erst Chance für die Bayern: Robben im Doppelpass mit der Hacke Müllers (die zwei lieben sich ja), aber er zieht am kurzen Eck vorbei. Dann Chance für die Preußen: Arango hat keine freie Schussbahn und zielt drüber. Fast ein echter Gladbach-Neuer.

Halbzeit 0:0 Gutes Spiel, Vorteile für Bayern im Ballbesitz, aber auch bei den überraschend vielen guten Chancen. Bayern ist stärker als beim 1:3 vor zwei Monaten. Gladbach verteidigt stärker als die Gegner, auf die die Bayern zuletzt trafen.

Man merkt beiden Mannschaften an, dass sie in der Defensive auf der Hut sein müssen. Bayern greift variabler an, auch mal dribbelnd. Gladbach schneller und steiler. Trotz gewisser Pausen im Spiel, hat man stets den Eindruck, dass jederzeit etwas passieren kann.

Auffällig: Schiedsrichter bekommt auf den Kanälen der digitalen Elite Kritik dafür, dass er Robben Gelb gibt. „Da kann der doch nix für, der arme Robben.“

41′ Zwei Mal spielt Ribery Mitspieler brillant frei, aber Robben schießt den scharfen Pass knapp drüber, danach reißt ter Stegen gegen Alaba den Unterarm rechtzeitig hoch.

37′ Gladbach setzt wie schon im Januar den Rückpass zum Tormann als Mittel ein. Ich hab nicht mitgezählt, aber zehn dürften es bislang gewesen sein. Zweck: Tempo rausnehmen, Pressing unterbinden.

Ich finde ja, man sollte mal überlegen, eine Passregel wie im Handball einzuführen, sprich: Der Tormann darf nur dann angespielt werden, wenn er außerhalb des Strafraums steht, sonst gibts indirekten Freistoß. Das würde das Spiel noch schneller machen. Oder übersehe ich etwas? Andere Meinungen?

28′ Da hab ich den Fehler von ter Stegen wohl herbeigeredet, was?

21′ Erste Großchance für Gladbach. Neustädter schickt Reus diagonal in den Strafraum. Der Winkel ist zu klein, um einen Keeper wie Neuer zu überwinden.

Für einen, der vor ein paar Tagen mit 39 Fieber im Bett lag, hat Heynckes aber gut Farbe im Gesicht.

18′ Hab ich das schon mal gesagt, dass ich ter Stegen für den kommenden Nationaltorhüter halte? Er spielt noch besser mit als Neuer, agiert noch weiter weg von seiner Linie. Ist dem Jungen eigentlich schon mal ein nennenswerter Fehler unterlaufen? (Ach ja, letzten Samstag in Leverkusen)

15′ Zweite Chance für die Bayern. Die Gladbacher lassen am linken Flügel zu viel Platz, Lahm kann ohne Gegnerdruck flanken, Gomez drückt einen Kopfball an den kurzen Pfosten, aber ter Stegen ist unten.

6′ Bayern spielt sich in den Strafraum, Dante schafft nur eine Verlegenheitsabwehr, Kroos nimmt den Rebound mit der breiten Seite und trifft den Innenpfostens.

4′ Gladbach versucht es heute über die Flügel, fordert schon in den ersten Minuten beide Außenverteidiger der Bayern mehrfach. Lahm einmal nicht auf dem Posten.

Aufstellungen

Gladbach Ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Wendt, Arango – Reus, Hanke
Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Gustavo, Kroos – Robben, Müller, Ribery – Gomez

Mehmet Scholl sagt, Bayern ist komplett. Schweinsteiger vergessen?

Die Formationen als Grafik auf spielverlagerung.de

Vorbemerkung

Die schlechte Nachricht vorweg: heute kein Poschmann.

Zwei Mal hat Lucien Favre mit Gladbach die Bayern bereits geschlagen, 1:0 in München im August, 3:1 zuhause im Januar. Ist drei Mal Schweizer Recht? Zwei Mal hat Manuel Neuer den Gladbachern gut mitgeholfen, ein Mal durch eine Abstimmung mit Boateng, das andere Mal mit einem Querschläger auf Reus. Was lässt er sich heute einfallen?

Das zweite Pokalhalbfinale führt die drittbeste Mannschaft dieser Saison mit der zweitbesten zusammen, da darf man von einem Highlight sprechen. Durch die jüngste (Börsianer würden sagen) Seitwärtsbewegung in der Liga gehen die Gladbacher als Außenseiter ins Spiel – trotz des Siegs in Leverkusen. Die Bayern haben sich von den Rückschlägen in Leverkusen und in Basel zwischenzeitlich erstaunlich gut erholt.

Nach 20 (in Worten: zwanzig) Toren in der letzten Woche werden die Bayern heute mit breiter Brust antreten, aber auch auf ein Team treffen, das besser verteidigen kann als Hoffenheim, Basel und Hertha zusammen. Unter Favre hat Gladbach nie mehr als zwei Gegentore bekommen, zwei Mal sogar erst überhaupt zwei in einem Spiel.

Bin gespannt, wie wir nach dem Spiel über die Qualität der Bayern reden, denen Börsianer eine hohe Volatilität attestieren würden.

Ein paar Nachbetrachtungen zum Halbfinale gestern:

Wie bitter für die tapfer kämpfenden Fürther, mit der letzten Aktion den Gegentreffer hinnehmen zu müssen. Sicher, im Elfmeterschießen auszuscheiden wäre auch unglücklich gewesen. Doch was ihnen gegen Dortmund widerfahren ist, fühlt sich noch mieser an.

Und dann auch noch von einem Ex-Nürnberger rausgeschmissen zu werden. Und dann auch noch mit der Nürnberger Taktik zu scheitern. Wir erinnern uns, Hans Meyer hat vor fünf Jahren Raphael Schäfer vor dem Elfmeterschießen aus- und Daniel Klewer eingewechselt. Das hat funktioniert. Was lernen wir daraus? Mike Büskens ist nicht Hans Meyer. Da lacht der Cluberer. So viel Derby-Kolorit darf an dieser Stelle sein.

Doch die Kindereien von Kevin Großkreutz nerven. Wenns denn überhaupt Kindereien waren und nicht gar rassistische Sprüche (was Großkreutz bestreitet). Erst das homophobe Banner auf der Südtribüne am Samstag, jetzt der Kevin – wäre schön, wenn Jürgen Klopp mal dazu Stellung beziehen würde.