Blog der ZEIT ONLINE Sportredaktion

Holland – Deutschland 0:0

Von 14. November 2012 um 23:26 Uhr

Endstand Holland–Deutschland 0:0 Ein Spiel mit Niveau: Man kann stundenlang darüber philosophieren, welche Halbzeit langweiliger war. Vor einem Jahr schlugen die Deutschen die Holländer 3:0, das war eine Ode an den Fußball (und hat vielleicht die Deutschen zu Träumereien verleitet). Heute hat man gemerkt, dass alle Spieler in Gedanken woanders waren. Testspiel halt. So vorsichtig sah man die Holländer selten, und die Deutschen waren aufgrund der Schwedengeschichte auf Defensive aus. Dat waaren 90 Minoeden Doorststrekk, Voetbal totaal langwijl.

Da hätte ich doch lieber das Buch von Zwanziger gelesen.

cb81 wirft ein: “Übrigens, Schweden führt 4:2 gegen England. Das Spiel hätte man stattdessen übertragen sollen.”
penpirate ergänzt: “Was bleibt zu tun? Die Bandenwerbung müsste dringend angepasst werden: Beruhigungs-, Blasen- und Nierentee, Heizdecken, Angorawickel. Und am Ende des Spiels müsste ein akustischer, aber nicht zuuu schriller Weckton erschallen.”

Hier noch eene andere Qaal:

Das Stenogramm der dpa:

Holland: Vermeer (Ajax Amsterdam/26 Jahre/1 Länderspiel) – van Rhijn (Ajax Amsterdam/21/5 – 46. de Vrij/Feyenoord Rotterdam/20/2), Heitinga (FC Everton/28/85 – 46. Janmaat/Feyenoord Rotterdam/23/3), Vlaar (Aston Villa/27/14), Bruno Martins Indi (Feyenoord Rotterdam/20/6) – Nigel de Jong (AC Mailand/27/67) – Afellay (FC Schalke 04/26/44 – 59. van Ginkel/Vitesse Arnheim/19/1), van der Vaart (Hamburger SV/29/103 – 72. Emanuelson/AC Mailand/26/17) – Schaken (Feyenoord Rotterdam/30/2), Kuyt (Fenerbahce Istanbul/32/92), Robben (Bayern München/28/63 – 46. Elia/Werder Bremen/25/28)

Deutschland: Neuer (Bayern München/26/36) – Höwedes (FC Schalke 04/24/10), Mertesacker (FC Arsenal/28/85), Hummels (Borussia Dortmund/23/23), Lahm (Bayern München/29/95) – Lars Bender (Bayer Leverkusen/23/11 – 82. Sven Bender/Borussia Dortmund/23/3), Gündogan (Borussia Dortmund/22/4) – Müller (Bayern München/23/38 – 87. Schürrle/Bayer Leverkusen/22/20), Holtby (FC Schalke 04/22/3 – 87. Neustädter/FC Schalke 04/24/1), Reus (Borussia Dortmund/23/14 – 90.+2 Draxler/FC Schalke 04/19/3) – Götze (Borussia Dortmund/20/20 – 72. Podolski/FC Arsenal/27/106)
Schiedsrichter: Proença (Portugal)
Zuschauer: 51.000
Gelbe Karten
: – / –
Beste Spieler
Bruno Martins Indi / Höwedes, Gündogan

***

87′ Debüt für Roman Neustädter, noch einen Schalker. Jetzt reichts aber.

84′Müller geht, Schürrle kommt, dem hätte Löw wirklich 2 Minuten mehr geben können. Oder wollte Löw Müller ärgern?

77′ Oopjepaas! Gefährlicher Schuss der Holländer, doch Manuel Neuer lässt seine Elf nicht im Hemde stehen.

 

69′ Übrigens, kein Deutscher aus dem Osten heute auf dem Feld. René Adler hat uns ja ein Kolumneninterview dazu gegeben und seine ostdeutsche Identität betont. (“Meine Muttermilch ist aus dem Osten.”) Ihm war deutlich anzumerken, wie wichtig ihm das Thema ist. Ich hatte damit gerechnet, dass er mehr Widerspruch erhält. Aber der hielt sich in Grenzen. Bloß auf Facebook gab es ein paar Kommentare, die waren aber eher Frotzeleien. Etwa so: “Als Tormann muss man ein Fan der Mauer sein.”

64′ Ein Stürmer würde dem deutschen Spiel vielleicht gut tun. Doch Gomez ist noch verletzt und Klose hat den Snuppen.

55′ Puh, was ein Kick. Ich glaub, ich werd auch gleich krank.

46′ Weiter gehts! Wie hoffe, de tweete Halvzijt weerd niet so langzaam.

Print vs TV:

Aus gegebenem Anlass: der große Ernst Happel in der NDR-Talkshow im Mai 1987, kurz vor seinem Abschied aus Hamburg.

45′ Da war der Keeper schon geschlagen, doch Heitinga klärt Gündogans Schuss auf der Linie. Pause. Eine Halbzeit ohne Aufreger. Ich geh mal zum Tagesspiegel-Buffet.

Hier ein paar Takte Musik:

41′ Die DFB-Elf spielt ja heute ohne Neun. Die Herbstgrippe, Sie wissen schon. Schlimme Sache. Hatschi! Hat denn Löw ein Attest gefordert? “Das letzte Mal, dass sich neun Deutsche geweigert haben, aufs Spielfeld zu gehen, war die zweite Halbzeit gegen Schweden.” (Harald Schmidt)

39′ De Reus kerkt et Ballje en ze Posten.

36′ Ein Augenzeuge berichtet: “Das Blasorchester, das offizielle für die Hymne, war hier. Das lassen sie jetzt leider nicht mehr spielen. Und im Fanblock haben sie hier wie drüben von Tuten und Blasen keine …”

Was ist denn Tuten?

30′ Arjen van Stolperen – Chance vertan. Wat e draama!

26′ Wat e scheen Passje von Gündogan op Höwedes!

20′ Erster Torschuss Oranje. Das Spiel hat ein sehr moderates Temperament. Ganz wohltuend nach den beiden Heißrednern Zwanziger & Roth.

9′ Die deutschen Schlachtenbummler singen das Weltmeister-Lied der Ach so Böhsen Onkelz, das ist eine Art Kreuzung aus den Toten Hosen und Ralph Siegel. Musikalisch geben uns also nur die Holländer Hoffnung. Ist das Blasorchester da?

4′ Spiel läuft, und ich bin jetzt auch da. Theo Zwanziger signiert im Foyer Bücher.

Im Stadion von Amsterdam twittert der Kollegen Steffen Dobbert:

 

Zwischenschub Theo Zwanzigers Buchvorstellung

19:58 Ende Teil 1 der Veranstaltung. Zwanziger ist weiter angriffslustig, verteidigt sich in allen Punkten, ist noch immer leicht reizbar. Inhaltlich wirkt er an einigen Stellen nicht überzeugend, vor allem in Sachen Fifa.

Teil 2 folgt nun: Fußballgucken in großer Runde.

19:50 Publikumsrunde. Erste Wortmeldung: ein weißhaariger Claqeur aus dem Berliner Fußballverband für Theo.

Dann eine gute Frage an Zwanziger, den angeblichen Präsidenten der Amateure: “Warum haben Sie als Präsident zugelassen, dass es sonntags, dem Tag der Amateure, Live-Spiele bei Sky gibt?” Zwanziger antwortet, ohne etwas zu sagen.

Zwanziger erzählt, dass er sich mit einer Protestgruppe (gegen die Sonntagsspiele der Bundesliga) der Amateure im Jahr 2009 getroffen habe, um sich im gleichberechtigten Dialog auszutauschen. Ich hab mich damals mit Vertretern der Protestgruppe unterhalten. Reiner Grundmann (SC Schaffrath), einer von ihnen, stellt das anders dar:

Die Treffen mit Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Harald Stenger fanden insgesamt in angenehmer Atmosphäre statt. Doch inhaltlich sind wir uns nicht näher gekommen. Zwanziger könne uns verstehen, hat er gesagt, doch er hat den neuen Spielplan als alternativlos hingestellt. Der DFB habe auf die Entscheidung keinen Einfluss, und es gebe wirtschaftliche Zwänge. Außerdem flossen ja Millionen an die Amateure zurück. Doch was, frage ich mich, bleibt denn davon für den einzelnen Verein übrig?

Zwanziger hat zudem versucht, den Spieß umzukehren: Wenn wir nämlich unseren Protest durchsetzen würden, wären wir schuld daran, wenn Stars wie Franck Ribéry nicht mehr in der Bundesliga spielen würden. Selbst einen möglichen Niedergang der Nationalmannschaft wollte er uns anlasten. Das ist zu viel der Ehre für uns. Vor allem war es hanebüchen.

19:45 Jens Weinreich zu verklagen, sei ein Fehler gewesen, sagt Zwanziger. “Ich habe überdreht. Ich wollte juristisch vorgehen, ich hätte das kommunikativ lösen sollen. Inzwischen haben wir uns mehrfach getroffen und gemerkt, dass wir ganz gut miteinander können.”

Sein größter Fehler als DFB-Präsident sei die gescheiterte Vertragsverlängerung mit Joachim Löw vor etwa drei Jahren gewesen.

19:28 Zwanziger stellt sich wieder auf die Seite Joseph Blatters, der in Deutschland einen ungerechtfertigten schlechten Ruf habe. “Ich erlebe es in jeder Sitzung, dass Blatter den Reformprozess der Fifa vorantreibt.” Zwanziger sagt auch: “Blatter ist ein starker Förderer des Frauenfußballs.”

Zwanziger spricht einen wahren Satz: “Manchmal leben wir in einer Scheinwelt.” Damit will er beschreiben, wie einseitig die deutsche Öffentlichkeit Blatter angeblich verurteile. Ist er der einzig Sehende unter Blinden?

“Ich bin ein halber Privatmensch”, sagt der Fifa-Reformer Zwanziger.

Aufstellung Deutschland

 

19:20 Schätzungsweise 150 Gäste hier, darunter (noch mehr geschätzt) etwa 30 Journalisten. Vom DFB dabei: Horst Schmidt (DFB-Schatzmeister), Hans-Georg Moldenhauer (alias Kurt Straube, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands), Walter Desch (Präsident des Fußballverbands Rheinland-Pfalz).

19:10 Zwanziger wirkt sehr aufgewühlt, redet sich in Rage, schlägt einen missionarischen Ton für seine Politik an: soziales Engagement, Antirassismus, Kampf gegen Rechts. Schon mehrfach Applaus aus dem Publikum, ein Bravo-Ruf, aber auch Kopfschütteln und genervte Seufzer. Dem eindringlichen Zwanziger zuzuhören, kann schnell anstrengend werden.

Ide spricht die heiklen Punkte der Debatte an, hakt nach. Das ist keine Gute-Laune-Veranstaltung.

19:00 Auch Claudia Roth verteidigt Zwanziger. “Ich kenne Uli Hoeneß gut. Ich verstehe nicht, warum er sich so aufregt.” Sie habe das Buch fast zu Ende gelesen, sagt sie. Zu mehr sei sie nicht gekommen, weil sie in den letzten Tagen noch mit anderen Dingen beschäftigt gewesen sei.

18:55 Der Sportchef des Tagesspiegels, Robert Ide, moderiert und konfrontiert Zwanziger mit den jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß, Matthias Sammer und Wolfgang Niersbach. Zwanziger verteidigt engagiert sein Buch. “Ich lobe Hoeneß mehrheitlich, nur an wenigen Stellen kritisiere ich ihn.” Dass das zu einer solchen Debatte geführt habe, sei auf selektives Zitieren zurückzuführen.

18:50 Claudia Roth, das Maskottchen die Umweltbeauftragte des DFB, ist auch da. Günter Netzer, der zugesagt hatte, hat abgesagt, er hat eine “diskursive Grippe”, sagt der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt. Theo Zwanziger sagt, Netzer habe ihm per Fax abgesagt.

18:45 Tagesspiegel-Gebäude, Askanischer Platz, Berlin: Theo Zwanziger stellt sein Buch vor. Ich bin dabei, ein paar Eindrücke gibts hier im Blog.

Vorbemerkung zum Spiel

Der Bundestrainer hat ein paar schwere Momente hinter sich: EM-Aus, Schweden, der Kreditverlust bei vielen Fans. Sehen wir Jogi Löw wieder mal lachen? Heute ist nur ein Testspiel, zudem sind einige Spieler spontan erkrankt. Doch gegen Holland kann man immer was gewinnen (und verlieren), da kann man ein bisschen was gutmachen.

Frotzeleien lieferte er sich mit “King Louis” van Gaal, dem Trainer der Holländer. Als Trainer braucht man Titel, sagte van Gaal in Richtung Löw. Als Trainer musst Du Dich für ein Turnier qualifizieren, entgegnete Löw. Van Gaal schied vor elf Jahren in der WM-Qualifikation aus und ermöglichte den deutschen Fans den Schmähsong “Ohne Holland fahrn wir zur WM”. So angriffslustig darf es heute gerne auch auf dem Platz zugehen.

Doch der 14. November 2012 ist vor allem deswegen ein denkwürdiger Tag, weil es der 20. Todestag von Ernst Happel ist. Um es mal deutlich untertrieben zu sagen: Happel war einer der bedeutendsten Trainer der Bundesliga-Geschichte. Mit dem HSV gewann er 1983 sensationellerweise den Europapokal der Landesmeister. Mit Holland wurde Happel 1978 Vize-Weltmeister.

Hier ein Clip einer seiner legendären Siege als Vereinstrainer, dem 4:3-Sieg nach 1:3-Rückstand in München, April 1982, der Grundlage für die folgende Meisterschaft des HSV:

Happel kommt kurz zwei Mal zu Wort – und verursachte jeweils lautes Lachen unter den Journalisten. Auch im Beitrag: Rainer Werner Fassbinder als Bayern-Fan und (ganz finster) der Hamburger Walther Leisler Kiep.

Kategorien: Nationalmannschaft
Leser-Kommentare
  1. 1.

    HEUTE wird, nein muss herr löw wieder lachen können.

    das glück mit sooo vielen verlezten ist ihm doch hold:

    wenn er verliert, dann hat er eine plausbile begründung;
    wenn er gewinnt, dann hat er erst recht einen grund zur freude.

    => komfortable situation

  2. 2.

    Das Blasorchester, das offizielle für die Hymne, war hier. Das lassen sie jetzt leider nicht mehr spielen. Und im Fanblock haben sie hier wie drüben von Tuten und Blasen keine…

    • 14. November 2012 um 21:06 Uhr
    • Steffen Dobbert
  3. 3.

    Dieses Pseudo-Niederländisch könnte man aber gern sein lassen…

    • 14. November 2012 um 21:16 Uhr
    • Acetylcholin
  4. 4.

    Ein bisschen Spass muss sein…

    • 14. November 2012 um 21:31 Uhr
    • iawdw
  5. 5.

    Na, wenigstens ist das Gras in Holland nicht so trocken wie dass Spiel.

    • 14. November 2012 um 21:44 Uhr
    • cb81
  6. 6.

    Vor einem Jahr sind die Holländer gegen ein brilliantes Deutschland untergegangen, aber sie haben wenigstens versucht Fußball zu spielen. Heute versuchen sie nur, ihn zu verhindern.

    Übrigens: Den Fußball, den Holland hier jetzt seit 70 Minuten zeigt, hat das deutsche Team in 90% seiner Länderspiele bis 2004 gezeigt. Wenn Geschichte sich doch wiederholt, dürfen wir also noch mit einem glücklichen 1:0 für Oranje rechnen. Es gibt ja manchen Löw-Kritiker, dem diese Art von Fußball die liebste ist…Hauptsache, gewonnen, egal wie.

    • 14. November 2012 um 22:10 Uhr
    • wawerka
  7. 7.

    Vielleicht haben die Deutschen auch nur brillant gespielt…

    • 14. November 2012 um 22:14 Uhr
    • wawerka
  8. 8.

    Jetzt weiß ich, warum die Spieler allesamt dieses Spiel als überflüssig empfinden. Übrigens, Schweden führt 4:2 gg England. Das Spiel hätte man stattdessen übertragen sollen.

    • 14. November 2012 um 22:25 Uhr
    • cb81
  9. Kommentar zum Thema

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