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Bayern München-FC Barcelona 1:1

20:19 Moin, moin. Willkommen zur Wiederauferstehung Jürgen Klinsmanns formerly known as Viertelfinalrückspiel Champions League!

Bei der Live-Lektüre zum Aktualisieren bitte „F5“ oder „Neu laden“ drücken und nach unten scrollen. Einen kurzen Vorbericht gibts es ganz unten. Ich freue mich natürlich wie immer auf Ihre Kommentare, auch nach dem Spiel. Empfehlung: den Ticker in einem zweiten Tab öffnen, der meldet die wichtigsten Ereignisse vom Spiel Chelsea gegen Liverpool.

Marcel Reif sieht heute ein bisschen aus wie Yves Saint-Laurent. Er analysiert die Lage der Bayern klar und treffend: Rensing kann Kahn nicht ersetzen, den Backup für Lahm, Jansen, ließ man nach Hamburg ziehen, Oddo ein Flop. Nicht alles sei Klinsmanns Schuld, den Kader haben andere zusammengestellt. Was nicht ganz stimmt, denn den Jansen hat er vergrault.

Wer noch schnell mit nem Tipp auf Bayern Millionen machen will, lies hier. Angeblich ist im Europapokal noch nie ein 0:4 im Rückspiel gedreht worden.

Die Aufstellung der Bayern:

Butt – Lahm, Lúcio, Demichelis, Lell – Ottl, Bommel, Sosa, Zé Roberto – Ribéry, Toni. Schweinsteiger verletzt, Oddo, Altintop, Rensing auf der Bank.

Die Elf von Barcelona:

Valdes – Abidal, Piqué, Puyol, Alves – Touré, Keita, Xavi – Messi, Iniesta, Eto’o. Es fallen aus: Henry (Fieber), Marquez (Sperre).

Messi spielt. Auf der Seite von Lahm, das dürfte ein hochinteressantes Duell werden.

Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft Franz Beckenbauer nun gesagt hat, dass der FC Bayern das Spiel gewinnen könne. „Aber doch nicht mit vier oder fünf Toren.“ Oder war das immer eine Wiederholung?

6′ Daraus könnte der FCB Mut schöpfen. Sosa klaut Abidal am rechten Flügel den Ball, seine Flanke kommt perfekt zu Toni, dem der Ball über das Pony rutscht. So was nennt man eine Hundertprozentige. Kurz später setzt sich Ribéry auf links gut durch. Nach einer Ecke trifft Toni, allerdings aus klarem Abseits. Überhaupt machen die Bayern einen sehr aufgeweckten Eindruck, selbst Ribéry hat eben den Ball erkämpft.

13′ Lell scheint keinen Kredit bei den Fans zu haben (wen wunderts?). Zweiter Fehlpass = Pfiffe. Doch das Publikum macht sich bemerkbar, is halt Champions League, nicht Bundesliga. Im Gegenzug kommt Ribéry aus 15 Metern mit links zum Schuss. Knapp über das Ziel.

19‚ In London geht Liverpool durch Fabio Aurelio (welch ein Name!) in Führung. Es ist zu hoffen, dass es Liverpool noch schafft. Allein, um Franz Beckenbauer, den Premiere-Anti-Experten, zu korrigieren, für den Liverpool „keine besonders gute Mannschaft“ hat.

28′ Xabi Alonso erhöht für Liverpool auf 2:0. Jetzt sind wir dort fast wieder auf Null. Ich schalt trotzdem nicht um. Erst ab der Verlängerung.

30′ Barcelona hat es mit Kurzpass-Staffetten geschafft, sich vom Bayern-Druck zu befreien, ohne aber selbst gefährlich zu werden. Das ist Verteidigen Modell Barca: den Ball in den eigenen Reihen halten und ihn vor dem Gegner verstecken. Mich interessiert die Ballbesitzstatistik.

Halbzeit 0:0 Luca Toni hatte es auf dem Kopf, Pfeffer ins Spiel zu bringen. Hätte er nach fünf Minuten das 1:0 gemacht … wer weiß? Aber wie sagt Stromberg? Hätte, hätte, Fahrradkette. Jedenfalls sind die Bayern gleichwertig, anfangs waren sie gar besser. Bis Barcelona es schaffte, durch Ballbesitz im Mittelfeld die Angriffsluft des Gegners zu ersticken. Beiden Teams ist der Respekt vor dem Kontrahenten daran anzumerken, dass sie sehr intensiv decken und die Zweikämpfe bestreiten. Messi ist bei Lahm in guten Händen, wobei man in jeder Aktion seine Klasse sieht. Die Partie hat Rasanz. Aber die Spannung weicht von Minute zu Minute.

Die gibts stattdessen in London, wo Liverpool in Chelsea 2:0 führt: ein tricky Freistoß und ein Elfer.

47′ Tor für Bayern 1:0 Franck Ribéry Zé Roberto schickt Ribéry in den Strafraum. Der wackelt den Torhüter Valdes perfekt aus, schickt ihn zu Boden, und der Weg ins Netz ist frei. Klinsmann winkt seine Mannen nach vorne.

51′ Didier Drogba verkürzt zum 1:2 für Chelsea. Das Tor ändert nicht viel.

55′ Schön zu sehen gerade: Toni beteiligt sich nicht an der Balleroberung. Bleibt stehen und gestikuliert. Macht ihn sympathisch. Aber nicht wertvoller.

57′ Alex gleicht für Chelsea zum 2:2 aus. Das sieht dann wieder nach klaren Verhältnissen aus.

60′ Wer dachte, das Gegentor würde Barcelona verunsichern, sieht sich getäuscht. Sie bleiben ihrer Linie treu, greifen früh an und erhöhen sogar das Tempo. Der FC Bayern kommt nicht dazu, Druck aufzubauen.

73′ Tor für Barcelona 1:1 Keita Ein Kunstwerk von Tor. Mehrere Direktpässe im, am und um den Münchner Strafraum herum beendet Keita mit einem 18-Meter-Linksschuss ins Tor. Bayern-Fans schreien „Klinsmann raus!“ Wird Pressechef Hörwick dagegen vorgehen?

76′ Lampard mit dem 3:2 das Duell für Chelsea.

78′ Drei Wechsel: Borowski und Altintop für Sosa und Zé Roberto. Pfiffe. Aliaksandr Hleb für Iniesta. Macht sich bekannt mit der Fröttmaninger Arena, der Ex-Stuttgarter (und künftige Bayer?).

81′ Eigentlich war ein Match mit wenigen Toren erwartet worden, aber in Chelsea ist das sechste gefallen: Lucas (Liverpool) zum 3:3. Damit steht es 6:4 für Chelsea.

84′ Was ist denn da los? Jetzt fällt das 3:4 durch de Kuyt. Liverpool fehlt plötzlich wieder nur ein Tor. #umschalten

Klinsmann-raus-Rufe werden lauter. Aber das hat nicht nur mit seiner sportlichen Bilanz zu tun. Sie mögen ihn nicht. Jetzt rufen sie nach Ottmar Hitzfeld.

89′ Frank Lampard macht das 4:4 für Chelsea: rechter Pfosten, linker Pfosten, rein. Im Gegenzug fällt fast das 4:5, doch Essien rettet per Flugkopfball.

90′ Jetzt sind die Bayern-Ultras in ihren Song „Kernkraft 400“ übergegangen.

Endstand 1:1 Bayern schlägt sich achtbar, besonders die Verteidigung hat sich zusammengerissen. Messi, das Schreckgespenst,  bekam wenig Raum zur Entfaltung, weil Lahm ihm auf den Fersen stand und weil auch Ribéry mitverteidigte. Lúcio und Demichelis stark. Doch nach vorne reicht ein Ribéry nicht. Ottl, Bommel, Sosa, Lell – zu viel Mittelmaß für die Offensive. Und Toni sah in der 5. Minute kläglich aus, als er dem Spiel einen neuen Impuls geben konnte.

Barca demonstrierte jedoch ohnehin, dass es sich nicht durch einen Rückstand von seinem Weg abbringen lässt. Das wurde nach Ribérys coolem Tor deutlich. Wer mit einem Push für die Bayern rechnete, sah sich getäuscht. Denn Barcelona zog die Zügel seines Kombinationsspiels an, wollte auf keinen Fall verlieren. Bayern hingegen war nicht mit allen Mitteln auf weitere Tore aus, brachte zwar immer viele Spieler hinter den Ball, um nicht wieder die Hütte vollzukriegen. Für einen Sieg war das aber zu wenig. Allerdings hatte Klinsmann auch keine Trümpfe mehr: Klose, Podolski, Schweinsteiger, selbst Nachwuchsstürmer Müller verletzt oder krank. Und Donovan in den USA.

Fazit: Barca war im Hinspiel, vornehm gesagt, zwei Klassen besser. Im Rückspiel hatte Guardiolas Elf alles im Griff und hat letztlich seine Überlegenheit gegenüber den Bayern bestätigt. Ein Favorit auf den Titel.

Die Bayern-Fans rufen derweil nach Hitzfeld, Matthäus, Gerland und Scholl.

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Vorbericht

Jürgen Klinsmann ist im Moment einer der am meisten beobachteten Menschen in Deutschland. Ist er ein Novize, ist er schon gescheitert? Gestehen ihm die Bayern ein Übergangsjahr zu? Oder wird die Saison am Ende als Erfolg bewertet? Die Meisterschaft ist ja noch locker drin. Und gibt es nicht doch ein paar aus den Bayern-Reihen, die heimlich hoffen? Die offizielle Sprachregelung für heute: mit Anstand aus der Champions League verabschieden, Barcelona knapp schlagen. Aber wenn doch ein frühes Tor fällt … Barca-Coach Pep Guardiola hat seine Mannschaft vor den „Germanen“ gewarnt. Wenn sie gereizt sind, sei alles möglich. Wer die Bilder vom vorigen Mittwoch im Kopf hat, mag an ein Wunder jedoch nicht glauben. Eher an eine weitere Lektion für die Bayern. Doch der Ball ist rund.

Wie geht es weiter mit Jürgen Klinsmann? Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben mit seiner Verpflichtung jedenfalls Mut bewiesen. Und sie würden diesen Beweis erneuern, wenn sie an ihm festhalten. Mut deswegen, weil sie einen Mann beschäftigen (und gut belohnen), den sie einst, als er Nationaltrainer war, bekämpft hatten und der aus verschiedenen Gründen den Bayern-Fans schwer zu vermitteln ist. Etwa weil er Oliver Kahn in der Deutschen Elf degradierte. Mut aber vor allem, weil sie sich damit selbst in Frage stellen, gilt Klinsmann doch als Radikalreformer.

Im anderen Spiel geht Chelsea nach dem sensationell klaren 3:1-Auswärtssieg als Favorit in das Rückspiel gegen Liverpool. Die Prognosen scheinen nicht zuzutreffen, wonach Roman Abramowitsch die Lust an seinem blauen Spielzeug verloren habe und es bergab gehe mit seinem Klub. Auch in der Meisterschaft hat Chelsea wieder Chancen. Guus Hiddink sei Dank, dieser Kerl macht wirklich aus Zuckersteinen Gold.

Aber das war nicht immer so. Wer weiß, an welcher historischen Europapokalpleite Hiddink beteiligt war?