“National befreite Zone” mit Hilfe der Polizei

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Berichterstattung über die extrem rechte Szene und ihre Strukturen kommt ohne lang angelegte Recherchen sowie Hintergrundwissen und -berichte nicht aus. Weil die Akteure der Szene aber die Öffentlichkeit scheuen, stehen besonders Fachjournalist_innen in ihrem Visier. Doch nicht nur rechte Attacken erschweren deren Arbeit, teilweise macht sich die Polizei zu Erfüllungsgehilfen der Neonazis. Jüngstes Beispiel: der extrem rechte Eichsfeldtag im nordthüringischen Leinefelde. Weiter““National befreite Zone” mit Hilfe der Polizei”

 

Amoklauf in Österreich: Täter war Neonazi

Der Schütze hatte gute Verbindungen in die Szene und hätte eigenbtlich keine Waffe besitzen dürfen  © dpa
Der Schütze hatte gute Verbindungen in die Szene und hätte eigenbtlich keine Waffe besitzen dürfen © dpa

Wieder gibt es eine Gewalttat aus dem „Blood&Honour“-Netzwerk: Ein österreichisches Mitglied der militanten Organisation lief Amok, angeblich wegen eines Streits mit seiner Freundin. Gegen den 27-jährigen Todesschützen bestand seit 2004 ein Waffenverbot.

Von Andrea Röpke, zuerst veröffentlicht bei blick nach rechts

Der Amokläufer von Nenzing war mehrfach vorbestraft und gehörte dem radikalen rechten Lager an. Er mochte die bundesdeutschen Holocaust-Leugner Horst Mahler und Ursula Haverbeck. Zwei seiner zahlreichen Facebook-Freunde sind junge Neonazis der Partei „Die Rechte“ aus dem niedersächsischen Verden an der Aller, die anderen stammen zum Teil aus FPÖ-Kreisen oder zählen zum tiefbraunen Spektrum in Vorarlberg. Am Wochenende erschoss Gregor S. nachts bei einem Rock-Konzert auf dem Gelände des „MC The Lords“ in Nenzing zwei Menschen und verletzte elf schwer, danach hielt sich der Waffennarr die serbische Kalaschnikow-Nachbildung in den Mund und drückte ab. Zuhause und in seinem Auto fand die Polizei später weitere Waffen und Kriegsmaterial, er hätte demnach ein weitaus größeres Blutbad anrichten können.

Die österreichischen Behörden räumten zwar ein, dass S. dem Inlandsgeheimdienst lange bekannt sei und zwischen 2005 und 2010 achtmal rechtskräftig wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung verurteilt worden sei, aber ein politischer Hintergrund für den Amoklauf wird nicht angegeben. Es soll sich dagegen um eine Beziehungstat handeln.
Gregor S. beging die Tat vor den Augen der Mutter seines kleinen Sohnes, die sich anscheinend überhaupt nicht in der rechten Szene bewegt. Sie stand Medienberichten zufolge in der Nähe auf einem Parkplatz, als der Täter die Waffe aus dem Auto holte und scheinbar wahllos in die Menge der Konzertbesucher schoss. Auch sie floh vor ihm. Bei Facebook schreibt „C… “, nicht mit den Medien reden zu wollen: „Ned hüt, ned morn und ned in 10 johr!“ Freunde pflichten ihr bei, dass sie nichts für die Tat könne. Worin liegt also das Motiv für die Tat ? Warum schoss der Neonazi auf die rund 150 Gäste der zweitägigen „Lordsparty“ . Der 1986 gegründete „Töff“-Club schreibt auf seiner Internetseite, dass es „immer wieder diverse Troubles unter Gleichgesinnten” gegeben habe. Diese hätten aber „alle erfolgreich geregelt“ werden können.

Im Zusammenhang mit Gewalttaten aufgefallen

Auffällig schnell dezimierte sich nach dem Verbrechen der Freundeskreis von S. bei Facebook. Zuvor hatten sogar Funktionäre der FPÖ dazu gehört. Einem FPÖ-Nachwuchspolitiker hatte Gregor S. 2015 zum „Wiegenfest“ gratuliert. Besonders beachtlich ist jedoch, dass der 27-jährige Amokläufer, gegen den seit 2004 ein Waffenverbot bestand und der ganz offensichtlich dagegen verstieß, bis mindestens 2010 „Blood&Honour Vorarlberg“ angehörte. Das berichten österreichische Medien übereinstimmend.

Nicht zuletzt seit den Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) rückte deren Unterstützernetzwerk „Blood&Honour“ (B&H) ins Visier der Öffentlichkeit. Im Nachbarland existierten bereits Ende 1999 Sektionen von „Blood&Honour“ in Vorarlberg, Tirol, und Wien. 2002 war ein Konzert in Vorarlberg unter anderem mit der Chemnitzer Band „Blitzkrieg“, deren Musiker aus dem NSU-Netzwerk stammen, geplant. Über 1000 Gäste wurden erwartet. Auch das Chemnitzer Skinzine „White Supremacy“ von Jan Werner schrieb über die österreichischen Ableger, die sich nach der Auflösung von „Blood&Honour Südtirol“ 2001 durch die italienische Polizei und darauf folgenden Hausdurchsuchungen zerstritten. 2003 kam es zu einer heftigen Schlägerei zwischen der rivalisierenden Wiener und Vorarlberger Sektion. Wenig später soll es allerdings ein Treffen zwischen internationalen Aktivisten in einer Berghütte in Vorarlberg gegeben haben – es ging um die Fortführung von „Blood&Honour“. In Thüringen zum Beispiel bestand das Netzwerk nach dem bundesdeutschen Verbot im Jahr 2000 im Untergrund bis 2006 weiter. 2003 wurde ein Konzert mit den bekannten bundesdeutschen Szene-Bands „Noie Werte“ und „Endstufe“ in der Heimatregion des Amokläufers angekündigt.

2005 war Gregor S. an einem Angriff auf ein Punk-Konzert in Bludenz beteiligt. Die angreifenden Neonazis seien mit Baseballschlägern, Pfeffersprays und Gaspistolen bewaffnet gewesen. Die Vorarlberger Szene wurde zunehmend aktiver und gewaltbereiter. 2009 gab es eine Massenschlägerei zwischen Rockern und Neonazis mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten. Der Installateur mit den dunklen Haaren fiel bis etwas 2010 immer wieder im Zusammenhang mit Gewalttaten auf.

Für Thüringen geplantes „Blood&Honour“-Konzert in Vorarlberg

S. kannte auch den „Die Rechte“-Funktionär Markus Walter, der zeitweilig in Liechtenstein, aber auch in Verden an der Aller wohnte. Das ergaben Recherchen der Autonomen Antifa Freiburg. Auf Facebook postete Walter folgenden Satz an S. und andere treue Gefolgsleute: „Viele Wegbegleiter entpuppten sich als charakterlose Versager oder Verräter und sind größtenteils nicht mehr aktiv, oder sind gar dem jüd****** Zeitgeist zum Opfer gefallen! Doch der wahren Bewegung bricht das kein Bein ab, ganz im Gegenteil es trennte sich eher die Spreu vom Weizen – und das ist auch gut so! Doch diejenigen die stehen blieben, sind wahrlich charakterstarke Personen wo selbst die Freundschaft bis heute trotz unzählige hunderte Kilometer Entfernung überdauert! DANKE! ;)“

Über Walter kann auch S.s Faible für bundesdeutsche Holocaust-Leugner oder einschlägige Gruppen wie die „Europäische Aktion“ entstanden sein. Noch im März dieses Jahres fand ein für Thüringen geplantes „Blood&Honour“-Konzert in Vorarlberg statt. Politiker der österreichischen Grünen wiesen darauf hin, dass die Kameraden zuvor in einem Schießstand in Feldkirch einen Schießwettkampf durchgeführt hätten. Einer von S.s Neonazi-Freunden poste stolz mit einer Knarre im Anschlag. Der Amokschütze selbst zeigte sich im Internet eher harmlos, postete aber die Neonazi-Musikveranstaltung „Fest der Nationalen“ – „In.Bewegung“ – die im Juli in Sonderhausen in Thüringen stattfinden soll.

 

„Sommer, Sonne, NPD“

„Sommer, Sonne, NPD« Murnau ©Screenshot
„Sommer, Sonne, NPD« Murnau ©Screenshot

Erneut veranstaltete der Neonazi Matthias Polt einen Redner- und Liederabend für seinen NPD-Berzirksverband Oberbayern in seinem Szeneladen “Versand der Bewegung” in Murnau. Für Gäste sorgen sollten die Reden von Sascha Roßmüller und Baldur Landogart, der seit kurzen Beisitzer im Bundesvorstand der NPD ist. Als Musiker wurde “Lunikoff” angekündigt. Das Motto: “Sommer, Sonne, NPD”. Weiter“„Sommer, Sonne, NPD“”

 

Rechte Hools suchen Konfrontation in Dresden-Neustadt

Rechte Hools suchen Konfrontation in Dresden-Neustadt
Neonazi-Drohungen im Netz. Ziel ist die alternative Neustadt in Dresden

“Antifa zerschlagen!”, “Wir geben niemals nach” – mit martialischen Parolen und Bildern rufen rechtsextreme Hooligangruppen für heute  Abend zum “Sturm auf das Zeckenviertel” Dresdner Neustadt auf. Grund ist der für den Abend geplant PEGIDA-Aufmarsch, der in der Neustadt starten soll. Politiker und Initativen gegen Rechts warnen vor Übergriffen durch organisierte Neonazis. Die Polizei sieht hingegen keinen Grund zur Sorge. Weiter“Rechte Hools suchen Konfrontation in Dresden-Neustadt”

 

Teure Wahlwerbung – NPD muss Strafe zahlen

Wenn die NPD trotz Aufkleber am Briefkasten Werbung einwirft, kann man vor Gericht gehen
Wenn die NPD trotz Aufkleber am Briefkasten Werbung einwirft, kann man vor Gericht gehen

Die tägliche Werbeflut im Briefkasten kann richtig nerven. Wenn die Post dann aber auch noch von rechtsextremen Parteien kommt, wird es richtig ärgerlich. Im brandenburgischen Buchholz haben mehrere Personen gegen die unerwünschte Nazi-Propaganda geklagt. Mit Erfolg: die NPD muss für eingesteckte Flugblätter nun 4.000 Euro Strafe zahlen. Weiter“Teure Wahlwerbung – NPD muss Strafe zahlen”

 

„Allgida“ 2.0: Alter Wein in neuen Schläuchen

Aufruf zur Demo „Asyl stopen“ in Kempten ©Screenshot
Aufruf zur Demo „Asyl Stopen“ in Kempten ©Screenshot

Alter Wein in neuen Schläuchen, aber jetzt noch blöder: Nach dem Scheitern von „Allgida“ spielt sich nun ein Tätowierer ohne Studio auf zur „Division Kempten – Nationaler Widerstand“ und kündigt für den 25.6. – etwas holprig – eine Demonstration „Deutsche zu erst Asyl Flut stopen“ als „Allgida Kempten“ an. Als Kundgebungsredner werden Viktor Seibel und der Initiator Michael K. selbst versprochen. Darauf macht die antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München aufmerksam. Weiter“„Allgida“ 2.0: Alter Wein in neuen Schläuchen”

 

Sarrazin’s „Apologie des weißen Mannes“ im Bürgersaal

Sarrazin im Bürgersaal Betzigau

Vergangenen Montag durfte Thilo Sarrazin sein neues Buch „Wunschdenken“ in der bayerischen Provinz vorstellen. Den Auszügen aus seiner „Apologie des weißen Mannes“, bestehend aus analytisch schwachen Vorwürfen an die Politik, völlig ahistorischen Ausführungen zu Deutschlands Rolle in der Welt und diversen rassistischen Zuschreibungen lauschten allerdings gerade einmal 70 Personen. Ausgelegt war die Veranstaltung für weit mehr Gäste. Das Podium bot die Gemeinde Betzigau mit ihrem Bürgersaal. Weiter“Sarrazin’s „Apologie des weißen Mannes“ im Bürgersaal”

 

OSS: Bewaffneter Kampf oder bloß „heiße Luft“?

„Oldschool Society“ (OSS) Logo
„Oldschool Society“ (OSS) Logo

Im Prozess um die „Oldschool Society“ als terroristische Vereinigung haben sich bisher alle Angeklagten zu ihren persönlichen Verhältnissen eingelassen. Drei der Angeklagten geben sich als gescheiterte Existenzen, allein ihr „Präsident“ H. will in seiner jüngsten Vergangenheit als selbstständiger aber ungelernter Maler außerordentlich erfolgreich gewesen sein. Sein angeblich so protziger Lebensstil deckt sich allerdings nicht mit seinen Kontobewegungen. Er ist auch der einzige, der sich bisher zu den Vorwürfen der Anklagebehörde geäußert hat. Nach seinen Ausführungen, ist die Truppe über Alkoholexzesse, grillen und Gerede nie hinaus gekommen: „Meine Güte, da würde doch Deutschland schon lange flach liegen, wenn man alles glauben würde, was da alles in Schutt und Asche schon gelegt worden ist“. Weiter“OSS: Bewaffneter Kampf oder bloß „heiße Luft“?”

 

Antifaschist zu Bewährungsstrafe verurteilt – Neonazis als Belastungszeugen

Gegendemonstranten stellten sich am 18. April 2015 den Neonazis in den Weg © Jonas Miller
Gegendemonstranten stellten sich am 18. April 2015 den Neonazis in den Weg © Jonas Miller

Am Dienstag verfolgten zahlreiche Zuhörer den Prozess gegen einen Antifaschisten im Amtsgericht Fürth. Er wurde beschuldigt, zwei Neonazis verprügelt zu haben. Von dem Vorfall existiert kein Videobeweis, als Belastungszeugen traten lediglich Rechtsextremisten aus militanten Kameradschaften auf. Weiter“Antifaschist zu Bewährungsstrafe verurteilt – Neonazis als Belastungszeugen”