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Rechtsextremismus ist ein Jugendproblem!

 

Im Titel stecken zwei Fehler und wer sie findet, der darf laut „hier!“ brüllen und erhält dafür einen Keks. Denn nachdem ich gestern Christians Post über die „coolen Nazis“ gelesen habe, dachte ich darüber nach, was mich an seiner Aussage genau stört. Es wollte mir nicht einfallen, bis ich auf den Kommentar in der Jungle World gestoßen bin: Rechtes Gedankengut und ein gewisser Grad an Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit sind in dieser Gesellschaft kein Randproblem. Sie sind mitten in der Gesellschaft zu sehen – und ohne eine städtische Arroganz vorzutragen: vor allem in ländlichen Gegenden teilweise absoluter Konsens. Und damit auch kein alleiniges Jugendproblem.

Wenn Eltern ihre betrunkenen Jugendlichen gewähren lassen, dann akzeptieren sie die Nazilogik ihrer Kinder oder symphatisieren gar damit. Sie würden vielleicht nicht zu derartig „drastischen“ Mitteln greifen und selber auf Ausländerhatz gehen – aber die bösen Ausländer loswerden, wäre vielleicht gar nicht so schlecht. Soll der Staat mal machen.

Wenn der Bürgermeister das Problem kleinredet und als FDP Politiker in der Jungen Freiheit ein Interview gibt, das vor Verharmlosung des rechten Mobs nur so strotzt, dann geht es nicht nur um Imageschäden. Es geht darum, dass man selber gar kein so großes Problem damit hat, wenn Faschismus wieder Fuß fasst. Den FDP Vorstand stören derartige Aussagen kaum, wenn man sie denn im Lokalblatt revidiert – für sie ist der Fall erledigt. Es gibt kein Problem mit Rechten in der FDP. Genau, man hat mit denen in der FPD kein Problem (und ich möchte hierbei erwähnen, dass das Wortspiel frech und frei aus der Jungle World übernommen wurde ;)).

Wenn die Gelder gegen den „Rechtsextremismus“, der ja wie gesagt gar kein Extremismus ist, nur in Projekte gesteckt werden, bei denen es um Jugendliche geht, ignoriert man die deutsche Realität. Es wäre lächerlich zu behaupten, dass unter den 50 Menschen, die hasstrunken ihrer Ausländerjagd nachgehen, nur Jugendliche sind. Und es wäre ebenso grotesk zu behaupten, dass es unter älteren Menschen keine Symphatisanten gibt.
Daher ist es fatal, Geld nur an einige Regionen zu verteilen, die leuchtturmartig auf die anderen Dörfer strahlen. Und es himmelschreiend Geld an die regierenden Bürgermeister zu verteilen, die das Problem kleinreden oder gar nicht beachten (wollen). So werden Projekte allein gelassen, die das Problem beim Namen nennen. Und sie werden von den eigenen Bewohnern als Nestbeschmutzer beschimpft.

Natürlich könnte man das alles auch erklären: Angst vor dem Mob, Hilflosigkeit bei den Eltern, etc.

Aber löst das das Problem? Wird wirklich ernsthaft versucht Nazis loszuwerden oder akzeptiert man sie so nebenbei? Warum werden dann rechte Beratungsstellen diffamiert? Vor allem: Wieso lässt man es zu einer derartigen Eskalation erst kommen? Wieso lässt man xenophobes Gedankengut erst Wurzeln schlagen?

Und wieso akzeptiert die FDP derartig viele Gastschreiberlinge für die Junge Freiheit?

Nazitum und faschistisches Gedankengut ist kein Problem der Jugend – und sollte auch nicht so angegangen werden. Gesamtgesellschaftliche Probleme müssen als solche betrachtet und behandelt werden: engagierte Bürgermeiste, die das Problem kleinreden, sollten gar nicht erst gewählt werden, man sollte sich aktiv gegen eine rechte Entwicklung der eigenen Kinder einsetzen, und es muss eine staatliche Förderung geben, die nicht auf einen Sparkurs angelegt ist – und vor allem die Realität begreift.

Sicher, Verführung der unpolitisierten Jugendlichen ist eine Gefahr. Aber sie ist es eben nicht allein. Und sie hätte vermutlich deutlich geringere Chancen, wenn man seine Kinder mit solchem rassistischen Gedankengut nicht gewähren lässt. Es sind eben nicht nur dumme Jungenstreiche.