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Schläger hart, Birne weich

 

Wenn Jörg Hähnel, Mitglied im Bundesvorstand der NPD, den Schweriner Landtag betreten möchte, führt er auch schon mal einen 40 Zentimeter langen Teleskopschlagstock mit sich. Den trägt er routinemäßig immer bei sich, für alle Fälle. Was mir bisher unbekannt war: Der gelernte Landschaftsgärtner ist im Grunde seines Herzens ein Mann, der die Lieblichkeit der Natur zu schätzen weiß und dessen Gefühle in Moll gehalten sind.
Die Rechten schätzen an ihm nicht nur seinen harten Prügel, sondern auch sein Schaffen als wachsweicher Liedermacher. Dass böse Menschen keine Lieder hätten, ist ein Gerücht. Sie haben nur erstaunlich schlechte. Auf der Videoplattform Youtube gibt es ein hübsches Beispiel unfreiwilliger Komik. Zu gichtigen Gitarrenpickings, denen mit Soundkartenstreichern und Paukengegrolle Dramatik verliehen wird, knödelt er wenig lippensynchron einen recht allgemein gehaltenen Text, in dem es um Gerechtigkeit zu gehen scheint, tatsächlich aber behauptet wird, dass Meinungsfreiheit nicht für Rechte gelte: Sie werden – folgt man dem Text – von den Juden ans Kreuz genagelt, wenn sie ihre „Träume hinaus in den Tag“ schreien.

Interessant ist die Gestaltung des Videos: Mit einer holzigen Schachsymbolik wird die angebliche „Überfremdung“ Deutschlands beklagt: Ein einzelner Bauer wird überrannt von einer schwarzen Übermacht, da er sich zuvor darum bemüht hat, die unter schwarzen Platten verborgenen weißen Felder freizulegen. Besonders skurril ist eine Szene, in der ein weißer Springer scheu über den Spielfeldrand blickt, sich dann aber zurückzieht und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Hat das arme Tierchen den Teleskopschlagstock von Herrn Hähnel erblickt?

Es lohnt sich, durchzuhalten und das Video bis zum Ende zu schauen. Die Schlussszene ist von ergreifendem Irrsinn beseelt: Herr Hähnel hat seine sommerliche Wanderung durch Gottes herrliche Natur beendet und vor dem Schachbrett Platz genommen. In einem rührenden Akt der Freundschaft drückt er den geschlagenen weißen Bauer an sein Herz, senkt den unscharfen Blick und kuschelt ein wenig mit der Holzfigur. Auch Rechte haben offenbar Gefühle, wissen aber nicht so Recht, wohin damit.

15 Kommentare

  1.   Demokratin

    Und?

    Was stört Dich jetzt genau? Die Leute dürfen doch kuscheln und schmusen, wo sie wollen. Das erinnert mich an alte Heimatfilme. Kommen keine Edelweiß vor, die man dem Geliebten pflücken kann? Ach, sorry, die stehen ja heute unter Naturschutz.

    Schmusibusi! Hast Du was dagegen?

    Bist wohl neidisch. 😀

    Ok, sich stehe nicht drauf, aber jedem das Seine, mir das Meine, schon gehört?

    Toleranz bitte! 😉

  2.   Boris Fust

    Gewiss. Ich habe auch nichts dagegen. Ganz im Gegenteil: Ich hatte so manche frohe Minute mit dem Video. Selten so geschmunzelt.

    Neidisch bin ich natürlich sehr wohl. Mit Bauern knuddeln ist ja dank Privatfernsehen zurzeit sehr in.

  3.   Boris Fust

    Und jedem das Seine hab ich in der Tat schon mal gehört. Sogar gelesen, liebe Demokratin: in Buchenwald.

  4.   mosh!

    Es wundert mich nicht, dass der da mit dem Bauern kuschelt.
    Erstens:
    Gleich und gleich gesellt sich gern. Wenn sich der Hähnel nun allerdings als denjenigen darstellt, dem er in der Realität entspricht, macht es wiederum nur Sinn, wenn man nicht vergisst, dass aus seiner Position der weiße Bauer auch für einen Mitbürger stehen könnte, der definitiv ein weißer sein müsste und an seinem lächerlichen vorhaben irgendetwas „negatives“ (schwarz) zu beseitigen scheitert.
    Zweitens:
    Sich selbst bemitleiden empfinde ich schon als sehr egoistisch. Wenn in dieses Gefühl dann auch noch auf „Gruppen übertragen“ wird und diese Gruppe sich nun selbst mit kuscheln tröstet, mal ehrlich: Würde das der „Führer“ sehn, der würde sich im Grabe umdrehen! (entschuldigt das bitte!)
    Drittens:
    Mit wem soll er denn sonst kuscheln?
    Er hat wahrscheinlich genausoviele Freunde wie der weisse Bauer, nur das der Bauer bereits weg vom Fenster (oder Brett) ist und Jörg Hähnel leider noch nicht.

    Allerdings muss ich mich vielleicht auch ein wenig outen. Wenn es keinen Rechtsextremismus gäbe, was würde dann aus den links-extremen? Genau durch diese Extreme hält sich doch gewissermassen auch in der Politik ein Gleichgewicht. Wir sollten nur aufpassen, dass keine Seite heimlich überhand gewinnt. Daher finde ich auch diese Seite sehr gut, denn das Hänchen is mit seinen Leuten dabei genau das zu versuchen.
    Das hat Deutschland bereits von über 50 Jahren schon einmal erlebt und ich möchte nur sehr ungern die Geschichte nocheinmal passieren sehen!

  5.   NochEinNickname

    Hmm, also wenn es laut dem Video schon soweit kommt, daß die „Weißen“ ihren König verloren haben und nur noch ein Bauer da steht, dann war ihre Taktik schlichtweg suboptimal (extrementisch)! 😀
    Dann würde ich das Thema „Gerechtigkeit“ auch mal mit dem „Team-Leiter-weiß“ diskutieren, wie das sein kann, daß da nur noch EIN(!) Bauer steht! Eine starke Truppe? Ähm ja…
    Oder soll das auch symbolisieren, daß der Rest der Truppe, der adlige König plus Gemalin, oder der eher bürgerliche Turm, der gesellschaftliche Mittelstand in Form von Pferd und Läufer, keine Lust mehr auf dieses ewige jämmerliche „keiner hat mich lieb“ Gezeter des einen Bauern hatten? Frei nach dem Motto: Hör uff zu jammern, dit jeht ja ja nich! Ick jeh! Wo sind die anderen Bauern? Urlaub? Schlechte Planung oder?*g*
    So, und dann kommen die „Schwarzen“ an und singen: „No, Bauern, no Cry! No Bauern, no Cry!“

    Hmm, könnte aber auch sein, das nach dem Song das Licht angeht, die Kamera schwenkt zur Jurry und man hört Bohlen sagen: „Solange wir Stimmen wie deine haben, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Geburtenrate zurückgeht.“ oder „Du hast deinen ganz eigenen Stil, – aber den finde ich absolut Scheiße.“

    Man weiß es nicht! 😀

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli


  6. Ich musste auch schmunzeln (und tue es immer noch), als ich das Video gesehen habe.
    Mir gefällt besonders der pathetische Schluss. Erinnert mich an die ganz großen im Showgeschäft. Ob er sich diese Geste wohl hat patentieren lassen?! Zu raten wäre es ihm. Sonst wird sie nachher noch geklaut. Ist aber auch eine ungerechte Welt.

    Aber wahrscheinlich soll dieser Song einfach nur zur geschlossenen Unterstützung für die demokratische Partei des ehemaligen russischen Schachweltmeisters Garri Kasparow „Das andere Russland“ aufrufen.

    Kasparow ist übrigens Sohn eines deutschstämmigen Juden und einer Armenierin. Die gesamte Familie war sehr musikbegeistert.

    Aber hey, was soll man sagen, Herr Hähnel versucht sich im kreativen Ausdruck. Er offenbart seine weiche, mitfühlende, fast empathische Seite.
    Wenn er das auch noch auf seine menschenverachtende Einstellung Ausländern und Andersdenkenden gegenüber anwendet, wird aus ihm vielleicht ja eines Tages sogar noch ein „lupenreiner Demokrat“.

  7.   ich nu wieder

    hach ja, wenn nazis doch immer so schön unfreuwillig peinlich wären…aber hähnel ist ja ein ganz gutes beispiel: mal mit dem schlagstock unterwegs, mal mit der gitarre…


  8. […] Störungsmelder » Schläger hart, Birne weich omg, das video.. Tags: none […]

  9.   tenzin

    schachregel nr 1.

    der könig ist immer auf dem feld

    *gg*

  10.   Björn

    Um mal zum Thema zurückzu kommen.
    Bei 6000 gewaltbereiten Linksextremisten in Deutschland (laut Verfassungsschutz) und 500 Verletzte Polizisten letztes Jahr bei G8 in der Nachbarstadt Rostock durch Linke tut man vielleicht besser daran sich ein Verteidigungswerkzeug mitzunehmen.