Wir müssen reden. Über Nazis.

Von richtigen und Pantoffeldemokraten

Von 4. Januar 2010 um 12:52 Uhr

Der sichtbare Widerstand gegen Rechtsextremisten findet auf der Straße bei Demos und im Internet in den einschlägigen Blogs statt. Der DFB hat eine Zeitlang mit sehr sympathischen „Integrationsvideos“ dezent auf das Problem hingewiesen. That´s all. Mehr passiert sichtbar nicht. Dabei müsste natürlich viel, viel mehr geschehen, wie diejenigen wissen, die das Problem ernst nehmen.

Ein Kommentar des politischen Geschäftsführers des Piraten-Landesverbandes Schleswig-Holstein

Der Rechtsextremismus muss auf ganzer Linie von allen demokratischen Kräften geächtet werden. Stillschweigende Duldung durch vornehme Zurückhaltung ermuntert die Rechtsextremisten nur und führt nachweislich zu weiterer Expansion. CDU/CSU und FDP sind genau so wie alle anderen Demokraten aufgerufen, jeden Zentimeter unserer Demokratie zu verteidigen. Sie halten sich an dieser Stelle jedoch aus weitestgehend unbekannten Gründen zurück und beschränken sich bei ihrem Engagement auf anlassbezogene Sonntagsreden. Das aber ist nicht genug.

Wenn wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber haben, dass die Rechtsextremisten politisch gestellt werden müssen, dann muss dieser Konsens auch spürbar und sichtbar sein. Wenn es daran weiterhin so wie bisher fehlt, dann bleibt es dabei, dass Demos und Kundgebungen gegen den Rechtsextremismus als bloßer Existenznachweis der Antifa und der so genannten Linken abgetan werden. Diese Disqualifikation von mutigen Engagement und viel Zivilcourage ist schnellstmöglich zu beenden. Die Feigheit und Verlogenheit der so genannten bürgerlichen Mitte an dieser Stelle ist unerträglich und auch nicht nachvollziehbar.

Das Engagement gegen den Rechtsextremismus kann sich vom Klischee der Linkslastigkeit allerdings so lange nicht selbst befreien, wie CDU/CSU und FDP ihre Teilnahme verweigern. Eingeladen wurden sie oft genug, geantwortet haben sie nur sehr selten. Deshalb kann nur gemutmaßt werden, warum sie kneifen und sich verweigern. Schlüssige und nachvollziehbare Gründe scheint es jedenfalls nicht zu geben. Wir alle würden sie ja sonst kennen.

Zu gerne möchte ich mich mal auf einer Demonstration rechts bei einem CDU-Mann und links bei einem FDP-Mann einhaken und gemeinsam skandieren, dass wir über alle Parteigrenzen hinweg dieses Land gegen Nazis verteidigen wollen und werden. Wie beeindruckend wäre es, wenn neben den „üblichen Verdächtigen“ auf Demos gegen Nazis, Faschisten und andere Rechtsextremisten endlich auch diejenigen zahlenmäßig solche Veranstaltungen aufwerten würden, die als politische Trittbrettfahrer bislang davon profitierten, dass andere engagierte Demokraten über ein viel stärker ausgeprägtes Pflichtbewusstsein an dieser Stelle verfügen.

Wer den Rechtsextremismus der Polizei und den Schlapphüten als Aufgabe überlässt, womöglich Demos gegen Nazis abqualifziert und selbst den Pantoffeldemokraten gibt, der darf sich nicht wundern, wenn er sich über Nacht in einem anderen Land wiederfindet, dass ihm diese dekadente Grundhaltung nicht weiterhin erlauben wird. Die Zahlen des BKA-Präsidenten Ziercke, wonach der Rechtsextremismus mindestens 30.000 Anhänger hat, von denen etwa 10.000 gewaltbereit sind, unterstreichen, dass das dargestellte Szenario von Tag zu Tag wahrscheinlicher wird. Zwei bis drei antisemitische Straftaten jeden Monat und tausende von Gewalttaten alljährlich scheinen die Leute von CDU/CSU und FDP, die sich ansonsten bei weitaus geringerer Bedrohung als hyperaktiv erweisen, nicht wachzurütteln.

CDU/CSU und FDP! Wo seid Ihr, wenn es darauf ankommt?

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 17.

    “Dennis real one” ist wohl ein herausragendes Beispiel dafür, dass einige keinen Bock haben bei einer Anti-Rechts-Demo teilzunehmen. Mal abgesehen davon das “rechts” (als Synonym für rechtsextrem/rassistisch/….) als politischer Kampfbegriff missbraucht wird, wird auch nicht Links- und Rechtsextremismus gleichgesetzt. Zumindest nicht auf inhaltlicher Ebene, der Maßstab ist nur die Akzeptanz (bzw. Stellung) zur Verfassung, nicht mehr und nicht weniger. Der Inhalt ist völlig egal, entscheident ist das gegen die Grundwerte gewettert wird. Ich wüsste nicht, dass irgendjemand behauptet hätte, dass beide Seiten die gleichen Inhalte vertreten würden.

    Klar ist es tragisch, dass einige Projekte jetzt wohl dichtmachen können. Andererseits ist es schon komisch, dass bislang nur so einseitig gefördert wurde, wenn der wesentliche Maßstab die FDGO sein soll. Ob der Linksextremismus gefährlicher ist als der Rechtsextremismus kann nicht objektiv festgestellt werden, es ist eine Frage des Maßstabes den man anlegt.

    Vielleicht mal etwas zu dem Vorwurf: Es erscheint mir ungewöhnlich, wenn sich Politiker neuerdings persönlich um ihre Webpräsenzen kümmern. Aus eigener Erfahrung ist das zumeist die Aufgabe diverser Praktikanten oder Mitarbeiter, ob man aus der Verlinkung persönliche Präferenzen ablesen können bleibt also fraglich.

    Um das ganze mal in dem Artikel einzubetten: Die Art und Weise wie man mit dem Rechtsextremismus umgeht ist entscheident. Erstmal stellen sich die folgende Fragen: Was versteht man unter diesem Begriff? Wie wichtig ist das Thema? Mit welchen Mitteln soll agiert werden? Welche Motivation liegt der Teilnahme zu Grunde (ideologischer Backround)?

    Wen sich eine Gruppe finden und sich im Kampf gegen Rechts verbrüdern soll, dann sollten sich die gegebenen Antworten zumindest nicht widersprechen – ansonsten gibt es keine Basis.

    Antworten

    • 7. Januar 2010 um 19:01 Uhr
    • Sebastian Ziegler
  2. 18.

    Ein aktuelles Zitat und ein paar interessante Links mit aktuellem Bezug zum Thema:

    ### schnipp ###

    Hallo,

    ohne uns groß in eure Diskussion einmischen zu wollen, nur als Hinweis dieses Zitat aus den Absprachen zu den Aktionen des No-pasarán-Bündnis und von “Nazifrei-Dresden stellt sich quer”.

    “Der Aktionskonsens heißt für den 13.02: Von uns wird keine Eskalation ausgehen. Aktionsformen die dem Charakter einer friedlichen Massenblockade entgegenstehen, sollen sich in einer hinreichenden Distanz zu den Blockaden abspielen. Um die Bündnisfähigkeit auch den nächsten Jahren nicht zu gefährden, wird darum gebeten, in alle Richtungen zu kommunizieren, dass dieser Aktionskonsens von allen Beteiligten eingehalten wird. Gleichzeitig sind wir grundsätzlich und prinzipiell solidarisch mit allen, die sich den Nazis entgegen stellen.”

    - jemand vom AK Antifa Dresden

    ### schnapp ###

    Projektgruppe 13. Februar – Dresden
    http://wiki.piratenpartei.de/SN:Gruppen/Projektgruppe_13Februar

    Unterstützungserklärung – Sachsen
    http://wiki.piratenpartei.de/Sachsen/Unterst%C3%BCtzungserkl%C3%A4rung

    Aufruf zu friedlichen Blockaden (!)
    http://www.dresden-nazifrei.de

    bitte beachten:
    http://www.dresden-nazifrei.de/wp-content/uploads/footer.jpg

    und Einen hab ich noch
    http://identi.ca/notice/18534379

    ¡no pasarán!
    inkorrupt
    Mitglied der Piratenpartei seit September 2006 ;-)

    ps @ hobbybauer: gruuß!

    Antworten

    • 9. Januar 2010 um 02:51 Uhr
    • Mirco da Silva
  3. 19.

    [...] die wir entschlossen bekämpfen wollen. Aber dazu hatte ich ja bereits  im Blog der ZEIT, dem Störungsmelder, ausführlich [...]

    Antworten

  4. 20.

    [...] Dudda hat in der Zeit ein Plätzchen gefunden, einen sehr schönen und inhaltlich guten Artikel zu veröffentlichen.  Nur eines stört mich: Der Begriff [...]

    Antworten

  5. 21.

    [...] rechne diesen Mann den “Pantoffeldemokraten” zu, über die ich im Blog der ZEIT geschrieben habe. Herr Stein, die Patronen, mit denen die Mörder des NSU ihre Opfer erschossen haben, wurden nicht [...]

    Antworten

  6. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)