Wir müssen reden. Über Nazis.

Nazi-Drohbriefe gegen Dresden-Blockierer

Von 23. Februar 2010 um 17:12 Uhr

Nachdem in Dresden erfolgreich der Neonazi-Aufmarsch zum 65. Jahrestag der Bombardierung der Stadt verhindert werden konnte, war die Stimmung bei den angereisten Nazis im Keller. Einige hundert randalierten auf der Rückfahrt am Abend in Pirna und Gera. In Berlin tauchten jetzt Drohbriefe gegen Unterstützer des Blockadebündisses auf.

Zwei Tage nach dem Naziaufmarsch besuchte ich die Stadt Pirna. Vor Ort konnte man die Spuren der Nazigewalt noch sehen – Fenster und Tür des örtlichen SPD Büros sind zerstört worden. In dem Haus ist auch der Verein Aktion Zivilcourage e.V. untergebracht.

Die rund 400 Nazis waren am 13. Februar mit der Bahn aus Dresden gekommen und sollten in die dort in bereitstehende Reisebusse umsteigen. Die allermeisten von ihnen wohnen also nicht in dem Ort. Plötzlich vermummten sich die Rechten und liefen parolengrölend und mit Pflastersteinen bewaffnet durch Pirnas Straßen. Die Polizei wurde von der Aktion offenbar überrascht und schaffte es nicht den Mob rechtzeitig zu stoppen. Ein SPD-Mitarbeiter, der sich in dem Büro befand, konnte sich gerade noch retten und in einem hinteren Raum einschließen.

Aber der Frust der Nazis geht noch weiter. Bereits im Vorfeld des 13. Februar wurden in mehreren Städten Gebäude von Nazis mit rechten Parolen beschmiert, weil dort ansässige Organisationen zur Anti-Nazi-Demo in Dresden aufgerufen haben. Unter anderem traf es ein Büro der Grünen in Berlin-Neukölln. Auf das Wahlkreisbüro der Dortmunder Linskpartei-Abgeordneten Ulla Jelpke, wurde ein Anschlag mit Buttersäure verübt und die Scheiben zerstört. Aber es kommt noch dicker: In den letzten Tagen haben mehrere Berliner Unterzeichner des Aufrufs „13.02.2010 Dresden Nazifrei. Gemeinsam blockieren“ Drohbriefe an ihre Privatadresse erhalten. Unterschrieben ist der Brief mit „Kommando 13. Februar“.
Dabei handelt es sich um einen nicht frankierten weißen Briefumschlag, der ein Streichholz enthält sowie den Text: „Kommando 13.Feb. – …dein Leben  interessiert uns brennend…“.

Es wird allen empfohlen , die ähnliche Drohbriefe erhalten haben, Strafanzeige zu erstatten und die Betroffenen gebeten, sich bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), der Berliner  Opferberatungsstelle Reach Out oder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) zu melden.

Die Angriffe und Drohungen durch Neonazis zeigen einmal mehr, wie schwer die erfolgreiche Verhinderung des Aufmarschs die Rechten getroffen hat und lässt gleichzeitig ihre wahre gewalttätige, menschenfeindliche Fratze zum Vorschein kommen.

Die Zivilgesellschaft darf sich jetzt durch rechte Bedrohungen nicht einschüchtern lassen, sondern muss erfolgreiche Strategien, wie die in Dresden, konsequent weiter fortsetzen und sich mit den Opfern rechtsextremer Gewalt solidarisieren.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hart

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    • 23. Februar 2010 um 18:01 Uhr
    • Kevin Groß
  2. 2.

    [...] Quelle: Störungsmelder [...]

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  3. 3.

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by klein_p: http://bit.ly/burRv9 #Nazis verschicken #Drohbriefe…

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  4. 4.

    Naja, trotz der massiven Bedrohungen und Einschüchterungen durch einige der gewaltbereiten rechten Kameraden wird wohl Polizei und Justiz (Gerichte)wieder sehr harmlos mit der Strafverfolgung umgehen. Und wenn dann mal Rechtsextreme Gewalttäter geschnappt werden, dann helfen denen gut bezahlte Anwälte zu laschen Bewährungsstrafen und Sozialstunden: “die armen Kerle hatten ja auch eine schwere Kindheit, wenn die Eltern arbeitslos, Alkoholiker und selbst mit Gewalterziehung gegen das eigene Kind vorgegangen sind, da hat sich halt der arme Junge die Vorbilder der Kameraden gesucht und der Jung-Nationalen Parteien, welche doch eine excellente Jugendarbeit machen”… Polizei und Justiz Dein Freund und Helfer ??? Hahaha- wie denn wenn aus Kostengründen Personalstellen abgebaut werden und Anwälte bestechlich sind und mit Parolen der Nazis sympathisieren ???
    Deutschland wird immer mehr zum peinlichen Karrikaturstaat. Und sowieso, was nützt es einen Tag lang den Aufmarsch der Nazis zu blockieren und sich Händchen zu halten in Dresden, wenn auf der anderen Seite in der Stadtpolitik Gelder für präventive Jugend-und Sozialarbeit gestrichen werden ??? Dort liegt der Hund begraben. Die Gesellschaft ist sich im zukunftsorientierten Handeln mit Gewalttätern nicht einig. Genauso mit den Amokläufen an Schulen !!! Ich bin selbst Erzieher in der Jugendarbeit. In den Schulen und Ausbildungsstätten dürfen durch den hohen Leistungs-Zensurendruck und Mobbing die “sensiblen, psychisch beeinträchtigten” Schüler nicht vernachlässigt werden. Wäre ja gut, wenn doch mancher Lehrer oder mancher Schuldirektor mal einen sensibleren Umgang mit Schülern pflegen würde und nichtimmer gleich so hart sanktionieren würde. Auf der anderen Seite muss das Thema Mobbing durch Schüler in die Öffentlichkeit gebracht werden und mobbende Schüler in die Grenzen gewiesen werden. Ich arbeite viel mit psychisch kranken Jugendlichen, da ist eine zu konsequente Erziehung fehl am Platz. Wer nicht psychisch krank ist, hat zu lernen mit Kritik umzugehen und lernt auch seine Aggressionen zu steuern. Viele gewaltfreie Jugendliche bauen ihre Aggressionen in sportlichen Hobbys ab, und sei es z.B. regelmässiges Fitnessstudio.

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    • 23. Februar 2010 um 20:50 Uhr
    • bernoi
  5. 5.

    [...] bzw. Widerstand gegen nazibraune Sch…. und wird anschließend per Brief bedroht, wie ein Blogartikel der Online-Publikation der Zeitung “Die Zeit” berichtet.  Falls Sie betroffen sind, [...]

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  6. 6.

    Hallo, kleiner Fehler: Die Briefe waren nicht grundsätzlich weiß und nicht frankiert. Meiner kam mit der Post. Es wird sich jetzt herausstellen, wie stark die Bedrohung ist. Ich hoffe, das Dreckspack wird möglichst schnell gefasst.

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    • 24. Februar 2010 um 01:10 Uhr
    • Anonymität hat ihren Vorteil
  7. 7.

    [...] Störungsmelder » Nazi-Drohbriefe gegen Dresden-Blockierer [...]

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  8. 8.

    @ bernoi

    “Anwälte bestechlich sind und mit Parolen der Nazis sympathisieren”

    Nur weil ein Anwalt einne (Neo-)Nazis erfolgreich vertritt, heißt das noch lange nicht das er mit ihm sympathisiert. Jeder hat das Recht auf eine Verteidigung und der Anwalt die Pflicht diese nach besten Wissen durchzuführen. Ansonsten könnte man sich auch Prozesse sparen und gleich zur Selbstjustiz oder Standgerichten übergehen.

    Mal davon abgesehen frage ich mich gerade, inwiefern ein Anwalt bestechlich sein soll. Was soll die Bestechung eines Anwaltes, wenn es nicht gerade der Staatsanwalt ist, bringen? Ein Anwalt wird für seine Dienste bezahlt, klar – ebenso wie sie bezahlt werden das sie ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen.

    Und wenn sie meinen zu wissen, dass Staatsanwälte bestechlich sind, dann frage ich mich zumindest woher sie das wissen wollen. Wo sind die Beweise?

    Ihren Ärger über die “milde” Verurteilung in allen Ehren, aber wirklich sachlich ist dieser Teil ihrer Ausführungen nicht.

    Das man Geld, Zeit und Aufwand – also die zur Verfügung stehenden Ressourcen – lieber in Jugend- und Bildungsarbeit stecken sollte, als in irgendwelchen Blockaden, da würde ich Ihnen zustimmen. Wahrscheinlich würde das solche Drohbriefe bzw. Drohungen viel eher verhindern. Die (wahrscheinlich illegale) Blockade wirkte scheinbar wie ein Brndbeschleuniger, zumindest was das Gewaltpotential der Szene anbetrifft. Einen wirklichen Gefallen hat man sich wohl mit der ganzen Aktion (gemeint ist die Blockade) nicht getan.

    Bleibt zu hoffen, dass nichts schlimmeres passiert als ein Drohbrief und die Verfasserr schnell gefasst werden.

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    • 24. Februar 2010 um 13:12 Uhr
    • Sebastian Ziegler
  9. Kommentar zum Thema

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