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Kampf um den Kiez

 

Sturmlokale, Straßenschlachten und politisch motivierte Morde mitten in Kreuzberg. Ein neues Buch untersucht Auseinandersetzungen zwischen SA-Gruppen und Kommunisten und die anschließenden Gerichtsverhandlungen in den Jahren vor Hitlers Machtübernahme. Während die Nazis meist freigesprochen wurden oder nur milde Strafen erhielten, mussten kommunistische Angreifer mit hohen Haftstrafen rechnen. Ein Freifahrtschein für den Straßenterror von Hitlers Schlägertrupps.

Franz Rasek und seine Frau befanden sich auf dem Nachhauseweg nach einer Laubenpieper-Versammlung im Norden von Berlin als die Männer über sie herfielen. Von mehreren Messerstichen in den Kopf getroffen starb Franz Rasek wenig später, die Täter kamen vor Gericht.

Nein, es geht nicht um die in letzter Zeit geführte erregte Diskussion um Gewalt in U-Bahnhöfen und die Frage ob diese von Gerichten härter geahndet werden müssten. Die Täter in diesem Fall waren SA- Männer, das Opfer Kommunist. Der Tatzeitpunkt: Sommer 1930.

In seinem Buch „… wird mit Brachialgewalt durchgefochten“. Bewaffnete Konflikte mit Todesfolge vor Gericht. Berlin 1929 bis 1932/1933 untersucht der Berliner Historiker Johannes Fülberth diesen Fall sowie 17 weitere Vorkommnisse von politisch motiviertem Totschlag zwischen Links und Rechts in Berlin am Ende der Weimarer Republik. Hierbei ordnet er die Fälle in den historischen Kontext ein und geht besonders der Frage nach, wie und ob die sich beschleunigende und radikalisierende Gewalt von Polizei und Justiz begegnet wurde.

Dabei kommt er zu einem durchaus differenzierten Fazit: Zwar wurden Angehörige der SA fast immer milder verurteilt als die angeklagten Kommunisten, doch forderte die Staatsanwaltschaft teilweise auch harte Strafen für die SA-Täter, denen in manchen Fällen die Richter nachkamen – wie zum Beispiel im erwähnten Fall Rasek, in dem auch der der von dem Angeklagten vor Gericht demonstrativ getragenen Weltkriegs-Orden kein milderes Urteil herbeiführen konnte. Gleichwohl bleibt eine eindeutige Parteilichkeit zur Seiten der Rechten festzustellen, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie zu Beginn der Weimarer Republik.

Anschaulich durch zahlreiche zeitgenössische Zeitungsartikel und atmosphärisch dicht durch die Details aus den Polizei-Akten ist das Buch nicht nur für Historiker und Juristen Lesenswert und stellt zahlreiche bislang unbekannt gebliebene Fälle vor. Ein lesenswertes Buch, das einen ganz neuen Blick auf das historische Berlin wirft.

Das Buch kann hier bestellt werden

4 Kommentare

  1.   Josef

    Total schlimm.

  2.   Türkenmafioso

    .


  3. Ich habe heute Morgen auf dem Blog „Hassmenschen“ über den Brandanschlag in Solingen 1993 gelesen. Die Initiative, daran zu erinnern, kann ich nur begrüßen:
    http://hassmenschen.blogspot.com/2011/05/solingen-1993-menschenhasser-verbrennen.html

    Solche Morde sind der „Erfolg“ von Hasspredigern.

  4.   Ümür

    Ich habe heute Morgen die NPD Seite gelesen.
    Nazis raus, Freiheit für Kurdistan…überall.