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Andreas Molau – Wanderer in einer unbekannten Welt

 

Andreas Molau will aus der rechtsextremen Szene aussteigen. Nach über zwanzig Jahren in der Szene gibt es kaum eine Organisation, kaum einen Verlag und kaum einen führenden Kopf, mit dem Molau keinen Kontakt hatte. Der politische Werdegang des Niedersachsen liest sich wie ein „Handbuch des Rechtsextremismus“.

Seit der Jugend aktiv

Der 1968 geborene Molau stammt laut eigenen Angaben aus einer unpolitischen Familie. Bereits im Alter von 17 Jahren fand er durch Kontakte zur Jugendorganisation der NPD den Weg in die extreme Rechte. Schnell konnte er vor allem im Bereich der „Neuen Rechten“ Fuß fassen und veröffentlichte ab Ende der 80er Jahre in den einschlägigen Publikationen. Nach seinem Wehrdienst begann er 1988 ein Lehramtsstudium im „roten Göttingen“, was ihn weiter prägen sollte. Hier wurde er Mitglied der Deutschen Hochschulgilde Trutzburg-Jena zu Göttingen und versuchte eine Gruppe des Nationaldemokratischen Hochschulbundes, der ehemaligen Studentenorganisation der NPD, in Göttingen aufzubauen. Schon während seines Studiums begann er für die Junge Freiheit, das Leitmedium der „Neuen Rechten“ in Deutschland, zu arbeiten und übernahm später als leitender Redakteur den Kulturteil des Blattes. Aufgrund eines Streites um zu große Nähe zur Holocaustleugnung musste Molau 1994 die Junge Freiheit verlassen. Er arbeitete in den Folgejahren vor allem für rechtsextreme Verlage und wirkte hier als Herausgeber und Autor.

 

Ausstieg die Erste: Untertauchen.

Als der studierte Lehrer 1996 eine Stelle an der freien Waldorfschule Braunschweig annahm, wurde es nach außen ruhiger um den Vielschreiber. Grund war jedoch nicht sein Ausscheiden aus der Szene sondern die Wahl verschiedener Pseudonyme, unter denen Molau seine publizistische Arbeit bruchlos fortsetzte: Er gab weiterhin Bücher raus und schrieb für rechtsextreme Magazine. Der Schule wurde die politische Ausrichtung erst bekannt, als Molau 2004 um seine Beurlaubung bat, damit er eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle bei der NPD im Sächsischen Landtag annehmen konnte. Die Schule kündigte daraufhin seinen Vertrag. Wie viele andere akademisch geschulte Köpfe der rechtsextremen Szene dachte auch Molau, der Einzug der NPD in den Landtag wäre ein Aufbruch. Nur so ist sein Wechsel und die Aufgabe seiner Anstellung bei der Schule zu erklären.

 

NPD, GfP, DVU, Pro NRW: Etwas vergessen?

Innerhalb der NPD konnte Molau schnell aufsteigen, er galt als Hoffnungsträger und war mit seiner intellektuell-gefestigten Ideologie sowie seinem Studium eher die Ausnahme in der Partei. Keine Springerstiefel, keine Vorstrafen und rhetorisch talentiert. 2005 wurde er Vorsitzender der Gesellschaft für freie Publizistik, der größten rechtsextremen Kulturorganisation in Deutschland, und schaffte ein Jahr später den Sprung in den Parteivorstand der NPD. Doch jenseits all der Ämter vermochte es Molau nie eine Hausmacht in der NPD aufzubauen. Diese Tatsache und eine völlige Selbstüberschätzung durch seinen schnellen Aufstieg leiteten mit seiner Kandidatur um den Parteivorsitz 2009 seinen Abschied von der Partei ein. Nach einer innerparteilichen Schmutzkampagne wechselte er 2009 zur DVU, welche er bereits im März 2010 wieder in Richtung Pro NRW verließ. In einer anscheinend schnell zusammengeschriebenen Presseerklärung heißt es nun von Pro NRW, dass Molaus Engagement bereits im Juni durch Markus Beisicht, den Vorsitzenden von Pro NRW, beendet worden wäre. Dies scheint kaum glaubwürdig.

Überrascht von der Szene?

Der Weg, den Molau durch die braune Landschaft gewandert ist, ist kein kurzer. Er sollte die Szene von all ihren Seiten kennen, arbeitete er doch in Verlagen, Parteien und auch mit den neonazistischen Kameradschaften teils eng zusammen. Hierzu zählten auch Figuren wie Dieter Riefling, der aus seiner neonazistischen Gesinnung und seiner Affinität zur Gewalt wohl kaum einen Hehl gemacht haben dürfte. Schlussendlich entschied sich der studierte Lehrer sogar zur Kandidatur der in weiten Teilen neonazistischen NPD.

Doch Molaus Weg führte eben in den letzten Jahren auch immer bergab und dürfte wenig mit der euphorischen Stimmung 2004 gemein gehabt haben. Mit der Wendung an den Verfassungsschutz hat er nun tatsächlich alle Türen zu den alten Kameraden zugeschlagen. Welche Ursachen Molaus Ausstieg tatsächlich hat, kann man derzeit nur schwer erahnen. An einer Rede von Udo Pastörs allein dürfte dies kaum gelegen haben.