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Magdeburg: Nazi-Aufmarsch soll Geschichte werden

Von 7. Januar 2013 um 09:00 Uhr

Am 12. Januar werden wieder weit über 1.000 Neonazis in Magdeburg ihre geschichtsrevisionistische Ideologie auf die Straße tragen. Damit etabliert sich der Aufmarsch weiter als „Ersatz-Dresden“. Bisher gilt Magdeburg als sichere Alternative für die Neonazis, Proteste wie in Dresden gibt es bisher nicht.

Von Redaktion Publikative.org.

2012 marschierten rund 1.200 Neonazis durch Magdeburg, Foto: Kai Budler.

Die geschichtsrevisionistischen Demonstrationen gehören zu den wichtigsten Großveranstaltungen der rechtsextremen Szene in Deutschland. Ende der 1990er Jahre entdeckten Neonazis deutschlandweit das öffentliche „Trauern“ für sich. Seitdem gewannen besonders Demonstrationen zur Verherrlichung von NS-Größen und „Trauermärsche“ für die Toten der alliierten Bombenangriffe erheblich an Bedeutung. Besonders der jährliche Aufmarsch tausender Neonazis in Dresden war für die Szene zentral – sogar europaweit. Doch die Blockaden der Nazigegner führten in den letzten Jahre zum stetigen Bedeutungsverlust des Aufmarsches und nicht zuletzt zu hoher Frustration innerhalb der extremen Rechten. So wurde eines der wichtigsten neonazistischen Events durch zivilgesellschaftliches Engagement Geschichte. Immer mehr Neonazis wichen nach Magdeburg aus und die Teilnehmerzahlen stiegen allmählich an. Doch das Ausweichen aus Dresden zeigt auch, dass innerhalb der Szene bisher kaum Strategien und Konzepte gegen zivilgesellschaftliche Massenproteste existieren. So sind das Ausweichen und Wegbleiben eben durchaus als „Kapitulation“ zu verstehen. Anders in Magdeburg: Hier sind die Proteste deutlich geringer, hier besteht nicht die Gefahr blockiert zu werden, hier kann man in Ruhe marschieren. 2010 stieg die Teilnehmerzahl auf 1.000 an und konnten sich in den folgenden beiden Jahren bei rund 1.200 stabilisieren. Damit wurde der geschichtsrevisionistische Aufmarsch in Magdeburg über die Jahre einer der größten und wichtigsten deutschlandweit, wenn er auch nicht die Bedeutung von Dresden hat.

Magdeburg 2013: NPD, wo bist du?

Am 12. Januar wollen Neonazis wieder ihren „Trauermarsch“ in Magdeburg durchführen. Verantwortlich für die Organisation ist das NPD-Bundesvorstandsmitglied und Vorsitzende der Jungen Nationaldemokraten, Andy Knape. Doch trotz Knapes hoher NPD-Posten hält sich die Partei bei der Organisation und dem Bewerben des „Trauermarsches“ auffällig zurück. Bereits in den vergangenen Jahren trat die NPD hier kaum in Erscheinung. Besonders mit dem Druck des kommenden Verbotsverfahrens dürfte dies kaum im Interesse der Partei liegen. Stattdessen organisiert die sächsische NPD parallel zum Aufmarsch ihren Landesparteitag und zeigt damit ein wenig kooperatives Verhalten. Auch auf der Rednerliste sucht man vergeblich nach rechtsextremer Prominenz. Neben Knape wird Maik Müller, Organisator der Naziaufmärsche in Dresden, sprechen. Seit Jahren sind beide Initiativen eng miteinander verbunden. Doch Müller war in den letzten Jahren für seine Vorbereitungen in Dresden auch in den eigenen Reihen hart in die Kritik geraten. Ein weiterer Redner aus Magdeburg und ein Neonazi aus Bayern komplettieren das wenig bedeutsame Ensemble. Auch hier zeigt sich, dass der Veranstaltung in Magdeburg innerhalb der Szene deutlich weniger Bedeutung zugemessen wird als Dresden.

Auch 2012 gab es bereits Blockadeversuche, Foto: Kai Budler.

Auf nach Magdeburg

Dennoch braucht die Szene nach zahlreichen Organisationsverboten und dem anstehenden NPD-Verbotsverfahren gerade in diesem Jahr ein Erfolgserlebnis, um die eigenen Kameraden zu motivieren: Daher ist für den 12. Januar mit bis zu 1.500 teilnehmenden Neonazis zu rechnen. Im gleichen Maße, wie der Aufmarsch an Bedeutung gewonnen hat, würden auch erfolgreiche Blockaden zur Frustration führen. Wenn nach Dresden auch Magdeburg zur „No-Go-Area“ für den geschichtsrevisionistische Neonaziaufmärsche werden würde, wären die beiden größten Veranstaltungen dieser Art faktisch passé. Dies dürfte neben dem politischen Willen vor Ort nicht zuletzt davon abhängen, wie viele Menschen sich den Neonazis auch in Magdeburg in den Weg stellen.

Publikative.org wird ab Freitag von der Vorab-Demo bis Samstag ausführlich über den Neonaziaufmarsch berichten.

Kategorien: bundesweit, Sachsen-Anhalt
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Proteste wie in Dresden gibt es bisher nicht”

    Zehntausende Bürger haben in unterschiedlichsten Aktionen die Naziaufmärsche blockiert es gab Auschreitungen und viele Festnahmen. Man sollte vielleicht ordentlich recherchieren bevor man einen Artikel schreibt, indem der Eindruck erweckt wird die “Braunen” laufen hier unbehelligt durch die Straßen. Die Magdeburger Bürger engarieren sich stark gegen den Krawalltourismus der jedes Jahr den Gedenktag überschattet. aber passt ja wieder ins mediale Bild in Magdeburg gibts nur Nazis und Arbeitslose, da erwarte ich von der Zeit eine etwas differenzierte Darstellung.

    • 8. Januar 2013 um 16:35 Uhr
    • Bürger_MD
  2. 2.

    Magdeburg lädt ein zur Meile der Demokratie, bereits zum 5. Mal:
    http://meilederdemokratie.wordpress.com/

    Es gibt ein vielfältiges Programm; in der Innenstadt wird den Nazis kein Platz eingeräumt. Sowohl der 12.1. als auch der 19.1. stehen in diesem Jahr im Fokus. Am 19.1. wird es Mahnwachen geben:
    http://www.facebook.com/events/499949740038640/

    • 9. Januar 2013 um 12:57 Uhr
    • Bürger_MD II
  3. Kommentar zum Thema

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