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Dortmunder Neonazis solidarisieren sich mit Holocaustleugner

Von 12. Januar 2013 um 10:18 Uhr
Neonazi Gottfried Küssel in einem Gerichtssaal in Wien © Heinz-Peter Bader/Reuters

Neonazi Gottfried Küssel in einem Gerichtssaal in Wien © Heinz-Peter Bader/Reuters

Rund 25 Neonazis haben am Freitagabend in Dortmund eine Kundgebung anlässlich der Verurteilung des österreichischen Rechtsextremisten Gottfried Küssel abgehalten.

Rechtsrockmusik tönte durch die Dortmunder Innenstadt als sich die Dortmunder Neonaziszene am Abend zu einer Kundgebung versammelte. Grund dafür war ein Urteilsspruch des Wiener Landesgerichtes zu 9 Jahren Haft wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen Gottfried Küssel. Er gilt als die Schlüsselfigur der rechten Szene in Österreich. Küssel wurde beschuldigt, Betreiber der inzwischen gesperrten Neonazi-Homepage „Alpen-Donau.info“ zu sein, auf der seit 2009 rassistische und antisemitische Inhalte verbreitet wurden. Zwar konnte während der Verhandlung nicht vollständig erwiesen werden, dass Küssel tatsächlich der Betreiber der Seite war, das Gericht sah in ihm jedoch zumindest den Initiator. Neben ihm wurden noch zwei weitere Neonazis schuldig gesprochen.

Kein unbeschriebenes Blatt

Für Küssel, welcher sich offen als Nationalsozialist bezeichnet und den Holocaust leugnet, kam belastend hinzu, dass er sich bereits durch ähnlichen Delikte strafbar gemacht hatte. Er verbüßte deswegen schon einmal eine 5-jährige Haftstrafe. 2011 wurde er im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Alpen-Donau.info in Untersuchungshaft genommen. Bereits zu dem Zeitpunkt kam es in Österreich und Deutschland, auch in Dortmund, zu Solidaritätsaktionen der rechten Szene. Dies ist darauf zurückzuführen, das Küssel im deutschsprachigen Raum gut mit anderen Neonazis vernetzt war. Oft trat er in Deutschland als Redner auf Naziaufmärschen auf.

Erklärung zum Märtyrer

In Reden machten die Dortmunder Neonazis auf ihrer Kundgebung Küssel hingegen zu einem vermeintlichen Justizopfer, welches aufgrund eines „Gesinnungsparagraphen“ verurteilt wurden sei. Zudem verglichen sie die Verurteilung mit der Menschrechtssituation in China oder Syrien. Des Weiteren verteilten die Neonazis Flyer, die jedoch von den meisten Passanten dankend abgelehnt oder umgehend entsorgt wurden. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte der Dortmunder Kreisverband der Partei „Die Rechte“, in der sich die Dortmunder Nazis nach dem Verbot des „Nationalen Widerstand Dortmund“ neu organisiert haben.

Kategorien: Nordrhein-Westfalen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es ist ein Fehler die Flyer abzulehnen und sich nicht inhaltlich mit den Themen der rechten Bewegung auseinanderzusetzen. Ohne Dialog mit Andersdenkenden hat man keine Chance einen Wandel im Denken der Nazis herbeizuführen. Auch das Verbotsverfahren gegen die NPD wäre ein Fehler, weil die Nazis im Untergrund gegebenenfalls noch radikaler Marketing für ihre Gesinnung betreiben würden. Zudem sind die Nazis ein Auffangbecken für viele Protest- und Nichtwähler und ein gutes Barometer dafür, wie unzufrieden die Bürger mit dem politischen System sind. Gefährlich wird es erst, wenn sich die Nazis international organisieren und terroristische ausländische Extremisten die Organisation unterwandern. Ein Beitrag über den internationalen Rechtsextremismus wäre mal notwendig, wie z.B. die 80.000 rechtsextremistischen und möglicherweise gewaltbereiten Nazis in Russland.

    • 13. Januar 2013 um 09:19 Uhr
    • ANONYMOUS IRAN
  2. 2.

    [...] Rund 25 Neonazis haben am Freitagabend in Dortmund eine Kundgebung anlässlich der Verurteilung des österreichischen Rechtsextremisten Gottfried Küssel abgehalten. Rechtsrockmusik tönte durch die Dortmunder Innenstadt als sich die Dortmunder Neonaziszene am Abend zu einer Kundgebung versammelte. Grund dafür war ein Urteilsspruch des Wiener Landesgerichtes zu 9 Jahren Haft wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen Gottfried Küssel. Er gilt als die Schlüsselfigur der rechten Szene in Österreich. Küssel wurde beschuldigt, Betreiber der inzwischen gesperrten Neonazi-Homepage “Alpen-Donau.info” zu sein, auf der seit 2009 rassistische und antisemitische Inhalte verbreitet wurden. (Störungsmelder) [...]

  3. Kommentar zum Thema

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