‹ Alle Einträge

Eklat um rechte Umtriebe auf Burg Ludwigstein

 
Auch Vertreter der Neuen Rechten Jesko Wrede
Auch Vertreter der Neuen Rechten tauchten auf der Jugendburg auf © Jesko Wrede

Auf der Jugendburg Ludwigstein in Hessen sind völkische Jugendbünde willkommen. Bei einem Treffen Anfang Oktober gaben sich prominente rechte Publizisten die Klinke in die Hand. Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) hat nun sämtliche finanzielle Zuwendungen bis zu einer Klärung der Verhältnisse auf der Burg eingefroren.

Von Jesko Wrede

Stolz erhebt sich die Burg Ludwigstein über dem Werratal bei Witzenhausen an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Traditionell gilt die Burg Gruppen der Pfadfinder- und Wandervogelbewegung als geistiges Zentrum. Das Hessische Staatsarchiv betreibt hier eine Außenstelle, das „Archiv der Jugendbewegung“. Es finden Bildungsangebote und internationale Begegnungen statt. Doch seit einigen Jahren riskieren die Verantwortlichen vor Ort den guten Ruf der Jugendburg und ihrer Bildungsstätte.

© Jesko Wrede
© Jesko Wrede

So kamen bei einem „Markt der Jugendbewegung“ am 3. Oktober auf nicht nur einige Pfadfindergruppen auf die Burg, sondern auch herausragende Vertreter rechter Kaderschmieden. Es erschienen mehrere Personen, die in einem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung über Intellektuellen Rechtsextremismus erwähnt werden. So war auf dem „Markt der Jugendbewegung“ Götz Kubitschek zugegen. Der ehemalige Gildenschafter, frühere Autor der Jungen Freiheit und Leiter des Instituts für Staatspolitik betreibt heute mit der „Edition Antaios“, einen nationaloppositionellen Verlag.

Auf dem Hohen Meißner fand vom 2. bis 6. Oktober das Gedenken an den „1. Freideutschen Jugendtag“ im Oktober 1913 statt. Zu den Hauptfeierlichkeiten kamen zirka 3500 Menschen, überwiegend Pfadfinder und Wandervogelgruppen zusammen, um ihr Jubiläum zu begehen. Völkischen Bünden war eine Absage erteilt worden. Schon bei einem Vorbereitungstreffen 2010 waren sie von der Vorbereitung und Durchführung des „Meißnerlagers“ ausgeschlossen worden. Stattdessen wurde nach dem Ausschluss der rechten Gruppen eine „Meißner-Fahrt“ organisiert, an der nun die völkischen Gruppen teilnahmen.

Auch Dieter Stein, Chef der rechtskonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit hatte sich mit zwei seiner Kinder zu der Meißner-Fahrt eingefunden, die von der thüringischen Burg Hanstein über die Veranstaltung auf Burg Ludwigstein zum Hohen Meißner, einem nahe gelegenen Berg, führte. Stein schrieb darüber in der darauf folgenden Ausgabe seines Blattes.

Rechte Milieubildung

Im Zuge einer szeneinternen Debatte veröffentlichten die Gremien der Jugendburg Ludwigstein eine gemeinsame „Erklärung zur offenen Burg“.  Es ging hierbei um die Frage, ob Mitglieder des „Freibund-Bund heimattreuer Jugend“ oder des von der 1994 verbotenen Wiking-Jugend abgespaltenen „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ zu Veranstaltungen der Jugendburg zugelassen werden sollten. Seitdem nimmt nicht nur der Freibund regelmäßig an Burgveranstaltungen teil. Auch der „Deutsche Mädelwanderbund“, die „Fahrenden Gesellen – Bund für deutsches Leben und Wandern“ und die Deutsche Gildenschaft besuchen die Burg – und nutzen sie auch für eigene Veranstaltungen.

So feierten im Mai 2009 die „Fahrenden Gesellen“ ihr 100-jähriges Bestehen auf der Burg. Im September 2010 urteilte das Landgericht Berlin mit

© Jesko Wrede
© Jesko Wrede

Hinweis auf die Schriften des Vereins, dass die Aussage, die „Fahrenden Gesellen“ seien „verbandelt mit führenden Rechtsradikalen und propagieren ein Deutschlandbild in den Grenzen von 1939“ als legitime Meinungsäußerung zu werten sei (Aktenzeichen 27 O 288/10). Noch heute besagt deren „Bundesgesetz“, das nur „unbescholtene Deutsche“ Mitglied des Vereins werden können. Ein Mitglied der Fahrenden Gesellen fungierte als Bauleiter bei der Errichtung eines neuen Gebäudes auf der Burg. Das Bundesfamilienministerium teilte auf Anfrage mit, dass das Bauvorhaben wurde mit einer Summe von 150.000 Euro gefördert, das Hessische Sozialministerium gibt an, dass die gesamte Fördersumme 350.000 Euro im Jahr 2009 und weitere 150.000 Euro in 2011 betrug.

„Der Verfassungsschutzbehörde bekannt“

Die Niedersächsische Landesregierung erklärte auf Anfrage der Linken im Januar 2010, dass deren Verfassungsschutzbehörde die Aktivitäten von Deutscher Gildenschaft und Freibund – Bund Heimattreuer Jugend “mit großer Aufmerksamkeit [verfolge], um zu prüfen, ob die Grenze zur verfassungsfeindlichen Bestrebung überschritten ist.”

Die Deutsche Gildenschaft ist eine Studentenverbindung, die sich gemäß einer Selbstdarstellung „mit nationaler Überzeugung und [in] bündischer Tradition“ als Dachverband ihrer regional aktiven Gilden und als Lebensbund versteht. Vor kurzem gab es Schlagzeilen in Thüringen als bekannt wurde, dass Regierungssprecher Karl-Eckard Hahn Mitglied der „Deutschen Hoschulgilde Trutzburg Jena zu Göttingen“ sei. Bis zu einer Prüfung der Gruppierung durch die Bundesinnenministerkonferenz lässt Hahn seine Mitgliedschaft nun offiziell ruhen.  Ein langjähriger Aktivensprecher der Gildenschaft hat sich in den letzten Jahren als Kurator des Archivs der Jugendbewegung auf der Burg profilieren können.

„Leute wie Dich hätte man früher vergast“

Im März vergangenen Jahres wurde ein Besucher des „Beräunertreffens“ auf der Burg Ludwigstein im Laufe einer Auseinandersetzung über die Nachtruhe mit den Worten beleidigt, Leute wie ihn „hätte man früher vergast“. Der Staatsschutz ermittelte gegen Unbekannt, das Verfahren ist ohne Ergebnis eingestellt worden. Auf Anfrage geben die Verantwortlichen der Burg an, der Impuls zur Aufklärung „der damals im Raum stehenden Vorwürfe“ sei von einer ihrer Bildungsreferentinnen ausgegangen. Anfang Oktober erschien mit Steffen Hupka ein bekannter Neonazi-Aktivist zum „Markt der Jugendbewegung“. Er wurde vom Burgbetriebsleiter des Geländes verwiesen. Eine Idee, warum solche Personen sich von ihren Veranstaltungen angezogen fühlen, haben die Burgverantwortlichen vorgeblich nicht. Mit ihrem Wissen seien „in den letzten zehn Jahren“ Burgveranstaltungen „zu keiner Zeit von Neonazis besucht, zumal Extremisten vom Besuch der Burg ausgeschlossen“ seien, heißt es auf Anfrage. Aufgefordert, die Offenheit gegenüber völkisch-nationalistischen Gruppen zu begründen, antworten die Burgverantwortlichen dem Störungsmelder “den undefinierten Begriff ‚völkisch-nationalistische Gruppen’“ zöge man „als Entscheidungsgrundlage nicht heran; die Grundlage unseres Handelns bildet der Rechtsstaat. Dies fordern sowohl unsere Satzung als auch unser öffentlich-rechtlicher Bildungsauftrag. “

Der wichtigste Fördermittelgeber der Burg, das Hessische Sozialministerium, zeigt sich von den Zuständen auf der Burg jedoch überrascht. Sozialminister Grüttner erklärt nach Anfrage des Störungsmelders: „Solange die aufgeworfenen Fragen und Vorwürfe nicht eindeutig geklärt sind, werden keine Landesmittel mehr fließen. Das betrifft alle Zuwendungen, auch Entscheidungen über Investitionsförderungen, die derzeit anstehen. Das Hessische Sozialministerium wird sehr zeitnah das Gespräch mit den Vertretern der Jugendburg Ludwigstein suchen und die Vorwürfe prüfen.“

Der Artikel ist eine gekürzte Fassung des Original-Textes von Jesko Wrede. Den ganzen Text finden Sie hier.

39 Kommentare

  1.   Eva Müller

    Wo bleibt die Gegendarstellung???
    Warum sieht man nicht die hier geposteten Kommentare???


  2. […] Herr Wrede hat nun einen Artikel geschrieben, in dem alles vorkommt: Rechtsextreme die die Burg besuchen, Neurechte wie z.B. Herrn Kubitschek und […]

  3.   B. Langbehn

    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Der aktuelle Vorfall auf der Burg Ludwigstein offenbart, wo die Trennlinie der Burg in Bezug auf den rechten Rand verläuft: NPD-Funktionäre werden der Burg verwiesen, Protagonisten der Neuen Rechten dürfen bleiben.
    Gleichzeitig offenbart er auch den Schwachpunkt des Konzepts „Offene Burg“, da dort lediglich ein paar allgemeingültige Phrasen gedroschen werden, aber nicht geklärt wird, wer denn nun genau kommen und an Veranstaltungen der Burg teilnehmen darf. Eine „Begegnung mit Extremisten (im Sinne der Definition der Bundeszentrale für politische Bildung)“ wird dort ausgeschlossen – führt aber zu nichts, da es diese Definition gar nicht gibt. Stattdessen kann man verschiedene Einschätzungen finden, in denen u.a. auch die Neue Rechte dem rechtsradikalen Spektrum zugeordnet wird.
    Also wie denn nun?
    In meinen Augen ist es für die Jugendbewegung wichtig, ihren rechten Rand auszuloten – die überwiegende Mehrheit hat das beim diesjährigen Meißnerlager getan. Ich frage mich, warum die Burg seit Jahren an Freibund, Fahrenden Gesellen und Deutscher Mädelwanderbund festhält und ich hoffe sehr, dass die Burg den Mut zu einer Kurskorrektur besitzt.
    Die Reaktionen der Burg auf den Artikel von Jesko Wrede enttäuschen mich – wie gewohnt wird jegliche Kritik in einer selbstherrlichen Art und Weise ignoriert, und anstatt sich der Problematik wirklich anzunehmen wird auf die zahlreichen vorbildlichen Veranstaltungen der Burg verwiesen.
    Und das ist auch der Grund, warum ich der Burg mit meiner Jugendgruppe in Zukunft weiterhin fernbleiben werde – ich möchte mich nicht vor den Karren dieser nach rechts offenen Burg spannen lassen und als Feigenblatt für die Integration völkisch-nationalistischer Jugendbünde dienen.

    Man kann nur hoffen, dass es die Burg zusammen mit dem Hessischen Sozialministerium schafft, genauere Kriterien auszuloten, für welche Veranstaltungen und welche Personenkreise Fördermittel verwendet werden.

    Insofern ist es gut, dass dieser Artikel beim Störungsmelder erschienen ist!

  4.   Dr.Gert Maichel

    Ja, das ist ein großer Skandal!
    Aber anders als Herr Wrede meint.
    Ich habe von Anfang bis zum Ende an der Meißnerfahrt auf dem Ludwigstein teilgenommen. Nicht an einer einzigen Stelle habe ich bei den im großen oder kleinen Kreis abgegebenen Stellungnahmen, Vorträgen usw. eine von Herrn Wrede vermutete verdächtige „völkische“ oder „nationalistische“ rechte Stellungnahme gehört.
    Seine Hinweise auf den jetzigen Regierungssprecher der thüringischen Landesregierung sind lächerlich. Die Deutsche Gildenschaft in eine verfassungsfeindliche Ecke zu stellen, ist skandalös. Zwei frühere Staatssekretäre der hessischen Landesregierung waren Mitglieder der Deutschen Gildenschaft, die sich entschieden von nationalistischen Ideen distanziert hat.
    Die in großer Anzahl bei der von Herrn Wrede angeprangerten Meißnerfahrt teilnehmenden Jugendlichen aus der christlichen Pfadfinderscene sind wohl auch der beste Beweis dafür, welche verdrehte Sicht dieser Alarmist von den Fakten hat.
    Aus der Tatsache, dass zwei einzelne Personen (Herr Kubitschek und Herr Stein – wie man sie auch sonst einschätzen möge) auch zeitweise auf der Jugendburg waren, ohne dass sie dort irgendeine öffentliche oder sonstwie geartete Äußerung zum Besten gegeben haben, oder dass irgend ein einzelnes zweifelhaftes Buch unter den vielen Bücher und sonstigen Angeboten war, den Schluss zu ziehen, dass die Jugendburg Ludwigstein „rechte Umtriebe duldet“, wirft ein schlechtes Bild, aber nur auf Herrn Wrede und insbesondere seine Fähigkeit bzw. Unfähigkeit zu differenzieren, denn er scheint ja wohl von der Jugendburgleitung verlangen zu wollen, dass jeder Besucher und wenn er nur irgendwo teilnimmt, sein politisches Gesinnungszeugnis vorher ablegt.
    Herr Wrede, hören Sie auf die Jugendburg Ludwigstein bei ihrer großartigen Arbeit zu stören!!!
    Dr. iur.Gert Maichel

  5.   Deutsche Gildenschaft

    Zum wiederholten Mal hat Herr Jesko Wrede nun den Versuch unternommen, uns und unseren Bund in eine undemokratische Ecke zu stellen.

    Noch einmal sei hier festgestellt:

    Die einzelnen Gilden, die sich in der Deutschen Gildenschaft zusammengeschlossen haben, verstehen sich als Gemeinschaften, die Studentinnen und Studenten am jeweiligen Hochschulort einen Rahmen bieten, der ihnen eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht. Dies bedeutet für eine jugendbewegte Studentenverbindung, dem zunehmend stromlinienförmigen und verschulten Studium das Erlebnis der Gruppe, den offenen Diskurs über akademische Themen und nicht zuletzt die Persönlichkeitsbildung durch Diskussion und fairen Streit entgegenzusetzen. Hier sind uns Urteilsfähigkeit und geistige Grundhaltung wichtiger als eine politische Richtung – es zählt der Mensch. Wichtiges Element dieser Lebensführung ist das unmißverständliche Bekenntnis unseres Bundes und seiner Mitglieder zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und zu unserem Staat.

    In der Quedlinburger Erklärung aus dem Jahr 2008 heißt es hierzu:

    „Die wachsende Politikverdrossenheit in Deutschland gibt zunehmend Raum für Extremismus an den Rändern des politischen Spektrums. Als überparteilicher Bund, der junge Menschen zu verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft vorbereiten will, hat sich die Deutsche Gildenschaft in allen ihren grundsätzlichen Erklärungen immer zur freiheitlich-demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung bekannt. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den Problemen unserer Zeit, darunter auch den Fehlentwicklungen und Gefährdungen unseres Staates.“

    Wir tragen gerne die Bürde jener, die bestehende Probleme und Fehlentwicklungen unserer Zeit offen ansprechen und kritisch hinterfragen. Wir sind jedoch nicht länger gewillt, uns mit den Mitteln von Agitation und Propaganda aus dieser zutiefst demokratischen Grundhaltung nun eine undemokratische Einstellung konstruieren zu lassen.

    Wenn Herr Wrede aus der Antwort des Niedersächsischen Innenministeriums auf die Anfrage der damaligen Abgeordneten Zimmermann (DIE LINKE) zitiert, dann muß er sich fragen lassen, warum er den eigentlichen und sehr eindeutigen Kern der Antwort verschweigt:

    „Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse rechtfertigen keine Einstufung dieser Organisationen als Beobachtungsobjekte des Verfassungsschutzes.“
    (Niedersächsischer Landtag – 16. Wahlperiode – 60. Plenarsitzung am 21. Januar 2010, Hervorhebung durch uns)

    Der angekündigten Überprüfung durch die Innenministerkonferenz, inwiefern die Deutsche Gildenschaft im „freiheitlich-demokratischen Spektrum“ verankert ist, sehen wir mit großer Zuversicht entgegen. Seit der Wiedergründung im Jahr 1958 setzen sich Gildenschafter aktiv für den Rechtsstaat und die darin verbürgten Freiheitsrechte ein. Nicht wenige riskierten ihre eigene Freiheit, indem sie sich aktiv an der Fluchthilfe junger Studenten aus der DDR beteiligten. Ein weitaus größerer Teil engagiert sich im Kleinen durch seine berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit für unser Land und seine Menschen.

    Die Deutsche Gildenschaft stellt sich klar und deutlich gegen tatsächlichen Rechtsextremismus. Eine Bedrohung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sehen wir jedoch nicht nur bei Extremisten gleich welcher Couleur, sondern auch bei vermeintlich sozial engagierten Bürgern wie Jesko Wrede, die, einem eindimensionalen Freund/Feind-Denken verhaftet, versuchen, Andersdenkende mit juristisch nicht handhabbaren politischen Kampfbegriffen zu stigmatisieren, durch konstruierte Bilder gesellschaftliche Ängste zu schüren und damit in der Geschichte hart erkämpfte demokratische Werte wie Toleranz und Meinungsfreiheit zu untergraben.

    Daß die Berichterstattung durch Herrn Wrede nicht der journalistischen Sorgfaltspflicht entspricht, war schon einmal per Gerichtsbeschluß festgestellt worden. Der Bericht selbst war von außenstehenden Journalisten nach dem ersten Überfliegen als „tendenziös“ eingestuft worden. Wir hätten vom Hessischen Sozialministerium und auch von der Redaktion der „ZEIT“ bei der Beurteilung einer mehrfach ausgezeichneten Bildungseinrichtung wie jener auf Burg Ludwigstein mehr Fingerspitzengefühl erwartet.

    http://deutsche-gildenschaft.de/index.php/home/aktuelles

  6.   Götz Kubitschek

    Unter der Überschrift „Über dieses Blog“ beschreibt der „stoerungsmelder“ seine Aufgabe so: „Hier geht es um Neonazis. Wo sie auftreten, was sie sagen und vor allem: was man gegen sie unternehmen sollte.“ Ich frage mich also, was Jesko Wredes Bericht über die Meißnerfahrt, über meine einen Tag währende, nostalgische Beteiligung an der Wanderung (mit einem kleinen Kind auf der Schulter und einem an der Hand) oder Dieter Steins Schnupperkurs in Sachen Wandervogel in diesem Blog zu suchen hat.
    Ich kann mich so oder so in Gehirne wie jenes von Jesko Wrede nicht hineinversetzen, es muß jedenfalls kein schönes Leben sein, sich tagaus tagein mit etwas zu beschäftigen, das man für gefährlich, eklig, jedenfalls der Zerschlagung für würdig hält.
    Das Phänomen ist letztlich ein oft beschriebenes: Wrede ist im Kern fasziniert von dem, was er aufsucht und dokumentiert. Er wäre gern dabei, aber irgendetwas erlaubt es ihm nicht, und so bekämpft er, was er sucht, was ihn sucht und was ihn längst gefunden hat. habt mitleid und geduld, denn:

    einmal wird er mit uns lachen,/ einmal mit uns lieder tauschen,/und wird singen und wird lauschen,/weit bis in die nacht./dann, gesellen, dann ist es vollbracht.

  7.   Swaantje Ziegler

    Wenn eine Zeitung mit „Eklat“ titelt, dann sollte es einen solchen auch gegeben haben. Da ich in der Nähe der Burg wohne, besuche ich regelmäßig die dort stattfindenden Märkte. Der Markt der Jugenbewegung stellte sich mir als etwas Besonderes dar: Die jungen Menschen zeigten eine solche Offenheit und Freundlichkeit, wie ich es selten erlebt habe.
    Kinder durften schmieden und basteln, die Jugendlichen waren überall, aber auch die ganz Alten schienen dazuzugehören. Als ich ein paar Mädchen in roten Blusen ansprach, kamen wir derart nett ins Gespräch, dass ich mich am liebsten zu ihnen gesetzt hätte.
    Ich war die ganze Zeit da. Die Stimmung war die ganze Zeit gut. Die lokale Presse war ebenfalls anwesend und schilderte die Dinge so, wie ich sie erlebt habe.
    Liebe Zeit, mit Ihrem Bericht haben Sie einen gewaltigen Fehlgriff getan!

  8.   torben

    ich zitiere mal aus dem „beräunergespräch“-protokoll von 2008.

    „Weiterhin wäre davon auszugehen, dass die Präsenz rechter Gruppen einen Sogeffekt bewirkt, der neben weiteren rechten Gruppen zwangsläufig das Interesse der öffentlichen Presse weckt.“ (siehe: http://tinyurl.com/or2oypt)

    und jetzt ist 2013 und wir tun alle überrascht ob der vom Himmel gefallenen Ereignisse und dem Interesse der öffentlichen Presse!

    Danke für diesen Artikel.

  9.   malte sieker

    unten findet sich der link zur stellungnahme der burg ludwigstein, die herrn wrede bereits vorlag, bevor er seinen “beitrag” in verschiedenen foren streute. dieser wird im übriegen nicht dadurch richtiger, dass man ihn weiter und weiter im netz verbreitet – dieses handeln setze ich mit hetze gleich!

    http://www.burgludwigstein.de/Stellungnahme-Burg-Ludwigstein.758.0.html

    hier noch ein link, der auch ganz interessant ist:
    http://imdrittenring.wordpress.com/
    von herrn wrede wird dieser aspekt der burg nicht beachtet – vielleicht weil er damit nicht die gewünschte aufmerksamkeit erregt?!

  10.   Anne

    Die Deutsche Waldjugend (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Waldjugend) hat heute folgende Erklärung und folgenden Appell veröffentlicht:

    Horrido,
    an diesem Wochenende veranstaltet die Waldjugend ihren Bundesforsteinsatz auf der Burg Ludwigstein. Wir halten es derzeit für dringend geboten, zu der Diskussion um die Burg Ludwigstein Stellung zu nehmen. Gleichzeitig nehmen wir im Nachklang des Meißner-Jubiläumslagers den Wunsch nach einem nachhaltigen gemeinsamen Wirken in der Jugendbewegung war. Vor diesem Hintergrund haben wir die angehängte Erklärung verfasst und bitten alle Bünde und jugendbewegte Gruppen, eine Unterzeichnung des enthaltenen Appells offen zu prüfen. Um eine breite Basis zu erreichen, haben wir uns um eine konsensfähige Formulierung bemüht. Bitte unterzeichnet also auch gerne dann, wenn ihr selbst deutlichere Worte gefunden hättet – wir halten eine gemeinsamen Appell und eine neue, breit geführte Diskussion für wichtiger als Wortklaubereien.
    Zur Mitunterzeichnung genügt eine E-Mail an bundesleitung@waldjugend.de. Dieser Brief und die Fortschreibung der Unterzeichnerliste findet sich unter Schwarzzeltvolk

    Die Waldjugend zur aktuellen Situation auf der Burg Ludwigstein

    Als Waldjugend sehen wir unsere Wurzeln im Naturschutz und in der Tradition der bündischen Jugendbewegung. In diesem Sinne führen wir seit Jahrzehnten unsere Bundesforsteinsätze auf dem Ludwigstein durch, einzelne Mitglieder sind aktiv in den Bauhütten oder der VJL oder haben als Freiwilligendienstleistende eine besondere Bindung zu dieser Identifikationsstätte der Jugendbewegung aufgebaut.

    Als demokratischer Bund und Mitunterzeichner der Mannheimer Resolution diskutieren wir schon seit mehreren Jahren kritisch mit den Verantwortlichen der Stiftung Jugendburg Ludwigstein und der Jugendbildungsstätte über den politischen und bündischen Hintergrund eines Teils ihrer Besucher. Uns verwundert daher die aktuelle Berichterstattung nicht. Sie ist für uns aber Grund, den bisher leise geführten Diskurs in die (bündische) Öffentlichkeit zu tragen.

    Dabei ist uns folgendes wichtig:
    Das Engagement der Deutschen Waldjugend auf der Burg Ludwigstein ist seit mehreren Jahren als kritische Begleitung einer auch aus unserer Sicht mindestens unglücklichen Entwicklung zu verstehen. Wir stimmen der Interpretation des Konzepts der „Offenen Burg“ durch die Verantwortlichen der Stiftung, des Burgbetriebs und der Jugendbildungsstätte ausdrücklich nicht zu. Entschieden distanzieren wir uns von Gruppen, die offen oder verdeckt völkisches oder nationalistisches Gedankengut fördern.

    Wir halten die Burg als überbündischen Identifikationsort der Jugendbewegung aber für zu wichtig, als dass wir sie durch unser Weichen noch weiter den umstrittenen völkisch-nationalistischen Gruppen überlassen können.
    Wir haben im Rahmen dieser Diskussion in den letzten Jahren mehrere Schritte unternommen:

    • 2010: Mehrere Gespräche mit Verantwortlichen der Jugendbildungsstätte und der Stiftung über unsere Kritik am Zugang der völkisch-nationalistischen Gruppen auf die Burg Ludwigstein.
    • 2011: Erstmalige Verlegung unseres Bundesforsteinsatzes auf die Burg Waldeck als Zeichen unseres Protestes gegen den zu offenen Kurs der Burg Ludwigstein
    • 2012: Erstmalige Verlegung unseres Fahrtenabschlusses auf die Burg Waldeck
    • 2011 – 2012: Insbesondere in der Schlussphase verstanden wir unser letztendlich erfolgreiches Bemühen, bei der Errichtung des Enno-Narten-Baus die aktivste bündische Gruppierung zu stellen, auch als Verhinderung einer möglichen Umdeutung des dritten Rings in ein Symbol neurechten Wirkens auf der Burg Ludwigstein.

    Leider müssen wir konstatieren, dass diese kritische und achtsame Begleitung nicht zum Umdenken geführt hat. Stattdessen ist festzustellen, dass sich zunehmend umstrittene Besucher von Veranstaltungen der Burg angezogen fühlen, während viele demokratische Bünde des Meißnerlagers den Ludwigstein zunehmend meiden.
    In der bündischen Bewegung wird derzeit intensiv darüber diskutiert, was vom 100jährigen Jubiläum des Freideutschen Jugendtages auf dem hohen Meißner bleibt – ja, ob er überhaupt etwas verändert hat. Aus unserer Sicht wird eine der bedeutsamsten Veränderungen dabei nicht ausreichend gewürdigt: Die bündische Jugendbewegung hat sich im Rahmen der Bundesführerversammlung des Meißner-Vorbereitungskreises unter hohem emotionalen Aufwand von völkischen und nationalen Gruppen distanziert und sie von der Teilnahme ausgeschlossen.

    In diesem Sinne rufen wir die Bünde des Meißner-Lagers auf, der Burg Ludwigstein nicht den Rücken zu kehren, sondern sie gemeinsam mit uns weiterhin in bewusster Achtsamkeit kritisch zu begleiten. Die Jugendburg Ludwigstein ist aus unserer Sicht ein passender Ort, um die Auseinandersetzung mit dem und die Abgrenzung zum rechten Rand weiter zu diskutieren und zu festigen.

    Gegenüber den Verantwortlichen der Burg Ludwigstein ist es uns auch in der jetzt öffentlichen Diskussion weiterhin wichtig, fair und wertschätzend zu kommunizieren. Wir erkennen den hohen Wert des außerbündischen Angebots der Jugendbildungsstätte für die demokratische Bildung junger Menschen an und haben am freiheitlich-demokratischen Wertegerüst der derzeitigen Verantwortlichen von Stiftungsvorstand, Burgbetrieb und Jugendbildungsstätte keine Zweifel. Umso mehr bedauern wir, dass die ausgezeichneten Projekte und Angebote durch die derzeitige Diskussion an Glanz verlieren. Es ist für uns ebenfalls nur schwerlich nachzuvollziehen, warum man sich dem Thema der Offenen Burg nicht mit der professionellen Distanz, der Offenheit und der ganzheitlichen Betrachtung nähern kann, die man im Arbeitskreis „Schatten der Jugendbewegung“ wertvoll und vorbildlich beweist.

    Horrido

    Kai Underberg,
    Für den Bundesverband

    Wir formulieren aus dieser grundsätzlichen Haltung folgenden Appell und freuen uns, wenn viele Bünde und jugendbewegte Gruppen unser Anliegen durch Mitunterzeichnung auf eine breite Basis stellen.

    Appell an die Jugendburg Ludwigstein im Meißnerjahr 2013

    Wir bitten die Verantwortlichen der Stiftung Jugendburg Ludwigstein um eine neue, ergebnisoffene Diskussion über die Interpretation des Konzepts der Offenen Burg.

    Neben der Überarbeitung der Kriterien für den bündischen Zugang und die bündische Mitwirkung auf der Burg fordern wir vor allem ein bewusstes Hinterfragen der aktuellen Anziehungskraft auf völkisch und nationalistisch gesinnte Kreise.

    Die unterzeichnenden Bünde sehen diese Attraktivität nicht als Zufall, sondern als zwangsläufige Folge der fast unbegrenzten Öffnung der Jugendburg Ludwigstein in einer Zeit, in der die breite Basis der Jugendbewegung für ihre Orte und Veranstaltungen mittlerweile klare Grenzen definiert hat.

    Die von den Gremien der Jugendburg Ludwigstein festgelegten Kriterien zum Ausschluss von Bünden empfinden wir – insbesondere für einen Ort der Jugendbegegnung – als unzureichend.
    Wer definiert die Jugendbewegung? Für uns sind dies nicht die Gremien der Burg, sondern die gewählten Vertreter einer breiten Basis der Bünde.

    Der ablehnende Beschluss der Bundsführerversammlung zur Meißnervorbereitung führt uns zurück zu der Grundsatzentscheidung, ob die umstrittenen Gruppen überhaupt als Teil der Jugendbewegung zu verstehen und somit von der Idee der Offenen Burg angesprochen sind.

    Die bündische Jugendbewegung ist nicht die einzige Subkultur, die sich mit den Strategien der neuen Rechten auseinandersetzen muss. Wir halten es für den Beweis von Stärke und der Bedeutung der Ludwigstein für angemessen, die gebotene und hier angemahnte Neuorientierung unter Einbeziehung und Moderation neutraler, anerkannter Experten zu gestalten. Wir begrüßen in diesem Sinne jegliches Engagement der Meißner-Bünde auf der Burg Ludwigstein.

    Im Namen der unterzeichnenden und auf der Burg aktiven Bünde: Wir lehnen die aktuelle Interpretation des Konzepts der Offenen Burg ab. Wir verwahren uns dagegen, dass unser Engagement als Beweis für die Funktionsfähigkeit des Konzepts oder zur Verharmlosung neurechter Umtriebe herangezogen wird.