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Frei.Wild – Rechtsrock ernst nehmen

 
Neonazi mit Frei.Wild-Schal beim Naziaufmarsch im Januar 2013 in Magdeburg © Jesko Wrede
Neonazi mit Frei.Wild-Schal bei einem Naziaufmarsch 2013 in Magdeburg © Jesko Wrede

Die 2001 in Südtirol gegründete Band Frei.Wild, die sich selbst als Deutschrock-Band beschreibt, versucht sich immer wieder ein unpolitisches Image zu verpassen – doch sie ist Sprachrohr eines keinesfalls unpolitischen Nationalismus. Die Band sorgte bei der Echoverleihung 2013 für Aufsehen, als sie wegen des Vorwurfs rechter Textinhalte nachträglich von der Nominierungsliste gestrichen wurde. Daraufhin kam es ausgerechnet von der rechtsextremen NPD zu Protesten.

Ein Kommentar

Im letzten Jahr beantragte das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit erstmals eine Indizierung einiger Texte der Band bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Das Verfahren wurde im Dezember eingestellt, da die Band die in dem Antrag genannten Internetquellen aus dem Netz entfernte. Das Thüringer Ministerium beantragte erneut eine Indizierung des Songs „Rache muss sein“ wegen seiner Anregung zu Gewalt und Selbstjustiz. Und wieder wurde der Antrag abgelehnt. Die Prüfstelle schätze den Song zwar als sehr kritisch ein, doch der künstlerische Kontext des gesamtem Albums würde den Song realtivieren – Die Songs von Frei.Wild bleiben damit jugendfrei.

Die Kunstfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung sind wertvolle Güter unsere Demokratie – rechtliche Hürden für Verbote sind Zeichen des Rechtsstaats. Dennoch muss eine genaue Auseinandersetzung mit Bands aus der rechten Grauzone stattfinden. Die Codes, die von Bands wie “Frei.Wild” in ihren Songs benutzt werden, müssen entschlüsselt und das Potenzial, das sie in einer rechtsgerichteten Szene freisetzen können, ernst genommen werden. Gerade für Jugendliche sind – Gewalt anregende Texte gefährlich. Die Rechtsrock-Szene hat immer wieder gezeigt, dass sie eine große Bedeutung für Rechtsextreme besitzt und die Vernetzung in der rechten Szene unterstützt. Wie die Antworten auf meine Kleine Anfrage „Frei.Wild“ an den Berliner Senat zeigen, schätzt der Senat die Band nicht als eine politische Band ein.

Aktuell zeigt der Angriff eines Frei-Wild-Fans auf den grünen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler, dass Anhänger der Band nicht zu unterschätzen sind und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Kindler hatte im November 2013 in Hannover auf einer Demonstration gegen Frei.Wild und gegen „völkische Ideologie und Nationalismus“ gesprochen. Anfang Februar wurde der haushaltspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion dann tagsüber im alternativen Stadteil Linden in Hannover von einem Frei.Wild-Fan angesprochen, ob er „der Sven von den Grünen“ sei und bei der Anti-Frei.Wild-Demonstration geredet hätte. Als Kindler das bejahte, griff der junge Mann ihn körperlich an, beleidigte ihn mehrmals als „Anti-nationaler Wichser“ und „Vaterlandsverräter“ und bedrohte ihn. Als Kindler über diesen Vorfall auf seiner öffentlichen Facebookseite berichtete, rollte eine Welle von Hass und Gewaltbedrohungen von Frei-Wild-Anhängern gegen ihn los. Der Bundestagsabgeordnete will sich aber nicht davon einschüchtern lassen und machte klar, dass er weiterhin gegen Nationalismus und rechtes Gedankengut aktiv sein will.

Frei.Wild verbreitet ein Weltbild, dass Vorurteile, Vereinfachungen und Abgrenzungen befördert. Es ist wichtig, rechte Musik nicht zu verharmlosen oder die Rolle von Musik im Rechtsextremismus zu unterschätzen. Nicht zuletzt hat die Aufarbeitung des NSU Komplexes gezeigt, dass rechte Musik ein Nährboden für die Radikalisierung von Neonazis sein kann. Deshalb sollten Prävention und Aufklärung gestärkt werden. Kinder und Jugendliche müssen für Strategien der rechten Szene sensibilisiert werden. Wir sollten genauer hinsehen und vor allem hinhören!

22 Kommentare

  1.   Andy

    … ich bin 45 Jahre und ein Fan von FREIWILD und war auch schon auf etlichen Konzerten inkl. mit dem FWSC Bus. FREIWILD Fans braucht man nicht zu unterschätzen. Wir sind nicht gefährlich und nicht gewaltbereit. Bei jedem Fussballspiel ist mehr Hass und Gewalt als bei einem FW Konzert. Zu dem Rechtsthema schreibe ich nichts mehr, vielleicht können Sie sich jetzt wieder auf die Onkelz stürzen und lassen FW in Ruhe Ihre Musik machen, denn 100tausende Fans können sich nicht irren, aber etliche Journalisten.

  2.   U Gath

    Auch hier gilt: “Schlagzeile groß, Hirn zu klein”!
    Aber is ja klar, dass von einen Grünin nichts vernüftiges kommen kann.
    “Versteckte Codes” in den Texten? Wohl zu viel bei der verwirrten Jutta Ditfurth abgeschrieben, ansonsten: “Paranoia ist im engeren Sinn die Bezeichnung für eine psychische Störung, in deren Mittelpunkt Wahnbildungen stehen.” => Da gibt es speuielle Ärzte für. 😉

  3.   lunartec9

    Blos weil es unter den Frei.Wild-Fans ein paar Rechte gibt (die gibts selbst bei den Ärzten) wird hier schon wieder das Neonazi-Fass aufgemacht… ein einzelner Spinner zum Durchschnitt erklärt – traurig ist das. Und ein subjektiver Journalismus, welcher der ZEIT eigentlich nicht würdig ist.

  4.   muad dib

    Was sollen den das für Codewörter sein ? etwa wir hassen Faschisten Nationasozialisten ? oder ob Rot oder Braun , keinen sollst du trauen ? ganz weit rechts und ganz weit links da stinks ?

  5.   Mel

    Ich weiß ja nicht wo Frei.Wild ein Weltbild verbreitet, dass Vorurteile, Vereinfachung und Abgrenzungen befördert, aber OK. Nur gut das sich jeder seine eigene Meinung bilden kann und darf! Was ich nicht in Ordnung finde, nur weil ein “Fan” so ein scheiß verzapft, dass die anderen FANS auch alle so sein sollen nach Meinung der Grünenabgeordneten. Ich glaube ein paar Idioten gibt es als Anhänger bei jeder Band, nur komisch das darüber nie berichtet wird, immer nur im Zusammenhang mit Frei.Wild. Ich kann ganz getrost sagen ICH höre die Band und das gern und bin deswegen noch lange kein NAZI! Die Band hat sich glaube oft genug davon distanziert und besingt dies, nur leider muss man ja was zu schreiben haben!!!!!

  6.   Frei.Wild-Hörer

    Ich denke eher man sollte mal anfangen sich mit den Grünen genauer zu beschäftigen und diese ernst nehmen. Ich glaube die Grünen scheinen ein Problem mit der Meinungsfreiheit und der Kunstfreiheit zu haben. Denn wenn die Texte der Band nicht mal das Kriterium “jugendgefährdend” erfüllen, was soll dann hier thematisiert werden?

    Es ist schon etwas seltsam, wenn Volksverteter sich dafür einsetzen Kunstaufführungen zu verhindern, wenn keinerlei Stafttatbestand vorliegt und nur die politische Meinung von denen der Volksverteter abweicht. Daher ist das Beispiel mit der Schubserei auf den Grünen-Politiker fragwürdig gewält, denn es handelt sich um die klassische Täter-Opfer-Umkehrung, nur mit dem Zusatz, dass es hier gleichzeitig um einen Mileukampf unten gegen oben handelt, bei dem die Obrigkeit den Untertanen die Kunstressourcen abdrehen wollen. Kein Wunder, dass die Personen mit weniger Macht versuchen den Konflikt mit Gewalt zu lösen. Ingesamt scheint die Argumentation auf staatliche Zensur hinauszulaufen.


  7. Okay. Also. Die NPD versuchte sich zu inszenieren und bekam es mit zahlreichen Fans zu tun, die sich dagegenstellten. Und ein profilierender Politiker der Grünen bekam angeblich von einem von hunderttausenden an Fans Gewalt angedroht. Was schlägt die Autorin nun vor? Auf den Index mit der Band?

  8.   Medley

    @Clara Herrmann

    “Gerade für Jugendliche sind – Gewalt anregende Texte gefährlich.”

    Stimmt! Da gebe ich Ihnen absolut recht. Trotzdem hätte ich da eine Frage: Kürzlich sah ich im Internet eine Abbildung von einer Demonstration der sogenannten “AntiFa”, also ein Bild von einer öffentliche Kundgebung von Leuten, die im antagonistischen Sinne genau das Gegenteil der “Fa”, also der Rechtsradikalen, die sie bekämpfen, sein wollen. Und dort war auf dem Photo ein riesiges Spruchband zusammen mit einer geballten Faust zu sehen, auf dem stand: “NAZIS EINS AUF’S MAUL!” Nun frage ich Sie, Frau Herrmann, ist so ein “Gewalt anregender Text” (dazu auch noch ausgerechnet von Leuten, die sich selbst auf einer höheren moralischen Stufe sehen, die sich also quasi “als etwas Besseres” betrachten) eigentlich ebenso für Jugendliche gefährlich?

    Vielen Dank für Ihre Antwort,
    Medley

  9.   Tiroler

    Die Gewaltbereitschaft ist bei Frei.Wild-Fans erwiesener Maßen deutlich geringer als bei den Fans aller anderen Rockbands, ein einzelner Dummkopf bestätigt als Ausnahme die Regel. Ob das friedliche Auftreten wohl auch eine perfide Verstellung ist, eine Art geheimer Code, der in Wirklichkeit Bereitschaft zu schlimmsten Gewaltexzessen verbirgt? Die dauernden Aufrufe und die Liedtexte gegen Faschismus und Nationalsozialismus scheinen ja auch geheime Codes zu sein, und zwar so geheim, dass die Fans das gar nicht merken und es sogar noch Ernst nehmen. Das muss entschlüsselt werden – aber warum eigentlich?

  10.   Riccardo Stüber

    Ich fasse es langsam nicht mehr, welch Unsinn im Netz verbreitet wird… Und das von den Grünen, die ich lange geschätzt und gewählt habe. Wer sowas von sich gibt gräbt nicht nur an den Grundmauern der Demokratie und Meinungsfreiheit, sondern hat sich auch schlichtweg nur oberflächlich mit dem Thema befasst. Oder möchte sich wichtig machen und nimmts mit den Tatsachen deshalb nicht so genau… Ich bin übrigens Frei.wild – Fan und stehe politisch links.