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Rechtsextreme randalieren bei Pegida Demonstration in Köln

 
Böller, Flaschen, Hassparolen - Pegida-Aufmarsch in Köln © Danny Marx
Böller, Flaschen, Hassparolen – Pegida-Aufmarsch in Köln © Danny Marx

“Pegida schützt” – unter dieser Parole lud die rassistische Pegida NRW nach Köln zu einer Demonstration am 09.01 ein. Anlass waren die Ereignisse an Silvester am selbigem Ort. In der Silvester Nacht war es zu massiven sexuellen Übergriffen und anderen Straftaten gekommen. Die Demonstration von Pegida NRW endete in heftigen Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen Hooligans und der Polizei.

Es ist 12 Uhr. Breslauer Platz. Auf der einen Seite steht bereits ein Lautsprecherwagen. Hunderte Menschen strömten auf den Platz. Antifaschisten sammelten sich um solidarisch gegen Sexismus, Rassismus und Pegida NRW zu demonstrieren. Auf der anderen Seite des Bahnhofes, direkt vorm Kölner Dom fand ein Flashmob statt. Überwiegend Frauen standen da und setzen ein Zeichen gegen Sexismus und rassistische Hetze. Auch sie schlossen sich später den antifaschistischen Gruppen auf dem Breslauer Platz an. Natürlich war auch die Polizei vor Ort. Sie zäunte die komplette Gegenkundgebung ein und schuf mit Hilfe von Gittern ein Schleusensystem für Teilnehmer der Pegida NRW Demonstration. Diese fand nämlich am anderen Ende des Breslauer Platzes statt. Nicht eingezäunt. Erst sollte es eine Kundgebung geben, dann eine Demonstration auf der sogenannten “HoGeSa”-Route.

Lautstarker und friedlicher Protest gegen Rassismus und Sexismus © Danny Marx
Lautstarker und friedlicher Protest gegen Rassismus und Sexismus © Danny Marx

Am Schleusungspunkt gingen die Geschehnisse zum Großteil zunächst entspannt über die Bühne. Viele Pressevertreter hielten sich dort auf und versuchten Interviews zu führen. Dennoch gab es bereits dort dann doch den ersten versuchten Übergriff auf Journalist. Die Polizei schritt jedoch schnell ein und konnte schlimmeres zunächst noch verhindern. Die Stimmung kippte allerdings bereits das erste Mal an diesem Schleusungspunkt als rund 300 bis 400 Hooligans gleichzeitig den Kölner Hbf erreichten. Sie alle kamen mit dem Regionalzug, der quer durchs Ruhrgebiet fuhr. In der Gruppe befand sich ein Großteil der Neonazi-Szene NRWs. Die Rechte Dortmund, NPD, rechte “HoGeSa”-Hools, und Neonazis aus der Kameradschaftsszene. Doch auch Bremer und Hamburger Neonazis waren unter ihnen. Sogar Thomas „Steiner“ Wulff war gekommen. Dieser war später dabei zu beobachten wie er immer wieder mit Michael Diendorf, Organisator von Pegida NRW und Dauer-Redner, in Gespräche verwickelt war. Man scheint sich also zu kennen.

Gewaltbereite rechtsextreme Hooligans © Danny Marx
Gewaltbereite rechtsextreme Hooligans © Danny Marx

Diese große Gruppe Hools belagerte vollumfänglich den Schleusungsbereich. Reichlich alkoholisiert und stellenweise immer noch mit Bierflaschen bewaffnet pöbelten die Rechten eine Weile lang rum. Die Rednerin auf der antifaschistischen Gegenkundgebung wurde permanent sexistisch beleidigt. Der erste Böller explodiert. Die Polizei versucht daraufhin diesen Bereich frei zu machen. Aus der “Schleuse” wurde ein Durchgang. Kontrolliert wurde fast niemand. Bereits jetzt zeichnete sich eine erste Tendenz für den weiteren Verlauf des Tages an.

Auf der Kundgebung selbst galt Narrenfreiheit für die rechtsextremen Hooligans. Während auf der Bühne die bekannten Redner hetzten, tranken die selbsternannten Hooligans ihr Bier am nächsten Kiosk. Das Verbot von Glasflaschen und Alkohol wurde von Anfang bis Ende konsequent missachtet. Die Polizei schritt nicht ein. In einer der Nebenstraßen gab es einen versuchten Angriff von Neonazis auf Linke. Die Polizei beschränkte ihr Konzept allerdings zum Großteil darauf, einfach die Antifaschisten auf dem Breslauer Platz einzukesseln. So hatten die Rechtsextremen die Möglichkeit sich völlig frei zu bewegen.

Straftaten unter den Augen der Polizei © Danny Marx
Straftaten unter den Augen der Polizei © Danny Marx

Die Eskalation war vorprogrammiert. Auf der Demonstration liefen die Hooligans vorne weg. Das Pegida Orga-Team hatte Probleme überhaupt mit ihrem Banner nach vorne zukommen. Die Ordner waren eher Dekoration oder selbst “mittendrin”. Bereits nach einigen Metern mussten die ersten Beiden das Weite suchen und aus der Demonstration gezogen werden. Immer wieder flogen Flaschen und Böller. Einige Teilnehmer waren vermummt. Ständig waren Hitlergrüße zu sehen. Die Polizei stoppte immer wieder die Demonstration.

Vor allem aggressive Männer waren gekommen © Danny Marx
Vor allem aggressive Männer waren gekommen © Danny Marx

Am Rande der Route gab es dann den mutigsten Protest des Tages zu sehen: Vier Mädchen standen da und hielten ihr Schild hoch: “Köln gegen Rechts”. Als einige Hooligans sie entdeckten, riefen sie den Mädchen sexistischen Beleidigunge zu. Unter den Augen und Ohren der Polizei.

Mutiger Protest am Rande der Route © Danny Marx
Mutiger Protest am Rande der Route © Danny Marx

Nach 500 Metern war dann endgültig Schluss. Weiterhin flogen immer wieder Flaschen und Böller. In den ersten Reihen kam es zu handfesten Auseinandersetzung mit der Polizei. Die hielt die Masse in Schach und brachte derweil einen Wasserwerfer in Stellung. Das dauert etwas, schließlich stand der ziemlich weit weg, nämlich beim Gegenprotest.

Die aufgelöste Pegida Demonstration sollte zurück zum Hauptbahnhof laufen und die Teilnehmer nach Hause fahren. Die Polizei musste mehrfach den Wasserwerfer einsetzen und versuchte die Masse zurück zu treiben. Es kam teils zu heftigen Auseinandersetzungen, weiteren Flaschen- und Böllerwürfen und einigen Festnahmen.

Wasserwerfer gegen rechtsextreme Randalierer © Danny Marx
Wasserwerfer gegen rechtsextreme Randalierer © Danny Marx

Trotz der offiziellen Auflösung der Polizei konnte Pegida NRW noch ihre Kundgebung zu Ende führen. Dominik Horst Roeseler hielt eine Rede und Organisator Michael Diendorf sprach gar von einem “geplanten Ende”. Im Anschluss wurde die Nationalhymne gesungen. Später ging es im Hauptbahnhof wieder in den In-Fight mit der Polizei. Auch dort kam es teils zu Auseinandersetzungen.

Der rechtsextreme Mob © Danny Marx
Der rechtsextreme Mob © Danny Marx

Die Polizei vermeldete im Nachgang 15 Festnahmen. Das ist gerade überraschend, wenn man sich die hohe Zahl von Straftaten anschaut. Es wäre ein leichtes Gewesen den vorderen Teil der Demonstration zu kesseln und alle erkennungsdienstlich zu behandeln. Stundenlang konnten sich die Rechten an dem Kiosk betrinken. Pegida NRW suchte an diesem Tag die bewusste Provokation. Inhaltlich war es Rassismus pur, Sexismus war omnipräsent und die Frage des Tages lautete: Warum reagiert die Polizei Köln nicht konsequent?

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