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Verwirrung um die Allgidas

 
„Allgida“-Demonstranten in Obergünzburg

„Allgida“ ist bereits nach einer Aktion gescheitert, „Allgida Kempten“ hat es dagegen nichteinmal so weit geschafft. Hat der Verfassungsschutz gar nicht gemerkt, dass es zwei Pegida-Ableger im Allgäu gab?

Der Allgäuer Pegida-Ableger „Allgida verschwindet in der Versenkung“. Das berichtet die Augsburger Allgemeine Ende Februar online. Die extrem rechte Gruppierung sei vor über einem Jahr mit einer Demonstration in Obergünzburg im Ostallgäu in die Schlagzeilen geraten. Damals gelang es den Rechten, 150 Personen unangemeldet in die Martkgemeinde zu mobilisieren. Zwei Teilnehmer hätten sich inzwischen vor Gericht verantworten müssen. Einer davon wurde freigesprochen, der andere ist laut Gericht mit einem Stock bewaffnet zum Aufmarsch erschienen. Er wurde verurteilt und hat dagegen Berufung eingelegt. Zum Teil waren die Teilnehmer vermummt und zeigten den Hitlergruß. In den folgenden Wochen habe die die „Protestgruppe“ immer wieder Demonstrationen angekündigt, „die jedoch nicht stattfanden.“

Die „zentrale Figur“ von „Allgida Kempten“ posiert mit Schlagring ©Screenshot

Seit Mai 2016 beobachte der Verfassungsschutz die Gruppe, heißt es weiter bei der Augsburger Allgemeinen. „Seit über einem halben Jahr ist Allgida nicht mehr aktiv geworden“, sagte der Sprecher des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz Markus Schäfert der Zeitung. Das Amt sehe in der „schillernden Persönlichkeit“ Michael Kleemann die „zentrale Figur“ des Zusammenhangs. Kleemann habe sich aber zurück gezogen. Laut Augsburger Allgemeinen zeige die Beobachtung durch den Verfassungsschutz Wirkung.

Alles das Selbe?

Die Augsburger Allgemeine schreibt von „Allgida“ und „Allgida Kempten“, ohne die Begriffe zu differenzieren. Auch das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz tut das offenbar nicht. Dessen Sprecher Markus Schäfert bestätigte dem Störungsmelder telefonisch. man beobachte den Zusammenhang um Michael Kleemann, also „Allgida Kempten“.

Auf die Frage, ob Erkenntnisse vorlägen, nach denen es sich bei „Allgida“ und „Allgida Kempten“ um die selbe Gruppe handele, wurde das Gespräch abgebrochen und um schriftliche Klärung gebeten, woran die Existenz zweier Gruppen festzumachen sei. Tatsächlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Gruppen. Zwar sind beide derzeit inaktiv. Sie wurden aber aus unterschiedlichen Zusammenhängen bedient.

Nach einiger Wartezeit antwortete Schäfert: „Im Rahmen der Beobachtung von Allgida Kempten schauen wir uns selbstverständlich auch das Umfeld an, soweit dort extremistische Bestrebungen erkennbar sind – unabhängig davon, ob hinter „Allgida“ die Ortsmarke Kempten steht oder nicht.“ Generell beobachte das Amt auch Einzelpersonen, „die extremistische Bestrebungen verfolgen, unabhängig davon, in welchen Gruppenzusammenhängen sie auftreten.“

Memmingen, 12.1.16: eingeschlagene Autoscheiben ©S. Lipp
Memmingen, 12.1.16: eingeschlagene Autoscheibe ©S. Lipp

Interessant ist im Falle der „Allgida ohne Ortsmarke“ genau das. Unter der der Teilnehmerschaft der Versammmlung im Februar 2016 in Obergünzburg befanden sich immerhin Anhänger der NPD und der Neonazikameradschaft „Voice of Anger“. In diesem Zusammenhang sind Teile der Demonstrationsteilnehmer aus Obergünzburg weiter aktiv. Erst vor einigen Wochen verfolgten Neonazis aus diesem einen Journalisten in Memmingen zu seinem Auto, wenige Wochen später wurden Scheiben des PKWs eingeschlagen.