‹ Alle Einträge

Hitlergrüße und Sieg Heil-Rufe vor den Augen der Polizei

 

Nur wenige Straftaten, die alle konsequent geahndet wurden, so lautete die Bilanz der Polizei zum größten Nazi-Konzert der vergangenen zehn Jahre in Themar (Thüringen). Doch jetzt tauchte ein Video im Netz auf, das Hunderte der 6.000 Rechtsextremen vor der Bühne zeigt, wie sie „Sieg Heil“ rufen und den verbotenen Hitlergruß zeigen. Politiker fordern Konsequenzen.

Das Gelände war mit 6.000 Rechtsextremen völlig überfüllt Foto: Jonas Miller

„Die dargestellten Geschehnisse im Zelt waren uns bisher nicht bekannt. Wir haben bereits Ermittlungen eingeleitet und werden diesen Straftaten entschlossen nachgehen“, hieß es am Montag von der Polizei Thüringen. Journalisten und Polizei konnten das Gelände während des Konzerts aus Sicherheitsgründen nicht betreten. Die Filmaufnahmen wurden aus weiter Entfernung über den Zaun hinweg gedreht. Die Polizei bittet inzwischen auf Facebook den Kameramann die Aufnahmen zur Verfügung zu stellen.

Foto: Lukas Beyer

Derweil feiert die militante Neonazi-Szene den Tag als „großen Erfolg für die Bewegung“. Mit der Polizei habe es eine gute Zusammenarbeit und keinerlei Probleme gegeben. Das Konzert, das unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit angemeldet worden war, hat auch viel Geld in die Kassen der Szene gespült. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow geht von bis zu 400.000 Euro Umsatz aus.

„Noch höher ist die immaterielle, die soziale Bedeutung von Konzerten. Dabei wird der Neonazismus für so manchen überhaupt erst als Szene erfahrbar“, sagt Rechtsextremismus-Forscher Christoph Schulze vom Moses Mendelsohn Zentrum Potsdam. „Die extremen Botschaften der Songs erscheinen als Gewissheiten, wenn der Refrain von tausenden mitgesungen wird. Rechtsrockkonzerte haben eine stabilisierende Wirkung auf den örtlichen Neonazismus.“

Die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) hat das Konzert vor Ort beobachtet: „Angesichts der zahlreichen Hitler-Grüße und ‚Sieg Heil‘ Rufe beim Rechtsrock-Konzert in Themar müssen dringend Konsequenzen gezogen werden, um für die Zukunft derartige Machtdemonstrationen von Neonazis zu unterbinden oder zumindest zu beschränken“, fordert sie. Klare Auflagenbescheide, wie beispielsweise eine Abschirmung der Veranstaltung gegen Polizei und Presse zu untersagen, seien rechtlich möglich, müssten nur durchgesetzt werden. „Darüber hinaus stellt sich die Frage, wieso es kein eigenes, beweiskräftiges

Foto: Lukas Beyer

Dokumentationsmaterial der Polizei gibt“, betont die Politikerin gegenüber dem Störungsmelder. Angesichts diverser Straftaten der Neonazis – bereits vor den Hitler-Grüßen – wäre dies vom Versammlungsrecht gedeckt gewesen. Sie verweist auf den Koalitionsvertrag in Thüringen, in dem ein „konsequentes Vorgehen gegen rechtsextrem Organisationen“ vereinbart wurde.

Madeleine Henfling, die für die Grünen im Thüringer Landtag sitzt, sagte dem Störungsmelder am Montag: „Wir brauchen eine Klärung, ob es sich bei der Form von Rechtsrockkonzerten tatsächlich um Versammlungen handelt. Ich bin der Überzeugung – gerade bei Eintritt – sind es keine Versammlungen. Wäre es eine Vergnügung hätte die Polizei deutlich mehr Eingriffsrechte und könnte deutlich stärker eingreifen.“ Auch die Frage wohin die Einnahmen fließen und ob sie korrekt versteuert werden, sei zu klären. „Ich bin der Überzeugung, dass es sich bei dem Geld, anders als vom Veranstalter behauptet, nicht um Spenden, sondern um normale Eintrittsgelder handelt.“

Das nächste Rechtsrock-Konzert in Thüringen ist bereits für den 29. Juli angekündigt.

82 Kommentare


  1. […] beim „Rock gegen Überfremdung“ auf der Bühne. Das Konzert sorgte für Aufsehen, weil dort Hunderte Neonazis vor der Bühne Hitlergrüße zeigten und „Sieg Heil“ riefen. if ( typeof AdController !== 'undefined' && !window.Zeit.isMobileView() ) { if( ! […]

  2.   WLM

    An „Reflexbann“!
    Das liegt daran, dass in FF.a.M. im Jahr 2016 bereits jeder zweite einen Migrationshintergrund hatte. Das wurde Mitte 2015 verkündet als noch niemand mit dem folgenden Einwanderungsdisaster gerechnet hat. Vermutlich sind es nun weit weniger als die Hälfte der dort Lebenden die deutsch von Geburt an sind. +Die Innergesellschaftliche Bindung hat in den letzten Jahren, frei nach „teile und herrsche“, gelitten, und das alles zusammengefasst führt dazu, dass es kaum Rechtsextremismus gibt.

  3.   Dr.Gott

    Ich verstehe die Freigabe solcher Events nicht. Schlagen Sie mal § 86a StGB auf – darunter fallen auch Hitlergrüsse und der „Sieg Heil“-Slogan. Es gilt hierbei ein unmittelbares Verbot auszusprechen, stattdessen erlaubt die Gemeinde jetzt bereits eine Anmeldung fuer 2018. Klar verfassungsfeindlich, antidemokratisch und moralisch erbärmlich wie bankrott.

    Die Vorgehensweise der Polizei ist weitaus erschreckender – es ist Aufgabe der sogenannten Exekutive eines Rechtsstaates um nationalsozialistische, antidemokratische und friedensstörende Bestrebungen zu unterbinden. Man schaut stattdessen zu als wäre nichts los. Viele Kommentatoren hier haben recht: In Hamburg reicht die Vermummung einzelner Individuen als Straftatbestand aus um gesamte Demonstrationszüge mit Gewalt aufzulösen – wenn ein paar Tausend Nazis allerdings dem Führer huldigen und sich offen verfassungsfeindlich und gewaltbereit geben (siehe „Gutmenschen in Angst“ bzw. „Sturm auf Themar“), dann schweigt man und sieht zu.

    Das ist doch ein Armutszeugnis für welches man kaum Worte finden kann.

    Ich hoffe dass viele Leser sich durch dieses Beispiel motivieren lassen, um 2017 doch endlich einmal zur Wahlurne zu gehen. Wir haben 2013 die geringste Wahlbeteiligung seit Gründung der Bundesrepublik verzeichnen müssen (nur 70%). Nazis, Antidemokraten und Rassisten sind in heutigen Tagen wieder gut auf dem Vormarsch – sei es offenkundig und stumpf wie in dem Artikel, oder gut getarnt im Nadelstreifen und unter blau-roten, pseudodemokratischen Parteilogos.

    Wir haben derartige Zustände als Wählerschaft und Basis dieses Staates mitzuverantworten. Zeit um in Aktion zu kommen, es bedarf doch nur zwei simpler Kuli-Striche auf einem Blatt Papier, meine Damen und Herren!

  4.   Geben und nehmen

    Hier sind einige Kommentare die das Nazikonzert loben weil es gewaltfrei war, im Gegensatz zur G20 Demo.

    Vergessen wird leider der Unterschied dass es sich hier um ein Konzert von sich besaufenden Nazis und nicht um eine Demo gehandelt hat. Wen hätten die Nazis dort denn verprügeln sollen? Sich gegenseitig?
    Aber netter Versuch der Braunen hier die Nazidemo als positiv darzustellen nur weil keiner erschlagen wurde.
    Btw Hitlergruß ist immer noch verboten

  5.   nicht deutsch - links

    „das Hunderte der 6.000 Rechtsextremen vor der Bühne zeigt, wie sie „Sieg Heil“ rufen und den verbotenen Hitlergruß zeigen. “

    Auf Sonnenbrillen und Kapuzen hat die Polizei in Hamburg schneller und härter reagiert.

  6.   AN602

    „Ich bin der Überzeugung, dass es sich bei dem Geld, anders als vom Veranstalter behauptet, nicht um Spenden, sondern um normale Eintrittsgelder handelt.“ Der nationale Widerstand hat seit jeher einen ausgeprägten Hang zur Krämerseele. Das verrät seine wahre Natur, ob nun gehörnt oder verkauft.

    Völkerfestaustragungsort auf Lebenszeit, hmm? Armes Thüringen. Frag mich wieviele „Dunkeldeutschland“-Hilfestellungen unter all den Weisheiten zufinden sind. Hat man das Problem endlich dorthin verlagert wo die Menschen ja eigentlich gar keine Probleme haben über welche sie sich beschweren dürften. 5 Sterne im Deutschen Reiseführer. Jetzt haben die ****** wenigstens einen Grund sich zu fürchten.

  7.   Petroliumiz

    Rock gegen links?

  8.   Petrucciation

    Unfassbar, wie hier manche Äpfel mit Birnen vergleichen und solche Auswüchse verharmlosen. Wenn man sowas mit linken Veranstaltungen vergleicht, dann bitte mit allen Karten auf dem Tisch: Oder blieben die Nazis in Heidenau etwa friedlich? Und deren Mordstatistik wird auch stets immer wieder gern im Forum ausgeblendet, was eine deutliche Sprache spricht…

  9.   A.Beta

    Eigentlich traurig, dass dieser Staat nicht Kraft und Abstand hat, über nationalsozialistische Symbolik hinwegzusehen und durch Verbote die Provokation erst ermöglicht.

  10.   Heini Huckeduster

    Sowohl das Justizsystem als auch die Polizei scheinen im östlichen Teil Deutschlands relativ talentfrei zu agieren.