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Münchner Unternehmen stellt CD-Produktion für Neonazi-Label ein

 
Oldschool Records: Sortimentauszug
Neonazi-Label Oldschool Records: Sortimentauszug © Screenshots

Im Rahmen eines RechtsRock-Konzerts war aufgefallen, dass eine Firma aus München CDs für eine Neonazi-Label produziert. Nach einem Hinweis positioniert sich die Firma ausdrücklich gegen rechtsextremes Gedankengut und stellt die Tonträgerproduktion für das Neonazilabel ein.

Vor einigen Wochen war im Kontext eines RechtsRock-Konzertes bekannt geworden, dass die Münchner Firma CUBE medien auch für das Neonazi-Unternehmen Oldschool Records aus Wolfertschwenden im Landkreis Unterallgäu CDs produziert. Dem Unternehmen waren die Inhalte der produzierten Tonträger nicht bekannt. Nach dem Hinweis, für wen hier die Datenträger produziert werden, reagierte CUBE medien umgehend. „In unserer Firmenpolitik ist kein Platz für rechtsradikales Gedankengut, wir sind ein weltoffenes und sozial eingestelltes Unternehmen, das solche Gruppierungen nicht unterstützt“, schrieb Alexander Kühl als Geschäftsführer der CUBE medien in einer E-Mail auf die telefonische Anfrage, ob dem Münchner Unternehmen bewusst sei, dass sie CDs für das Neonazi-Label Oldschool Records produzieren.

In der Stellungnahme von letzter Woche heißt es weiter, dass „die Inhalte der CD-Produktionen von uns natürlich nicht im Detail auf Liedtexte etc. geprüft werden können.“ Man habe nicht gewusst, „dass es sich hier um rechtsradikales Gedankengut handelt.“ Nachdem das nun aber bekannt sei, „distanzieren wir uns selbstverständlich von diesen Produkten und werden keine weiteren Produktionen mehr annehmen.“

CUBE medien hat in den letzten zwei Jahren mehrere Produktionen zu je einer Auflage von etwa 1.000 Stück für Oldschool Records hergestellt, bestätigt Kühl auf telefonische Nachfrage des ZEIT ONLINE Störungsmelder am Montag weiter. Aber dass die Produkte, die Oldschool Records produziert, Neonazi-Hetze enthielten, „das hat bei uns keiner auf dem Schirm gehabt“. Hinter dem Label steckt der Neonazi Benjamin Einsiedler, der nicht nur rechtsextreme Musik vertreibt, sondern auch selbst zur Führungsriege der Kameradschaftsszene in Bayern zählt.

Oldschool Records – Tief verstrickt in die Neonazi-Szene

Vor kurzem hat Oldschool Records eine CD zum 15-jährigen Jubiläum der Neonazi-Kameradschaft Voice of Anger mit den Bands Smart Violence und Stonehammer herausgegeben, die als Gratisbeigabe versandt wird. Letztere spielten erst vor vier Wochen auf der 15-Jahrfeier der Neonazis von Voice of Anger. Zwar wurde das Event konspirativ organisiert, dass Neonazi-Watchblog Allgäu ⇏ rechtsaußen veröffentlichte jedoch am Tag vor dem Konzert den intern verbreiteten Flyer und den Schleusungspunkt. Selbst die rund 250 rechtsextremen Konzertbesucher erfuhren erst hier den genauen Veranstaltungsort bei Seibranz in Oberschwaben. Voice of Anger gilt als größte aktive Neonazi-Kameradschaft ihrer Art in Bayern, Benjamin Einsiedler als Führungsfigur.

Ende letzten Jahres verurteilte ihn das Amtsgericht Memmingen wegen Volksverhetzung und dem Verbreiten von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen durch den Vertrieb von Neonazi-CDs. Bis heute ist am Landgericht Memmingen eine Berufung anhängig und das Verfahren somit nicht abgeschlossen. Das Verfahren geht auf eine Anzeige aus dem Jahr 2012 zurück, deren Folge unter anderem Razzien im Jahr 2014 waren. Auch wenn die Augsburger Allgemeine Zeitung damals titelte, die Polizei habe den Neonazi-Versand zerschlagen, gehen die Produktion und der Vertrieb bis heute weiter.

Benjamin Einsiedler mit Rechtsanwalt Alexander Heinig am 8.9.16 vor dem AG Memmingen ©S. Lipp