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Protest gegen „Ein Prozent“-Veranstaltung in Halle

 
Polizisten umstellen den Eingang vom IB-Haus © Henrik Merker

In Halle protestierten Donnerstagabend 100 Nachbarn und Aktivisten der „Kick them out“-Kampagne gegen den „Staatspolitischen Salon“ im Haus der „Identitären“. Vertreter der Crowdfunding-Organisation „Ein Prozent“ sollten über ihr Projekt reden, eigene Betriebsräte bei den nächsten Wahlen aufzustellen. „Ein Prozent“ vermietet das Haus in der Adam-Kuckhoff-Straße 16 an die „Identitären“, mit denen es große personelle Überschneidungen gibt.

Bereits am 25. November des vergangenen Jahres gab „Ein Prozent“ auf der Compact-Konferenz in Leipzig bekannt, dass sie eigene Betriebsräte entsenden wollen. „Ein Prozent“ arbeitet dafür mit der bereits bestehenden rechtslastigen Gewerkschaft „Zentrum Automobil e.V.“ zusammen. Deren Gründer Oliver Hilburger war bis 2009 Gitarrist der Neonazi-Band „Noie Werte“, deren Lieder der NSU in seinem Bekenner-Video benutzte. Hilburger musste wegen seiner Verstrickungen vor dem NSU-Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg aussagen. In den 1990er-Jahren war der spätere Gewerkschaftsgründer maßgeblich am Aufstieg der Neonazi-Vereinigung „Blood & Honour“ beteiligt, die im Jahr 2000 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Seit der Compact-Koferenz in Leipzig ist Oliver Hilburger das Gesicht der „Ein Prozent“-Gewerkschaft-Kampagne für Rechtsextreme.

Rund 100 Menschen protestieren gegen die Veranstaltung

Protest auf allen Seiten – keine Ruhe für die „Identitären“ in Halle © Henrik Merker

„Nazischweine runter vom Campus“-Rufe und basslastige Musik dröhnen über Adam-Kuckhoff-Straße und Steintorcampus der halleschen Universität. 100 Nachbarn der „Identitären“ und Aktivisten der „kick them out“-Kampagne gegen das extrem rechte Hausprojekt haben sich an beiden Seiten der Straße postiert, wollen die Anreise zum Vortrag behindern. Von 18Uhr an protestieren sie – die Rechtsextremen fotografieren vom Fenster aus die Versammlungen, einige stehen vor der Tür und pöbeln. Direkt neben den Rechtsextremen haben sich vermummte Einsatzkräfte positioniert – der gewalttätige Angriff auf zwei Polizisten im Dezember ist nicht vergessen, die Ermittlungen in dem Fall laufen noch.

Wer an dem Vortrag teilnehmen will, muss an den Kundgebungen und der Polizei vorbei. 19Uhr gehen im ersten Stock des Hausprojekts die Lichter an, der Vortrag zur rechtsextremen Gewerkschafts-Kampagne hat wohl begonnen. Gekommen sind höchstens 30 Teilnehmer. Entnervt gehen die restlichen „Identitären“ ins Haus, der massive Widerspruch gegen jede ihrer Veranstaltungen scheint Spuren zu hinterlassen.