Wir müssen reden. Über Nazis.
Autoren Archiv von Johannes Radke

Mordrohungen und private Daten finden sich auf der Webseite des "Nationalen Widerstands Berlin"
Der Berliner Neonazi Sebastian Schmidtke gilt als umtriebigster Multifunktionär der Szene. Er hat beste Verbindungen in die militanten Milieus der Autonomen Nationalisten und ist gleichzeitig Chef des Berliner NPD-Landesverbands. Inzwischen ermittelt die Polizei gegen ihn und zwei weitere Führungskader wegen übler Nachrede, Beleidigung, Volksverhetzung, Aufforderung zu Straftaten und Sachbeschädigung. Sie sollen Fotos und private Informationen von Politikern, Journalisten und alternativen Jugendlichen in “Feindeslisten” im Netz veröffentlicht haben. Jetzt hat das Blog “Berlin rechtsaußen” hat einen lesenswerten Hintergrundartikel zu Schmidtke veröffentlicht.

Spurensuche am Haus der Rechtsterroristen in Zwickau - bis heute bleib vieles unklar © Jan Woitas/dpa
Bald ist es ein halbes Jahr her, dass sich die neonazistische sogenannte “Zwickauer Terrorzelle” Anfang November 2011 selbst enttarnte. Das öffentliche und mediale Entsetzen über die rassistischen Morde war groß, ebenso die Empörung über die skandalöse und undurchsichtige Rolle staatlicher Sicherheits- und Geheimdienste. Das zivilgesellschaftliche Bündnis „Schweigen und Verschweigen – Rassismus, NSU und die Stille im Land“ plant jetzt für den 14. April eine Veranstaltung, um die Untersuchungen kritisch zu begleiten. [weiter...]

Schon seit etlichen Jahren werden immer wieder rechte Online-Versandhäuser gehackt und die Bestelldaten öffentlich gemacht. Lassen sich hieraus relevante Erkenntnisse über die rechte Bewegung in Deutschland gewinnen? Das apabiz hat die Personendaten aus mehreren Onlineversand-Hacks in einer interaktiven Onlinekarte sichtbar gemacht. Es handelt sich um Versandhäuser, die auf Rechtsrock und Szenekleidung sowie Literatur und Utensilien wie Fahnen spezialisiert sind – also auf subkulturelle Artikel. Insgesamt ergab sich eine Liste über 14.000 Bestellungen bei diesen Versandhäusern.
In Westdeutschland gibt es in absoluten Zahlen mehr subkulturell orientierte Rechte als im Osten der Republik. Berücksichtigt man jedoch die Gesamtbevölkerungszahl, ergibt sich ein anderes Bild, denn die Daten werden erst dann interpretierbar, wenn sie auf die Bevölkerungszahlen der Bundesländer umgerechnet werden: Im Osten ist der Anteil von Rechten um ein dreifaches höher als im Westen.

Die betroffenen des Nazi-Überfalls benötigen dringend finanzielle Hilfe © Matthias Zickrow
Erst beschimpften sie ihn, dann prügelten sie auf ihn ein. Ende Februar wurde in Mücheln ein türkischer Imbissbetreiber und seine Lebensgefährtin vor den Augen ihrer siebenjährigen Tochter von Neonazis angegriffen und in Todesangst versetzt. Nach dem Übergriff steht die Kleinfamilie vor den Trümmern ihrer Existenz. Jetzt bittet die Mobile Opferberatung für die Betroffenen um Spenden. [weiter...]

Die Nazi-Szene hat sich in den vergangenen Jahren komplett gewandelt © Roland Geisheimer/attenzione
Medienberichterstattung zur Naziszene gibt es meist, wenn wieder eine besonders schwere Gewalttat, ein Anschlag oder ein rechtsextremer Wahlerfolg das Thema präsent machen. Nicht nur mit dem Störungsmelder versuchen wir deshalb kontinuierlich zu berichten, auch wenn gerade kein spektakulärer Fall bekannt wurde. Es geht um den rechtsextremen Alltag und die gesamtgesellschaftliche Entwicklung.
ZEIT ONLINE zeigt in den kommenden Wochen, wie moderner Rechtsextremismus funktioniert und wo die Grenzen zwischen Demokratie und Rechtsextremismus aufweichen. Wir zeigen, wie “Angst-Räume” entstehen, in denen auch die Zwickauer Terroristen zu ihren brutalen Entschlüssen gelangten. Unsere Serie heißt “Neue deutsche Nazis”, weil die moderne deutsche Neonazi-Szene dynamisch ist. Sie ist vernetzt, vielfältig und einflussreich. Wir sind sicher: Das Problem Rechtsextremismus wird sich nicht von selbst lösen. Jeden Donnertstag erscheint ein neuer Artikel. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf interessante Diskussionen. Hier geht es direkt zur Serienseite.
Die Gamma-Redaktion aus Leipzig hat einen interessanten Hintergrundbericht zu den Verbindungen zwischen NPD und militanter Szene veröffentlicht.
Auszug: Interne Dokumente belegen: Das militante Neonazi-Netzwerk “Freies Netz” ist enger mit der NPD verwoben als gedacht. Doch für die Partei werden die radikalen Aktivisten, die an der “Unsterblichen”-Kampagne mitwirken, zur Last. Durch Austrittsdrohungen spielt das “Freie Netz” nun seine letzten Trümpfe aus, führende Aktivisten treten schon den Rückzug an.

Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt © Wolfgang Kumm/dpa
Noch ist er nicht zum Bundespräsidenten gewählt, doch Joachim Gauck polarisiert schon jetzt. Oder besser: Seine tatsächlichen oder vermeintlichen Aussagen zu Sarrazin, Holocaust und Occupy-Bewegung, teilweise Jahre alt, tun es. Kritiker werfen Gauck einen undifferenzierten Umgang mit Rassismus und der deutschen Geschichte vor. Neurechte Kreise nehmen die Kritik dankend auf und versuchen Gauck als einen der ihren darzustellen. Die umstrittene rechtskonservative Wochenzeitung Junge Freiheit hob Gauck prompt mit der provozierenden Schlagzeile “Wir sind Präsident” auf die Titelseite. Dass Kritiker wie Befürworter sich größtenteils auf Zitatfetzen stürzen und diese völlig unterschiedlich interpretieren, geht dabei unter. [weiter...]

Polizist? Neonazi? Oder beides? © Screenshot
Ein vermummter Mann in Berliner Polizeiuniform, der sich stolz mit Hitlergruß und Schlagstock fotografieren lässt. Diese Aufnahme sorgt seit Dienstagabend für Empörung in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Jetzt prüft der Staatsschutz, ob es sich tatsächlich um einen Polizeibeamten handelt oder lediglich eine alte Uniform für die Nazipose missbraucht wurde. Dem Neonazi, der das Foto veröffentlicht hat, droht zudem ein Verfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. [weiter...]
Die freie Journalistin Andrea Röpke hat einen interessanten Hintergrund-Artikel zur Nazi-Terrorgruppe NSU für den Blick nach Rechts geschrieben. Darin zeigt sie auf, dass die Mörder viel engere Kontakte in die legale Neonaziszene hatten, als bislang angenommen. “Das mutmaßliche Zwickauer Quartett war nicht isoliert. Auch nach dem Abtauchen und seit der Mordserie gab es immer Kontakte ins braune Milieu.” Hier geht es direkt zum Text.

Kein Nazi-Spaß mehr beim Trauern. Die Sitzblockaden machen die Szene ratlos © Getty
Der jährliche Großaufmarsch in Dresden könnte bald endgültig Geschichte sein. Der Fackelmarsch am vergangenen Montag floppte. Ob die Neonazis, wie in den vergangenen Jahren, am kommenden Samstag überhaupt irgendwo aufmarschieren werden, ist fraglich. Jetzt trauert die Szene um ihren letzten Großevent und schiebt sich gegenseitig die Schuld für das Desaster zu. [weiter...]