Klaas Heufer-Umlauf

Ich komme aus Oldenburg, dort war für mich mal ein ganzer Stadtteil tabu. Ausländer gibt es dort kaum und Leute mit linken Ansichten bekommen schnell zu spüren, dass sie in der Minderheit sind. Ich wohnte nicht weit von dort. Da ich als weißer Deutscher durchs Hetzraster fiel, begriff ich erst recht spät, welche Weltanschauung einem da unter die Nase gehalten wurde.

Einige Jungs aber, die ich schon aus Grundschultagen kannte, hatten das Pech, dort zu wohnen. Das Pech, auf den Partys der Älteren ihr erstes Bier trinken zu müssen und auf der Suche nach Vorbildern in ihre engeren Umfeld immer wieder auf dieselbe menschenfeindliche Ideologie zu stoßen. Egal, ob einer früher besonders nett, leise, laut, schüchtern oder clever war – man konnte zusehen, wie sie nicht nur älter, sondern auch rechter wurden.

Meine Freunde und Klassenkameraden waren glücklicherweise weit von dieser Szene entfernt. Dementsprechend ungefährdet war ich mit dreizehn, einem Alter, in dem man sich viel Scheiß erzählen lässt. Wäre ich je auf rechte Gedanken gekommen, meine Eltern hätten mir ruhig und plausibel klar gemacht, was ich da von mir gebe.
Bei vielen heute felsenfest überzeugten Rechtsradikalen wäre es vielleicht nicht so weit gekommen, wenn ihnen mal jemand im richtigen Moment, in einem vernünftigen Ton die Meinung gesagt hätte. Da aber nun leider nicht jeder dieses Glück hat, ist dieses Blog für mich umso wichtiger.

Ich habe mittlerweile einige Übergriffe von Rechtsradikalen auf Ausländer miterlebt. Einmal habe ich erlebt, wie 20 Nazis mit leeren Bierkrügen auf einen einzelnen Mann einschlugen. Ich hoffe, dass wir hier rechte Methoden transparenter machen, für einen toleranteren und respektvolleren Umgang zu werben und allen, die sonst niemanden kennen, ein Forum zu sein.

84 Kommentare

  1.   micha

    Schön, dass Du mitmachst und, dass es diesen Blog gibt. Ich selbst habe nicht wirklich etwas von diesem “Sperrgebiet” mitbekommen, Aber als südländisch aussehender Deutscher schon die ein oder andere Situation erlebt, in der man auch in Oldenburg leichter durchs Leben gehen würde, wenn man “weißer Deutscher” auf die Welt gekommen wäre.

    Gruß

    micha

  2.   Notarzt

    Hallo erstmal. Ich bin neu hier, und habe aufgrund einer Empfehlung einer Freundin zu euch gefunden- und würde mich freuen, mit euch gut diskutieren zu können.

    Zum Thema “No-Go-Areas”- ich halte die Berichterstattung diesbezüglich als politisch neutrale Person für recht einseitig. Gut, es mag Dinge geben, die so vorgekommen sind, und an denen Rechtsextreme Schuld waren.

    Aber dieses unsägliche Wort “No-Go-Area” trifft sehr wohl auch auf gewisse Gebiete in Deutschland zu, in denen andere Gruppierungen das Sagen haben, und wo man als Deutscher nicht gern gesehen wird. Ich selbst habe es in Ausübung meines Berufes des öfteren erlebt, wie sich die integrationsunwilligen Mitbürger eine solche schafften, die auch mit äußerster Gewalt verteidigt wird.

    Leider sind die Zahlen der Rettungseinsätze in den letzten Jahren arg angestiegen, in denen die Gewalt nicht von Rechten, sondern von ganz anderen Gruppen ausging. Kreuzberg, Neukölln und viele, viele Großstadtbezirke spiegeln eine etwas andere Wahrheit wieder, als die häufig beschriebene Nazigewalt.

    Ich bitte, auch dieses in den Überlegungen und Gedankengängen zu beachten, denn die Augen verschließen dürfen wir nicht.

    MfG Notarzt

  3.   Jens

    Hallo, ich bin durch Zufall hier gelandet. Ich muß “Notarzt” recht geben. Gerade auch die Bilder vom Wochenende aus Prag zeigten eine unglaubliche Aggressivität und Brutalität linker Autonomer gegen die demonstrierenden Rechten. Das kann doch von der vernünftigen Linken nicht gewollt sein, dass es zu solchen Gewaltexzessen kommt.

    Gruß Jens

  4.   Ralf Schlesiger

    “Ich gebe Notarzt auch zu 100% Recht” ->

    Augen Auf, den der Grossteil der Gewalt kommt nicht aus dem rechten Lager…


    Aber dieses unsägliche Wort “No-Go-Area” trifft sehr wohl auch auf gewisse Gebiete in Deutschland zu, in denen andere Gruppierungen das Sagen haben, und wo man als Deutscher nicht gern gesehen wird. Ich selbst habe es in Ausübung meines Berufes des öfteren erlebt, wie sich die integrationsunwilligen Mitbürger eine solche schafften, die auch mit äußerster Gewalt verteidigt wird.”


  5. Hi,
    Als gebürtiger Oldenburger würde mich mal interessieren, welcher Stadtteil das sein sollte, denn ich hab da noch nie was von gehört.
    Ich bin zwar auch ein wenig rechtseitig angehaucht, aber nicht auf der extremen Schiene, das ich sag “Alle Ausländer raus…”, sondern ich seh das ganze einfach Sachlich: Die “Einwanderer” die nur herkommen um kriminelle Sachen zu drehen, die Sozialkassen scharmlos ausnutzen und rufen “Scheiß Deutsche”, die sollen doch wieder dahin verbracht werden wo sie herkommen!
    Man muss auch mal die andere Seite sehen aus der Sicht eines Deutschen, der in einem Ausländervirtel (Oldenburg-Bürgerfelde)groß geworden ist, und unter eben dieser “Bevölkerung” gelitten hat… Da kann ich doch einige unserer Freunde mit Glatze verstehen…

    In meinem Freundeskreis befinden sich auch einige Glatzen, die aber nicht wahllos irgendwelche Ausländer verprügeln, sondern eher von Ausländern wegen ihrer äußerlichen Erscheinung angegriffen werden, – und sowas soll “richtig” sein???

    Ich finde einfach das nicht alle “rechten” über einen Kamm geschoren werden sollten, denn nicht alle laufen mit einer Baseballkeule durch Asylantenheime….

    Gruß
    Greyhound

  6.   Taucha

    Nimmt der Verfasser eigentlich auch Stellung zu seinen Aussagen, wenn entsprechende Anfragen hier auftauchen?

  7.   fghj

    [Hallo fghj, das war kein konstruktiver Beitrag. Darum wurde er entfernt //Moderator]

  8.   Notarzt


    [Hallo Notarzt, der Beitrag wurde auf Deinen Wunsch entfernt //Moderator]

  9.   Notarzt

    @ Moderator: Nun, ich bitte dann doch um vollständige Löschung meines Beitrags, die von Ihnen bearbeitet Version hat nun eine völlig andere Aussage als der Ursprungstext.

    Der Verweis auf das Ausländerkriminalitätsthema ist OK, jedoch fand ich meinen Bericht auch für diesen Bereich passend.

    Dass dies hier nicht erwünscht ist, und ein Beitrag sogar so editiert wird, dass die Grundaussage verändert wird, gibt mir sehr zu denken… Ich dachte eigentlich, dass es hier um Diskussionen, und nicht um Meinungsbeeinflussung ginge..

    MfG Notarzt

  10.   solse

    Hallo Greyhound,
    was genau meinst Du mit “rechts”? Konservativ im Sinne von CDU /CSU oder NPD-mäßig?

    Wenn NPD-rechts, wo hört es für Dich dann auf, ok zu sein? Beim Baseballschläger? Das ist jetzt eine ernst gemeinte Frage. Ich frage mich nämlich, wie man sich “ein bisschen” zur NPD hingezogen fühlen kann. Mich törnt eine gewaltbereite Grundeinstellung gegenüber bestimmten Gruppen sofort ab. (So wie bei den “rechten” gegenüber Ausländern beispielsweise.)

    Apropo: Unter Ausländern “gelitten”, wie Du schreibst.
    Kann es sein, dass Du der Grund Deines “Leidens” eher ein bestimmtes soziales Umfeld war, aus dem die Leute kamen, die Dich genervt haben? Wie zB schwierige private, berufliche Situationen, bestimmtes Milieu, etc.?

    Ich frage mich halt, was genau ist passiert, dass es nur Ausländer waren, die Dich genervt haben?

    Wenn Du in einer Gegend gelebt hast, wo es vorwiegend Ausländern gelebt haben, kann es auch daran gelegen haben, dass einfach Dumpfbacken darunter waren – wie es auch Dumpfbacken in Gegenden mit lauter Deutschen “ohne Migrationshintergrund” geben kann.

    Würde mich über eine Antwort freuen.

    VG solse