Wir müssen reden. Über Nazis. Ein Blog

Klaas Heufer-Umlauf

Ich komme aus Oldenburg, dort war für mich mal ein ganzer Stadtteil tabu. Ausländer gibt es dort kaum und Leute mit linken Ansichten bekommen schnell zu spüren, dass sie in der Minderheit sind. Ich wohnte nicht weit von dort. Da ich als weißer Deutscher durchs Hetzraster fiel, begriff ich erst recht spät, welche Weltanschauung einem da unter die Nase gehalten wurde.

Einige Jungs aber, die ich schon aus Grundschultagen kannte, hatten das Pech, dort zu wohnen. Das Pech, auf den Partys der Älteren ihr erstes Bier trinken zu müssen und auf der Suche nach Vorbildern in ihre engeren Umfeld immer wieder auf dieselbe menschenfeindliche Ideologie zu stoßen. Egal, ob einer früher besonders nett, leise, laut, schüchtern oder clever war – man konnte zusehen, wie sie nicht nur älter, sondern auch rechter wurden.

Meine Freunde und Klassenkameraden waren glücklicherweise weit von dieser Szene entfernt. Dementsprechend ungefährdet war ich mit dreizehn, einem Alter, in dem man sich viel Scheiß erzählen lässt. Wäre ich je auf rechte Gedanken gekommen, meine Eltern hätten mir ruhig und plausibel klar gemacht, was ich da von mir gebe.
Bei vielen heute felsenfest überzeugten Rechtsradikalen wäre es vielleicht nicht so weit gekommen, wenn ihnen mal jemand im richtigen Moment, in einem vernünftigen Ton die Meinung gesagt hätte. Da aber nun leider nicht jeder dieses Glück hat, ist dieses Blog für mich umso wichtiger.

Ich habe mittlerweile einige Übergriffe von Rechtsradikalen auf Ausländer miterlebt. Einmal habe ich erlebt, wie 20 Nazis mit leeren Bierkrügen auf einen einzelnen Mann einschlugen. Ich hoffe, dass wir hier rechte Methoden transparenter machen, für einen toleranteren und respektvolleren Umgang zu werben und allen, die sonst niemanden kennen, ein Forum zu sein.

Leser-Kommentare
  1. 81.

    Moin,

    ich lebe jetzt seit fast 40 Jahren als linksgerichteter Mensch in und um Oldenburg (Oldb) – und von Sperrgebieten kann man hier wirklich nicht reden. Eher von einem Kleinstadtidyll – gerade in Bezug auf obiges Thema. Vor allem, wenn man so an andere Städte denkt. Es wäre also schön, wenn der Autor hier mal “Butter bei die Fische” geben würde.

    Gruß,
    Kiesel

    • 22. März 2010 um 21:45 Uhr
    • Kiesel
  2. 82.

    “Die “Einwanderer” die nur herkommen um kriminelle Sachen zu drehen, die Sozialkassen scharmlos ausnutzen und rufen “Scheiß Deutsche”, die sollen doch wieder dahin verbracht werden wo sie herkommen!”

    Zwischen 1955 und 1973 warb Deutschland “Gastarbeiter”an!
    Danach – bis etwa 1985 kamen deren Familien nach Deutschland

    Soll heißen die meisten “Ausländer” sind gar keine Ausländer sondern deren Familien leben seit der 2. oder sogar 3. Generation in Deutschland. Sie sollten also eigentlich Deutsche sein.
    Oder was mach dich zum Deutschen?
    Ich mein man geht immer davon aus das es “Deutsche” und “Ausländer” gäbe dabei kommen alle “Deutschen” aus verschiedenen teilen der Welt. Es geht nur darum sich zu klassifizieren, sich einzuordnen, “du bist das, ich bin das”. Die wenigsten können einen Stammbaum vorzeigen der über 4 Generationen reicht und dann auch noch rein „deutsch“ ist. Kannst du mit Sicherheit sagen das du zu 100% deutscher bist?

    Also wenn du eine Straftat begehst und nicht mehr als sagen wir mal 4 Generation deutscher Familie nachweisen kannst ist das ein verbrechen eines Ausländers – ist natürlich quatsch damit wollte ich nur sagen wo machen wir die grenze bzw. warum überhaupt klassifizieren, eine grenze ziehen?

    Das ist natürlich nur ein Teil von „Ausländern“ den es gibt. Ein weiterer ist der Teil der Asylanten. Asylanten sind nichts anderes als Flüchtlinge. Nach Schätzungen der UN-Organisation ILO (International Labour Organisation) leben in Deutschland mittlerweile eine halbe Million Asylanten. Sie leben für mindestens 36 Monate in Zwangsunterbringung heißt in Wohnheimen (wie die ehemaligen NVA Kaserne in Berlin). Die Betroffenen dürfen das Bundesland nur mit Erlaubnis verlassen (Residenzpflicht) und müssen, wenn sie eine Duldung haben, alle drei bis sechs Monate auf eine Verlängerung der Duldung hoffen.

    Des Weiteren bekommt der Großteil der Asylanten keine Arbeitserlaubnis. Damit soll die Einwanderung von Wirtschaftasylanten verhindert werden.
    Natürlich gibt es soziale Leistungen – max. 224,97 €. Diese geringen Leistungen sind nicht ausreichend für ein menschenwürdiges Leben und verhindern die Teilhabe in vielen Lebensbereichen.

    Also sind diese Menschen unfreiwillig abhängig von sozialen Leistungen könne daran auch nichts ändern da sie nicht arbeiten dürfen.

    Ich will die Kriminalität nicht gut heißen oder schön reden die von Asylanten ausgeht aber ich finde sie ist zu verstehen…

    Um noch mal auf das Zitat zurück zu kommen: Ich will mal behaupten das Niemanden gibt der nach Deutschland kommt weil man hier so toll „kriminelle Sachen zu drehen“ kann den unser Asylrecht ist nicht so Larifari wie manch einer denkt sondern hart wie Kruppstahl.

    • 28. März 2011 um 23:00 Uhr
    • Freitag
  3. 83.

    Also ich komme aus Oldenburg und bin dunkelhäutig und so schlimm ist es hier nicht. Ganz im gegenteil ich habe hier noch nie etwas in der Art zu spüren bekommen.

    • 2. Dezember 2011 um 00:16 Uhr
    • Jallanda
  4. 84.

    Danke für gestern – klares Kante zeigen ggü. Frau Scheel.

    • 30. März 2012 um 22:52 Uhr
    • Jo
  5. Kommentar zum Thema

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